Zusammenbruch der Stromversorgung in Südlibyen / Initiativen zur Überwindung des politischen Stillstands: Strukturierter Dialog, 4plus4-Dialog, Boulos-Plan, Grundsatzpapier, Nationaler Fahrplan / Geheimdienstchefs von Italien, Türkei und Ägypten gegen sich im Osten und Westen die Klinke in die Hand / Zusammenstöße in az-Zawaya halten an / Vor libyscher Küste: Migrantensterben im Mittelmeer / Einsatzzentrum für Migrationsfragen in Tripolis mit libyschen, italienischen, türkischen und katarischen Mitarbeitern startet Testphase / AI kritisiert Pläne der EU, Zusammenarbeit mit libyschen Behörden in Migrationsfragen auszubauen / Parallelregierung in Bengasi verbietet Sudanesen, Eritreern, Äthiopiern und Somalis die Einreise nach Libyen – AI protestiert / Von Boulos ausgehandelter einheitlicher Entwicklungshaushalt wird immer noch nicht umgesetzt / USA bauen Antimon-Schmelzanlage in Bengasi / Gefangenenaustausch zwischen Niamey, Tripolis und Bengasi
Zusammenbruch der Stromversorgung in Südlibyen
+ LibyaPress: Der Süden hat seit mehr als einer Woche keinen Strom, kein Wasser, keinen Treibstoff. Insbesondere ältere Menschen, Kinder und Kranke leiden stark unter dieser Situation.
Keiner der Verantwortlichen unternehme etwas.
+ Achmed Matko (Bürgermeister von Ubari): Ausnahmslos alle Städte im Süden leiden unter ständigen Stromausfällen, ohne dass die General Electric Company eine Lösung aufzeigt.
+ Nasr Amgar (Gemeinde Ghat): In Ghat und den angrenzenden Gebieten al-Awainat, Tahala und al-Barkat sind rund 40.000 Einwohner seit über einer Woche von den Stromausfall betroffen.
+ Die Einwohner von Ghat und Zala appellierten an die zuständigen Behörden, unverzüglich einzugreifen, um die Probleme zu lösen und das Leiden der Bevölkerung zu lindern.
+ Bürger von Ghat: Seit 2011 musste die Gemeinde viele Krise ertragen, von gesperrten Straßen und Überschwemmungen bis zu fehlenden Dienstleistungen.
Es müsse eine Delegation aus Weisen, Scheichs und Einwohnern der Region gebildet werden, die die Verantwortlichen mit den Problemen konfrontiert.
+ Mohammed Ramadan Abdel Fattah (Bürgermeister von al-Awinat): Die Gemeinden al-Awinat, Tahala, Ghat und al-Barkat leiden unter wiederholten Stromausfällen, was gravierende Auswirkungen auf das Leben der Bürger sowie auf die öffentlichen Einrichtungen und Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Wirtschaft hat.
„Wir fordern den Wiederaufbau des Kraftwerks al-Awainat als eines der lebenswichtigen und strategischen Projekte, welches die Stabilität des Stromnetzes verbessern helfen.“ Dies könne in kurzer Zeit und zu geringen Kosten umgesetzt werden.
+ Die aufständische Jugendbewegung (westliche von Tripolis) warnt davor, dass mit Hilfe von eingeschleusten Migranten im südlichen Libyen eine Teilung des Landes durchgesetzt werden soll.
Es gebe separatistischen Pläne, eine Polisario–Front im Südosten, Süden und Südwesten Libyens zu schaffen. Es seien Krisen inszeniert worden, wie zuletzt die Zerstörung von Strommasten zwischen Ubari und Ghat.
+ LibyaPress: Im Süden Libyens fehlt das Serum gegen Skorpionstiche.
Saif al-Islam / Dschamahiriya
+ Fathi Bashaga (abgesetzte Vorsitzender der Bengasi-Parallelregierung): Gaddafi begann bereits 1980 mit der Zwangsrekrutierung zum Aufbau einer starken Armee. Es wurden Militärabkommen mit mehreren Ländern geschlossen, um diese Armee zu bewaffnen.
Gaddafi glaubte an den arabischen Nationalismus und erlaubte allen arabischen Nationalitäten, sich den libyschen Militärakademien anzuschließen. In der Luftwaffenakademie in Misrata wurden Teilnehmer aus Tunesien, Libanon und Palästina ausgebildet, zusätzlich zu afrikanischen Stipendiaten.
Es gab keine Stammescliquen innerhalb der libyschen Armee; dessen strengem Regiment mussten sich alle unterwerfen.
Niemand wurde belästigt, solange er sich nicht einer Gruppe anschloss, die das Regime stürzen wollte, oder der einer verbotenen religiösen Organisation wie den Muslimbrüdern beitrat.
Die Libyer sehnen sich wegen der schlechten heutigen Lage in Bezug auf Sicherheit, Wirtschaft und Lebensbedingungen nach den alten Zeiten zurück. Vergleiche man damals mit heute, so werde die Gaddafi-Zeit zweifellos bevorzugt. Niemand konnte sich des Öls bemächtigen, der Lebensunterhalt aller war gesichert, die Sicherheitslage war sehr gut und das Justizsystem funktionierte.
„Damals habe ich nicht mit einer Revolution in Libyen gerechnet, denn die Lage wurde besser, es gab Reformen und Entwicklung. Es herrschte keine Korruption wie heute. Die Sanktionen gegen das Landes waren aufgehoben. Den Bürgern ging es immer besser.“
+ Salwa al-Maqasbi (Künstlerin): In der Gaddafi-Ära genossen Kunst und Künstler Freiheit. Es gab keine Verbote oder Ausgrenzungen so wie es derzeit der Fall ist.
Theaterstücke mit unterschiedlichen Ausrichtungen, die auch Kritik am Regime äußerten, wurden aufgeführt. Eine Zensur, wie sie derzeit stattfindet, hat es im Verlauf der libyschen Geschichte noch nie gegeben.
+ Yahia Abu Zakaria (algerischer Gelehrter): Katar hat die Weltvereinigung muslimischer Gelehrter unter dem Vorsitz von Yusuf al-Garadawi gegründet. Dieser erließ eine Fatwa, in der zum Mord an Muammar al-Gaddafi aufgerufen wurde: „Wer ihn tötet, dem wird eine Belohnung zuteil“. Er rechtfertigte damit den Einmarsch der Nato in Libyen.
Politische Initiativen für Libyen
+ GelaNews: Seit einiger Zeit gibt es ein Verwirrspiel um verschiedene Pläne und Initiativen zur Überwindung des politischen Stillstands und der Spaltung des Landes und seiner Institutionen. Es soll eine Roadmap, die den Weg zu Wahlen ebnet, gefunden werden. Genannt seien hier die von der UN-Mission ins Leben gerufenen Initiativen Mini-Dialog 4plus4 und Strukturierter Dialog sowie der von Massad Boulos, Gesandter des us-amerikanischen Präsidenten Trump, ins Spiel gebrachte Boulos-Plan. Daneben existiert ein gemeinsames Grundsatzpapier zu einer Roadmap, vorgestellt von den bisher zutiefst zerstrittenen libyschen Gremien Parlament, Staatsrat und Präsidialrat, sowie seit neuestem ein Nationaler Fahrplan von einem sogenannten Libyschen Gründungsrat.
+ Hannah Tetteh informierte darüber, dass sie mit dem libyschen Generalstaatsanwalt zusammentraf. Dieser führe derzeit Konsultationen über die Namen der Kandidaten für den Vorsitz der Wahlkommission durch.
Es sei der Mini-Dialog 4plus4 einberufen worden, um die Bildung des Rates der Wahlkommission – welche dem Parlament und dem Staatsrat obliegt – zu erreichen.
+ AgenziaNova: Libyen wurde wieder zum Brennpunkt regionaler und internationaler Geheimdienstaktivitäten. Am 23. Juni beteiligten sich italienische, türkische und ägyptische Geheimdienste an einer präzise koordinierten Operation in Libyen.
Innerhalb weniger Tage empfing Dabaiba den Leiter des ägyptischen sowie des italienischen Geheimdiensts, Hassan Rashad und Giovanni Caravelli. Zur gleichen Zeit besuchte der Leiter des türkischen Geheimdiensts, Ibrahim Kalin, Bengasi und begab sich dann nach Tripolis, um Abdul Salam Zubi zu treffen.
Der italienische Geheimdienstchef überbrachte Dabaiba eine Botschaft der italienischen Premierministerin Giorgia Meloni, die ihre Bereitschaft bekräftigt, die Koordination und Zusammenarbeit mit Libyen fortzusetzen. An dem Treffen nahmen auch Zubi, Walid al Lafi (Kommunikationsminister) und Ibrahim Dabaiba (Neffe von Abdul Hamid Dabaiba) teil.
Dies erfolgte zu einem Zeitpunkt, in dem Ägypten und die Türkei ihre Strategien neu bewerten.
Seit fünf Jahren hatte kein ägyptischer Geheimdienstchef mehr Tripolis besucht. Ägypten, das enge Beziehungen mit dem östlichen Libyen pflegt, habe nun direkte Kommunikationskanäle mit Tripolis reaktiviert, ohne seine Beziehungen zu Bengasi abzubrechen.
Die Türkei sei der wichtigste Militärunterstützer von Tripolis, intensivierte aber seit einiger Zeit auch seine Kontakte zu Bengasi.
Es gebe durch den us-amerikanischen Boulos-Plan und die UN-Roadmap einen breiteren Kontext. Probleme blieben aber weiter ungelöst, so wie die Spannungen in Tripolis aufgrund rivalisierender Milizen, die Kontrolle der südlichen Grenzen, die Beziehungen zu den Sahel-Staaten, die Bewältigung von Migrationsströmen, die Frage der ausländischen Inhaftierten – zwei italienische und zwei türkische Teilnehmer der Sumud-Flotille sitzen in Bengasi ein – und der Einfluss der Milizen innerhalb der Institutionen.
Militär/Milizen/Gewalt
+ LibyaPress: Es kam zu Kämpfen zwischen Mitgliedern der Miliz von Mohammed Bahrun als diese gegen eine Farm in az-Zawiya vorgingen, in der sich Bewaffnete aufhielten. Auslöser war der Tod eines Mitglieds der Bahrun-Miliz namens al-Mahruq durch Schüsse. Ein afrikanischer Arbeiter war durch verirrte Schüsse getötet worden.
+ LibyaPress: Am 19. Juni kam es in az-Zawiya zu Gefechten mit schweren Waffen. Mitglieder der Miliz von Achmed al-Marabet positionierten sich an mehreren Knotenpunkten.
Außerdem erfolgten bewaffnete Zusammenstößen zwischen der az-Zaitat-Miliz und der Hassan-Aweis-Miliz.
+ Die Revolutionäre von Tadschura forderten am 23. Juni den sofortigen Rückzug der Joint Opperation Truppe aus dem Hauptquartier des Ausbildungsinstituts für Innere Sicherheit Asch as-Saqr in der Stadt al-Chums, nachdem diese das Gelände militärisch besetzt hat, und drohen mit einer Eskalation.
Dieses Hauptquartier unterstehe der regulären Polizei und habe nichts mit politischen oder militärischen Auseinandersetzungen zu tun. Sollte der Rückzug nicht erfolgen, werde die Situation eskalieren.
+ Im Gebiet von Gasr al-Akhiyar erfolgten zeitgleich bewaffnete Aufmärsche des 112. Infanteriebataillons, das der Joint Opperation Truppe angehört.
Imad at-Trabelsi (Innenminister Dabaiba-‚Regierung‘) hatte der Joint Opperation Truppe die Nutzung des Hauptquartiers des Ausbildungsinstituts in al-Chums genehmigt.
+ Der Justizausschuss berichtete von der Verschleppung von sieben Zivilisten am 11. Juni 2026 in der Nähe des Grenzübergangs Ras Adschdir aufgrund ihrer regionalen Zugehörigkeit zu Misrata. Sie waren auf dem Rückweg von Tunesien.
Der an Krebs erkrankte Othman Abubakar Salama war zur Behandlung in Tunis gewesen und befand sich in Begleitung seines Sohnes, bevor auch diese Beiden spurlos verschwanden.
Der Vorfall scheint in Zusammenhang mit vorangegangenen Spannungen durch die Festnahme von Personen aus der Stadt Zuwara zu stehen.
+ Nationale Institution für Menschenrechte: Am 21. Juni wurde Narmin asch-Scharif, Präsidentin des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes, in Bengasi durch die Strafverfolgungsbehörde aufgrund einer Beschwerde von Agila Saleh verhaftet. Asch-Scharif hatte Agila Saleh auf Facebook kritisiert.
+ Nationale Institution für Menschenrechte: Abdul Karim Mohammed Misbah Abu Giradeh war im Oktober 2024 von Mitgliedern der Sicherheitsdirektion Bengasi verschleppt worden, nachdem seine Wohnung zerstört, Geld gestohlen und seine Familie beschimpft und attackiert worden war.
Abu Giradeh leide an Krebs. Es wird seine sofortige Freilassung gefordert.
+ Nationale Institution für Menschenrechte forderte erneut Aufklärung über den Verbleib von Ibrahim ad-Darsi und Suhama Sergiwa. Außerdem forderte sie Informationen über die Opfer von außergerichtlichen Tötungen, über den Mord an der Anwältin Hanan al-Barasi, über die Tötung von Siradsch Dughman sowie von Machmud al-Werfalli und Mohammed al-Kani.
+ Nationale Institution für Menschenrechte: Abu Bakr Mohammed Abd al-Latif al-Darwisch wurde am 24. Juli 2021 in seinem Haus von Mitgliedern vom sogenannten as-Salaa–Bataillon (Kommando Othman al-Lahab) ohne rechtliche Grundlage festgenommen.
Es wird die Aufklärung über seinen Verbleib und seine sofortige Freilassung gefordert.
+ Die Organisation zur Überwachung von Straftaten forderte die Behörden im Osten und Westen Libyens anlässlich des Internationalen Tages gegen Hassrede auf, Äußerungen zu unterlassen, die Diskriminierung oder Gewalt rechtfertigen. Diese Äußerungen richteten sich insbesondere gegen die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen.
+ Fathi Baschagha: Die Milizen in Libyen haben sich weiterentwickelt und besitzen Milliarden; sie haben Anteile an Banken oder sind Besitzer von Kreditinstuten, was ihre Bekämpfung schwierig macht.
Sie haben sich Ölkonzessionen und einige der exportfähigen libyschen Ressourcen angeeignet. Es entstanden riesige Finanznetzwerke, deren Interessen sich politisch oft überschneiden, da sie ein gemeinsames Interesse an der Plünderung der Reichtümer Libyens haben.
Die politischen Entscheidungen lägen nicht in den Händen der Libyer, sondern in denen einflussreicher internationaler Akteure wie den USA, die alle ihr eigenes Interessen über das von Libyen stellen.
Die aktuellen politischen Eliten hätten im Ausland gelebt, bevor sie nach Libyen zurückkehrten, um sich zu bereichern.
+ Machmud al-Masrati (Journalist): Abdul Madschi Maligata, Geschäftsführer des Unternehmens BP für öffentlich-private Partnerschaften, steht kurz davor, Chef des Geheimdienstes zu werden.
Der jetzige Chef Hussein al-Aib und der Finanzdirektor des Geheimdienstes, Khaled Tubasch, stünden unter Korruptionsverdacht.
+ Yusuf al-Farsi (Partei Libya al-Karama) befürchtet, dass der Transfer von Drohnentechnologie an bewaffnete Gruppen in Libyen bereits Realität ist.
Dies sei darauf zurückzuführen, dass Drohnen auf den Weltmärkten leicht erhältlich und die Kosten für ihre Herstellung oder Umrüstung gering sind.
Die Gefahr werde durch die Schwierigkeit, libysche Grenzen zu überwachen, erhöht.
+ CBC-Netzwerk (Kanada): Kanadische Scharfschützengewehre tauchen trotz internationaler Sanktionen gegen den Waffenexport nach Libyen in öffentlichen Paraden beispielsweise der Deterrence Force (Tripolis) auf. Videos zeigten öffentlich präsentierte kanadische Scharfschützengewehre des Typs Sterling Cross XLCR in den Händen von Kämpfern libyscher Milizen.
Migration
+ Die Bewohner der Region Sawani Bin Adam erklärten ihren Widerstand gegen die von Imad at-Trabelsi (Innminister der Dabaiba-Regierung) angeordneten Übergabe des Sitzes der Landwirtschaftlichen Vereinigung an internationale Organisationen. Die Bewohner vermuten, dass dies als Vorbereitung für die Ansiedlung illegaler Migranten in der Region dienen soll.
+ Am 19. Juni erklärte die Organisation Alarm Phone, dass 64 Migranten im Mittelmeer vor Abu Kamasch in Gefahr sind, da der Motor nicht funktioniere. Die Behörden seien alarmiert.
+ Abreen-Organisation Mindestens 51 Migranten werden nach einem Bootsunglück vor der ostlibyschen Küste nahe Tobruk vermisst. Nur zehn Migranten konnten lebend geborgen werden. Mehrere Leichen von Ertrunkenen wurden zwischenzeitlich an die Küste gespült.
+ Deutsche Rettungsorganisation Sea-Watch: Die libysche Küstenwache drang am 23. Juni in den maltesischen Hoheitsraum ein, nahm eine Gruppe von Migranten in Gewahrsam und brachte sie gewaltsam zurück nach Libyen.
Ein Flugzeug von Sea-Watch hatte das manövrierunfähige Boot mit 42 Migranten an Bord gesichtet und sich auf den Weg zu ihnen gemacht.
Doch die Küstenwache kam ihnen zuvor. Zwanzig Migranten hätten es vorgezogen, sich ins Meer zu stürzen und zu ertrinken, anstatt sich von der libyschen Küstenwache festnehmen zu lassen.
+ Die italienische Regierung ist mit der Testphase des gemeinsamen Einsatzzentrums zu Migrationsfragen in Tripolis zufrieden. Das Operationszentrum ist eine Folgemaßnahme der Istanbuler Gipfelkonferenz.
Die von den libyschen Behörden geleitete gemeinsame Einsatzzentrale umfasst libysche Beamte sowie Verbindungsoffiziere aus Italien, Katar und der Türkei. Sie unterstütze die libyschen Bemühungen bei der Steuerung der irregulären Migration, stärke die libyschen Such- und Rettungskapazitäten und verbessere den Informationsaustausch.
+ Amnesty International kritisierte die Pläne der Europäischen Union, die Zusammenarbeit mit Libyen bei der Migration auszubauen, und beschuldigte sowohl die libyschen Behörden als auch die EU, zu einer Verschlechterung der Lage von Migranten beizutragen.
+ Laut einem neuen Erlass der Parallelregierung in Bengasi ist Staatsangehörigen aus dem Sudan, Eritrea, Äthiopien und Somalia die Einreise nach Libyen über alle Land-, See- und Luftwege verboten. Dies soll zur Regulierung der Migration beitragen.
+ Amnesty International verurteilte das Verbot der Parallelregierung, die Einreise von Staatsangehörigen aus vier benachbarten afrikanischen Ländern zu verbieten sowie die sofortige Abschiebung von Personen mit illegalem Aufenthaltsstatus anzuordnen. Die EU wurde aufgefordert, die Zusammenarbeit mit Libyen im Bereich der Migrationskontrolle einzustellen anstatt sie auszubauen.
+ Khalil Al-Hasi (Journalist): Libyen hat offiziell von Europa die Aufgabe übernommen, die Migration zu stoppen. Im Gegenzug erhält sie politische Anerkennung und Unterstützung – gemäß den im Jahre 2017 zwischen der damaligen Sarradsch-Regierung (Tripolis) und Italien getroffenen Abmachungen.
+ Ibrahim Moussa: Osama al-Masri wurde zu sieben Jahren und vier Monaten Haft wegen Folter in einer Haftanstalt verurteilt. Doch Libyens Migrantengefängnisse sind auch Teil des europäischen Grenzregimes.
Afrika muss sowohl die lokalen Kriegsherren als auch das imperialistische System benennen.
Innerlibysche Nachrichten
+ Irm News (VAE): Die Dabaiba-‚Regierung‘ möchte Sirte anstatt Tripolis zur libyschen Hauptstadt machen. Damit möchte sie die Probleme mit westlibyschen Milizen, insbesondere in az-Zawiya und Tadschura, umgehen.
Der Präsidialrat soll in Tripolis verbleiben.
+ Der Oberster Sozialrat der Stämme von Sirte erörterte auf einer Sondersitzung die Ausgrenzung der Honoratioren der Stadt bei dem Empfang von Khalifa und Saddam Haftar.
+ Machmud Abudbus (Organisation für Organtransplantationen): Mehrere Nierentransplantierte sind aufgrund verzögert gelieferter Medikamente gestorben, andere benötigten wieder Dialyse.
Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.
Wirtschaft / Finanzen
+ Omar Tantusch (parlamentarischer Finanzausschuss): Der ausgehandelte einheitliche Entwicklungshaushalt wird nicht umgesetzt. Es sei trotz seiner Unterzeichnung im April 2026 noch nicht in Kraft getreten. Es fehle der Wille, die Ausgaben zu vereinheitlichen.
+ Al-Mahdi Abdel-Ati (Politaktivist aus Misrata): Ein einheitlicher Haushalt ist unmöglich, solange es Verbrecher gibt, die öffentliche Gelder stehlen, die sich das Rohöl teilen und es außerhalb der staatlichen Buchführung und außerhalb der Ölgesellschaft verkaufen.
Diese beiden Clans könnten nicht zu einem einheitlichen Haushalt gelangen, da es zu Konflikten kommen wird.
Der stattgefundene Hackerangriff auf die Zentralbankdaten sei eine Folge dieses Konflikts. Es laufe eine strafrechtliche Untersuchung zu diesem Thema durch ein internationales Unternehmen um herauszufinden, was genau geschehen ist.
Es kursiere das Gerücht, dass Farhat bin Gadara, der Libyen verraten und verkauft habe, Nadschi Issa als Zentralbankchef ablösen soll. Sollte der Boulos-Plan umgesetzt werden, seien auch andere Namen, die in kriminelle Geschäfte verwickelt sind, für Posten im Gespräch.
„Wo bleibt die Bankenaufsicht? Wo bleiben die Vorstandssitzungen?“
+ Al-Mahdi Abd al-Ati: Nadschi Issa (Zentralbankchef) ist derzeit machtlos und unfähig, die angeblichen Probleme des einheitlichen Entwicklungshaushalts zu lösen. Die unkontrollierten Ausgaben gehen weiter, alles andere sei reine Illusion.
„Warum fragt niemand, wo Marei al-Barasi (stellvertretender Chef der Zentralbank) ist, der seit einer Weile nicht mehr gesehen wurde – nicht einmal während des Cyberangriffs? Ihr solltet wissen, dass er unter Hausarrest steht.“
+ Hackmanac (Plattform für Cybersicherheit): Die Ransomware-Gruppe Gilin hat die Verantwortung für den Cyberangriff auf die Zentralbank Anfang Juni übernommen.
Die Ergebnisse der technischen Untersuchungen über den Umfang und die Auswirkung des Datenabflusses stehen noch aus.
Zentralbank: Die Arbeiten zur Wiederherstellung verlaufen planmäßig, wobei weiter an der Gewährleistung der Sicherheit der Systeme gearbeitet wird. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden verstärkt.
+ Behörde zur Bekämpfung von Finanzkriminalität: Es wurde ein grenzüberschreitendes kriminelles Netzwerk mit Verbindungen nach Frankreich, Deutschland und Dubai zerschlagen, das in systematische Betrugsdelikte mit gestohlenen Bankkarten in Höhe von zehn Millionen Dinar verwickelt war.
+ Achmed Senussi (Wirtschaftsexperte): Wären die Gelder nicht von den Vereinten Nationen eingefroren worden, hätten die derzeitigen Behörden in Libyen mit diesen Geldern enorme Verluste verursacht.
Bei der Verwaltung der eingefrorenen Gelder sei weder den Libyern noch dem Ausland zu trauen.
+ Die Wirtschaftszeitung Sada berichtete, dass Mohammed al-Hangari die Exportförderungsbehörde so leite, als wäre sie sein Privateigentum. Ihm werden Korruption und Nepotismus vorgeworfen.
Achmed Senussi forderte, dass Mohammed al-Hangari sofort gestoppt wird.
+ Ezzedine Aqil (Republikanische Koalitionspartei): Jene Parteien, die den Amerikanern hinterherlaufen, vergaßen, was dem ehemaligen Chef der Zentralbank widerfahren ist. Er sei gestürzt worden, weil er sich weigerte, zehn Milliarden US-Dollar als Einlage in der israelischen Zentralbank zu hinterlegen, als die Kreditwürdigkeit Israels herabgestuft wurde. Und er lehnte das us-amerikanische Unternehmens K2 für eine Bankenprüfung ab.
Auch der Ölminister Machmud Aoun sei durch ausländische Intervention aus dem Amt entfernt worden. Er hatte sich geweigert, Libyens Rechte an den Ölfeldern N7 aufzugeben.
+ Africa Intelligence: Das US-Unternehmens Rox Energy festigte seine Position bei seltenen Mineralien in Libyen im Rahmen der Trump-Initiative zur Sicherung der Versorgung der USA mit seltenen Mineralien.
Rox Energy baut die erste Antimon-Schmelzanlage in Bengasi, als Teil der US-Bergbaudiplomatie, die im östlichen Libyen ins Leben gerufen wurde.
Antimon ist strategisch wichtig und wird bei der Herstellung von Batterien sowie in der Kunststoff-, Elektronik-, Glas- und Keramikindustrie eingesetzt.
+ The Century (USA): Beide Regierungen in Libyen haben die Häfen des Landes gegen Bezahlung für iranische Schiffe geöffnet.
Frachtschiffe, die in Verbindungen zum Iran und Syrien standen, hätten seit dem Sturz Assads im Dezember 2024 ihre Routen in die Häfen von Misrata und Bengasi umgeleitet. Das korrupte und zersplitterte libysche Hafenverwaltungssystem habe Libyen zu einem alternativen Logistikstandort für den Iran gemacht.
Erdöl / Erdgas
+ Mustafa Sanella (ehemaliger NOC-Vorsitzender): Jede Nachlässigkeit oder Verzögerung bei der Klärung der Frage der libyschen Seegrenzen zu Griechenland und Malta könnte langfristige Schäden nach sich ziehen und muss als nationale Priorität behandelt werden.
Es dürften keine neuen Vereinbarungen eingegangen werden, bevor nicht durch ein Expertenteam ein rechtliches und technisches Dossier erstellt wurde, gestützt auf Karten, Dokumente, Studien und historische Rechte, und unter Hinzuziehung einer internationalen Anwaltskanzlei zur Unterstützung der libyschen Position.
+ Othman al-Hudayri (Ölexperte): Massad Boulos verkauft Illusionen, um seine Deals durchzusetzen. Er vergesse, dass eine Erhöhung der Ölproduktion eine effiziente Verwaltung, eine korrekte Verwendung der Gelder sowie die Einhaltung der Gesetze und Vorschriften erfordert.
+ ErmNews (VAE): Kraftstoffkrise in Libyen – trotz riesiger Erdölressourcen und finanzieller Mittel kommt es an den Tankstellen zu langen Schlangen, während gleichzeitig der Strom wegbleibt.
Eine der Hauptursachen dafür sei der Kraftstoffschmuggel, der zu einem ständigen Aderlass für die libysche Wirtschaft führt.
Daneben herrschten Korruption, mangelhafte Kontrolle, Verschwendung und Misswirtschaft bei Beschaffung und Verteilung.
Libyen und das Ausland
+ Niger. Africa Intelligence: Nach dem Besuch des nigerianischen Premierministers Ali al-Amin Zine in Tripolis fand ein Gefangenenaustausch zwischen Niamey, Tripolis und Bengasi statt.
Am 22. Juni brachte ein Flugzeug einen libyschen Geheimdienstoffizier und 17 seiner Landsleute nach Tripolis zurück. Diese waren zuvor in Niamey vom Militärrat (General Abdulrahman Tchiani) festgehalten worden. Ihre Festnahme im Juli 2025 hatte eine diplomatische Krise entzündet, da sich Niger weigerte, die Gefangenen an die ostlibyschen Machthaber auszuliefern. Letztere waren an Informationen interessiert, die sie sich von den Libyern erhofften.
Im Gegenzug ließen die Behörden im östlichen Libyen Machmud Salah, den Führer der Nationalen Befreiungsfront, frei, der im Februar des Vorjahres in Libyen festgenommen worden war.
+ Tunesien. Am Grenzübergang Ras Adschdir betrug die Wartezeit trotz hoher Temperaturen und ohne Begründung bis zu 18 Stunden.
+ Italien. ANSA. Der italienische Außenminister Antonio Tajani verkündete am 24. Juni die Freilassung von italienischen Aktivisten, die sich an der Sumud-Flottile beteiligt hatten und einen Monat lang im östlichen Libyen festgehalten wurden.
Zwischenzeitlich wurden alle zehn inhaftierten Aktivisten freigelassen.
Aus den Nachbarstaaten
+ Sudan. Moussa Ibrahim (Gaddafis letzter offizieller Sprecher, pan-afrikanistisch libyscher Politiker und Journalist): „Sudan blutet, während sein Gold abfließt. African Arguments berichtet, dass die VAE-Importe von sudanesischem Gold im Jahr 2024 um 70 Prozent gestiegen sind und in der Zeit von 2012 bis 2024 mindestens 400 Tonnen geschmuggelt wurden.
So sieht „Souveränität“ aus, wenn Milizen und ausländische Märkte die Mine besitzen.“
+ Sudan. Moussa Ibrahim: „Südsudan kündigt an, seine ersten allgemeinen Wahlen am 22. Dezember 2026 abzuhalten, nach Jahren der Verzögerung. Seine Unabhängigkeit erlangte es 2011. Doch Riek Machar steht unter Hausarrest, die Kämpfe gehen weiter, und das Friedensabkommen von 2018 bricht zusammen. Wahlen ohne Frieden sind gefährliches Theater.“
+ Ägypten/Sudan. Tagesschau: „Mehr als 1,3 Millionen sudanesische Geflüchtete leben in Kairo. Trotz milliardenschwerer EU-Hilfen für Ägypten fliehen viele weiter Richtung Europa – aus Angst und wegen gekürzter Hilfsangebote.“
+ Niger. Moussa Ibrahim: „Die Hauptstadt des Niger wurde erneut getroffen. Laut Reuters hat die mit al-Kaida verbundene JNIM die Verantwortung für einen Anschlag auf den Flughafen und den Militärflugplatz von Niamey übernommen, bei dem elf Angehörige der Sicherheitskräfte und zwei Zivilisten ums Leben kamen. Die Sicherheitslage in der Sahelzone lässt sich nicht durch Staatsstreiche, französische Stützpunkte, russische Flaggen oder NGO-Slogans verbessern. Die Menschen brauchen Macht.“
+ Niger. RT: „Selektive Justiz: Niger verlässt Internationalen Strafgerichtshof. Nach den Philippinen und Burundi ist Niger zum dritten Land der Welt geworden, das den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (IStGH) verlässt. Der Ausstieg ist noch nicht in Kraft, da nach der Einreichung des entsprechenden Antrags zwölf Monate vergehen müssen. Die Regierung in Niamey hat den Austritt aus dem sogenannten Römischen Statut offiziell am Montag beantragt.“
+ Tunesien. GeopoliticalDesk: „Tunesien ist seit langem das am stärksten unter Druck stehende Land Nordafrikas und verwaltet ständig einen Krisenzustand. Die Zahlen erzählen eine düstere Geschichte: Die Arbeitslosigkeit liegt landesweit bei 15 Prozent, steigt bei jungen Menschen auf 37,5 Proznt. Die Staatsverschuldung ist auf 83,7 Prozent des BIP gestiegen. Für Grundgüter, einschließlich Zucker, Mehl und Reis, bestehen immer wieder Engpässe, die durch Devisenbeschränkungen und ein staatliches Vertriebssystem verursacht werden.
Die Inflation, obwohl der Höchststand von 10,4 Prozent Anfang 2023 fast halbiert wurde, ist bei Lebensmitteln immer noch am stärksten, wo die Preise im Mai 2026 um 8,2 Prozent stiegen. Zwei Millionen von Tunesiens zwölf Millionen Bürgern leben unterhalb der Armutsgrenze.
2026 kam es bereits zu Protestwellen wegen schlechter Regierungsführung, politischer Repression und Umweltverschmutzung. Jede Welle schwoll an, ging zurück, bevor sie sie sich auflöste.“
+ Geopolitik/Iran. Moussa Ibrahim: „Die US-Seeblockade muss aufgehoben werden, während der Iran die zentrale Rolle bei der Wiedereröffnung der Straße von Hormus spielt. Teheran hat die geografische Lage, den militärischen Widerstand und die Kontrolle über eine lebenswichtige Energie-Route in ein diplomatisches Druckmittel umgewandelt. Das ist Macht, die in Verhandlungen übersetzt wird.“
Moussa Ibrahim: „Der Iran hat auch das Libanonthema in den Rahmen des Abkommens gezwungen. Teheran hat keinen Frieden für sich allein akzeptiert und seine Verbündeten nicht im Stich gelassen. Die libanesische Souveränität und die regionale Front wurden Teil der Einigung. Das ist politische Loyalität unter Druck.“
Moussa Ibrahim: „Das geht über den Iran hinaus. Es ist eine Lehre für den Globalen Süden. Sanktionen, Blockaden und militärische Drohungen sind keine rechtmäßigen Maßnahmen. Sie sind Instrumente imperialer Kontrolle. Man kann sich ihnen widersetzen, wenn ein Land geeint ist, Abschreckungskraft besitzt und strategische Geduld an den Tag legt.“
Moussa Ibrahim: „Der Weg in die Zukunft ist klar. Afrika, Asien, Lateinamerika und die arabische Welt müssen unabhängige Zahlungssysteme, Handelswege, Entwicklungsbanken, Mediennetzwerke und eine Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich aufbauen. Der Iran hat es im Alleingang geschafft. Ein geeinter Globaler Süden kann die Welt verändern.“





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