Nach überwältigendem Erfolg bei Meinungsumfragen: Aischa al-Gaddafi soll Dschamahirya-Bewegung und Versöhnungsprojekt ihres Bruders Saif al-Islam anführen / Zeugen: Mitglied der Zelle, die az-Zawiya-Drohnenangriffe durchführte, war auch am Mord von Saif al-islam Gaddafi beteiligt – Mordbefehl soll vom Haftar-Lager erteilt worden sein / Moussa Ibrahim zur UN-Vollversammlung und der Rede Muammar Gaddafis von 2009 / Streiks im Bildungs- und Gesundheitssektor verschärfen sich / Nach Schließung der asch-Scharara-Ölpipeline und der Raffinerie in az-Zawiya durch protestierendes Wachpersonal hob Dabaiba deren Gehälter auf Militärsoldniveau an / Khaled Haftar verhinderte mittels Militär Abhaltung von Parlamentssitzung zur Absetzung von Agila Saleh – Bruderzwist zwischen Khaled und Saddam Haftar / Staatsrat und politische Parteien lehnen 4plus4-Abkommen ab / Abdul Hamid Dabaiba unterstützt 4plus4-Abkommen / Weiter Menschenrechtsverstöße in ganz Libyen / Schwere Sicherheitsprobleme im südlichen Libyen: langsame Auflösung seiner Grenzen – Dabaiba-Milizen gegen Haftar-Lager / Russland verstärkt Militärpräsenz in Libyen / Ukrainische Drohne auf az-Zawiya verletzte vier Personen / Libyen: neues Schlachtfeld für Stellvertreterkriege / Dabaibas Außenministerium gehackt / Verheerende Sturzfluten im südlichen Libyen / Kursverfall des Libyschen Dinars geht weiter / Lange Warteschlangen vor Tankstellen / Tagelange Wartezeiten an tunesisch-libyscher Grenze

Aischa al-Gaddafi / Dschamahiriya

+ Aischa al-Gaddafi lag bei einer Umfrage zum „besten Kandidaten“ für Libyen im September 2026 mit großem Abstand an erster Stelle.
Insgesamt wurden über 293.000 Stimmen abgegeben (Stand 22. September 2026). Auf Aischa al-Gaddafi entfielen bisher 87.891 Stimmen und sie liegt damit deutlich vor Mohammed Sawan (Moslembruder/Demokratische Partei) mit 61.523 Stimmen, Saddam Haftar mit 47.727 Stimmen und Ismail asch-Schatwi (Geschäftsmann) mit 37.034 Stimmen.
Obwohl Aischa Gaddafi weder ein politisches Projekt leitet, noch eine neue politische Initiative vorstellte, erreichte sie diese Spitzenposition. Dies zeige das Ausmaß ihrer öffentlichen Präsenz.
Aischa Gaddafi, 1976 in Tripolis geborene Tochter von Muammar al-Gaddafi und seiner Frau Sofaja Farkasch, ist Rechtsanwältin, gehörte 2004 dem Verteidigerteam von Saddam Hussein an und war bis 2011 UN-Sonderbotschafterin für das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP), wo sie sich insbesondere für Frauenrechte in der arabischen Welt und gegen die Verbreitung von Aids engagierte.
Zwei ihrer Söhne und ihr Mann wurden durch Nato-Bomben 2011 getötet. Zwei ihrer vier Kinder sind am Leben.
Sie konnte 2011 hochschwanger mit ihrer Mutter und zwei Brüdern nach Algerien fliehen und lebt seit 2012 im Oman, wo sie ebenfalls politisches Asyl erhalten hat.
2017 hob der EUGh die gegen die gesamte Gaddafi-Familie erlassenen Sanktionen bezogen nur auf Aischa al-Gaddafi nach deren Klage auf.

+ Nasser Ammar (Kommandant Unterstützungstruppe der Operation Vulkan des Zorns) zur Zustimmung für die Kandidatur von Aischa al-Gaddafi bei Wahlen:  Dies wird für sie kein gemütlicher Spaziergang, sondern eine schicksalhafte politische Auseinandersetzung, da sie über die Fähigkeit verfügt, die Wahlurnen verdientermaßen zu erobern, um so den Weg ihres Vaters fortzusetzen und das Projekt ihres Bruders Saif al-Islam zur Wiederherstellung der öffentlichen Unterstützung für die Dschamahirya zu vollenden.

+ Die Freien Frauen Libyens, Ortsgruppe Fessan, forderten Aischa Muammar al-Gaddafi auf, die Führung der Bewegung zu übernehmen, da sie in dieser schwierigen Phase die am besten geeignete Person dafür sei.
Die Wahl von Dr. Aischa sei kein rein organisatorischer Schritt, sondern eine Rückbesinnung auf die Symbolkraft, die Fähigkeit und die Weisheit, die notwendig seien, um die Hindernisse der kommenden Phase zu überwinden.
Sie sei in der Lage, dieses komplexe nationale Anliegen mit einer Weitsicht zu führen, die die Treue zu den Grundprinzipien mit Geschick im Umgang mit politischen Entwicklungen verbinde.
Die Entscheidung für Dr. Aischa spiegle den ehrlichen Konsens der libyschen Frauen wider, nicht nur Zeuge der Geschichte sein zu wollen, sondern sie selbst zu gestalten.
„Wir fordern alle auf, diesen Beschluss als Eckpfeiler der kommenden Übergangsphase zu betrachten und seine Vorgaben umzusetzen.“

+ LibyaPress: Die Art und Weise, wie Aischa al-Gaddafi auf die Kommentare der Teilnehmer der Umfrage zum „besten Kandidaten“ eingeht, lasse darauf schließen, dass sie keine Rache will, sondern dass sie sich für Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit einsetze.

+ Die Nationale Volksbewegung (steht Bewegung von Saif al-Islam nahe) verkündete, dass Aischa al-Gaddafi die Führung dieser Bewegung übernehmen und das vollenden werde, was Saif al-Islam begonnen hat. Man werde ihr ebenso wie zuvor Oberst Muammar al-Gaddafi und Saif al-Islam Gaddafi folgen.
Ein Grund dafür sei die Zersplitterung der Grünen Bewegung und des Verlusts der Orientierung.

+ Die Frauenorganisation des Fessan forderte Aischa al-Gaddafi auf, die Führung zu übernehmen – als Symbol für alle, die die Wiederherstellung des libyschen Staates anstreben. Aischa Gaddafi sei die dafür am besten geeignete Person.
Diese Forderung sei die Forderung der Mütter, die ihre Söhne für das Vaterland verloren haben, sowie der Aufruf der Jugend, die auf eine bessere Zukunft hoffe, und der Aufruf jedes besorgten Libyers, der mitansehen müsse, wie sein Vaterland ausgebeutet werde.
Aischa al-Gaddafi sei dieser Verantwortung gewachsen und werde ihre Kraft aus ihrem Erbe sowie aus dem Willen dieses Volkes schöpfen, das sich niemals beugen lasse.

+ Der Liga der Angehörigen der Dschamahiriya-Gefangenen erklärten ihre Unterstützung für die Forderung, dass Aischa al-Gaddafi die Führung der Dschamahirya-Bewegung als Nachfolgerin des ermordeten Saif al-Islam übernimmt.
Die Liga forderte Aisha al-Gaddafi auf, diesen Aufrufen nachzukommen und in dieser entscheidenden Phase die nationale und historische Verantwortung zu übernehmen.
Die Bevölkerung solle ihre Differenzen überwinden und sich hinter ein nationales Projekt stellen, das die Würde und Souveränität Libyens bewahre.
Ein großer Teil des libyschen Volkes sende die klare Botschaft, dass die Bewegung des Volkes nicht von einzelnen Personen abhängig sei und dass das Banner, das Saif al-Islam hochhielt, nicht fallen dürfe.

Mord an Saif al-Islam Gaddafi und die Terrorzelle (Drohnenangriffe)

+ Abdul Salam ar-Radschi (Politexperte): Eines der Mitglieder der Zelle, die die Zawiya-Raffinerie und das Trafowerk westlich von Tripoli ins Visier nahm sowie weitere Anschläge plante, war auch am Mord von Saif al-Islam Gaddafi beteiligt.

+ Baschir asch-Scheich (Einsatzzentrale des Südens): Eines der Mitglieder der in Tripolis ausgehobenen Sabotagezelle hat seine Beteiligung an der Ermordung von Saif al-Islam al-Gaddafi gestanden.

+ Aqila Dlahum (Leiter Team für Medien und Menschenrechte der Nationalen Wahrheitskommission zum Fall des ermordeten Dr. Saif al-Islam al-Gaddafi): Wir hatten erwartet, dass die Aussage von Abd as-Salam ar-Radschi zuerst an die Generalstaatsanwaltschaft als zuständige Ermittlungsbehörde weitergeleitet würde, stattdessen haben wir von der Aussage zuerst über die Medien erfahren.
Ar-Radschi hat ausgesagt, dass eines der Mitglieder der subversiven Zelle, die in Tripolis zerschlagen wurde, am Mord von Saif al-Islam Gaddafi beteiligt war, sowie dass der Mordbefehl von der Militärführung des Haftar-Lagers erteilt wurde.

+ Baschir asch-Scheich (Einsatzzentrale des Südens – Dabaiba unterstellt) bekräftigte, dass ein Mitglied der subversiven Zelle an der Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi beteiligt war.
Die Aufdeckung der Zelle habe das 4plus4-Abkommen zunichte gemacht. Der Öffentlichkeit werde eine umgehende Erklärung geschuldet.

+ Das Einsatzteam des ermordeten Saif al-Islam al-Gaddafi forderte den Generalstaatsanwalt auf, die Äußerungen von Abd as-Salam ar-Radschi und des Journalisten Baschir asch-Scheich zu überprüfen, wonach eines der festgenommenen Mitglieder der subversiven Zelle seine direkte Beteiligung am Mord an Saif al-Islam gestanden habe.
Die Ermittlungsbehörden müssten eine klare Position beziehen. Ar-Radschi und asch-Scheich müssten ihre Beweise und Quellen offenlegen, damit diese im Rahmen der Ermittlungen geprüft und rechtliche Schritte gegen jeden eingeleitet werden könnten, dem eine Beteiligung am Mord von Saif al-Islam Gaddafi nachzuweisen sei.

+ Ali Misbah Abu Sabiha (Versöhnungsteam Saif al-Islam Gaddafi) forderte den Generalstaatsanwalt auf, die Quellen der Information über die Beteiligung eines Zellenmitglieds am Mord von Saif al-Islam ernsthaft zu überprüfen.

+ Die Jugendliga von Gharyan forderte den Generalstaatsanwalt zu Ermittlungen auf.
Die Ermittlungen zum Mord an Saif al-Islam al-Gaddafi dürften nicht von den in den Medien und auf sozialen Plattformen kursierenden Aussagen abhängig gemacht werden.

+ Die Bewegung Mandela Libyen forderte den Generalstaatsanwalt auf, Abdul Salam ar-Radschi und Baschir asch-Scheich vorzuladen, damit sie ihre Beweise und Informationsquellen bezüglich einer Beteiligung am Mord von Saif al-Islam al-Gaddafi vorlegen.
Die Ermittlungen müssten geschützt werden, um Vertraulichkeit zu gewährleisten. Zeugen müssten vor jeglichem Druck oder Bedrohung sicher sein.

+ Das Verteidigungsministerium von Dabaiba bestritt, dass es Mitglieder der subversiven Zelle wieder freigelassen oder eine Abmachung mit ihnen geschlossen hat.

+ Achmed Abd al-Aziz az-Zaruq al-Gaddafi (Aktivist) nannte einem libyschen Medienkanal Namen (zusätzlich mit Fotos) der Mitglieder der in Tripolis festgesetzten Terrorzelle.
Es handle sich um Yusuf Saad al-Funti, Muad Khalid Ali, Kanun und Abdul Salam al-Mismari al-Aur sowie um den spanischen Staatsbürger Mark Natcherrodrigo.

UN-Vollversammlung in New York

+ Moussa Ibrahim: „Die Staats- und Regierungschefs der Welt kehren nach New York zurück, um erneut über Frieden, Gerechtigkeit, Gleichheit und Völkerrecht zu sprechen.
Vor siebzehn Jahren stand Muammar al-Gaddafi an eben diesem Rednerpult und machte den Widerspruch im Kern des Systems deutlich.
Wie können Nationen gleichberechtigt sein, wenn fünf Staaten ein ständiges Vetorecht gegenüber dem Rest der Menschheit besitzen?
Wie kann es sein, dass Afrika nach wie vor keine ständige Vertretung im Sicherheitsrat hat?
Wie kann der Kolonialismus ganze Kontinente verwüsten, ohne ernsthaft zur Rechenschaft gezogen zu werden, während die Mächte, die damit ihren Reichtum aufgebaut haben, weiterhin die Institutionen dominieren, die angeblich die Welt regieren?
Gaddafi stellte auch die Frage, warum die Vereinten Nationen selbst dauerhaft in New York angesiedelt bleiben sollten, anstatt zwischen den Regionen der Welt zu rotieren.
Er war nicht gekommen, um die internationale Ordnung zu loben.
Er war gekommen, um in Frage zu stellen, wer die Macht hatte, ihre Regeln festzulegen.
Siebzehn Jahre später sind es andere Gesichter. Die Sprache hat sich gewandelt. Die Welt selbst bewegt sich auf ein anderes Machtgleichgewicht zu. Doch die grundlegende Frage bleibt:
Werden die Vereinten Nationen die Nationen der Welt vertreten, oder wird die Welt weiterhin durch Institutionen regiert, die auf der Macht einiger weniger beruhen?“

+ USA/IStGH. US-Präsident Donald Trump erklärte vor der UN-Generalversammlung, dass er die Internationale Strafgerichtsbarkeit nicht anerkennt, und forderte die Staaten auf, sich davon zurückzuziehen.
Dies zeige – angesichts der früheren Forderung nach der Auslieferung von Saif al-Islam Gaddafi und der Ereignisse in Libyen 2011 – deutlich, dass die USA und der Westen mit zweierlei Maß messen.
Das Gericht hatte 2011 keine Haftbefehle gegen Chamis und Mutasim al-Gaddafi erlassen, obwohl beide zu den militärischen Führern während der Kämpfe im Jahr 2011 gehörten, sehr wohl aber gegen Saif al-Islam al-Gaddafi, obwohl er ein Zivilist war und 2011 mehrfach zu Verhandlungen und zu Wahlen aufgerufen hatte.

+ Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan vor der UN-Generalversammlung: Die Wahrung der Stabilität in Libyen ist unsere Priorität.
Es sei unerlässlich, dass der Versöhnungsprozess unter libyscher Führung und mit ihrer Beteiligung stattfindet.

+ Al-Menfi und Erdoğan waren sich bei ihrem Treffen in New York am Rande der UN-Vollversammlung einig, dass der politische Prozess unter libyscher Eigenverantwortung und Führung stattfinden muss, frei von Einmischungen und Vorgaben, um die Beteiligung aller ohne Ausgrenzung oder Marginalisierung zu gewährleisten.

Streiks / Proteste / Demonstrationen

+ Die Beschäftigten in den Gesundheitseinrichtungen von Tadschura verkündeten ihren Eintritt in einen zeitlich unbegrenzten Streik und drohen mit schrittweiser Eskalation.
Es müsse die Freigabe der eingefrorenen Gehälter und die Auszahlung aller ausstehenden Ansprüche erfolgen sowie eine Krankenversicherung für die Beschäftigten eingeführt werden. Das ganze Jahr über müsste die Bereitstellung von Medikamenten und medinischem Bedarf gewährleistet sein.

+ LibyaPress: Bei einer Protestaktion vor dem Sitz des Ministerrats von Dabaiba in Tripolis forderten die Beschäftigten im Gesundheitswesen ihre Rechte ein und bekundeten ihre Unterstützung für die Bewegung des Gesundheitswesens für höhere Gehälter in ganz Libyen. Der marode Gesundheitssektor des Landes müsse in den Fokus rücken.

+ Goldene Klinikgruppe (Tripolis): Nachdem die Mitarbeiter Bedrohungen und Einschüchterungen durch bewaffnete Gruppen ausgesetzt waren, wird der Betrieb der Dialyseabteilung solange ausgesetzt, bis ein Umfeld geschaffen ist, das die Sicherheit der Patienten und des Personals gewährleistet.
„Wir verurteilen aufs Schärfste die gewaltsame Schließung des Komplexes, die Vertreibung des Verwaltungspersonals und die Verhinderung der Ausübung ihrer Aufgaben, die Zerstörung des Videoüberwachungssystems und die Unterbrechung des Betriebsablaufs sowie den Einsatz von Waffengewalt, um die Schließung einer Gesundheitseinrichtung zu erzwingen.“

+ Die Lehrerbewegung warnte vor dem bevorstehenden Ablauf der Frist für einen Dialog und drohte mit einem Generalstreik in den Bildungseinrichtungen.

+ Lehrer von az-Zawiya: Unser Streik dauert an, und der Unterricht wird erst wieder aufgenommen, wenn unsere Forderungen vollständig erfüllt sind.

+ Lehrerinnen in der Gemeinde Abu Salim während ihres Streiks, der nun schon die zweite Woche andauert: Wir werden unseren Streik fortsetzen und erst dann in die Schulen zurückkehren, wenn wir unsere Rechte erhalten haben.
„Wir und alle Lehrkräfte in ganz Libyen stehen geschlossen hinter der friedlichen Bewegung unter dem Motto Hand in Hand für legitime Rechte.“

+ Die Lehrer von Dschanzur organisierten eine Protestkundgebung im Rahmen der landesweiten Lehrerbewegung, die den Unterricht aussetzt, bis ihre Forderungen erfüllt und ihre Gehälter erhöht werden.

+ Die Gewerkschaften der Hochschulen und technischen Institute der Westküste, des Dschebel (Westliche Berg) und Betin al-Dschebel drohten solange mit einem unbefristeten Streik, bis ihre Forderungen nach Gehaltsanpassungen erfüllt sind.
„Wir verkünden unseren Beitritt zur Bewegung und den Eintritt aller Mitarbeiter und Ausbilder in den Streik.“

+ Das Lehrpersonal von Abu Salem organisierte eine Protestkundgebung, um zu bekräftigen, dass sie ihren Streik fortsetzen und den Unterricht aussetzen werden, bis ihre Forderungen erfüllt sind.
Die Lehrer von al-Adschilat: Schluss mit dem Schweigen nach jahrelanger Geduld angesichts der Aberkennung unserer Rechte.

+ Mitarbeiter der Universität von Sabrata drohten mit einem umfassenden und unbefristeten Streik bis zur Erfüllung ihrer Forderungen.

+ Lehrer aus az-Zawiya-al-Kubra organisierten eine Protestkundgebung in Sabrata, um ihre Rechte und eine gerechte Bezahlung einzufordern.

+ Die Lehrergewerkschaften in der westlichen Region verkündeten einen Generalstreik in allen libyschen Schulen ab dem 27. September und eine Protestkundgebung am 24. September. Dies erfolge, weil es bei der Erfüllung der berechtigten Forderungen an Ernsthaftigkeit mangle.
Bei einem angekündigten Treffen im Ministerium für Bildung und Erziehung verließen die Gewerkschaftsvertreter noch vor Beginn wegen fehlendem Niveaus und mangelndem Respekts den Saal.

+ Die Lehrerbewegung drohte mit der Ausrufung eines Generalstreiks in allen Bildungseinrichtungen ab den 24. September, da die Behörden nicht bereit seien, ihren Forderungen nachzukommen.

+ Al-Araby al-Dschadid: Die Mehrheit der Schulen in Libyen sind geschlossen aufgrund der fortdauernder Streiks und Proteste, die von den Lehrergewerkschaften durchgeführt werden, zusätzlich zu Warnungen vor Eskalation und Verlängerung der Streiks, falls die Behörden nicht auf ihre Forderungen eingehen.

+ Die Mitarbeiter des Zentrums für die Kontrolle von Lebensmitteln und Arzneimitteln forderten Dabaiba und seinen Finanzminister auf, die Entscheidung zur Erhöhung ihrer Gehälter umzusetzen.

+ Middle East Online: Vom Bildungswesen über das Gesundheitswesen bis hin zu den Universitäten und Rentnern: Eine Protestwelle für Lohnerhöhungen fegt durch Libyen.
Die Proteste begannen zu einem Zeitpunkt, an dem die öffentlichen Finanzen aufgrund steigender Lohnkosten und höherer Ausgaben unter zunehmendem Druck stehen.
Der Streik der Lehrer gehe bereits in die zweite Woche. Gefordert werden Lohnerhöhungen, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen sowie die Begleichung ausstehender Zahlungen.
Auch die Beschäftigten im Gesundheitssektors hätten sich dieser Protestwelle angeschlossen, ebenso wie die Universitäten ihre Proteste verschärften. An den Protesten nähmen auch die Rentner angesichts steigender Lebenshaltungskosten und sinkender Kaufkraft teil.
Die Lohnfrage sei zu einem umfassenden sozialen Thema geworden, das große Bevölkerungsgruppen betrifft, die von den staatlichen Gehaltszahlungen abhängig sind.
Die staatlichen Finanzen wiederum hängen in hohem Maße von den Einnahmen durch die Ölförderung ab. Höhere Löhne blieben mit der Aufrechterhaltung der Ölfördermengen verknüpft.

Proteste: Akakus-Ölpipeline blockiert – Scharara-Ölfeld geschlossen

+ Mohammed al-Garadsch (Journalist): Obwohl Berichte darauf hindeuten, dass die Akakus-Pipeline, die täglich 320.000 Barrel Öl transportiert, ihren Betrieb eingestellt hat, liegt bislang keine offizielle Erklärung dazu vor.
Die Pipeline führt vom asch-Scharara-Ölfeld nach az-Zawiya (Repsol). Sie soll als Reaktion auf die Festnahme der Sabotagezelle in Tripolis und deren Verbindung zu spanischen Staatsbürgern sowie aufgrund der Forderung des Wachpersonals nach Gehaltserhöhungen stillgelegt worden sein.

+ Argus Media: Das Scharara-Ölfeld wurde am 20. September stillgelegt, nachdem die Pipeline nach az-Zawiya geschlossen worden war.
Diese Schließung hänge mit einem Streit um die Führung der Oasis Oil Company zusammen.

+ News Quack (GB): Die Fördermenge des asch-Scharara-Ölfelds ist pro Tag um etwa 300.000 Barrel Öl gesunken. Dies entspricht schätzungsweise der Hälfte der Gesamtfördermenge der Ölfelder.

+ NOC (National Oil Corporation): Eine bewaffnete Gruppe schloss am 20. September die Ölpipeline der Akakos Oil Operations des asch-Scharara-Ölfelds, die zum Hafen von Zawiya führt. Sollte dies andauern, könnte  der Zustand der Höheren Gewalt ausgerufen werden. Auch die Ölraffinerie in az-Zawiya könnte geschlossen werden.
Appelle an die Wachmannschaften der südwestlichen Ölanlagen, ihren Pflichten nachzukommen, blieben ungehört.

+ LibyaPress: Die az-Zawiya-Raffinerie und das az-Zawiya-Institut wurden am 22. September von Angehörigen der Wachmannschaft mit Erdwällen blockiert.
Das Sicherheitspersonal hatte zuvor gefordert, ihre Gehälter an die der Militärangehörigen anzupassen.

+ NOC: Angehörige der Wachmannschaften blockierten die Zufahrten zur az-Zawiya-Raffinerie und der Brega Oil Marketing Company.
Sollte dieser Zustand andauern, seien die Betriebsabläufe im Ölkombinat bedroht und könnte zu einem Stillstand der Raffinerie, Störungen in der Kraftstoffversorgung und einer Erhöhung der Importrechnung für Mineralölprodukte führen.
In den kommenden Stunden müsse der Ausnahmezustand Höhere Gewalt ausgerufen werden.

+ LibyaPress: Die Schließung des Spark-Ölfeldes, eines der größten libyschen Ölfelder, wurde von Osama Dschuwaili, Kommandeur der Militärzone Westliche Bergregion, angeordnet.
Damit solle die Erhöhung der Gehälter und Zulagen für die ihm unterstellten Einheiten in der Militärzone Westliche Bergregion durchgesetzt werden.
Dschuwaili forderte außerdem die Inbetriebnahme seiner Raffinerie nahe des Spark-Ölfeldes, um seine Schmuggeloperationen von Öl und dessen Derivaten fortsetzen zu können, nachdem der Schmuggel aus der Zawiya-Raffinerie nicht mehr möglich ist.
Dschuwaili habe auch die Ernennung einiger seiner Vertrauten in die Vorstände der Ölgesellschaften gefordert.

+ Abdul Hamid Dabaiba beschloss am 22. September Gehaltserhöhung für die Mitglieder des Wachpersonals der Ölförderanlagen in Höhe des Solds der Militäreinheiten des Verteidigungsministeriums.

Machtkampf zwischen Haftar-Söhnen

+ LibyaPress: Truppen unter dem Kommando von Khaled Haftar umzingelten den Parlamentssitz in Bengasi und verhinderten damit die Abhaltung einer Sitzung der Abgeordneten, die eine Änderung der Geschäftsordnung und die Absetzung des Parlamentspräsidenten Agila Saleh fordern.
86 Abgeordnete bestätigten offiziell, von Truppen unter dem Kommando von Khaled Haftar daran gehindert worden zu sein, eine Parlamentssitzung abzuhalten.
„Die Verhinderung unseres Zugangs zum Parlamentsgebäude wird uns nicht davon abhalten, eine Sitzung des Parlaments an jedem anderen Ort oder in jeder anderen libyschen Stadt abzuhalten.“

+ Ahmed Khalifa (al-Dschazira): Saddam Haftar ist sich uneins mit seinen Brüdern Khaled und Belqasim über das Schicksal von Agila Saleh.
Saddam Haftar unterstütze jene Abgeordneten, die Agila Saleh stürzen wollen.

+ Africa Intelligence: Saddam und Khaled Haftar vertreten unterschiedliche Standpunkte bei der Frage, ob Agila Saleh sein Amt als Parlamentspräsident behalten soll. 87 Abgeordnete strebten eine Änderung der parlamentarischen Geschäftsordnung an, um ihn absetzen zu können und werden dabei von Saddam Haftar unterstützt, dem Agila Saleh schon seit Jahren ein Dorn im Auge ist.
Die Differenzen zwischen Saddam und Khaled seien 2025 eskaliert, als Saddam von Agila verlangte, das im November 2019 zwischen der Türkei und der Tripolis-Regierung unterzeichnete Seegrenzenabkommen dem Parlament zur Abstimmung vorzulegen. Saddam Haftar wollte damals die Annäherung an die Türkei voranbringen, die ihrerseits ihre Beziehungen zum östlichen Libyen stärken wollte.
Die derzeitige Geschäftsordnung sehe keine Wahl des Parlamentspräsidenten vor, was dem derzeitigen Präsidenten Agila Saleh ermögliche, auf unbestimmte Zeit im Amt zu bleiben. Die Abgeordneten müssten für die Abstimmung eine beschlussfähige Mehrheit von 87 Parlamentariern erreichen.
Khaled Haftar unterstützt Agilas Verbleib im Amt aus Furcht, dass sein Einfluss nachlassen könnte angesichts direkter Verhandlungen zwischen seinem Bruder Saddam und Massud Suleiman (NOC) sowie den Behörden in Tripolis.
Khaled Haftar genieße die Unterstützung sowohl von Ägypten als auch der Türkei, die beide weiterhin Agilas Verbleib im Amt befürworten, um eine Zusammenarbeit mit Saddam Haftar zu vermeiden, der zunehmend an Einfluss gewinne.
Die Position von Agila Saleh werde nur noch von etwa 30 Abgeordneten unterstützt.

4plus4-Abkommen – Boulos-Plan – UN-Mission

+ UN-Mission: Die Mitglieder des 4plus4-Dialogs wollen sich in Tunis treffen, um die Umsetzung des am 30. August in Tripolis unterzeichneten Abkommens zu verfolgen und voranzutreiben.
Erörtert würden die öffentlichen Stellungnahmen zum Abkommen sowie die Unterstützung durch den UN-Sicherheitsrat und das Parlament. Der Dialog mit den übrigen lokalen Parteien solle fortgesetzt werden, um eine möglichst breite Unterstützung zu gewinnen.

+ As-Sadiq al-Gharyani: Die UN-Mission macht keinen Hehl aus ihrer Freude über Agilas Entscheidung, das 4plus4-Abkommen in einer Sitzung zu verabschieden, obwohl sie sehr wohl weiß, dass es sich um eine Fake-Sitzung handelte.
Die internationalen Institutionen wollten auch nichts davon wissen, dass hundert Parlamentarier, die eine Sitzung abhalten wollten, von Streitkräften verjagt und an der Versammlung gehindert wurden.

+ Sadiq al-Garyani: Das 4plus4-Abkommen ist ein Projekt der Besatzungsmacht, ein zionistisch-amerikanisches Projekt; daher müssten die Brigaden kämpfen und vor den Institutionen aufmarschieren, um es zu verhindern.
Das 4plus4-Abkommen sei eine gefährliche Verschwörung, die es us-amerikanischen Staatsangehörigen ermögliche, Libyen zu regieren.
Derzeit würden die Milizen im Westen unterwandert; es flösse Geld und man verspräche Ämter.
Sadiq al-Garyani forderte den Staatsrat auf, das 4plus4-Abkommen in einer ordnungsgemäßen Sitzung abzulehnen.
Diese Sitzung werde eine Antwort auf Agila, sein Geschwätz, seine Fälschungen und Lügen sein, und auf die lügnerische und schamlose UN-Mission, die aus Libyen ausgewiesen werden müsse.
Der Beschluss müsse an die UN-Mission, an den UN-Sitz sowie an die ausländischen Botschafter in Libyen übermittelt werden.

+ Der Staatsrat verkündete in einem gemeinsamen Dokument mit den politischen Parteien seine Ablehnung der 4plus4-Ergebnisse, die den Boulos-Plan unterstützen.
Der Staatsrat rief zusammen mit den politischen Parteien zu einem breiten nationalen Konsens über die verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Grundlagen des Wahlprozesses sowie zur Einhaltung der vom 6plus6-Ausschuss erlassenen Rechtsvorschriften auf.
„Es gilt, sich dem Willen des Volkes und den Wahlergebnissen zu beugen.“
Staatsrat und politische Parteien: Die Tatsache, dass zu einigen Artikeln der Wahlgesetze Einwände bestehen, rechtfertigt weder deren Umgehung noch die Rückkehr zu früheren Wahlgesetzen.
„Wir bestehen darauf, dass die im Einklang mit den verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen erlassenen Wahlgesetze eingehalten werden und nicht durch neue politische Regelungen ersetzt oder umgangen werden.“
Es sei notwendig, dass Institutionen und politische Akteure die endgültigen Wahlergebnisse respektierten und im Falle von Streitigkeiten auf das Gesetz und die Justiz und nicht auf Gewalt zurückgreifen.

+ Wahida Barschan (Staatsrat): Agila Saleh wurde unter Druck gesetzt, damit er das 4plus4-Abkommen durchbringt, genauso wie wir auch unter Druck gesetzt werden.
Es reiche nicht aus, dass die UN-Mission die Annahme des 4plus4-Abkommens durch die Abgeordneten begrüßt, um die Debatte über die Legitimität des Verfahrens zu beenden, denn dieses Verfahren sei illegitim gewesen.

+ Al-Araby al-Dschadid (Katar): Agila genehmigte das 4plus4-Abkommen, das nur halb bestätigt wurde, um Zeit zu schinden.
Der 6plus6-Weg könnte den Abgeordneten die Kontrolle über den politischen Prozess zurückgeben und würde das 4plus4-Abkommen vor politische und rechtliche Hürden stellen.
Agila möchte nicht, dass das 4plus4-Abkommen der einzige Weg ist, um die neuen Machthaber zu bestimmen. Er möchte seine Verhandlungsposition nicht verlieren, daher hält er 6plus6 am Leben und gleichzeitig genehmigt er 4plus4.
Staatsrat und Parlament wollten die von 4plus4 festgelegte Zeitspanne überspielen, die einen Monat für die Genehmigung durch beide Kammern vorsieht.

+ Die UN-Sondergesandte Hannah Tetteh besuchte am 21. September Mohammed Bahun (alias al-Far/Kommandant der Miliz zur Bekämpfung von Sicherheitsbedrohungen) in az-Zawiya. (Foto)
Tetteh traf sich auch mit den Bürgermeistern von az-Zawiya, Surman und Sabrata, um die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zu prüfen.

+ 31 Parteien erklärten ihren Widerstand gegen das 4plus4-Abkommen, das den Boulos-Plan unterstützt. Sie forderten UN-Generalsekretär Guterres auf, die UN-Mission zu ermahnen, sich an ihre Befugnisse und die Beschlüsse des UN-Sicherheitsrates zu halten.
Bereits 57 libysche politische Parteien hätten die UN-Mission in einem offiziellen Schreiben auf diese Bedenken hingewiesen und eine dringende Versammlung vor der Fertigstellung des Abkommens gefordert, jedoch keine Antwort erhalten.
„Wir behalten uns das Recht vor, Zuflucht beim libyschen Gericht zu nehmen und gegen jegliche Gesetze, Beschlüsse oder ausführende Regelungen zu klagen, die angenommen werden, falls sie die Rechte der Parteien auf politische Beteiligung verletzen.“

+ Die Demokratische Partei unter der Führung des Moslembruders Mohammed Sawan, begrüßte die 4plus4-Vereinbarung, die den Boulos-Plan unterstützt, unter der Bedingung, dass dem 4+4-Komitee keine Exklusivität im politischen Dialog und bei der Gestaltung der kommenden Szenarien eingeräumt werde.

+ Abdul Hamid Dabaiba deutete bei einem Treffen mit Persönlichkeiten aus Misrata an, dass er bereit sei, die 4plus4-Vereinbarungen zu akzeptieren, die Boulos-Plan unterstützen.

+ Achmed al-Bakusch (Politberater): Dieses Treffen ist nicht repräsentativ für die Haltung von Misrata; die Stadt könne nicht auf den Kreis derjenigen reduziert werden, die von der Macht profitieren.

+ Hannah Tetteh dankte Dabaiba für seine Unterstützung des 4plus4-Abkommens.

+ Der Trump-Vertraute Massad Boulos traf sich mit Präsidialratsvorsitzenden Mohammed al-Menfi und erklärte, es sei bei dem Gespräch bekräftigt worden, die Bemühungen zur Vereinigung der staatlichen Institutionen zu unterstützen.
Mohammed al-Menfi lehnt das 4plus4-Abkommen strikt ab, da er seinen Posten als Präsidialratsvorsitzender abgeben müsste.

+ Khaled al-Mischri: Wer das 4plus4-Abkommen unterzeichnet hat, war sich bewusst, dass er den westlichen Teil des Landes an die Gegenseite verkauft, insbesondere im rechtlichen Rahmen, der jegliche Garantien für bestimmte Parteien aufhebt.
Die Durchführung von Wahlen könnte gemäß den Ergebnissen des 6plus6-Ausschusses bereits in vier bis sechs Monaten erfolgen, selbst ohne eine Änderung der Wahlkommission, sofern man dies wollte – unter einer Regierung, deren einzige Aufgabe darin bestünde, den Wahlprozess in technischer Hinsicht zu betreuen.

+ Asch-Scharif al-Wafi: Die UN-Mission ist der Grund für die derzeitige Lage. Wenn sie nur wollte, könnte sie heute noch Wahlen durchführen, aber sie will den Status quo verlängern, basierend auf den Empfehlungen bestimmter Länder, die von dieser Situation profitieren.
„Sollen wir die Bestechungsgelder vergessen, die in Genf vor Stephanie Williams Augen gezahlt wurden, nur um die Wahl bestimmter Personen zu ermöglichen?“ Heute wiederhole sich dies in der Debatte um 6plus6 und 4plus4.
Die Parteien, die das Geschehen beherrschen, seien von Macht und Ämtern besessen, ohne jede Liebe zum Vaterland und ohne dessen Interessen im Blick zu haben. Die Geschichte werde ihnen keine Gnade gewähren.
Ein Nachgeben beim 4plus4-Abkommen wäre eine Verschwendung und ein Verrat am Vaterland.

+ Salah al-Bakusch (Politberater): Es gibt keinerlei Garantien dafür, dass diejenigen, die eine neue Regierung bilden sollen, Wahlen abhalten werden. Es scheint, als würde sich 2011 wiederholen. Diese Akteure werden keinen Fahrplan akzeptieren, der sie aus dem politischen Geschehen verdrängt, und daher alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Abhaltung von Wahlen zu vereiteln. Sie wollten eine neue Regierung, die ihnen die Verlängerung ihres Verbleibs im Amt und den Erhalt materieller Vorteile garantiert.

+ Adel Abdelkafi (Politikexperte): Es gibt aktive militärische Kräfte in Libyen, die die 4plus4-Vereinbarungen ablehnen.
Die unter US-Schirmherrschaft stattfindenden Treffen zwischen militärischen Führern aus dem Osten und Westen haben es nicht geschafft, die Differenzen und ungelösten Probleme auf politischer und militärischer Ebene auszuräumen.

+ Fathi asch-Schibli (Partei Stimme des Volkes): Die UN-Mission benötigt noch Zeit, um die Einzelheiten ihres Plans offenzulegen, mit dem das 4plus4-Abkommen von der Unterzeichnungsphase in die praktische Umsetzung vor Ort überführt und die derzeitige Spaltung beendet werden soll.
Die Frage, wie die Exekutive gebildet werden und wann sie ihre Arbeit aufnehmen soll, habe die UN-Mission bisher noch nicht klar beantwortet.
Es bestehe ein Widerspruch zwischen den Äußerungen von Stephanie Khoury zur Bildung einer neuen Regierung und den Aussagen von Personen aus dem Umfeld der Dabaiba-‚Regierung‘ sowie der Behörden im Osten Libyens bezüglich der Machtteilung.

+ As-Sadiq al-Gharyani erneuerte am 23. September seine Warnung an Dabaiba bezüglich des Abkommens zur Machtteilung. Die Regierung verschweige weiterhin eine große Verschwörung der Terrorzelle und mache sich damit zum ersten Opfer derjenigen, die hinter der Zelle stehen.
Wenn es um schwerwiegende Fälle gehe, gebe die Staatsanwaltschaft keine Ermittlungen bekannt, wie bei der Flutkatastrophe von Derna, dem Arkano-Unternehmen oder dem  Flugzeugabsturz, bei dem al-Haddad getötet wurde.

+ The Magazine (GB): Die Unterzeichnung des 4plus4-Abkommens will einen glänzenden Eindruck von Libyens Richtung hin zu Stabilität vermitteln, während das Land eine politisch, sicherheitsrelevant und wirtschaftlich katastrophale Realität erlebt.
Die Bestimmungen des Abkommens erlaubten es den Militärs, an den Wahlen teilzunehmen, was bedeute, dass Libyen auf eine autoritäre Herrschaft zusteuert.
Das Parlament habe das Abkommen in einer Sitzung gebilligt, an der etwas mehr als 30 Abgeordnete von insgesamt 200 teilnahmen.

+ Arabi 21 (Katar): Die Libyer fanden sich, anstatt sich auf Wahlen zuzubewegen, vor dem 4plus4-Abkommen und dem Boulos-Plan zur Machtaufteilung wieder.
Einige der politischen Gremien in Libyen hätten ein volles Jahrzehnt überschritten; einige ihrer Mitglieder sind in jungem Alter eingetreten, um dann bis ins Erwachsenenalter darin zu verbleiben.
Libyen stehe weder vor einem Machtwechsel, noch vor einem normalen Konflikt zwischen Regierung und Opposition oder zwischen einem amtierenden Präsidenten und einem Kandidaten, der dessen Nachfolge anstrebt, sondern vor denselben Gesichtern, die von einer Position zur nächsten wechseln und sich selbst durch Quotenverteilung und Absprachen reproduzieren.
„Die aktuellen Probleme bei Strom, Wasser, Bargeld, Treibstoff, Gesundheit und Transport hätten in anderen Ländern ausgereicht, um Regierungen zu stürzen, während sie in Libyen ohne Rechenschaftspflicht vorüberziehen.“
Was unter dem Namen „Wiederaufbau“ präsentiert werde, reiche nicht aus, um einen Staat zu errichten. Ein Staat werde nicht nur durch Straßen, Brücken und Fassaden errichtet, sondern durch den Aufbau von Institutionen, Recht, Transparenz und Gerechtigkeit.

+ Libysches Zentrum für Sicherheits- und Militärstudien: Die Türkei hat Agila Saleh und Takala in Ankara zusammengebracht, um ihnen zu verdeutlichen, dass jede künftige politische Einigung den Einfluss innerhalb Libyens neu ordnen könnte.
Die Türkei, die einen weitreichenden Einfluss im Westen Libyens aufgebaut hat, werde sich nun stärker bewusst, dass die Wahrung ihrer Interessen nicht mehr durch die Abhängigkeit von einer einzigen Partei oder Region möglich ist. Sie erkenne nun an, dass die kommende Phase ein breiteres Netzwerk an Beziehungen erfordern könnte, das sich auf verschiedene Zentren erstreckt.

Militär/Milizen/Gewalt

+ Der Misrata-Militärrat rief eine Versammlung der Militärräte von elf Städten der westlichen Region ein. Die Militärräte sollen angesichts der aktuellen Umstände aktiviert werden und einen Verband der Militärräte bilden.

+ LibyaPress: Eine große Militärstreitmacht verließ in der Nacht auf den 18. September Misrata in Richtung Tripolis.

+ LibyaPress: Die ersten Truppen von Dabaibas Verteidigungskräften erreichten in der Nacht auf den 18. September das Gebiet as-Sadada östlich von Misrata, zeitgleich mit Truppenbewegungen von Haftars Militär in der Region.

+ LibyaPress: Am 20. September fand ein Aufmarsch von Militärfahrzeugen und Bewaffneten bei der Hafeninsel in Tripolis statt.

+ LibyaPress: Mitglieder der Unterstützungseinheit der Sicherheitsdirektionen sowie der 111. Brigade (Kommando Abdel Salam Zubi) inhaftierten in Tripolis Ayman al-Hamrusch, Stellvertreter von Osama Tleisch und führendes Mitglieder der 67. Einheit.

+ Sicherheits- und Militärkräfte in Abu Salim (Tripolis) wurden von einer Gruppe von Überbleibseln des Stability Support Apparatus mit RPG-Raketen beschossen.

+ UN-Mission: Seit dem Auftauchen der ersten Berichte über Hinrichtungen hat die Mission intensive Kontakte zu den zuständigen Behörden im östlichen Libyen auf politischer und technischer Ebene gepflegt und sie aufgefordert, die Vollstreckung von Todesstrafen auszusetzen.
„Wir bedauern zutiefst, dass die Hinrichtungen trotz dieser Bemühungen fortgesetzt wurden.“

+ LibyaPress. Ein junger Mann wurde am 20. September im Bereich der Flughafenstraße in Tripolis von einem Mitglied des Unterstützungdiensts der Bezirksverwaltungen (al-Moya) getötet.

+ Nationale Institution für Menschenrechte: Der 22-jährige Ali al-Barasi wurde durch Schüsse von Mitgliedern einer Spezialeinheit bei der Erstürmung seines Hauses getötet.
Der Generalstaatsanwalt sei aufgefordert, Ermittlungen einzuleiten, da es sich um vorsätzlichen Mord handle.

+ Die Internationale Kommission der Juristen in einer Botschaft an den UN-Menschenrechtsrat: Die weit verbreiteten und systematischen Verstöße gegen die Menschenrechte halten in ganz Libyen an.
Im Westen übten Milizen und Sicherheitskräfte – einschließlich jener, die den Ministerien des Innern und der Verteidigung der Dabaiba-‚Regierung‘ unterstehen – Folter und andere Formen von Misshandlung in großem Umfang aus.
Im Osten seien mehr als 30 Personen im August und September 2026 hingerichtet worden, und zwar infolge von unzulässiger Urteilen von Militärgerichte, die der Militärstaatsanwaltschaft unterstehen, sowie im Rahmen von Verfahren, die jegliche Garantien für ein faires Verfahren und Transparenz vermissen ließen.

Schwere Sicherheitsprobleme im südlichen Libyen – Haftar-Militär gegen Dabaiba-Militär

+ Das Libysche Zentrum für Sicherheits- und Militärstudien warnte vor der Nutzung von Sebha als Basis für bewaffnete Operationen gegen den Niger.
Falls Sebha als Stützpunkt für die Nationale Front zur Befreiung des Niger unter der Führung des nigerianischen Oppositionellen Mahmoud Saleh Baru genutzt werden sollte, werde dies dazu führen, dass sich der Süden von einem von Krisen geprägten geografischen Gebiet zu einem Gebiet verwandeln würde, von dem aus aktiv Krisen exportiert, aber auch direkt geschürt werden würden.
Angesichts des Fehlens
einer staatlichen Kontrolle und der Überschneidung ausländischer Interessen zusätzlich zu den Ambitionen lokaler Akteure sei der Fessan der Gefahr der Zersplitterung seiner Souveränität ausgesetzt.
Die Grenzen seien nach und nach im Verschwinden, und das Recht werde durch die Macht grenzüberschreitender Milizen ersetzt, was zu einer Ausbeutung der Ressourcen und seiner Bevölkerung führe. Diese Entwicklung werde direkte Auswirkungen auf die nationale Sicherheit Libyens haben und angesichts der prekären Sicherheitslage im Süden einen hohen humanitären Preis mit sich bringen, den die Bevölkerung des Südens zu zahlen habe.
Bewaffnete Aktivitäten, die vom Süden aus gegen die Regierung des Niger gerichtet sind, hätten dazu geführt, dass die libysch-nigerianische Grenze zu einer militärischen Kontaktlinie geworden ist. Dies lasse einen vollständigen Zusammenbruch der Grenzkontrollen und eine Ausweitung der militärischen Operationen auf libysches Staatsgebiet befürchten.
Der Süden Libyens sei nun der Schauplatz für nachrichtendienstliche Operationen und von einem aktiven Krieg umgeben, wobei ein beginnender bewaffneter Aufstand die staatliche Infrastruktur ins Visier nehme.
Rebellenbewegungen und eine bewaffnete tschadische Opposition führten zu einem Verlust der Kontrolle über die Wüstenrouten und verwandle die Grenzen in Schmuggelwege für Waffen und Kämpfer.
Es gebe auch den offenen Krieg im Sudan und die Nutzung des südöstlichen Libyens als logistische Plattform für den Transport von Söldnern, Waffen und Treibstoff.
All dies nähre latente ethnische Konflikte zwischen den Stämmen im südlichen Libyen (Araber, Tibu, Tuareg).
„Die libyschen Bürger im Süden werden einen blutigen und tragischen Tribut für die Umwandlung von Gebieten wie Ghatrun, Murzuq und Ubari in Schlachtfelder für Söldnern und als Transitraum für Waffentransporte zahlen.“
Die Bewohner des Südens litten unter einem systematischen Mangel, trotz des Schmuggels an subventioniertem Treibstoff und illegalem Goldschürfens. Die Jugend werde militarisiert und in Stellvertreterkonflikte mit ethnischen und tribalistischen Dimensionen geworfen, was die historischen Handelsrouten zu Routen für tödlichen Menschenhandel verwandle.

+ Africa Intelligence: In Libyens Süden gibt es eine neue Bewegung, die von der Dabaiba-‚Regierung‘ angeführt wird und eine Annäherung an den Niger anstrebt. Ziel sei es, den Einfluss des Haftar-Clans zu beschränken und die Dabaiba-‚Regierung‘ im Fessan zu stärken.
Die Dabaiba-‚Regierung‘ verhandle mit nigerianischen Behörden über einen Korridor, der die Lieferung militärischer Ausrüstung an die Miliz von Mohammed Wardegu erleichtern soll.
Diese Initiative werde von Salam az-Zadma angeführt, der Anfang September Niamey einen geheimen Besuch abstattete. Der mit Dabaiba verbündete Wardegu sei Kommandant der Einsatzzentrale zur Befreiung des Südens. Diese führe seit mehreren Monaten Überfälle gegen Einheiten und Positionen des Haftar Militärs im Fessan durch, die von Saddam Haftar geführte Einheiten erheblich geschwächt haben.
Salam az-Zadma wolle am Haftar-Clan Rache nehmen und seinen Clan insbesondere in Sebha stärken. Deshalb habe er sich Abdel Salam Zubi (stellvertretender Verteidigungsministers in der Dabaiba-‚Regierung‘) angeschlossen, der direkt an der „Wardegu-Affäre“ beteiligt war.
Wardegu sei früher ein Verbündeter von Saddam Haftar gewesen, habe aber seine Position geändert und unterstütze jetzt Tripolis.
Als Reaktion auf die Annäherung zwischen Tripolis und Niamey strebe Saddam Haftar an, seinen Griff um Sebha zu festigen. Er möchte die Stadt in ein Zentrum für seine logistischen und militärischen Operationen in Fessan umwandeln und sie zu einem zentralen Ort für seine bilaterale Zusammenarbeit mit den Ländern der Region machen.
Saddam Haftar stehe vor einem neuen Konflikt wegen der Spannungen zwischen den Tibu und seinem Militär in al-Gatrun. Augenblicklich werde die Stadt belagert und die Kommunikation zu ihr sei unterbrochen.
Die Spannungen gingen auf den Tod eines jungen Tibu zurück, am 3. September von einem Mitglied von Haftars 87. Brigade getötet wurde, und der ein Verwandter von Wardegu war. Dies entfachte großen Zorn und die Tibu griffen am nächsten Tag die Kasernen der Haftar-Armee an.
Die 87. Brigade musste sich zurückziehen, bevor sie am 10. September zurückkehrte, um auf Befehl von Saddam Haftar Festnahmen durchzuführen, unter anderen wurde der Leiter des lokalen Geheimdienstes Machmud Ibrahim, ein enger Vertrauter von Khaled Haftar, verhaftet.

+ Baschir asch-Scheik, Einsatzzentrale des Südens (unter Dabaiba), berichtete, dass die Häuser seiner Brüder am 22. September gestürmt und diese festgenommen wurden, dass sie gedemütigt und in Nachtwäsche aus ihren Häusern geholt wurden und dass eine Waffe auf ein 7-jähriges Mädchen gerichtet wurde.

+ Baschir asch-Scheik: In das Haus des pensionierten Obersts Suleiman an-Nani as-Sadiq in der Stadt Hun wurde eingedrungen und der Oberst an einen unbekannten Ort verschleppt, woraufhin seine Frau einen Schlaganfall erlitt.

Russland in Libyen

+ Ekad: Satellitenbilder zeigen seit Juni 2026 einen beschleunigten Ausbau des Flughafens Tobruk.
Der Flughafen Tobruk beherberge die Luftwaffenbasis Gamal Abdel Nasser, während seine zivile Aktivität als internationaler ziviler Flughafen begrenzt blieb.

+  Nachdem zwei russische Schiffe in Tobruk anlegten und dort Militär- und Logistikfahrzeuge entladen wurden, fuhr ein russischer Militärkonvoi am 18. September durch Libyens Straßen.

+ Dschalal Harchaui (Libyenexerte): Die russischen Militärlieferungen sind vermutlich für die östlichen Streitkräfte Libyens bestimmt.
Es werde die Art der Beziehungen zu Moskau und die Grenzen der russischen Militärunterstützung debattiert.

+ Ekad (Plattform Nachrichtendienste): Am Stützpunkt Tamnahent erfolgen Ausbau- und Sanierungsarbeiten. Es handle sich um ein umfassenderes Programm zur Verbesserung der Einsatzbereitschaft des russischen Stützpunkts.

+ Taher Hadid (ehemals Schutzstreitkräfte von Sirte): Der Osten von Libyen stellt einen zentralen Transitpunkt für den russischen Militärflugverkehr dar, insbesondere hinsichtlich logistischer Unterstützung, Truppenrotation und militärischer Transportaufgaben. Es werden die Luftoperationen gemanagt, die Russland mit der russischen Präsenz im tiefen Inneren des afrikanischen Kontinents verbinden.

+ AgenziaNova: Die russischen Fahrzeuge, die in Tobruk ankamen, wurden an das Afrikakorps übergeben; einige davon wurden nach Mali transportiert.
Der al-Khadim Militärstützpunkt erhielt ebenfalls moderne Rüstungsgüter und Munition. Er ist inzwischen eines der Hauptzentren für russische Luftaktivitäten in Libyen.
Die per Schiff eingetroffenen Waffen gingen mit russischen Luftsendungen einher, die von der Basis Hmeimim in Syrien kamen. Dies deute auf eine integrierte Transferoperation hin, um die russische Basis von Syrien nach Afrika und Libyen zu verlagern, wo ihr Militär hauptsächlich auf den Militärbasen al-Khadim und al-Gardabiya konzentriert sei.

+ Libysches Zentrum für Sicherheits- und Militärstudien: Die russische Präsenz in Zentral- und Ostlibyen nimmt zu, um diese Gebiete als alternativen Logistikstützpunkt anstelle von Syrien zu nutzen.
Der US-Geheimdienst hat Infrastrukturausbau an sechs libyschen Luftwaffenstützpunkten beobachtet, auf denen sich Mitglieder des russischen Afrikakorps aufhalten: al-Dschafra, al-Khadim, al-Gardabiya, Brak asch-Schati, Matan as-Sara und Tamnahent.
Dieses Netzwerk stärke Moskaus Handlungsfähigkeit in Nordafrika und der Sahelzone und sichere gleichzeitig einen Stützpunkt in der Nähe des südlichen Flügels der NATO.
Libyen sei der logistische Knotenpunkt, der das Mittelmeer mit der Sahelzone, dem Sudan und dem Inneren des afrikanischen Kontinents verbindet.
Die Stützpunkte im Süden hätten besondere Bedeutung, denn sie ermöglichten es, Flugzeuge und Nachschub in die Sahelstaaten zu transportieren.
Die russische Präsenz in Zentral- und Ostlibyen verschaffe Moskau die Möglichkeit, eine direkte militärische Präsenz im Mittelmeer aufrechtzuerhalten.

Ausländische Besatzung

+ LibyaPress: Eine ukrainische Drohne griff am 20. September einen Ort in Stadt az-Zawiya an und verletzte fünf Personen schwer: Mutaz, Salim, Muqaddad, Malik ad-Dib und Saif Nasir.

+ Staatsrat/Konsensblock: Wie kann der Tag der Märtyrer begangen werden, wenn von russischen Militärlieferungen im Osten Libyens und der Anwesenheit ukrainischer Kräfte im Westen Libyens die Rede ist?
„Treue zu den Märtyrern beginnt mit dem Schutz dessen, wofür sie gefallen sind, nämlich für ein unabhängiges und geschütztes Vaterland und eine unteilbare Souveränität.“

+ Khaled al-Mischri: Die Unabhängigkeit der Mitglieder des Parlaments und des Staatsrats ist aufgrund des Drucks, den die De-facto-Mächte auf sie ausüben, soweit geschwächt worden, dass sie keinerlei Macht mehr besitzen. Ihr freier Wille müsse wiederhergestellt und diese Farce der ausländischen Einmischung in die Angelegenheiten des Landes müsse beendet werden, da sonst keine Wahlen möglich sind.

+ Mohammed Bouisir (Politberater): Libyen wurde zu einem Schauplatz für die Umsetzung der Agenden anderer Staaten – der Zustrom russischer Waffen ist der beste Beweis dafür.
Diese Waffen dienten möglicherweise nicht direkt der Unterstützung Haftars, sondern werden nach Süden in die Gebiete russischer Einflussnahme geleitet.
Libyen könnte zu einem Kriegsschauplatz zwischen dem ukrainischen und dem russischen Geheimdienst werden, wenn die lokalen Milizen, die mit beiden Seiten kooperieren, nicht unter Kontrolle gebracht werden.
Die Ukraine habe es geschafft, den Russen in mehreren Gebieten Schaden zuzufügen, und sie strebe dies auch in Libyen an. Die Russen ergriffen Maßnahmen, dem entgegenzuwirken. Beide Seiten nutzten es aus, dass es in Libyen Gebiete gibt, über die der Staat keinerlei Kontrolle ausübt.

+ Al-Menfi (Präsidialratsvorsitzender):  Das Außen- und das Verteidigungsministerium Libyens haben einen offiziellen Antrag an den Internationalen Strafgerichtshof gestellt und um Unterstützung bei den Ermittlungen bezüglich der Zelle gebeten, die in den Angriff auf die Zawiya-Raffinerie verwickelt ist.
Der Angriff der Zelle habe auf lebenswichtige zivile Einrichtungen gezielt, darunter Treibstofftanks und Kraftwerke. Ein terroristischer Plan ziele darauf ab, der zivilen Infrastruktur schwere direkte Schäden zuzufügen.
Die Beteiligung ausländischer Elemente, die Staatsangehörigkeiten von Vertragsstaaten des Römischen Statuts besitzen, sowie Libyer, die andere Staatsangehörigkeiten besitzen, sei nachgewiesen.

+ Arabi 21: Libyen ist angesichts der inneren Spaltung und der Fragilität des Staates ein Kandidat dafür, durch Blitzoperationen zum Schauplatz von Auseinandersetzungen und Abrechnungen zwischen den Großmächten zu werden.
Libyen sei aufgrund seiner geografischen Lage widerwillig den internationalen Spannungen und den Auswirkungen der verflochtenen geopolitischen Verhältnisse ausgesetzt.
Der Osten und Süden Libyens stelle eine logistische und strategisch wichtige Erweiterung der russischen Präsenz und ihrer afrikanischen Versorgungsnetze dar, was von der NATO als zunehmende strategische Bedrohung für ihren südlichen Flügel wahrgenommen werde.
Die eigentliche Gefahr für Libyen liege nicht nur in den Bedrohungen von außen, sondern auch in der inneren Spaltung und der institutionellen Fragilität, die den Staat gegenüber ausländischen Machtkämpfen schutzlos machen.
Eine Deeskalation der inneren Spannungen und das Festhalten an strategischer Neutralität seien der einzige Weg, um zu verhindern, dass das Land als Instrument in einem den Libyern fremden, internationalen Konflikt missbraucht wird.
Dringend erforderlich seien rationale Pläne zur Garantie der Nahrungsmittel- und Versorgungssicherheit sowie zur Herstellung eines Mindestmaßes an sicherheitspolitischer Koordination.

+ Mohammed Baschir an-Naas (Militäranalyst): Libyen ist nur noch unter dem Mikroskop sichtbar und hat keinen Einfluss mehr auf arabischer, islamischer und internationaler Ebene.

Analysen

+ Politik heute (Türkei):  Die libysche Revolution wurde von jenen begraben, die von ihrem Scheitern profitierten und die nicht verstanden, wie man einen Staat aufbaut, sondern ihre persönlichen Interessen vorzogen – dies unter dem Schutz einer politischen Schicht, die die „Übergangsphase“, die ewig dauern könnte, fortsetzen will.
Wahlversprechen würden vor sich hergeschoben, damit weiter vom Plündern des Staatsvermögens profitiert werden kann.
Dabaiba und Haftar seien keine Verbündeten, denn die Konkurrenz zwischen ihnen bestehe fort, besonders da ihre Interessen bei Geld, Waffen und Einfluss kollidieren, doch sie könnten ein offizielles Bündnis eingehen, um das bestehende System fortzusetzen, anstatt den libyschen Wählern zu erlauben, sie zu stürzen.
Da sie glaubten, das Volk sei nach 15 Jahren Unruhen verzweifelt und erschöpft, sei ihm ein harter Deal vorgeschlagen worden: Gehorsam gegen Stabilität.

Innerlibysche Nachrichten

+ Das Berufungsgericht von az-Zawiya entschied, die Vollstreckung der Beschlüsse von al-Menfi, Hussein al-Aib als Leiter des Geheimdienstes zu entlassen und als seinen Nachfolger Abdul Madschid Malikata sowie einen Stellvertreter zu ernennen, auszusetzen.

+ Der von al-Menfi eingesetzte Geheimdienstchef Abd al-Madschid Malikata traf in Aserbaidschan ein, wo im Rahmen der Baku-Sicherheitskonferenz, bei dem sich Geheimdienstchefs aus 150 Ländern treffen, Gespräche mit den Geheimdienstchefs aus Malta, Ägypten, Aserbaidschan und dem Sudan stattfanden – während sich in Tripolis der libysche Geheimdienstchef al-Aib weigert, sein Amt aufzugeben.

+ LibyaPress: Hussein al-Aib, der von al-Menfi abgesetzte Geheimdienstchef, fälschte seine Einladung zur Baku-Sicherheitskonferenz, um seine Einladung vorzutäuschen. Hierzu änderte er das Datum auf der Einladung, die ihm 2025 zugesandt worden war.

 + Der Sozialrat der Warfalla-Stämme warnte Dabaiba davor, Milizen aus Misrata die Übernahme landwirtschaftlicher Flächen der Stadt Bani Walid zu ermöglichen.
Bani Walid habe sich trotz der ihr widerfahrenen Ungerechtigkeiten für die Einheit des Vaterlandes eingesetzt und sich von den libyschen Kämpfen distanziert.
„Wir fordern Agila und Takala sowie al-Menfi und Dabaiba auf, diese Verstöße zu stoppen, die unabsehbare Folgen nach sich ziehen könnten.“

+ Der Sozialrat der Warfalla-Stämme verwahrte sich dagegen, dass der Name der Stadt in politische und militärische Konflikte gezogen oder dazu benutzt wird, speziellen Interessen einer Partei zu dienen. Die Sicherheit von Bani Walid sei eine rote Linie.
„Die nationale Priorität besteht in der Wiederherstellung der nationalen Souveränität, der Beendigung der ausländischen Präsenz, der Vertreibung der Söldner und dem Stoppen der ausländischen Interventionen.“

+ Familien der nach der Katastrophe von Derna Vermissten fordern, dass nach drei Jahren gehandelt werden müsse. Es mangle an psychischer und sozialer Unterstützung und die Identifizierung von Vermissten werde verzögert.
Auch in anderen Gemeinden wie Tarhuna, Tawergha und Murzuq gebe es immer noch viele Vermisste.

+ Khalil al-Hassi (Journalist): Das Außenministerium wurde von der Hacker-Gruppe EvaN47 gehackt. Sie setzte eine Frist von 72 Stunden, bevor mit der Veröffentlichung der Dateien des Ministeriums begonnen werde.

+ Dschaballa asch-Schibani (Abgeordneter): Tawergha erstickt im Rauch der städtischen Mülldeponie von Misrata. Tawergha solle zu einer Stadt gemacht werden, in der die Menschen nicht mehr leben können.

+ Die beiden türkischen Bruchpiloten vom Flughafen Misrata sind entgegen anderslautender Aussagen der Staatsanwaltschaft nicht in Haft, sondern warteten in einem Hotel auf ihre Ausreise in die Türkei.

+ Al-Araby al-Dschadid: Mehrere Regionen im Süden Libyens verzeichneten während der Sommermonate wiederholt Erkrankungen und Todesfälle durch Skorpionstiche.
Problematisch sei, dass das Gesundheitszentrum, das der Gestochene erreicht, über keine Behandlungsmöglichkeit verfügt, und er zu einem Krankenhaus fahren muss, das viele Kilometer entfernt liegt.

+ LibyaPress: Am 17. September kam es in der ostlibyschen Stadt al-Bayda aufgrund starker Regenfälle zu schweren Überschwemmungen. (Fotos)

+ LibyaPress: In der Nacht auf den 24. September kam es im südlichen Libyen zu verheerenden Sturzfluten, insbesondere betroffen waren die Gebiete zwischen Gilan, Barak asch-Schati und al-Dschufra. Die Straßen dort sind überflutet.
Eine dreiköpfige Familie verlor ihr Leben, weitere Familien sind von den Fluten eingeschlossen.

Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.

Wirtschaft / Finanzen

+ As-Senussi Basikri (Zentrum für Forschung und Entwicklung): Die für die Währungsstabilität und die Steuerung des Dinar-Kurses zuständige Zentralbank ist nahezu machtlos, den anhaltenden Wertverlust des Dinars gegenüber dem Dollar aufzuhalten.

+ Al-Araby al-Dschadid: Der Dollarkurs stieg auf dem Parallelmarkt auf etwa 9,66 Dinar, im Vergleich zu etwa 6,3 Dinar des offiziellen Kurses.
Dies führe zur Verteuerung von Waren und Dienstleistungen und zu einer Erosion der Kaufkraft des LD. Rentner und Ärmere könnten sich keine Medikamente mehr leisten.

+ Zentralbankchef Nadschi Issa erläuterte am 17. September in London die Geldpolitik der Zentralbank und die Umsetzung eines einheitlichen Haushalts dem leitenden Ökonomen des britischen Außenministeriums und des Entwicklungsministeriums.

+ Achmed Senussi (Journalist): Was Dabaiba und die Hammad-Regierung sowie alle mächtigen Parteien in den letzten fünf Jahren getan haben, wird das Volk teuer bezahlen. Alle Regierungen hätten das Geld aus den Öleinnahmen ausgegeben, aber Dabaiba gebe derzeit Geld aus, das nicht aus den Öleinnahmen stammt, sondern aus den Steuereinnahmen. Außerdem habe er die Gelder der Telekommunikationsunternehmen, der ausländischen Investitionen und die Reserven angezapft.
Von den Ärzten und Lehrern werde erwartet, dass sie ohne Murren arbeiten, ohne Rechte einzufordern. „Wie könnt ihr von ihnen verlangen, dass sie ausharren, während ihr das Geld für Luxus verschwendet?“

+ Die Gewerkschaft der Mitarbeiter von African Airlines deckte auf, dass das Großraumflugzeug A330 des Unternehmens verschrottet wurde, nachdem sich in der Türkei sechs Jahre lang niemand darum gekümmert hatte.

+ Inga Hynning (kommissarische Leiterin der US-Botschaft):  Ich habe mit Abdul Basit al-Baur, Generaldirektion für Kommunikation und Informationstechnologie, die  Ausweitung der Partnerschaft zwischen den USA und Libyen im Kommunikationsbereich besprochen.

+ Belgien/Italien: Der Anwalt des belgischen Prinzen Laurent hat in Italien ein neues Gerichtsverfahren eingeleitet, um nach der Niederlage in seinem Prozess in Großbritannien Vermögenswerte der Libyschen Investitionsgesellschaft (LIA)zu pfänden.
Prinz Laurent versuche, rund 50 Millionen Euro von Libyen einzutreiben, indem er Zugang zu Konten des libyschen Staates in Italien erhält und deren Pfändung beantragt.
Bisher schützte die staatliche Immunität die Pfändung libyscher Gelder, da Gelder, die mit den öffentlichen Aufgaben des Staates in Verbindung stehen, vor Vollstreckungsmaßnahmen geschützt sind. Der italienische Kassationsgerichtshof befand, dass die bloße Registrierung eines Kontos auf den Namen eines ausländischen Staates oder der Hinweis auf dessen Zweckbindung für staatliche Zwecke allein nicht ausreiche, um eine Pfändung zu verhindern, sondern es müsse nachgewiesen werden, dass die Gelder tatsächlich zur Ausübung hoheitlicher Aufgaben verwendet werden.

+ Africa Intelligence: Die Nationale Ölgesellschaft (NOC) sieht sich Forderungen von Gläubigern ausgesetzt, die sich auf Urteile gegen den libyschen Staat stützen, nachdem die kuwaitische al-Kharafi-Gruppe ein Urteil zur Pfändung im Zusammenhang mit einem Joint Venture mit TotalEnergies erwirkte. Al-Kharafi habe die gerichtliche Genehmigung, Vermögenswerte der NOC in Frankreich zu pfänden.
Die Allianz zwischen Total Energies und der NOC stehe aufgrund von Gläubigern aus Tripolis unter Druck.

Erdöl / Erdgas

+ Middle East Online (GB): Bürger und kleine Unternehmen in Libyen leiden unter den ständigen Stromausfällen, die bis zu 36 Stunden dauern, während der Kraftstoffschmuggel beispiellose Ausmaße erreicht.
Der Verfall der Infrastruktur verschärfe die Probleme, da in Tripolis neun Treibstofflager, die im Krieg von 2014 zerstört wurden, noch nicht wiederaufgebaut wurden.

+ Reuters (GB): Schlangen vor Tankstellen erreichen über zwei Kilometer Länge. Der Treibstoffschmuggel koste die Libyer jährlich rund 6,7 Milliarden US-Dollar.
Der Verfall der Infrastruktur und der ausufernde Treibstoffschmuggel führten zu einer Verschärfung der akuten Probleme bei der Versorgung mit Strom und Treibstoff.
Der Preis für Diesel auf dem Schwarzmarkt ist auf 11 LD/Liter (ca. 1,70 US-Dollar) gestiegen, verglichen mit dem subventionierten Preis von 0,15 Dinar.
Die Wasserversorgung aus dem Man-Made-River ist unterbrochen, nachdem GECOL (libysches Stromversorgungsunternehmen) den vollständigen Stromausfall erklärte.

+ In az-Zawiya ist Treibstoff weiter knapp und es bildeten sich immer noch lange Warteschlangen – insbesondere von Lkws – vor den Tankstellen.

Libyen und das Ausland

+ Tunesien. Mustafa Abd al-Kebir (Tunesischen Bobachtungsstelle für Menschenrechte): Die Lage am Grenzübergang Ras Adschdir ist äußerst schwierig und habe sich in den letzten Monaten weiter verschlechtert. Die Wartezeit der tunesischen Reisenden dauere mehr als 70 Stunden, was insbesondere für ältere und kranke Menschen untragbar sei, da jegliche sanitäre Versorgung fehle.

+ Algerien/Ägypten. Der ägyptische Außenminister Badr Abdelatty und sein algerischer Amtskollege Ahmed Attaf betonten die Bedeutung der Fortsetzung der Abstimmung im Rahmen des Dreier-Nachbarschaftsmechanismus bezüglich Libyens, um den Prozess der politischen Einigung zu unterstützen und die Einheit Libyens sowie seine Souveränität und territoriale Integrität zu wahren.

+ Ägypten. Der ägyptische Außenminister beriet am 20. September mit Massad Boulos über die Lage in Libyen sowie Möglichkeiten, Fortschritte im politischen Prozess zu erzielen und den Zustand der Spaltung zu beenden.

+ Israel. Mustafa al-Fituri (Autor): Der Fall der ehemaligen Außenministerin al-Mangusch hat die Stärke der libyschen Straße und ihre Fähigkeit gezeigt, der Außenpolitik Vorgaben zu machen oder sie sogar abzulehnen – nämlich dann, wenn eine rote Linie überschritten wird, wie der Umgang mit Israel und der Palästina-Frage.
Das Prinzip des Israel-Boykotts gab es seit dem Machtantritt Gaddafis im Jahr 1969, der die palästinensische Sache zu einer grundlegenden Säule der libyschen Außenpolitik machte, unterstützt durch Hilfe für die Palästinenser.
Die Idee der Normalisierung mit Israel tauchte in Libyen seit 2011 auf, als Bernard-Henri Lévy dies im Rahmen seiner Unterstützung des anti-Gaddafi-Aufstands vorbrachte. Im Gegenzug sollte das zukünftige Libyen Israel anerkennen. Lévy erklärte dies direkt nach seinem Treffen mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu im Jahr 2011 und sagte, dass die neuen libyschen Behörden bei ihrer Machtübernahme auf die Sicherheit Israels achten würden.
Dieses Ereignis gewinnt an Bedeutung, weil es sogar vor dem Fall Gaddafis stattfand, als der Übergangsrat sich als die politische Autorität des zukünftigen Libyens präsentierte. Eine Anerkennung Israels war jedoch eine politisch so sensible Angelegenheit, dass sich die Mitglieder des Rates öffentlich davon distanzierten.

+ Palästina. Mohammed bin Aydah Schabiba (ehemaliger jemenitischer Minister): Wenn die Unterstützung der palästinensischen Sache für al-Gharyani (Mufti von Tripolis und Moslembruder) der Maßstab ist, bedeutet das, dass al-Gharyani sich beim früheren libyschen Regime unter der Führung von Oberst Muammar al-Gaddafi entschuldigen muss. Denn dieses unterstützte die Palästinenser umfassend mit Waffen und Geld und der Ausbildung von Kämpfern. Es bot palästinensischen Führern Zuflucht und gewährte den in Libyen lebenden Palästinensern Vorzugsrechte sowie Zugang zum Bildungs- und Gesundheitswesen und zum Arbeitsmarkt. Es nutzte die Medien zur Unterstützung der palästinensischen Sache und half Familien von Märtyrern sowie Verletzten, Gefangenen und Vertriebenen.
„Warum also hast du, Scheich Sadiq, dem NATO-Bündnis den Befehl zu Gaddafis Tötung erteilt, obwohl er auf der Seite der palästinensischen Sache stand?!“

Rückblick

+ Moussa Ibrahim: Libyen war eines der am stärksten entwickelten Länder in Afrika. Aber letztlich hat das Libyen nicht geschützt. Das ist eine wichtige Lektion. Man kann das Land entwickeln. Man kann Infrastruktur aufbauen. Man kann Bildung und Gesundheitswesen verbessern. Man kann über Ressourcen verfügen und Reichtum anhäufen. Aber wenn man allein in einem gespaltenen Kontinent existieren, ohne kollektive Sicherheit und ohne ausreichende regionale Macht, bleibt man verletzlich.

+ Moussa Ibrahim: Krieg hat Konsequenzen, die noch lange nach dem Verschwinden der Fernsehkameras und der Rückkehr der Flugzeuge anhalten. Die Bombardierung endet, deren Konsequenzen nicht.
Das ist der Grund, warum die Folgen der Zerstörung Libyens nach 2011 nicht nur an dem gemessen werden können, was während des Krieges bombardiert wurde. Wir müssen auch fragen, wozu der libysche Staat danach nicht mehr in der Lage war.

Aus den Nachbarstaaten

+ Algerien. RT: „Der Bruch Algeriens mit den Vereinigten Arabischen Emiraten offenbart einen Kampf um Einfluss, der sich von der Westsahara über Libyen bis in die Sahelzone erstreckt. Algerien wirft der VAE Einmischung in seine Angelegenheiten vor und kritisiert deren Einflussnahme vor allem in Marokko und Libyen.“

+ Ägypten. Der ägyptische Präsident Abd al-Fattah as-Sisi in einer TV-Ansprache: Der Druck, die Länder zu stürzen, wird nicht enden. Die Länder stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen. Wichtig ist, dass das Volk wachsam und sich bewusst ist, was geschieht.

+ Afrika. Moussa Ibrahim (Video): „Die koloniale Infrastruktur in Afrika war nie darauf ausgelegt, Afrika zu vereinen. Die Eisenbahn führte von der Mine zum Hafen, denn ihr Zweck war die Rohstoffgewinnung: afrikanische Ressourcen aus dem Kontinent abzutransportieren. Heute bietet Chinas etwas anderes.
China verfolgt seine eigenen Interessen, wie es jede Macht tut. Doch in einer sich abzeichnenden multipolaren Welt hat Afrika mehr Spielraum, um zu verhandeln und Partnerschaften aufzubauen, die auch der afrikanischen Entwicklung dienen können. Wir stehen der Welt nicht mehr aus der Perspektive unserer Vorfahren während der kolonialen Eroberung gegenüber. Die Chance besteht nicht darin, die Herren auszutauschen. Sie besteht darin, souverän zu werden.“