Rezension. Auch in seinem neuen Buch „Kampf der Giganten“ – gemeint sind China, Russland und USA – gelingt es Daniele Ganser als kompliziert geltende politische Ereignisse und Zusammenhänge verständlich aufzubereiten und, ohne die Sachverhalte zu versimplifizieren, für ein breites Publikum auf eine gut lesbare Sprache herabzubrechen. Dies gelingt ihm bei der Darstellung der großen gegenwärtigen Brennpunkte wie dem Ukraine-, dem Gaza- und dem Irankrieg ebenso wie beim Thema Währungspolitik.
Das Buch ist in neun Kapitel gegliedert, die sich mit China, Russland, dem Ukrainekrieg, Deutschlands Kriegsgefahr, Israel und Gazakrieg, USA und Dollar sowie dem Irankrieg befassen. Dem schließt sich eine Chronologie zum „Kampf der Giganten“ an sowie ein Index und Anmerkungen mit Literaturhinweisen.
Eine Stärke des Buches liegt in dem Bemühen des Autors, der Interpretation von Fakten durch die politischen und militärischen Kontrahenten Raum zu geben, ohne von vornherein Stellung zu beziehen. Nach einem kurzen historischen Exkurs am Anfang jedes Kapitels werden die jeweiligen positiven und negativen Seiten der „Giganten“ mit ihren Stärken und Schwächen beleuchtet, wobei Schwarz-Weiß-Denken nicht Gansers Sache ist, der sich stets am UN-Völkerrecht orientiert.
Sich der unterschiedlichen Perspektiven, welche die weltpolitischen Giganten auf die Krisen dieser Zeit haben, überhaupt bewusst zu werden, ist bereits ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Frieden.
Im Folgenden eine kurze inhaltliche Zusammenfassung:
Warum China dem Westen kaum Vertrauen schenken wird
Das erste Kapitel in Gansers Werk befasst sich mit dem Aufstieg Chinas zur Weltmacht. Es schließt manche Wissenslücke über das den Westlern doch sehr unbekannte und mit Vorurteilen beladene Land und beginnt dementsprechend mit der Frage: Warum wissen wir im Westen so wenig über China? Ganser führt dies vor allem auf die Sprach- und Schriftbarriere zurück. (1) Viele Menschen wünschten sich eine friedliche Koexistenz mit der großen Wirtschaftsmacht, das wie alle anderen Staaten Stärken, wie sein nicht vorhandener Expansionsdrang, und Schwächen, wie sein Überwachungssystem, aufweise.
In einem historischen Rückblick zeigt Ganser, dass China seit mehr als vierzig Jahren keine Kriege mehr führte und dass das Land nie Kolonien besaß. Über Jahrhunderte sei China dem Rest der Welt weit überlegen gewesen, stark geprägt von der ethisch-sozialen und politischen Lehre des Konfuzianismus. Obwohl während der Zeit der Opiumkriege, von China als das „Jahrhundert der Schande“ bezeichnet, China von Großbritannien, Japan, Russland, den USA und Deutschland militärisch und wirtschaftlich angegriffen wurde, geriet es nie landesweit unter Fremdherrschaft. Im Jahr 1900 kam es zum Boxeraufstand, bei dem auch der deutsche Botschafter erschossen wurde, bevor der Aufstand mit einem blutigen internationalen Expeditionsheer mit großer Brutalität niedergeworfen wurde.
Der Autor berichtet über die Gründung der Volksrepublik China durch Mao Zedong 1949, über den Bürgerkrieg zwischen Nationalisten und Kommunisten, über die Organisation des Staates, den Nationalen Volkskongress und dessen von ihm gewählten Präsidenten. Ein Kapitel ist dem Koreakrieg von 1950 gewidmet, als sich China und die USA bekämpften und die Schuldzuschreibung für den Kriegsausbruch unterschiedlicher nicht sein könnten. Bemerkenswert ist die damalige Vertretung Chinas bei den Vereinten Nationen nicht durch Peking, sondern durch Taiwan, und das damalige Bündnis zwischen China und Russland gegen die USA. Der Koreakrieg endete nach einer gnadenlosen Bombardierung des Landes durch die USA, dem Abwurf von Napalm und dem Einsatz von Biowaffen – mit dem Pestvirus infizierte Flöhe – mit dem Tod von geschätzt insgesamt drei Millionen Menschen und der bis heute anhaltenden Teilung des Landes.
Wie Ganser berichtet, unterstützte und benutzte die CIA in den 1950er Jahren die chancenlosen Aufständischen in Tibet als eine Art Stay-behind-Geheimarmee, obwohl sogar Chiang Kaishek die Auffassung vertrat, dass Tibet zu China gehört.
Zur Zeit des Vietnamkriegs seien die USA bemüht gewesen, China von der Sowjetunion loszulösen und auf ihre Seite zu ziehen. Im Juli 1971 reiste Nixons Sicherheitsberater Henry Kissinger nach Peking, und im Oktober 1971 erklärte die UN-Generalversammlung die Volksrepublik China zur einzigen legitimen Vertretung Chinas und übertrug den Sitz im UN-Sicherheitsrat von Taiwan auf die Volksrepublik. Die USA erkannten an, dass Taiwan ein Teil Chinas sei, was zur Folge hatte, dass die USA unter Jimmy Carter sogar ihre Botschaft in Taipeh schlossen.
Im Jahr 1979 starb Mao, dessen unbestreitbaren Verdiensten auch schwere Verbrechen, insbesondere während der sogenannten Kulturrevolution, gegenüberstehen. Die tiefgreifenden Wirtschaftsreformen seines Nachfolgers Deng Xiaoping bescherten dem Land einen unglaublichen Wirtschaftsaufschwung, so dass es 2009 Deutschland als Exportweltmeister ablöste. China wurde zu einer der größten Volkswirtschaften der Welt und konnte zwischen 1980 und 2020 mehr als 800 Millionen Chinesen aus der extremen Armut befreien. Gegen Oppositionelle, die demokratische Reformen forderten, ging China mit aller Härte vor, so bei den Studentenprotesten am Platz des Himmlischen Friedens 1989 in Peking.
Während des illegalen Angriffskriegs der Nato-Staaten gegen Serbien bombardierten die USA im Mai 1999 die chinesische Botschaft in Belgrad, wobei drei Chinesen starben und etliche verletzt wurden. In dessen Folge kam es zu amerikafeindlichen Demonstrationen vor der US-Botschaft in Peking. 2001 schoss China ein us-amerikanisches Spionageflugzeug ab und nahm anschließend alle Besatzungsmitglieder fest.
Auf Bestreben der USA konnte China 2001 der Welthandelsorganisation beitreten und erhielt dauerhaften Zugang zum US-Markt. Allerdings stiegen schon bald die Bedenken, dass China den USA nicht nur ebenbürtig, sondern sogar überlegen werden könnte. Als 2006 Brasilien, Russland, Indien und China den Zusammenschluss der BRICS-Staaten verkündeten, um die Vorherrschaft der USA zu brechen, läuteten in den USA die Alarmglocken. Es wuchsen die Befürchtungen, dass diese Herausforderung der USA in einem Krieg münden könnte. Mit dem Beitritt von Südafrika und später von Iran, Ägypten, Äthiopien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Indonesien zu den BRICS+ Staaten hat laut Ganser eine neue multipolare Weltordnung immer mehr Gestalt angenommen, die das Ende der globalen Vorherrschaft der USA als einzige Supermacht einläuten könnte.
Warum Russland dem Westen misstraut
Das Gebiet Russlands erstreckt sich über elf Zeitzonen, verfügt über riesige Mengen an natürlichen Ressourcen, kann sich selbst versorgen und ist eine Atommacht.
Wie der Autor darlegt, versuchte Napoleon 1812 erfolglos Russland zu bezwingen. Im Juni 1941 begann Adolf Hitler den Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion, zu dessen Ende die UdSSR 27 Millionen Tote zu beklagen hatte. Der „totale Krieg“ endete für Deutschland mit der totalen Niederlage und dem Bekenntnis: „Nie wieder Krieg!“.
Während des Kalten Krieges standen sich die NATO-Staaten und die Staaten des Warschauer Paktes gegenüber, die Welt war in zwei Einflusssphären aufgeteilt. In dieser Zeit bekämpften die USA mit Geheimarmeen – wie Gladio in Italien und deren False-flag-Terroranschläge – Parteien, die die Nato-Mitgliedschaft infrage stellten. Auf der anderen Seite, innerhalb des Warschauer Pakts, wurde jede Demokratiebewegung von den Sowjets brutal niedergewalzt, wie der Arbeiteraufstand in der DDR 1953 und der Prager Frühling 1986.
Nach dem Zusammenbruch der UdSSR löste sich der Warschauer Pakt auf, während sich die Nato immer weiter nach Osten ausdehnte, trotz anderweitiger Versprechen an den damaligen russischen Präsidenten Gorbatschow im Zuge der deutschen Wiedervereinigung und dem Verbleib Deutschlands in der NATO. Laut Ganser war die Nato-Osterweiterung ein Wortbruch, der zum Krieg in der Ukraine führte. Als 2023 auch noch Finnland und 2024 Schweden aufgenommen wurden, sah sich Russland von Nato-Staaten eingekreist, die seit dem Mauerfall von 16 auf 32 Staaten angewachsen war.
Die Wolfowitz-Doktrin des Pentagon fordert die globale Vorherrschaft der USA. Auch US-Präsident Bill Clinton ließ keinen Zweifel daran, dass er auf der Nato-Osterweiterung bestehen werde. So unter Druck geraten, unterzeichneten Russland und China 1997 die „russisch-chinesische gemeinsame Erklärung über eine multipolare Welt“.
2008 griff Georgien seine abtrünnige Region Südossetien an, wurde aber in fünf Tagen von Russland, das sich an die Seite Südossetiens stellte, besiegt. Anschließend war eine Nato-Mitgliedschaft Georgiens vom Tisch.
Trotz ernstzunehmender Warnungen lud Dick Cheney 2008 in Kiew die Ukraine zum Beitritt in die NATO ein. In seinem Buch geht der Autor ausführlich auf die Vorgänge während des Maidan-Putsches und die Gewalteskalation im Jahr 2014 in Kiew ein, bei der der Westen und die USA die treibenden Kräfte waren. Ganser kommt zu dem Schluss: „Der Euromaidan war eine Operation unter falscher Flagge“, der die Ukraine in einen Bürgerkrieg stürzte, der etwa 14.000 Menschen das Leben kostete und für den der damalige US-Präsident Barack Obama die politische Verantwortung trug.
Nach dem Sturz des demokratisch gewählten ukrainischen Präsidenten Janukowitsch gab Putin den Auftrag, mit der „Rückholung“ der Krim zu beginnen. Im März 2014 stimmten 97 Prozent der Bevölkerung für den Austritt aus der Ukraine und den Anschluss an Russland. Wie Ganser ausführt, kollidierten dabei zwei Völkerrechtsprinzipien: die Unverletzlichkeit der Grenzen und das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Bis heute berichte der Westen daher von der Annexion, während – auch viele Völkerrechtsexperten – von einer Sezession sprechen.
Dies war der Anfang der gegen Russland gerichteten EU-Sanktionspakete.
Schlachtfeld Ukraine
Eine über 2.000 Kilometer lange Grenze verbindet die beiden auch historisch eng verbundenen, ostslawischen Völker Ukraine und Russland. Nach dem Maidan-Putsch von 2014 habe der Leiter des ukrainischen Inlandgeheimdienstes SBU Kontakt zur CIA aufgenommen und neunzig Prozent der führenden Mitarbeiter entlassen. Aus der Sicht Moskaus hatte die CIA den SBU übernommen.
Drei Tage nach dem Besuch von CIA-Direktor Brennan in Kiew begann im April 2014 die ukrainische Armee ihre „Anti-Terror-Operation“ und ging mit Gewalt gegen die Aufständischen im Osten, in den Oblasten Donezk und Luhansk, vor. Das Land versank im Bürgerkrieg.
Am 2. Mai 2014 brannte der Rechte Sektor in Odessa das Gewerkschaftshaus ab, wobei fast 50 russischstämmige Ukrainer starben und mehr als 200 verletzt wurden. Am 11. Mai 2014 sprachen sich bei Volksabstimmungen in Doneszk und Luhansk eine Mehrheit für eine Sezession von der Ukraine aus, doch der russische Präsident Putin nahm die Abtrünnigen nicht ins russische Staatsgebiet auf. Es fanden Friedensgespräche in Minsk statt, die zu einem Waffenstillstandsabkommen führten, das von der OSZE überwacht werden sollte. Doch weder die Vereinbarungen von Minsk I noch von Minsk II wurden eingehalten. Kiew hatte die Abkommen von vornherein abgelehnt, die Garantiemächte drängten nicht auf ihre Durchsetzung. Die Angriffe des ukrainischen Militärs auf die eigene Bevölkerung wurden fortgesetzt, dem Donbass wurde ein Autonomiestatus verwehrt. Der OSZE wurde der Vorwurf gemacht, sie habe ihr Mandat verraten.
2019 gewann Wolodymyr Selenski – ein Schauspieler, bekannt aus der Fernsehserie „Diener des Volkes“ – mit dem Versprechen, Frieden zu schaffen, die ukrainischen Präsidentschaftswahlen. Laut Ganser übte eine gewaltbereite Minderheit von Rechtsextremen massiven Druck auf Selenski aus, die Friedenspläne aufzugeben, während von Seiten der USA der Plan bestand, Russland dazu zu bringen, sich wirtschaftlich, militärisch und politisch zu übernehmen, was zu seinem Zusammenbruch führen sollte – wie ihn schon einmal die UdSSR im Afghanistankrieg erlebte.
2021 trafen sich Putin und der damalige US-Präsident Biden in der Schweiz, wobei man sich gegenseitig versicherte, den Weg von Minsk II weiterverfolgen zu wollen. Doch nach wie vor verweigerten die USA die Zusage, dass die Ukraine nicht der NATO beitreten würde. Anlässlich der Olympischen Winterspiele in China trafen am 4. Februar 2023 Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping in Peking zusammen und forderten in einer gemeinsamen Erklärung den Stopp der Nato-Osterweiterung. Am 21. Februar 2023 erkannte Russland die Volksrepubliken Luhansk und Donezk als unabhängige Staaten an und am 24. Februar marschierten russische Soldaten in einer „militärischen Sonderoperation“ in die Ukraine ein, der Peking „komplexe historische Hintergründe“ bestätigte. Laut dem Autor sei der Einmarsch Russlands in die Ukraine als ein Verstoß gegen das Völkerrecht zu werten, allerdings als ein durch NATO-Osterweiterung und die Vorgänge auf dem Maidan sowie den anschließenden Krieg gegen die abtrünnigen Oblasten provozierter.
Ab jetzt begann ein hemmungsloser Propagandakrieg gegen Russland, bei dem unter anderem russische Medien im Westen verboten wurden. Im März 2022 forderte die UN-Generalversammlung mit 141-Ja-Stimmen den sofortigen Rückzug aller russischen Streitkräfte aus der Ukraine.
Noch im April 2022 sei Selenski bereit gewesen, auf eine NATO-Mitgliedschaft zu verzichten, und Putin habe zugestimmt, seine Truppen aus der Ukraine zurückzuziehen. Ganser konstatiert, dass es die USA und Großbritannien waren, die keinen Frieden wollten. Deren Bestrebung sei es gewesen, Russland in einem Stellvertreterkrieg zu besiegen. Während der Friedensgespräche, die in Istanbul stattfanden, reiste der damalige britische Premier Boris Johnson nach Kiew und wies Selenski an, den fast fertig ausgehandelten Friedensvertrag nicht zu unterschreiben. Diese Sabotage der Istanbul-Gespräche kostete laut dem Autor inzwischen mehr als einer Million junger Menschen aus der Ukraine und aus Russland das Leben.
Bezüglich der Vorgänge in Butscha, wo Russland Ende März 2022 angeblich ein Massaker an Zivilisten begangen haben soll, waren die Darstellungen von Russland und der Ukraine so widersprüchlich, dass der UN-Sicherheitsrat seine diesbezügliche Sitzung ohne konkrete Resultate beenden musste. Russland hat wiederholt erklärt, dass es sich in Butscha um eine unter falscher Flagge inszenierte Operation gehandelt habe, um den Friedensprozess in Istanbul zu torpedieren. Obwohl bis heute Listen der angeblichen Opfer fehlen, waren sich die westlichen Medien darüber einig, dass die russische Darstellung Propaganda sei.
Deutschland schwebt in Kriegsgefahr
Deutschland als der wichtigste US-Militärstützpunkt in Europa mit einem großen Kontingent an Soldaten ist laut Ganser seit dem Zweiten Weltkrieg ein besetztes Land. Obwohl es eine Mehrheit der Bevölkerung ablehne, werde Deutschland in einen Stellvertreterkrieg mit Russland gezogen. Im Februar 2022 sprach der damalige Bundeskanzler Scholz von einer „Zeitenwende“, diffamierte Präsident Putin als „Kriegstreiber“ und sprach sich für Waffenlieferungen an die Ukraine aus, vehement unterstützt von seiner Außenministerin Annalena Baerbock von den Grünen. Zunächst wurden an die Ukraine Helme geliefert, dann Stinger-Raketen, gefolgt von Panzerabwehrfäusten und dem Kampfpanzer Leopard. Es folgten das Flugabwehrsystem Patriot aus den USA und Kampfdrohnen aus Bayern. Die Ausbildung ukrainischer Soldaten an diesen Waffensystemen könne laut Sachverständigen durchaus als Kriegseintritt bewertet werden.
Von der US-Basis in Wiesbaden aus lenkten die USA über satellitengestützte Systeme Angriffe der Ukrainer auf Russland. Die Task Force Dragon der USA übernahm die Zielauswertung, auf deren Grundlage Russen getötet wurden. Die Behauptung der USA, man sei an Kriegshandlungen nicht beteiligt, bewertet Ganser als Lüge. Der deutsche Brigadegeneral Erich Vad warnte eindringlich vor einer direkten Konfrontation mit Russland, denn dies sei „der Weg in den dritten Weltkrieg“.
Am 26. September 2022 wurden die Nord Stream Pipelines gesprengt. Laut dem Autor „verhielt sich Berlin wie ein treuer Vasall und ließ dem Giganten USA freie Hand“. Altkanzler Gerhard Schröder mahnte, es brauche unbedingt eine kooperative Sicherheitsordnung unter Einbezug von Russland und China. Russland sei ein Land mit großer Kultur und vielfältigen historischen Verbindungen zu Deutschland. Doch in den Augen der USA waren Beziehungen zwischen Deutschland und Russland gefährlich, da sie die zusammen die einzige Macht seien, die die USA bedrohen könnte. Es müsse sichergestellt werden, dass dieser Fall nie eintrete. Der investigative Journalist Seymour Hersh beschrieb in einem Artikel die Sprengung der Pipelines durch Tiefseetaucher der US-Marine in allen Einzelheiten und machte eindeutig die USA dafür verantwortlich. Seine Informationen bezog Hersh über enge Kontakte zum US-Militär und US-Geheimdiensten. Kurze Zeit später sollte der Hersh-Bericht mit der neuen Andromeda-Jacht-Erzählung, die nur so von Ungereimtheiten strotzt, begraben werden. Die Sprengung von Nord Stream war laut Ganser ein eindeutiger Verstoß gegen das UNO-Gewaltverbot.
Im September 2022 stimmten bei einer Volksabstimmung in den Oblasten Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson über 80 Prozent der Bewohner für einen Anschluss an Russland. „Die USA und die EU kritisierten die Abspaltung der vier Oblaste als großes Unrecht, während Russland sie als einen Beitrag zur Sicherheit der Menschen vor Ort einstufte.“ Nachdem die Ukraine immer mehr an Boden verlor, eskalierten die USA den Krieg und erlaubten der Ukraine, mit Hilfe der Koordinaten aus Wiesbaden Russland mit US-Raketen und Drohnen anzugreifen. Im August 2024 drangen auch ukrainische Soldaten, unterstützt von NATO-Staaten, auf russisches Gebiet in der Region Kursk vor. Die Kursk-Offensive scheiterte.
Während der us-amerikanische Präsident Biden offensichtlich mental immer stärker abbaute, orchestrierte er als Oberbefehlshaber den Krieg gegen Russland und erlaubte der Ukraine, ATACMS-Langstreckenraketen gegen Russland einzusetzen. Am 5. November 2024 gewann Donald Trump die US-Wahlen und sprach sich gegen den Krieg aus. Doch London eskalierte weiter und lieferte britische Storm-Shadow-Marschflugkörper, woraufhin Russland eine Rüstungsfabrik in der Ukraine mit der neuartigen Hyperschallrakete Oreshnik zerstörte. Die Oreshnik hat eine Reichweite von 5.000 Kilometern und kann bislang nicht abgewehrt werden. Der russische Außenminister Lawrow hoffte, dass dieses Signal wahrgenommen wird.
Im September 2024 lenkte die CIA erstmals Drohnen auf Russland, auch Deutschland stieg mit Drohnen aus Bayern in den Drohnenkrieg ein. In Russland wurden Stimmen immer lauter, dass Russland das Schlachtfeld über die Ukraine hinaus gegen europäische NATO-Staaten erweitern müsse. Bisher widerstand Wladimir Putin als Oberbefehlshaber der russischen Streitkräften diesen Stimmen.
Trotz gegenteiliger Versprechungen vor den Wahlen zeigte sich Präsident Trump nicht willens oder fähig, den Ukrainekrieg zu beenden. Da die USA die Hauptbedrohung in China sehen, wollten sie sich aus dem Krieg in der Ukraine zurückziehen, während die Europäer am Krieg festhalten. Im August 2025 fand in Alaska ein Gipfeltreffen zwischen Trump und Putin statt. Erneut lag ein Friedensabkommen in Reichweite. Doch die Europäer waren ebenso wie Selenski dagegen und forderten, die Ukraine müsse einen NATO-Beitritt anstreben dürfen. Als Selenski sogar versuchte, Putin mittels eines Drohnenangriffs zu töten, schoss Russland im Januar 2026 erneut eine Oreshnik-Rakete ab, diesmal auf eine ukrainische Drohnenfabrik. Brigadegeneral Vad sprach nach vier Jahren von „sinnlosem Blutvergießen“ und einem vernichtenden Zermürbungs- und Abnutzungskrieg, bei dem immer noch kein Ende abzusehen ist, auch wenn viele den Krieg für die kriegsmüde und erschöpfte Ukraine als bereits verloren ansehen.
Sollte der Krieg weiter eskalieren, könnte Russland europäische Ziele zunächst mit konventionellen Waffen angreifen, bei einer drohenden Niederlage dann Atomwaffen einsetzen.
Israel und der Genozid in Gaza
Laut dem Autor sind die Geheimdienste Israels und der USA, Mossad und CIA, die eng verflochtensten der Welt und Israel gehört zu den weltweit größten Empfängern von finanzieller US-Hilfe. Einflussreiche pro-israelische Lobbyorganisationen investierten Millionen US-Dollar in us-amerikanische Wahlkämpfe, um Kandidaten mit klar proisraelischer Linie zu unterstützen. Seit Jahrzehnten stehen die USA im UN-Sicherheitsrat an der Seite Israels und schmettern Forderungen mit ihrem Veto nach dem Rückzug Israels aus den von ihnen besetzten palästinensischen Gebieten ebenso ab wie eine Zwei-Staaten-Lösung ab, die von Russland und China befürwortet wird.
Wie der Autor beschreibt, wurde Israel mit dem Sechstagekrieg von 1967 zur Besatzungsmacht im Gazastreifen, im Westjordanland und in Ost-Jerusalem und begann mit dem Siedlungsbau in den besetzten Gebieten.
Ganser geht auf einen speziellen, weithin unbekannten Vorfall während des Sechstagekriegs ein, als am 8. Juni 1967 israelische Streitkräfte das vor der ägyptischen Küste stationierte us-amerikanische Kriegsschiff USS Liberty angriffen, wobei 34 US-Amerikaner getötet und 174 verwundet wurden. Auf das Schiff wurden Napalmbomben abgeworfen und es sollte versenkt werden, damit es keine Überlebenden gibt. Dies misslang und das Schiff konnte noch in den Hafen von Malta geschleppt werden. Das Pentagon verhängte über diesen Vorgang eine vollständige Nachrichtensperre. Die USA und Israel einigten sich darauf, es habe sich bei der Bombardierung des Verbündeten um einen tragischen Irrtum gehandelt. Es wurden jedoch Vermutungen laut, dass Israel den Angriff Ägypten in die Schuhe schieben wollte, um den USA einen Vorwand zum Eintritt in den Sechstagekrieg zu liefern – der damalige ägyptische Präsident Gamal Nasser sei beim US-Präsidenten Johnson verhasst gewesen.
1973 griffen Ägypten und Syrien im Jom-Kippur-Krieg Israel an, um die von Israel annektierten Golanhöhen und die Sinaihalbinsel zurückzuerobern. Israel konnte sich behaupten, die Sinaihalbinsel wurde erst infolge eines Abkommens 1979 an Ägypten zurückgegeben, die Golanhöhen hält Israel ebenso wie Ostjerusalem bis heute besetzt. Um Aufstände und Anschläge der Palästinenser gegen die Besatzungsmacht zu unterdrücken, wurden die besetzten Gebiete mit starken und modernsten Befestigungsanlagen umgben.
Am 7. Oktober 2023 durchbrachen Palästinenser aus dem Gazastreifen diese Befestigungsanlagen und töteten mehr als 1.200 Israelis und verschleppten 250 in den Gazastreifen. Israels Premierminister Netanjahu schwor blutige Rache und begann mit Luftangriffen, denen eine Bodenoffensive folgte. „Der Gazastreifen wurde in eine Trümmerlandschaft verwandelt.“
Wie es den palästinensischen Kämpfern gelingen konnte, die schwer gesicherten Grenzanlagen zu überwinden, ist bis heute ungeklärt. Hat der israelische Geheimdienst versagt oder wussten sie von dem geplanten Überfall und ließen ihn zu, um einen Anlass für die endgültige Besetzung des Gazastreifens zu haben und die Palästinenser für immer im Sinne eines Großisraels zu vertreiben? Einige Fakten sprechen für letztere These, wie dass israelische Patrouillen ausgesetzt wurden und Israel konkrete Warnungen ignorierte. Inzwischen forderte Israels Finanzminister Smotrich nicht nur die Vertreibung der zwei Millionen Palästinenser aus dem Gazastreifen, sondern auch der fünf Millionen aus dem Westjordanland.
Südafrika reichte 2023 Klage gegen Israel wegen Völkermord ein, der sich etliche Staaten anschlossen, und die vom Internationalen Gerichtshof angenommen wurde. In Deutschland konnten weder Bundeskanzler Scholz noch Wirtschaftsminister Habeck – anders als Amnesty International, Ärzte ohne Grenzen, die UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese oder der bekannteste jüdische Genozidforscher Omer Bartov – einen Genozid im Gazastreifen erkennen.
Auch nachdem der UNO-Menschenrechtsrat den Genozid in Gaza verurteilt hat, schweige der Westen zu Gaza. Der französische Soziologe Didier Fassin bezeichnete dies als den „tiefsten moralischen Abgrund, in den die westliche Welt seit dem Zweiten Weltkrieg gefallen ist.“ Trotz der Waffenlieferungen an Israel und der Blockierung der Zweistaatenlösung inszeniere sich der us-amerikanische Präsident Trump als Friedensstifter, so als die verschleppten Geiseln an Israel übergeben wurden.
Im Gazakrieg starben mehr als 66.000 Menschen, darunter 18.500 Kinder, mehr als 167.000 wurden verletzt. Gaza ist laut UN-Generalsekretär Guterres mit Trümmern und Leichen übersät.
Das US-Imperium und sein Dollar dominieren die Wirtschaftsordnung
Washington hat großen Einfluss auf die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds, zudem ist der US-Dollar die wichtigste Reservewährung der Welt.
Ganser erläutert, wie auf der Konferenz von Bretton Woods 1944 der damals noch mit Gold gedeckte Dollar als Weltreservewährung verankert wurde. Als jedoch in den 1960er Jahren Befürchtungen aufkamen, dass die USA, aufgrund ihrer übermäßigen, auch durch die Kosten des Vietnamkriegs bedingten Verschuldung, nicht mehr genug Gold hätten, die Dollars in Gold einzutauschen, begann Frankreich unter de Gaulle, gefolgt von Spanien, Gold für seine Dollarbestände zu fordern. Daraufhin erklärte Nixon 1971 kurzerhand die Umtauschbarkeit des Dollars in Gold für vorübergehend ausgesetzt. Anschließend verlor der Dollar, in Gold berechnet, massiv an Wert, blieb aber aufgrund einer Vereinbarung mit Saudi-Arabien, das sich 1974 verpflichtete, Öl nur gegen Dollar zu verkaufen, die dominante Handelswährung.
In absoluten Zahlen sind die USA das weltweit am höchsten verschuldete Land. Die Verschuldung erfolgt durch den Verkauf von Staatsanleihen und kletterte bis 2026 auf 39 Billionen Dollar an, worauf sich die Zinskosten bereits 2025 auf eine Billion Dollar erhöhten. In den letzten Jahren bauten Staaten wie China oder Japan ihren Anteil an US-Staatsanleihen stark ab. Auch eine dänische Pensionskasse verkaufte 2026 ihre US-Staatsanleihen, just als Trump ankündigte, Grönland übernehmen zu wollen.
Insbesondere die BRICS-Staaten wollen ihre Abhängigkeit vom Dollar verringern, dessen Dominanz brechen und in den eigenen Währungen Handel treiben, so auch der Iran. Trump drohte allen Ländern mit Zollerhöhungen, die mit BRICS-Staaten Handel treiben, förderte damit allerdings starke Gegenallianzen. Nachdem die USA und Europa fast 300 Milliarden Dollar einfroren, die Russland vor allem bei einem belgischen Finanzdienstleister deponiert hatte, wickelt auch Russland bevorzugt seine Auslandsgeschäfte in anderen Währungen ab und stockte gleichzeitig seine Goldreserven auf.
Die USA forderten von den NATO-Staaten, ihre Militärausgaben auf zunächst zwei Prozent, unter Trump auf fünf Prozent des BIP zu erhöhen. Dies traf Deutschland mit dem höchsten BIP am stärksten. Beachtenswert sei dabei, dass die Rüstungsausgaben nicht am nationalen Haushalt, sondern am BIP festgemacht wurden. Dies bedeutet, dass die Rüstungsausgaben zukünftig 46 Prozent des Bundeshalts verschlingen werden und somit bei Bildung, Gesundheit und Sozialem gespart werden muss. Forderungen nach Austritt aus der NATO kommen in Deutschland insbesondere von Stimmen aus dem BSW.
Als Donald Trump im Januar 2026 den Präsidenten Venezuelas, Nicolas Mandura, und dessen Frau aus Caracas entführen und in ein Gefängnis nach New York bringen ließ, katapultierten sich die USA wohl endgültig in „den derzeit gefährlichsten Schurkenstaat der Welt“ (Tarik Cyril Amar). Bei dieser völkerrechtswidrigen Entführung eines fremden Staatsoberhaupts starben 40 Menschen, darunter 32 kubanische Soldaten. Es ging dabei nicht nur darum, sich das venezolanische Erdöl unter den Nagel zu reißen, sondern auch um den Erhalt des Petrodollars, denn Venezuela verkaufte sein Erdöl hauptsächlich an China und ließ sich dafür in Yuan bezahlen. Chinas Sondergesandter Qiu Xiaoqi hatte Präsident Maduro nur wenige Stunden vor seiner Entführung besucht und die engen Bindungen bekräftigt.
Trump forderte nach der quasi Machtübernahme US-Ölkonzerne auf, in Venezuela zu investieren, um „Geld für das Land zu machen“.
Bundeskanzler Merz habe das Vorgehen von Trump nicht verurteilt, sondern behauptet, dass „die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes komplex“ sei.
Iran – USA: langgehegte Feindschaft
Die USA und Großbritannien stürzten 1953 die demokratisch gewählte Regierung von Mohammed Mossadegh, nachdem dieser das Erdöl, dessen Erlöse zum Großteil nach London flossen, verstaatlicht hatte. Ganser berichtet, dass die CIA zur Destabilisierung der iranischen Regierung sogar Terroranschläge durchführte, die sie den Kommunisten in die Schuhe schob. Mossadegh wurde verhaftet und für den Rest seines Lebens unter Hausarrest gestellt. Als neuer Herrscher wurde Schah Reza Pahlevi installiert und mit modernsten Waffen versorgt. Sein von der CIA und Mossad trainierter Geheimdienst SAVAK war gefürchtet.
Als der Schah sich nicht länger halten ließ und gestürzt wurde, ließ man 1979 Ajatollah Khomeini aus Paris in den Iran einfliegen. Im gleichen Jahr besetzten iranische Studenten die US-Botschaft und nahmen 52 us-amerikanische Geiseln. Eine Aktion zur Befreiung der Geiseln von Präsident Carter scheiterte dramatisch. Ganser weist darauf hin, dass es damals Kontakte zwischen dem Reagan- und dem Khomeini-Lager gab, um die Freilassung der Geiseln zu verzögern mit dem Ziel, die anstehenden US-Wahlen zugunsten von Reagan zu entscheiden. Der Pan ging auf und nur wenige Minuten nach Reagans Vereidigung kamen die US-Geiseln frei.
Kurz darauf wurde der Iran von seinem Nachbarn Irak unter Saddam Hussein, den die USA an die Macht gebracht hatten, angegriffen. Der Iran-Irak-Krieg dauerte bis 1988 und forderte mehr als 500.000 Tote. Ein Teil des vom Irak eingesetzten Giftgas kam aus Deutschland. Nur einen Monat vor Ende des Kriegs schossen die USA eine iranische Zivilmaschine über der Straße von Hormus ab, wobei alle 290 Menschen an Bord starben. Die USA bezeichneten den Abschuss als dramatischen Fehler.
Während des von den USA nach 9/11 ausgerufenen „Kriegs gegen den Terror“ stürzten die USA die Regierungen von Irak, Libyen und Syrien. Auf der Todesliste, die sieben Länder umfasste, standen noch Libanon, Somalia, Sudan und zuletzt der Iran.
Die Feindschaft zwischen Iran und Israel eskalierte, als im Juni 2025 Israel den Iran angriff und dabei die Hauptstadt Teheran und eine Urananreicherungsanlage bombardierte. Teheran schlug noch am selben Tag mit Angriffen auf Tel Aviv und Haifa zurück. Daraufhin verstärkte Israel seine Angriffe, was zu neuen Angriffswellen von Seiten Teherans führte.
Die USA unterstützen vor dem UN-Sicherheitsrat Israel mit der Begründung, es dürften keine Atomwaffen in die Hände des Irans gelangen, während Russland und China in Israels Angriffskrieg einen schweren Verstoß gegen die UN-Charta sehen. Der deutsche Bundeskanzler Merz verstieg sich zu der Aussage: „Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht für uns alle.“ Damit handelte sich Merz eine Anzeige ein, da seine Aussage im klaren Widerspruch zum Gewaltverbot der UNO steht.
Am 22. Juni 2025 griffen die USA direkt in den Krieg ein und bombardierten iranische Nuklearanlagen, wie erfolgreich, ist umstritten. Zur Revanche griff der Iran mit Vorwarnung am 23. Juni einen US-Luftwaffenstützpunkt in Katar an. Am 24. Juni 2025 erklärte Präsident Trump das Ende dieses Zwölftagekrieges. Der Iran kritisierte anschließend vor allem die Ermordung von Wissenschaftlern und Militärs mitsamt ihren Familien durch Israel.
Am 28. Februar 2026 griffen Israel und die USA erneut den Iran an, um dessen Regierung zu stürzen. Dem vorausgegangen waren große Demonstrationen, die sich gegen die iranische Regierung richteten. Opfer des illegalen Bombenangriffs waren gleich am ersten Tag 168 Schülerinnen einer iranischen Mädchenschule. Es wurde heftig darüber gestritten, ob sich die USA in diesen Krieg von Israel haben ziehen lassen, das sein Projekt Großisrael – vom Euphrat bis zum Nil – um jeden Preis durchsetzen wolle. Andere sahen in Präsident Trump die treibende Kraft für den erneuten Irankrieg; Israel müsse für einen Stellvertreterkrieg herhalten, um den Aufstieg Chinas zu verhindern.
Der 28. Februar war auch der Tag, an dem der 86-jährige oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei, dessen Frau und Tochter sowie die erst 14 Monate alte Enkelin gezielt durch Raketen getötet wurden, neben dem Verteidigungsminister und dem Kommandeur der Revolutionsgarden. Doch anders als von den Angreifern erhofft, erhob sich das iranische Volk nicht gegen seine Führung, sondern rückte gegen die Aggressoren zusammen. Der Sohn von Ali Chamenei, Modschtaba Chamenei, wurde umgehend zu dessen Nachfolger gewählt. Dessen Frau und Sohn sowie seine Mutter waren wie sein Vater ebenfalls durch Bomben getötet worden.
Der Iran nahm us-amerikanische Militärbasen, von denen aus Angriffe auf den Iran geflogen wurden, und Botschaften im Irak, in Kuwait, Katar, Bahrain, Jordanien, Saudi-Arabien, im Oman und in den VAE ins Visier und richtete dort enorme Zerstörungen an. Diese Staaten mussten erkennen, dass ihnen die USA keinen Schutz boten, sondern sie zu Zielscheiben machten.
Russland und China übten am Vorgehen der USA und Israels im UNO-Sicherheitsrat starke Kritik. Dennoch gelang es den USA, dass dieser die iranischen Angriffe auf die Golfstaaten verurteilte, nicht jedoch den Angriffskrieg auf den Iran – laut Ganser eine Unterminierung des Völkerrechts, denn es lag weder ein UNO-Mandat vor, noch musste sich Israel verteidigen. Weder Deutschland, noch Frankreich oder Großbritannien orientierten sich bei dieser Frage am Völkerrecht, sondern standen stramm an der Seite der Aggressoren und gaben sogar dem Iran die Schuld. Von allen 32 Nato-Staaten verurteilten nur Spanien und Norwegen den Angriff auf den Iran.
Mit der Sperrung der Straße von Hormus übt Iran seither massiven Druck auf die Weltwirtschaft und die USA aus und die Kraftstoffpreise stiegen weltweit massiv an. Israel eskalierte erneut und griff im März 2026 iranische Energieinfrastruktur an, worauf der Iran massiv zurückschlug. Seine Drohnen schlugen auch in Erdölraffinerien in Israel und Saudi-Arabien ein. Im Iran trafen Bomben ein AKW-Gelände und Urananreichungsanlagen, in Israel schlugen sie nahe des israelischen Nuklearzentrums Dimona ein. Israel bombardierte Teheran und der Iran Tel Aviv.
Es war den USA und Israel weder gelungen, den Iran militärisch zu besiegen, noch die Öffnung der Straße von Hormus zu erzwingen. Selbst die Rettung eines abgeschossenen US-Soldaten wurde zu einem Fiasko. Obwohl der gedemütigte Trump damit drohte, die gesamte iranische Zivilisation auszulöschen, schlossen die USA und der Iran am 8. April 2026 ein Waffenstillstandabkommen. Doch weitergehende Verhandlungen wurden abgebrochen und Trump verhängte nun seinerseits eine Blockade über iranische Häfen. Währenddessen setzte Israel seinen Krieg gegen den Libanon fort.
Im Juli 2026 erfolgte ein erneuter Schlagabtausch: Der Bombardierung Irans folgten schwere Angriffe auf US-Militärbasen in den Golfstaaten.
Laut Ganser werden erst die kommenden Jahre zeigen, ob der Irankrieg der Beginn des amerikanischen Niedergangs oder eine zwar schwere, aber vorübergehende Niederlage war.
Resümee
Zum Abschluss seines Buches warnt Ganser noch einmal eindringlich davor, im Gut-Böse-Denkschema zu verharren, anstatt zu versuchen, auch die Sichtweise des anderen zu begreifen. Der Umschwung zum Frieden könne nur gelingen, wenn die Staaten das Völkerrecht respektierten.
In seinem neuen Buch gelingt es Daniele Ganser, die Vorgänge und Zusammenhänge der kriegerischen Konflikte, die zu einem Ringen um die US-Vorherrschaft versus der Entstehung einer bipolaren Welt kreisen – und dabei durchaus das gefährliche Potential haben, bis zum Ausbruch eines dritten Weltkriegs zu eskalieren – übersichtlich und gut verständlich darzustellen. Der Autor hält sich dabei an Fakten und Belege und überlässt es weitgehend dem Leser, sich selbst ein Bild zu machen.
Gansers neues Werk bietet den bisher an Geopolitik nicht so sehr interessierten Lesern anhand des umfassenden Überblicks einen perfekten Einstieg in diese Thematik, ist aber auch für bereits Gutinformierte ein Gewinn, da das Werk mit unbekannten Details und tiefem Hintergrundwissen sowie der Zusammenführung verschiedener Themenkomplexe zu überzeugen versteht.
Die Klammer, die alle Konfliktherde miteinander verbindet, ist der Versuch der USA, mithilfe seiner Verbündeten seine weltweite Hegemonie aufrechtzuerhalten, einmal durch die Kontrolle des Erdöls und dessen Vertriebswege sowie durch die Beibehaltung des Dollars als Welthandelswährung.
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(1) Einen unterhaltsamen Einblick in das altchinesische Verwaltungs- und Beamtensystem und dessen soziale, wirtschaftliche und kulturelle
Hintergründe bieten die 14 Kriminalromane von Robert van Gulik, in denen Richter Di ermittelt. Als Beispiele seien genannt „Merkwürdige
Kriminalfälle des Richters Di“, „Mord im Labyrinth“ und „Wunder in Pu-yang?“.
Daniele Ganser
„Kampf der Giganten – Warum China und Russland die globale Vorherrschaft ablehnen“
Westend Verlag, 2026 – 350 Seiten
Hinweis: Im Gespräch mit Transition TV und Manova klärt Daniele Ganser über wenig bekannte historische Ereignisse auf, die er in seinem Buch „Kampf der Giganten“ ausführt, sowie über den Sinn des Völkerrechts und der Achtsamkeitslehre: https://www.manova.news/artikel/die-vorherrschaft-der-heuchelei





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