Teil II: Für Export wichtige Gaspipeline in Flammen / Ölpipeline brennt / Schwere Überschwemmungen in Tripolis und Dschanzur / Zusammenstöße in al-Chums / Kriegsrückstände fordern Menschenleben / Bei Protesten Dabaiba, al-Lafi und Haftar der Korruption beschuldigt / Proteste gegen Zustände im Mitiga-Gefängnis / Milizenmorde gehen weiter / Massad Boulos plant eine gemeinsame Haftar-Dabaiba-Regierung – ohne Wahlen / Dabaiba und Trabelsi nehmen mit international gesuchten Personen und solchen, die mit Schmuggel und organisierter Kriminalität in Verbindung stehen, an Iftar-Banketten teil / Dabaibas Kabinettsumbildung stößt auf weite Ablehnung / Hohe Ausgaben von Belqasim Haftars Aufbaufonds undurchsichtig und umstritten / Stopp der Lizenzierung für Arkano Oil Company gefordert 

Teil I der wöchentlichen Kurznachrichten befasst sich mit Trauerbekundungen für Saif al-Islam Gaddafi, den Forderungen nach Festnahme der Tatverdächtigen und Offenlegung der Umstände des Mordes und aller Tatbeteiligten. Stellungnahme von Aisha Gaddafi.
Der Versöhnungsprozess wurde eingefroren; an Saif al-Islam Gaddafis Zukunftsprojekt wird festgehalten.

Brände einer Gas- und einer Erdölpipeline

+ Laut LibyaPress wurde Am 17. März eine Gaspipeline im Gebiet al-Hamadi von einer bewaffneten Gruppe gesprengt.
[Dies könnte in Zusammenhang mit den Vorgängen rund um den Iran-Krieg stehen.]

+ Die National Oil Corporation erklärte, dass ein schwerer Brand aufgrund eines Lecks an einem der Ventile der Erdölpipeline vom Scharara-Ölfeld nahe Bir al-Marhan in Hamada ausbrach. Das Öl werde teilweise auf die al-Fil-Pipeline zum Hafen von Mellitah umgeleitet.

+ Mohammed al-Gardsch (Journalist) am 18. März: „Wenn das Feuer nicht innerhalb der nächsten 24 Stunden unter Kontrolle gebracht werden kann, ist möglicherweise ein internationales Eingreifen erforderlich. Die Hamada-Pipeline versorgt die Raffinerie in Zawiya; ihre Stilllegung bedeutet weniger Treibstoff, weniger Strom und ein schwierigeres Leben für jeden Libyer.“

Schwere Überschwemmungen in Tripolis und Dschanzur

+ Fotos zeigen überflutete Straßen in Tripolis und Schäden an Häusern in Ain Zara infolge starker Regenfälle und schwerer Windböen. Es kam zu Verkehrsbehinderungen.
Fotos: Auf der Ringstraße von Tripolis versanken die Autos bis über die Achsen im Wasser.

+ Im westlichen Libyen wurden die Bewohner wegen starker Regen- und Sturmböen davor gewarnt, ins Freie zu gehen. In den Notaufnahmen der Krankenhäuser wurde die Einsatzbereitschaft erhöht.

+ Familien wurden in ihren Autos von den Wassermassen eingeschlossen.
Ein junger Mann starb in Tadschura durch einen Stromschlag als er helfen wollte, Menschen aus ihren Autos zu befreien.

+ Sturzfluten in Wadi al-Athal überschwemmten Straßen und beschädigten Häuser.

+ Gemeinde Dschanzur: Es ist nicht möglich, den Leiter des Wasseramts und Abwasserentsorgungsamts von Dschanzur zu erreichen. Zur Bewältigung der Überschwemmungen fehlten Ressourcen.

+ Mohammed al-Gardsch (Journalist): Tripolis versinkt im Wasser. Dafür ist Mohammed asch-Schahubi verantwortlich. Die ihm unterstellten Stellen im Verkehrsministerium haben mehr als 4,5 Milliarden Dinar ausgegeben, ganz abgesehen davon, dass er als Finanzverantwortlicher für die Auszahlung der Mittel zuständig ist.

Militär/Milizen/Gewalt

+ In der Nacht auf den 17. März umstellten gepanzerte Fahrzeuge der 112. Brigade das Kommandozentrum der Kontrollkräfte an der Hafenstraße in der Stadt al-Chums, nachdem dessen Mitglieder kürzlich Mitglieder der 112. Brigade entführt hatten, nachdem diese eine von Kontrollkräften in der Region Silen durchgeführte Schleuseraktion vereitelt hatten.

+ Bewohner der Hafenstraße in al-Chums forderten, dass Dabaiba, der Bürgermeister, und der Sicherheitsdirektor die Lager und Kasernen nach außerhalb des Stadtgebiets umsiedle. „Wir streben für unsere Kinder ein menschenwürdiges Leben fernab von Waffen und Gewalt an.“

+ Die Nationale Menschenrechtsinstitution in Libyen dokumentierte die Erschießung von Nizar Hussein al-Arifi am 12. März in az-Zawiya durch bewaffnete Banden.  Es wurde eine umfassende Untersuchung der Umstände des Vorfalls gefordert.
„Wir sind besorgt über die steigende Zahl außergerichtlicher Tötungen in vielen Städten und Gemeinden, insbesondere in Zawiya, Adschilat, Surman, Sabratha, Tripoli und Dschanzur. Dies ist auf das Fehlen kompetenter Sicherheitsbehörden und deren Versagen bei der Gewährleistung der Sicherheit von Bürgern, sowie auf den wachsenden Einfluss von Kriminellen zurückzuführen.“

+ Die Nationale Menschenrechtskommission forderte den Generalstaatsanwalt auf, die Tötung des jungen Islam Farag zu untersuchen, nachdem dieser von Marwan Talisch, einem Mitglied des Stability Support Apparatus, entführt und gefoltert worden war. Islam Farag wurde zwei Tage lang in einer Wohnung im Viertel az-Zuhur an der Airport Road in Tripolis festgehalten und gefoltert. Dann sei er aus einem Fenster im 4. Stock geworfen worden. Er sei sofort tot gewesen.
Die Haftbefehle gegen die flüchtigen Tatverdächtigen seien nicht verlängert worden; sie seien weder auf die Fahndungsliste gesetzt, noch den Grenzübergängen gemeldet worden.

+ Die Nationale Institution für Menschenrechte veröffentlichte den Appell des in Bengasi ermordeten Ayman al-Abdali, der forderte, das Schicksal seiner Schwester Hanin aufzuklären. Hanin al-Abdali wird seit dem 24. April 2025 von den Behörden festgehalten.

+ Die Nationale Menschenrechtsinstitution: Das 55. Infanteriebataillon (Kommandant Muammar ad-Dhawi) ist eine irreguläre, undisziplinierte und gesetzlose Miliz.
Diese Miliz habe behauptet, dass Obeid Massud Mohammed asch-Schaalali und Munir al-Mahdi Ali al-Adschdal infolge eines angeblichen Angriffs auf ihr Hauptquartier getötet wurden. Die Wahrheit sei, dass asch-Schaalali am 28.10.2024 aus einem Café in Wirschefana entführt und schwerer Folter unterzogen wurde, die zu seinem Tod führte. Al-Aschdal sei am 21.10.2024 aus seinem Haus entführt und so lange in einem der Hauptquartiere der Miliz gefoltert worden, bis er starb.
Die Familien der Opfer seien gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben worden und lebten außerhalb der Wirschefana-Gebiete. Sie fürchteten um ihr Leben, da sie von dieser Miliz bedroht werden.
Muammar ad-Dhawi wolle die Leichen der Opfer nur unter der Bedingung herausgeben, dass sie auf einem bestimmten Friedhof begraben würden und dass die Beerdigung ohne vorherige gerichtsmedizinische Untersuchung durch die Generalstaatsanwaltschaft erfolge.

+ Der Justizausschuss in der Schweiz gab bekannt, dass er dem UN-Menschenrechtsrat eine Erklärung zu den systematischen Verstößen und der fehlenden Rechenschaftspflicht in Libyen vorgelegt hat.
„Wir fordern die libyschen Behörden auf, willkürliche Inhaftierungen und das Verschwindenlassen von Personen zu beenden, Folter und Misshandlungen zu verhindern, die Verantwortlichen für außergerichtliche Tötungen zur Rechenschaft zu ziehen, den zivilgesellschaftlichen Raum zu schützen und die Rechte von Migranten und Flüchtlingen zu gewährleisten.“

+ Militäranalyst Adel Abdel Kafi: Die südlichen libyschen Grenzen zum Niger, Tschad und Sudan sind für Banden des organisierten Verbrechens für den Transfer von Waffen und Menschen nach Libyen und dann weiter in Richtung Europa offen. Die immer wieder auftretenden Zusammenstöße im Süden Libyens haben dazu beigetragen, die Sicherheitslücke in dieser Region zu vergrößern.
Al-Kaida
nutze das Sicherheitsvakuum in Libyen, Sudan, Niger und den übrigen Sahel- und Sahara-Ländern Afrikas, um ihre Reihen neu zu organisieren.

+ Issa Abkar (ehemals sudanesischer Geheimdienst): Die südliche libysche Grenze zu Niger ist kein Schauplatz des Wettbewerbs zwischen IS und al-Kaida um die Sahara, sondern vielmehr eine Basis für die Verteilung des Einflusses zwischen ihnen, indem sie Operationen von Schmuggel, Menschenhandel und Drogenhandel untereinander aufteilen.

+ Al-Arabi al-Dschadid (Katar): Kriegsrückstände stellen nach wie vor eine ständige Bedrohung für das Leben der Libyer dar, da sie weiterhin Todesopfer fordern und Verletzungen verursachen, insbesondere bei Kindern.
Die Zahl der Opfer betrug in Libyen zwischen 2020 und 2025 etwa 300 Todesfälle, darunter auch Kinder.
Die Behörden seien nicht nur verpflichtet, diese Kriegsrückstände zu beseitigen, sondern auch die kontaminierten Gebiete abzusperren und deutlich sichtbare Warnschilder aufzustellen. Bisher habe keine Regierung Aufklärungskampagnen speziell für Kinder und Eltern durchgeführt.

Demonstrationen/Proteste

+ In der Nacht zum 13. März fanden in az-Zawiya große Protestkundgebungen statt. Die Demonstranten erklärten, solange auf den Straßen präsent zu bleiben, bis die für Korruption und das „Stehlen des öffentlichen Vermögens“ Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
Auf Plakaten wurden unter anderen Abdelhamid Dabaiba, Walid al-Lafi (Kommunikationsminister) und Saddam Haftar (östliche Milizen) beschuldigt, von Korruptionsnetzwerken zu profitieren. Ihre Aktivitäten müssten juristisch geprüft werden.
Gefordert wurden eine Rechenschaftspflicht und institutionelle Reformen. Die Bürger seien mit wirtschaftlichen Problemen, einschließlich Inflation, konfrontiert, sowie mit mangelnden Dienstleistungen und politischer Unsicherheit.
Bilder zeigen, wie die korrupten Machenschaften von Abdulhamid und Ibrahim Dabaiba, Walid al-Lafi und Saddam Haftar angeprangert werden. Es wird gefordert, dass die UN-Sondergesandte Hanna Tetteh nach ihrem Scheitern Libyen den Libyern überlasse, damit diese eine Lösung für die Krise finden.

+ Die Bewohner von Gasr al-Akhyar protestierten gegen den Einsatz von Militärkräften durch den ehemaligen Bürgermeister, der verhindern will, dass die neue Verwaltung ihre Arbeit aufnimmt. Der Generalstaatsanwalt und die Dabaiba-‚Regierung‘ wurden dringend aufgefordert, einzugreifen.
Der ehemaligen Bürgermeister behindere den demokratischen Prozess, mittels dem die Bevölkerung ihre Gemeindevertreter wählte.

+ Familienangehörige von Gefangenen im Matiga-Gefängnis (Tripolis) sowie Menschenrechtsaktivisten protestieren: Wir bringen unsere tiefe Besorgnis über die rechtswidrigen Praktiken zum Ausdruck, denen unsere Söhne im Gefängnis der Deterrence Force ausgesetzt sind.
Obwohl Befehle zu deren Freilassung ergangen seien, würden diese nicht umgesetzt. Einigen Gefangenen sei es auch untersagt, an ihren Verhandlungen teilzunehmen, was ihr Recht auf ein faires Verfahren beeinträchtige. Außerdem gebe es harte Kontrollverfahren im Gefängnis, Unterbringung von Gefangenen in Einzelhaft und die Beschlagnahmung einiger ihrer persönlichen Gegenstände. Dies habe dazu geführt, dass einige Gefangene während des Ramadan in einen Hungerstreik getreten sind.
Die Generalstaatsanwaltschaft und der Präsidialratsvorsitzende wurden zum Eingreifen aufgefordert.

+ Die Gewerkschaft der Elektrizitätsarbeiter: Wir protestieren gegen die verzögerte Auszahlung der Gehälter der Angestellten, insbesondere angesichts des bevorstehenden Eid al-Fitr und der schwierigen Lebensbedingungen. Die Beschäftigten in diesem Sektor setzen ihre Arbeit trotz der schwierigen Umstände fort, um die Stabilität des Stromnetzes aufrechtzuerhalten. Sollte die Gehälter jedoch nicht unverzüglich ausgezahlt werden, drohe die Einstellung der Wartung und der Arbeiten in den Stromerzeugungsanlagen.

Analysen

+ Arabi Post: Hinter den Kulissen finden zur Libyen-Frage politische Konsultationen über einen neuen Vorschlag von Massad Boulos zur Bildung einer Einheitsregierung statt, um die festgefahrene Situation im politischen Prozess zu überwinden.
Der Vorschlag sieht die Bildung eines kleinen Dialogkomitees von 8 Personen vor, das sich auf die Bildung einer Einheitsregierung einigen soll. Diese soll dann die nächste Phase leiten.
Massad Boulos brachte die Idee zur Bildung des Dialogkomitees während unangekündigter Kontakte mit in den Libyen-Konflikt involvierten Parteien ins Spiel, um die Möglichkeit einer neuen Verständigung zwischen den einflussreichen Kräften der libyschen politischen Szene auszuloten.
Der Vorschlag werde auch von der UN-Gesandten und US-Amerikanerin Stephanie Khoury unterstützt. Bisher habe man sich noch nicht auf Namen geeinigt, die die beiden Seiten vertreten sollen. Der Mechanismus, mit dem es gelingen soll, die Ergebnisse des Komitees umzusetzen, bleibe unklar.

+ Africa Intelligence: Trumps Gesandter Massad Boulos plant eine gemeinsame Haftar-Dabaiba-Regierung – ohne die Abhaltung von Wahlen.
Dies würde beiden Fraktionen erlauben, an der Macht zu bleiben. Unter Boulos‘ Aufsicht sei nach drei Verhandlungsrunden eine Einigung über die Verteilung der Schlüsselpositionen erzielt worden. Boulos habe für die Verkündung einer neuen Einheitsregierung im April grünes Licht gegeben.
Der von Hannah Tetteh favorisierte Plan (neue Einheitsregierung und dann Wahlen) habe keine Chance auf Realisierung wegen mangelnder Durchsetzungsmöglichkeiten.

+ Achmed Hamuma (Staatsrat) in Arabi 21: Die Treffen zwischen Saddam Haftar und Ibrahim Dabaiba werden vor Ort keine Auswirkungen haben, da ihre Vorstellungen nicht der Realität entsprechen.
Die Durchführung von Wahlen sei dringend notwendig und wird von allen lokalen und internationalen Kräften gefordert. Auch die UN-Mission zähle die Durchführung von Wahlen zu ihren obersten Prioritäten. Der UN-Sicherheitsrat werde keinem Land, egal wie mächtig es ist, erlauben, einseitig eine Lösung für Libyen zu entwickeln, da Libyens geografische, politische und kulturelle Ausrichtung die Länder Südeuropas sind.
Die USA versuchten, sich als Nation darzustellen, die wundersame Lösungen für globale Krisen, einschließlich der Libyen-Krise, hat.
Die Frage sei nur, ob es möglich sein wird, Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abzuhalten oder ob man sich nur auf Parlamentswahlen beschränken werde.

+ GeopoliticalDesk: US-Beamte diskutieren über die Übertragung des Nordafrika-Portfolios von Massad Boulos an den Trump-Vertrauten Steve Witkoff, da Washington von ins Stocken geratener Diplomatie in Libyen, Sudan und dem Streit zwischen Marokko und Algerien frustriert ist.
Die Nahost-Akte sei seinerzeit an Steve Witkoff, einen langjährigen Trump-Mitarbeiter und Vertrauten, übertragen worden, Nordafrika ging an Massad Boulos, Trumps Senior Advisor für Afrika.
Boulos, ein libanesisch-amerikanischer Geschäftsmann und Schwiegervater von Trumps Tochter Tiffany, tauchte während der Kampagne 2024 als wichtiger Vermittler zwischen der Trump-Umlaufbahn und mehreren politischen Netzwerken im Nahen Osten und Afrika auf. Von Anfang an erzeugte diese Arbeitsteilung Reibungen zwischen den beiden Männern.
Nordafrika und seine unmittelbare Nachbarschaft, die sich von Libyen und Sudan bis Algerien und Marokko erstreckte, wurde in Trumps Umlaufbahn als fruchtbarer Boden angesehen: ungelöste Konflikte, Übergangsführungen und Regierungen, die für die Unterstützung der USA im Austausch für politische und wirtschaftliche Anreize offen sind.
Ein Jahr später werde diese Berechnung neu bewertet.

+ Rabia Buras (Parlamentsabgeordnete) in Arabi 21: Das erwartete Treffen zwischen Saddam Haftar und Ibrahim Dababai in Washington ist heikel.
Es spiegle den Versuch wider, das libysche Machtgleichgewicht außerhalb der traditionellen Rahmenbedingungen des internationalen Dialogs neu zu gestalten.
Jede von außen auferlegte Formel oder jede auf engstirnigen Elitenübereinstimmungen basierende Lösung ohne klaren verfassungsrechtlichen und wahlpolitischen Rahmen könne die Übergangsphase verlängern.
Das Treffen könnte zur Entspannung der militärischen Spannungen beitragen, andererseits in reines Konfliktmanagement umschlagen und den politischen Prozess verlängern. Die Vielzahl der Initiativen verkomplizierte die Situation zusätzlich aufgrund von widersprüchlichen Sponsoren und Zielsetzungen.
Es gebe zwei Optionen: entweder die Fortsetzung der einvernehmlichen Übergangsregelungen außerhalb gewählter Institutionen, was zwar relative Stabilität biete, aber die demokratische Lösung hinauszögere. Die zweite Option bestehe darin, auf einen echten Wahlprozess zu drängen, der schmerzhafte Kompromisse und einen breiteren nationalen Konsens erfordere, aber die Möglichkeit eröffne, die Übergangsphasen zu beenden.

+ Al-Arab: Fünf Jahre nachdem der Präsidialrat und die Tripolis-Regierung die Macht übernommen haben, vertieft sich die Spaltung, der Konflikt verschärft sich, der Streit weitet sich aus und die Krisen verschlimmern sich – und nichts wurde erreicht.
Die neuen Exekutivbehörden kamen – wie die Medien berichteten und UN-Experten bestätigten – unter Umständen an die Macht, die von Korruptionsverdacht und Stimmenkauf geprägt waren.
Dabaiba habe gehofft, das politische Abkommen zu stürzen, das Scheitern des UN-Plans zur Organisation von Wahlen herbeizuführen, die Krise aufrechtzuerhalten und die Spaltung so zu vertiefen, dass die Situation so, wie sie ist, erhalten bleibt. Nichts bedrohe Dabaibas Verbleib im Amt mehr als das Erreichen einer politischen Lösung, die dem Staat sein Ansehen und dem Volk seine Souveränität zurückgeben würde. Er sei ein Meister darin, Widersprüche auszunutzen, Deals anzubieten und geschickt Zeit zu gewinnen, um seinen Machterhalt zu gewährleisten.
Mit seiner Kabinettsumbildung versuche Dabaiba, die us-amerikanische Initiative zur Bildung einer Einheitsregierung zu blockieren. Dabaiba habe versucht, Imad Trabelsi aus dem Amt des Innenministers zu drängen, doch da dessen Bruder, Abdullah, über eine bedeutende Miliz verfügt und seine Verbindung zu Zintan einen wichtigen Aspekt des regionalen, provinziellen und stammesbedingten Gleichgewichts wahrt, sei dies schwierig.
Der eigentliche Leiter des Außenministerium sei al-Lafi, jedoch hinter den Kulissen ziehe Ibrahim Dabaiba die Strippen.

+ International Politics (Ägypten): Chaos ist in Libyen keine Ausnahmesituation mehr, sondern hat sich zu einem eigenständigen Muster entwickelt, das das Ungleichgewicht zwischen Legitimität, Ressourcen und Durchsetzungsinstrumenten widerspiegelt.
Dies mache die Libyen-Krise zu einem strukturellen Problem und offenbare die Fragilität des Staates in seinen grundlegenden Funktionen und seiner Fähigkeit, seine Autorität durchzusetzen oder die Mittel legitimer Gewalt zu monopolisieren.
Die Legitimationskrise spiegle sich in der Frage des Waffenmonopols, das eine der Grundpfeiler des modernen Staates darstellt. Mangels einer zentralen Autorität, die die verschiedenen bewaffneten Gruppierungen hätte integrieren können, seien Dutzende von Milizen und lokalen Streitkräften entstanden, die ihre Kontrolle über bestimmte Regionen und Städte ausüben.

Fastenbrechenbankette und die Allianz mit Milizen

+ Dabaiba nahm am 12. März am Ramadan-Fastenbrechen (Iftar-Bankett) teil, das von der 111. Brigade  unter dem Kommando von Abdel Salam Zubi, Dabaibas Verteidigungschef, in Anwesenheit von Verkehrsminister Mohammed asch-Schahubi, gegeben wurde.

+ Imad Trabelsi, Innenminister der Dabaiba-‚Regierung‘, und sein Bruder Abdullah Trabelsi (Chef des Allgemeinen Sicherheitsapparates) luden eine Reihe von Führungspersönlichkeiten und Würdenträgern aus Tarhuna zum Fastenbrechenbankett ein.

+ Hossam al-Fanich (Politologe): Das Erscheinen von Dabaiba und seinem Innenminister bei Iftar-Banketten mit international gesuchten Personen oder solchen, die mit Schmuggel und organisierter Kriminalität in Verbindung stehen, offenbart den widersprüchlichen und pragmatischen Umgang der Dabaiba-‚Regierung‘ mit der Sicherheits– und Politikfrage. Es entstehe der Eindruck, dass politischer Pragmatismus über rechtliche Verpflichtungen und Rechenschaftspflicht triumphiert.

+ Dazu der Abgeordnete Dschaballah asch-Schaibani: Die Allianzen in Libyen sind ständig in Bewegung. Ein Wort schweißt zusammen, ein anderes Wort reißt sie auseinander. Der Wechsel von einem Lager ins andere ist so einfach geworden, wie die Schuhe zu wechseln.

+ Dschaballah asch-Schaibani (Parlamentsabgeordneter): Sie sammeln sich und bereiten einen Krieg vor, um die Kontrolle über Tripolis und anschließend über die Öl- und Gasvorkommen zu erlangen. So soll durch verdächtige Geschäfte zwischen ausländischen Staaten und einer bestimmten Gruppe von Kapitalisten und einigen Clans der Weg für eine Industriezone in Richtung Afrika geebnet werden.

Dabaibas Kabinettsumbildung

+ Laut AgenziaNova ist die Auswechslung fast der Hälfte seiner Minister für Dabaiba ein Schritt, der den Weg für eine neue Phase des Dialogs mit Ostlibyen ebnen soll, indem er seine politische und regionale Präsenz in Tripolis festigt. Dazu kämen ein mit al-Menfi und Takala geschlossene Abkommen, die Schritte in Zawiya und Misrata sowie die Ernennung von Salam az-Zadma zu Dabaibas Stellvertreter. Dabaiba versuche, die internen Streitigkeiten in Tripolis einzudämmen.
Auch im Osten sei es zu Veränderungen gekommen. So habe die Parallelregierung von Osama Hammad die Führung des Inlandsgeheimdienstes neu organisiert, Salah al-Aqili zum Chef des Inlandsgeheimdienstes ernannt und Osama ad-Darsi zur Kriminalpolizei versetzt.

+ Mohammed Schaaban al-Merdas (ehemaliger Botschafter): Fünf Tage vor der Bekanntgabe der Regierungsbildung habe ein geheimes Treffen zwischen Abdulhamid und Ibrahim Dabaiba und den Trabelsi-Brüder stattgefunden. Es sei zu einem Streit gekommen, weil Dabaiba Imad Trabelsi als Minister behalten und ihm einen starken Unterstaatssekretär aus Misrata zur Seite stellen wollte. Abdullah Trabelsi sollte zum Botschafter ernannt werden und Libyen verlassen. Abdullahs Streitmacht sollte aufgelöst und in die Armee integriert werden. Doch Abdullah Trabelsi sei damit nicht einverstanden gewesen.
Imad Trabelsi strebe den Premierministerposten nach Dabaiba an und bemühe sich um die Gunst einflussreicher Parteien und Persönlichkeiten, ebenso wie um die Unterstützung des Zintan-Stammes.

+ Tarek Lamlum (Menschenrechtsaktivist): Die Beförderung von Imad Trabelsi vom kommissarischen Minister zum vollwertigen Minister ist nur ein weiterer Schritt, um die Fortsetzung derselben Politik zu gewährleisten.

+ Abdulhakim Bayu (Premierministerkandidat) forderte die internationale Gemeinschaft auf, die Kabinettsumbildung der Dabaiba-‚Regierung‘ nicht anzuerkennen. Stattdessen müsse eine Einheitsregierung gebildet werden, die alle Libyer vertrete, um das Land zu Wahlen zu führen.

+ Mohammed Ghamim (Wirtschaftsanalyst) erklärt das Desinteresse der libyschen Bürger an der gerade vollzogenen Kabinettsumbildung damit, dass die Regierung den Bürgern nichts biete als falsche Versprechungen, während sie mit Ausgaben belastet werden, die sie verarmen lassen und ihren Hunger verschärfen.

+ Allianz der libyschen Parteien: Die Umbildung des Kabinetts Dabaiba-‚Regierung‘ ist ein klarer Versuch, eine neue politische Realität außerhalb des vorgegebenen Rahmens durchzusetzen, um eine ihr abgelaufenes Mandat zu verlängern.
„Wir rufen alle politischen und nationalen Kräfte dazu auf, keine Vereinbarungen zu treffen, die darauf abzielen, das Bestehen von politischer Gruppierungen ohne den Willen des Volkes zu verlängern.“

+ Abdul-Moneim Al-Arfi (Parlamentarier): Die von Dabaiba vorgenommenen Ministerwechsel haben keine Rechtsgrundlage. Das Parlament habe der Dabaiba-‚Regierung‘ vorher das Vertrauen entzogen.
Die Dabaiba-‚Regierung‘ sei mit bewaffneten Gruppen verbündet, um öffentliche Gelder zu plündern. Sie müsse die Macht abgeben, um Wahlen vorzubereiten. „Wir bekräftigen die Bereitschaft der Wahlkommission, den Wahlprozess zu organisieren.“

+ Die Misrata-Aufstandsbewegung lehnt jegliche Kabinettsumbildung kategorisch ab, da sie diese als verzweifelten Versuch der Aufrechterhaltung der Korruption betrachtet. Sie rief zum vollständigen zivilen Ungehorsam auf.
Die Justizbehörden müssten unverzüglich Ermittlungen einleiten und den Leiter des Rechnungsprüfungsamtes, Khaled Schakschak, zur Rechenschaft ziehen, da er in erster Linie für die Vertuschung der Missstände und der finanziellen Korruption verantwortlich ist.
Der Generalstaatsanwalt müsse auch Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Ölkonzerns Arkano einleiten, ebenso wie gegen den Zentralbankchef, da er ein Verantwortlicher für dieses korrupte System ist.
„Wir rufen alle freien Bürger von Misrata sowie alle libyschen Städte und das gesamte libysche Volk dazu auf, weiterhin zu protestieren und auf den Straßen und Plätzen präsent zu sein, um unsere kategorische Ablehnung der fortgesetzten Übergriffe dieser Regierung zum Ausdruck zu bringen.“

Innerlibysche Nachrichten

+ Osama Hammad (Parallelregierung Bengasi): Dabaiba sollte den Weg für die Beendigung der exekutiven Spaltung ebnen, indem er die beiden Regierungen zur Machtabgabe bewegt und so den Weg für die Bildung einer einheitlichen Konsensregierung bereitet. Die Unnachgiebigkeit Dabaibas werde zu einer Vertiefung der Spaltung des Landes führen.

+ Präsidialratsvorsitzender al-Menfi traf sich in Anwesenheit von Verteidigungschef Abdul Salam Zubi mit der Gruppe des Berliner Prozesses, den an der Libyen-Frage beteiligten Ländern und der UN-Sondergesandten Hanna Tetteh, um über Möglichkeiten zur Förderung des politischen Prozesses zu beraten.

+ Issam al-Dschahani (Parlamentsmitglied): Die Belastung durch Clan- und Vetternwirtschaftsnetzwerke, Treibstoff- und Ölschmuggel sowie Botschaftspersonal im Ausland ist enorm.
Mittlerweile unterhalte Libyen sogar eine Botschaft in Honolulu.

+ Anlässlich eines geposteten Fotos, das Abdulhamid Dabaiba bei einem Zoobesuch zeigt, erklärte der Politaktivist al-Mahdi Abdel-Aati aus Misrata, dass es sich dabei um ein altes Fotos handeln müsse, denn aufgrund der starken Regenfälle müsste der Boden nass sein. Tatsache sei, dass Dabaibas Gesundheitszustand schlecht ist.

Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.

Wirtschaft / Finanzen

+ Der Kurs für den US-Dollar steigt weiter und erreichte am 17. März im Parallelmarkthandel 10,29 Dinar.

+ Khalil al-Hassi (Journalist): Agila Salehs Entscheidung zur Abschaffung der neu eingeführten Steuer und die Zustimmung der Zentralbank dazu sind ein eklatanter Hinweis darauf, dass die Führung der höchsten legislativen und währungspolitischen Behörden im Begriff war, eine Steuer außerhalb des gesetzlichen Rahmens einzuführen.
Weder der Generalstaatsanwalt, noch das Rechnungsprüfungsamt oder die Aufsichtsbehörden seien in dieser beispiellosen Situation eingeschritten.

+ Mohammed al-Gardsch (Medienvertreter): Die libysche Wirtschaft verbrauchte fast doppelt so viele US-Dollar, wie sie einnahm.
Dieses Defizit sei durch Anlageerträge und Reserven gedeckt worden. Mehr als drei Viertel der Dollarnachfrage konzentrierten sich auf Handel und privaten Konsum. Das bedeute, dass jede Geldpolitik, die diese beiden Bereiche nicht berücksichtigt, die Krise lediglich verwalten, anstatt sie zu lösen.
Solange die Nachfrage nach dem US-Dollar um Milliarden Dollar höher sei als das Angebot, werde der Wechselkurs unabhängig von den eingesetzten Instrumenten unter Druck bleiben.

+ Achmed Senussi (Wirtschaftsjournalist): Derzeit kann der Wechselkurs nicht auf sein vorheriges Niveau zurückgesetzt werden, da nicht jeder Devisen zum selben Kurs erhält. Die aktuelle Krise bestehe doch darin, dass viele den Dollar zum Kurs von 6,30 Dinar bekommen.
Diese Situation sei völlig untragbar und könne potenziell zu Kriegen führen, nicht nur zu Krisen.

+ GeopoliticalDesk: „Belqasim Haftars Ausgabenrausch treibt Libyens Wirtschaft an den Rand des Abgrunds. Der Entwicklungs- und Wiederaufbaufonds von Belqasim ist einer der größten staatlich unterstützten Entwicklungsfonds Libyens, aber sein wachsendes Budget und seine undurchsichtigen Finanzpraktiken schädigen die Wirtschaft und werfen ernsthafte Fragen über seine Zuverlässigkeit als internationaler Partner auf.“
Im Juni 2025 genehmigte das im Osten ansässige Parlament ein Budget von 69 Milliarden Dinar (12,71 Milliarden USD), jährlich etwa 23 Milliarden Dinar über drei Jahre verteilt. Für ein Land, das bereits mit fiskalischer Fragmentierung, Währungsdruck und struktureller Konjunkturschwäche zu kämpfen hat, sei dies außergewöhnlich viel.
Seit seiner Gründung im Jahr 2024 habe sich der Wiederaufbaufonds zu einem parallelen Finanzmotor entwickelt, der mit begrenzter Aufsicht und übergroßem Ehrgeiz arbeite. Sein massiv gestiegenes Budget sei zu einer der größten finanziellen Belastungen für Libyens sich verschlechternde Wirtschaft geworden.

+ Die Verwaltungsaufsichtsbehörde: Das Berufungsgericht Tripolis verurteilte den Generaldirektor der Exekutivbehörde für die private Luftfahrt in Abwesenheit zu einer Haftstrafe von 5 Jahren und 6 Monaten und verpflichtete ihn zur Zahlung von 13 Millionen US-Dollar und 600.000 Euro im Zusammenhang mit dem Verschwinden von drei Triebwerken eines Frachtflugzeugs vom internationalen Flughafen in Tripolis.

+ Fadil al-Amin (Präsidentschaftskandidat): Das Betteln auf den Straßen der Hauptstadt Tripolis ist ein erschreckendes Zeichen für das Ausmaß der sozialen, wirtschaftlichen und humanitären Krise, die die libysche Bevölkerung erlebt. Libyer seien in einem reichen, ölproduzierenden Land dazu gezwungen, um ein bisschen Essen zu betteln – einer der größten Widersprüche unserer Zeit.

+ Saad bin Scharada (Staatsratsmitglied) ruft die Libyer zum Widerstand gegen die Korruption auf. Die Zukunft werde Stück für Stück verkauft, während die Mehrheit schweigend zusieht… „Schweigen bedeutet nicht länger Neutralität, sondern Mittäterschaft“.

Stopp der Lizenzierung für Arkano Oil Company gefordert

+ Der Konsensblock des Staatsrats wandte sich an das Parlament, den Staatsrat, das Rechnungsprüfungsamt, die Verwaltungsaufsichtsbehörde und den Generalstaatsanwalt mit der Bitte, einzugreifen und die Lizenzierung der Arkano Oil Company zu stoppen.
Es sei  beim Berufungsgericht Zawiya eine Verwaltungsklage eingereicht worden, um die Entscheidung der Dabaiba-‚Regierung‘, Arkano eine Lizenz für den Betrieb im Ölsektor zu erteilen, aufzuheben.
Die Erteilung einer Lizenz an Arkano für den Betrieb im Ölsektor stelle einen gefährlichen Präzedenzfall dar und verstoße gegen libysche Gesetze.

+ Nizar Kaawan (Staatsrat): Wir haben eine formelle Beschwerde wegen gesetzeswidriger Auftragsvergabe an Arkano beim Premierminister, dem Ölminister und dem NOC-Vorsitzenden eingelegt-
Die Arkano Company stelle ein schwarzes Loch dar, das die libysche Wirtschaft verschlingt; die Ressourcen teilten sich zwei Clans.

+ Die Libysche Allianz der Konsensparteien erklärte: Wir werden die rechtlichen und regulatorischen Aspekte im Zusammenhang mit der Entscheidung, Arkano eine Lizenz zu erteilen, untersuchen. Wir setzen uns für den Schutz öffentlicher Gelder und für Transparenz und Rechenschaftspflicht ein.

+ Hischam al-Harati (Rechtsberater): Der Kampf mit Arkano ist ein nationaler Kampf, den alle Libyer gegen den Dabaiba- und den Haftar-Clan führen müssen, um die libysche Nation zu retten.

+ Die Libysche Allianz der Nationalen Übereinkunftsparteien forderte die vollständige Offenlegung aller rechtlichen und regulatorischen Verfahren, auf denen die Entscheidung zur Erteilung der Lizenz an das Unternehmen Arkano beruhte.
Die Ölressourcen gehörten allen Libyern und dürften unter keinen Umständen dubiosen Geschäften oder intransparenten und unkontrollierten Vereinbarungen sein.

Erdöl / Erdgas

+ Der Staatsratsvorsitzende at-Takala forderte den Generalstaatsanwalt, die Antikorruptionsbehörde und die Verwaltungsaufsichtsbehörde auf, die Diskrepanz bei den Öleinnahmendaten zwischen den Angaben der Nationalen Ölgesellschaft (NOC) und der Zentralbank zu untersuchen.
Die NOC gab bekannt, dass im Februar Einnahmen in Höhe von 1.810.198.340 US-Dollar betrugen, wobei davon 1.000.088.082 US-Dollar auf das staatliche Konto der Libyan Foreign Bank überwiesen wurden.
Dagegen gab die Zentralbank bekannt, dass im Februar 2026 lediglich rund 906 Millionen US-Dollar auf ihren Konten eingegangen sind.

+ Das italienische Unternehmen Eni gibt die Entdeckung von zwei neuen Erdgasfeldern vor der libyschen Küste bekannt.

+ AgenziaNova: Die Aufteilung der Zuständigkeiten, die politische Zersplitterung und die Sicherheitslage sind große Hindernisse für die Nutzung der neuen Gasfunde in Libyen.
Die Instabilität Libyens bleibe der wichtigste bestimmende Faktor. Libyen sei ein klassisches Beispiel für ein Land mit riesigen Reserven, das jedoch unter einer zersplitterten Regierung, bewaffneten Milizen und der ständigen Gefahr von Blockaden oder Sabotage leide. Die operative Phase könne sich aufgrund von Sicherheits-, bürokratischen oder politischen Spannungen erheblich über Monate oder Jahre verzögern, da die Risiken in Libyen weiterhin hoch sind.

+ Die Hafenbehörden warnten, dass der nach einem Beschuss durch die Ukraine führerlos treibende russische Erdgastanker Arctic Metagaz in Richtung libysche Gewässer driftet.
Das Schiff, das Berichten zufolge mehr als 60.000 Tonnen Flüssigerdgas (LNG) und rund 900 Tonnen Dieselkraftstoff transportiert, stelle eine erhebliche Bedrohung für die marinen Ökosysteme dar, sollte ein Leck oder eine Explosion auftreten.

UN-Mission

+ Die Mitglieder des Strukturierten Dialogs setzen ihre Arbeit an der Erarbeitung ihrer Empfehlungen fort, die zum für Juni geplanten Abschluss des Dialogs vorgelegt werden sollen.

+ Die Nationale Menschenrechtsinstitution bekräftigte ihre Unterstützung für die Bemühungen der UN-Mission, die darauf abzielen, die politische Krise in Libyen auf eine Weise zu beenden, die den Forderungen, Bestrebungen und Wünschen des libyschen Volkes gerecht zu wird.
„Wir unterstützen den Weg der Menschenrechte, der Übergangsjustiz und der nationalen Versöhnung im Rahmen eines Strukturierten Dialogs, der zu Empfehlungen, Vorschlägen, Lösungen und zur Bewältigung offener und prioritärer humanitärer Fragen führen sollte.“
Alle regionalen und internationalen Mächte und Staaten sollten davon absehen, einseitige Initiativen außerhalb des Rahmens der Bemühungen der UN-Mission in Libyen zu ergreifen.

+ Die Demokratische Linkspartei erklärte ihre volle Unterstützung für die Bemühungen der UN-Mission, eine neue Einheitsregierung zu erreichen und damit die politische und institutionelle Spaltung zu beenden, die das Land jahrelang belastet hat.

+ Mitglieder der Libyschen Frauenversammlung diskutierten im Strukturierten Dialog mit dreißig jungen Frauen aus dem ganzen Land über ihre Ansichten zu wichtigen Themen im Zusammenhang mit Regierungsführung, Wirtschaft, Sicherheit, nationaler Versöhnung und Menschenrechten.
Laut den Teilnehmerinnen gehören Armut und fehlende finanzielle Mittel zu den Hauptfaktoren, die die Teilhabe von Frauen am öffentlichen Leben behindern.

+ Salem Mohammed (politischer Analyst): Die Einführung digitaler Plattformen und Meinungsumfragen könnte ein Versuch sein, einem von der Realität losgelösten Weg eine öffentliche Legitimität zu verleihen.
Die Diskrepanz zwischen den Ergebnissen des Dialogs und den Entwicklungen in Tripolis spiegle eine wachsende Kluft zwischen den politischen und praktischen Wegen wider. Die Fortsetzung des Dialogs ohne verbindliche Garantien für die Umsetzung seiner Ergebnisse könnte einer neuen Phase politischer Manipulation Tür und Tor öffnen.

Weitere Nachrichten aus Libyen

+ Die Eröffnung der Gallery de Bono in Tripolis löst weitreichende Kontroversen über die Verherrlichung italienischer Kolonialfiguren aus.
Der italienische Militärgouverneur Emilio De Bono war ein faschistischer Politiker und Kriegsverbrecher, der als Kolonialminister diente und gegen den libyschen Widerstand gewaltsame Repressionsmaßnahmen durchführte, darunter den Einsatz von Giftgas und die Errichtung von Internierungslagern.
Der Blogger Mohammed al-Gaidi nannte jene, die an der Eröffnung teilnahmen, „Speichellecker des italienischen Kolonialismus und Nachkommen dieser Banditen.“ Bono sei derjenige gewesen, der libysche Mädchen entführte und sie zur Unterhaltung in die Lager bringen ließ, und der Libyer als „Hunde“ und „Aas“ bezeichnete.

+ Archäologen entdeckten vor der Küste von Ptolemais einen antiken Schiffsfriedhof. Die antike Stadt Ptolemais war eines der größten griechischen Städte in der historischen Kyrenaika. Gegründet während der Herrschaft der ptolemäischen Dynastie zwischen dem 4. und 3. Jahrhundert v. Chr., blieb es ein wichtiges Handelszentrum bis zur arabischen Eroberung im siebten Jahrhundert.
Neben Schiffswracks wurden auch architektonische Überreste, darunter alte Säulen und Spuren der Küsteninfrastruktur, das heißt des antiken Hafenkomplexes, entdeckt sowie Gewichte, Amphoren und Keramiken.

Migration

+ Midi Libre (französische Zeitung) berichtet, dass französische Behörden ein Schleusernetzwerk, das zwischen Libyen, Syrien und Europa operierte, zerschlagen haben.
Die Schleuser hätten die Dokumente und Pässe der Migranten gefälscht und sie als Besatzungsmitglieder auf Frachtschiffen ausgegeben, insbesondere auf Viehtransportern, die zum Hafen von Sète in Südfrankreich unterwegs waren.

Libyen und das Ausland

+ Russland. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, forderte am Jahrestag der Resolution des UN-Sicherheitsrates zu Libyen, dass die NATO eine Entschädigung für ihre Intervention in Libyen im Jahr 2011 zahlt.
Unter dem Vorwand, Zivilisten zu schützen, hätten die Nato-Staaten in einen Bürgerkrieg eingegriffen, was zum Zusammenbruch der Regierung und zum Zerfall des Landes führte.
Die Kosten des Konflikts in Libyen, bei dem niemand auch nur versucht hätte, die zivilen Opferzahlen zu ermitteln, werde auf rund eine Billion US-Dollar geschätzt.

+ Tunesien. Mustafa Abdel Kabir (tunesischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte): Die Straße zwischen Ben Guerdane und Ras Adschdir (Grenzübergang) wurde kurzzeitig von tunesischen Bürgern blockiert, um gegen die Zustände am Grenzübergang zu protestieren.
Die Lage am Grenzübergang sei seit mehr als einem Jahr instabil, und es bestünde Uneinigkeit zwischen der libyschen und der tunesischen Seite darüber, welche Waren von Händlern, Reisenden, Lieferanten und Exporteuren eingeführt werden dürfen. Zwischen Libyen und Tunesien gebe es zahlreiche Abkommen, die jedoch nicht umgesetzt werden, was bei libyschen und tunesischen Bürgern zu Unmut führe.

+ Frankreich. Agence France-Presse: Dem ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy drohen zehn Jahre Haft, sollte er seinen Berufungsprozess um den Erhalt libyscher Gelder für seinen Präsidentschaftswahlkampf verlieren. Der Prozess soll bis zum 3. Juni andauern; ein Urteil wird im Herbst erwartet. Sarkozy bestreitet alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

+ GB. Die britische Botschaft in Libyen lobte das von Oberst Muammar Gaddafi ins Leben gerufene Projekt des Man-Made-Rivers und bezeichnete es nach einem Besuch ihres Botschafters als „großartig“.

Aus den Nachbarstaaten

+ Niger. „Am 12. März hat Niger die Geschäftsträgerin ad interim der Europäischen Union (EU) in Niger, Nicoletta Avella, in das Außenministerium in der Hauptstadt Niamey einbestellt und ihr ein offizielles Protestschreiben übergeben. Darin prangert die Regierung von Präsident Abdourahamane Tiani ‚die paternalistische und herablassende Haltung‘ der EU an.
Dies geschah nur wenige Stunden, nachdem das Europäische Parlament eine Resolution verabschiedet hatte, in der die ‚sofortige und bedingungslose Freilassung‘ des gestürzten, von Frankreich unterstützten Ex-Präsidenten von Niger, Mohamed Bazoum, gefordert wurde. Die nigrische Regierung bekräftigte, dass sie ‚keinerlei Anweisungen‘ aus Europa akzeptieren werde.“

+ Afrika-Cup. „Das Finale des Afrika-Cups ging in die Geschichte des Profifußballs ein – und es hat ein Nachspiel. Weil der Senegal zwischenzeitlich die Fortsetzung [des Spiels] boykottiert hatte, wurde Marokko am Dienstagabend, zwei Monate später, nachträglich zum Sieger ernannt. Der Senegal will nun vor den CAS ziehen.
Der afrikanische Fußballverband CAF hat das von Tumulten überschattete Skandal-Endspiel neu gewertet, das CAF-Berufungsgremium erklärte die Partie für den Senegal rund zwei Monate nach deren Austragung gemäß Artikel 82 bis 84 des Regelwerks als verloren. Das teilte der Verband am Dienstag mit. Er reagierte damit auf einen Einspruch Marrokkos und wertete das Ergebnis mit 3:0 zugunsten des Gastgebers.
Der Fall wird nun wohl vor Gericht weiterverhandelt.“

+ Afrika-Cup. „Die Entscheidung des afrikanischen Fußballverbandes CAF vom Mittwoch, der Herrenmannschaft Senegals die Afrikameisterschaft zu entziehen und diese Marokko zuzusprechen, hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. In Dakar fordern Demonstranten, die Beziehungen zu Rabat abzubrechen und stattdessen die Westsahara-Befreiungsfront Polisario diplomatisch anzuerkennen.“