Wie erwartet, strömten in diesem Jahr in der Nacht zum 1. September in vielen Städten und Gemeinden Libyens riesige Menschenmengen auf die Straßen und Plätze, um an den Revolutionsfeiern teilzunehmen, zu denen auch Aischa al-Gaddafi, Tochter des ermordeten Revolutionsführers Oberst Muammar al-Gaddafi und Schwester von Saif al-Islam, aufgerufen hatte.
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Landesweit Stromausfälle, Treibstoffknappheit und Wasserprobleme / Man-Made-River teilweise außer Betrieb / Besetzung von Kraftwerken und Straßenblockaden / Schmuggelnetzwerke kontrollieren Kraftstoffwirtschaft / Zugang zum UNHCR-Hauptquartier versperrt / Katastrophale Lage im gesamten Gesundheitsbereich / Schockierende Vollstreckung von mehreren Todesurteilen im östlichen Libyen / Libysche Militärdelegation besucht im Rahmen der Zusammenarbeit mit den USA den US-Stützpunkt Ramstein in Deutschland / Boulos-Plan gilt als Verrat am Wahlversprechen / Staatsrat verweigert Zustimmung zu 4plus4-Beschlüssen / Parlament, Staatsrat und Präsidialratsvorsitzende: gemeinsame Initiative gegen Boulos-Plan / USA (Jeremy Brent, US-Außenministerium) und Katar (Außenminister) steigern Besuchsaktivitäten in Libyen / Scheinfirmen erhielten Millionen US-Dollar an Krediten / Brotpreise fast verdoppelt / Beweise für Ölschmuggel und Unterschlagung von Öleinnahmen durch Arkano gehen an Generalstaatsanwaltschaft / Migration vom östlichen Libyen nach Kreta hält an
Ständige Stromausfälle und schlechte Lebensbedingungen lassen im westlichen Libyen Proteste gegen Dabaiba-‚Regierung‘ und libysche Institutionen eskalieren / Ziviler Widerstand fordert: Präsidentschafts- und Parlamentswahlen, ein Ende der Korruption und eine Verbesserung der Grundversorgung, insbesondere im Strom, Gesundheits- und Bildungswesen sowie im Sicherheitsbereich / Blockaden von Ministerien und Institutionen / vorübergehende Besetzung des Melitta Öl-und Gas-Komplexes in az-Zawiya / Misrata: Salah Badi führt Proteste an / Delegation des US-Kongresses traf am 27. Juli in Libyen ein: Gespräche mit Sicherheitsvertretern aus Ost und West / Ägypten liefert wieder Strom an Libyen / Aufstand könnte erneut verpuffen, da gemeinsame politische Zukunftsvision fehlt
Generalstaatsanwalt lässt drei des Mordes an Saif al-Islam Verdächtige auf Interpolliste setzen – Gerichtshof in Tripolis leitet Strafverfahren gegen Generalstaatsanwalt ein / Massive Proteste gegen Stromausfälle bei steigenden Temperaturen – auch Wasserversorgung betroffen – GECOL warnt vor Totalzusammenbruch aufgrund des Mangels an Gas und Kraftstoffen / Boulos-Plan stößt nach wie vor auf eine breite Ablehnungsfront / Überraschende Proklamation einer dritten libyschen Regierung in Genf stiftet Verwirrung: Mustafa al-Madschdub zu deren Vorsitzenden ernannt / Neue Zivilstaat-Initiative in Misrata und Bündnis National Vision von Sidiq al-Kebir / Mini-Dialog 4plus4 kann sich nicht auf Regelung zur Bestimmung des Wahlkommissionsvorsitzenden einigen – nur Spiel auf Zeit? / Spaltung auch des Geheimdienstes befürchtet / Gewalt beherrscht weiter az-Zawiya / Tote durch Folter im Garnada-Militärgefängnis und in Misrata / Immer noch verschwinden Menschen / In Südlibyen, wo sich auch russische Stützpunkte befinden, spitzen sich Auseinandersetzungen zwischen Haftar- und Tripolis-Militärs zu / Russland befürchtet zweite Front mit Ukraine in Libyen / Türkei erweitert militärischen Einfluss im Osten / Ermittlungen wegen zweifelhaften Ölvertrags zwischen NOC und katarischer UCC Holding / Schwere Misshandlungen von Migranten an tunesisch-libyscher Grenze / USA spricht Reisewarnung für Libyen aus Weiterlesen
Libysches Gericht spricht Saif al-Islam Gaddafi und hohe Beamte der Gaddafi-Zeit frei / Mord an Saif al-Islam Gaddafi: Vermutliche Täter nach 100 Tagen immer noch auf freiem Fuß / Internationale Petition fordert Aufklärung des Mordes an Saif al-Islam Gaddafi / Zusammenstöße mit dem al-Ittihad-Fußballclub: Dabaibas Regierungssitz brennt / USA versuchen, Spaltung zu managen, anstatt sie zu beenden – Kriegswirtschaft, Korruptionsnetzwerke, bewaffneter Machtzentren und widersprüchlicher Interessen ausländischer Mächte / kein tiefergehender Bruch zwischen Dabaiba und Muslimbrüdern / Bericht der Verwaltungskontrollbehörde zeigt schwere Verstöße und Missstände auf / Wieder Brände in al-Asabia / Wachsende Schuldenkrise / Verschwendung öffentlicher Gelder und massiven Ausgabenerhöhung seit 2011 / Prozess gegen den Milizionär Khalid al-Hischri beginnt in vor dem IStGH in Den Haag / Russland weist darauf hin, dass das IStGH die Verbrechen der NATO-Staaten während der Ereignisse 2011 nie interessierten, ebenso wenig wie die Aufklärung der Morde an Muammar al-Gaddafi und Saif al-Islam Gaddafi Weiterlesen
Teil II: Für Export wichtige Gaspipeline in Flammen / Ölpipeline brennt / Schwere Überschwemmungen in Tripolis und Dschanzur / Zusammenstöße in al-Chums / Kriegsrückstände fordern Menschenleben / Bei Protesten Dabaiba, al-Lafi und Haftar der Korruption beschuldigt / Proteste gegen Zustände im Mitiga-Gefängnis / Milizenmorde gehen weiter / Massad Boulos plant eine gemeinsame Haftar-Dabaiba-Regierung – ohne Wahlen / Dabaiba und Trabelsi nehmen mit international gesuchten Personen und solchen, die mit Schmuggel und organisierter Kriminalität in Verbindung stehen, an Iftar-Banketten teil / Dabaibas Kabinettsumbildung stößt auf weite Ablehnung / Hohe Ausgaben von Belqasim Haftars Aufbaufonds undurchsichtig und umstritten / Stopp der Lizenzierung für Arkano Oil Company gefordert
Teil I der wöchentlichen Kurznachrichten befasst sich mit Trauerbekundungen für Saif al-Islam Gaddafi, den Forderungen nach Festnahme der Tatverdächtigen und Offenlegung der Umstände des Mordes und aller Tatbeteiligten. Stellungnahme von Aisha Gaddafi.
Der Versöhnungsprozess wurde eingefroren; an Saif al-Islam Gaddafis Zukunftsprojekt wird festgehalten.
Hannibal Gaddafi wurde im Libanon aus der Gefangenschaft entlassen / Sowohl Dabaiba als auch Haftar versuchen, Stämme auf ihre Seite zu ziehen / Aufruf zu Demonstrationen für die Abhaltung von Wahlen / Dabaiba greift Hafen von Zuwara mit Drohnen an / Millionen US-Dollar des Staatsratsvorsitzenden Takala in Türkei wegen Geldwäsche eingefroren / Südöstliches Libyen: Brennpunkt im Sudankrieg / Moussa Ibrahim: „Gaddafi war kein Diktator!“ / Libyen und der Nato-Krieg 2011
Foltervideos von Ibrahim ad-Darsi / Geplante Abschiebungen Straffälliger von USA nach Libyen / Sturm auf Nationales Versöhnungsforum in al-Chums – Milizenkämpfe / Bürovorsteher von az-Zadma gefoltert und getötet / Sowohl USA als auch Russland verstärken militärische Präsenz in Libyen / Folterungen in libyschen Gefängnissen an der Tagesordnung / Dabaiba fordert von USA Freigabe eingefrorene Staatsfondgelder
Gedenken an Derna-Katastrophe vor einem Jahr / Infrastruktur weiterhin vernachlässigt / Wiederaufbau durch Korruption gefährdet / Weiterhin starke Regenfälle und Überschwemmungen / Feiern zum Jahrestag der al-Fatah-Revolution von 1969 / Konflikte um Staatsratsvorsitz und Chefsessel der Zentralbank nicht geklärt – Verfall des LYD und Preissteigerungen / Ölfelder und -anlagen weiterhin geschlossen / Schleuserkönig Abdul Milad (alias al-Bidscha) erschossen / Milizenführer Mohamed Bahrun (alias al-Far) verhaftet / As-Sisi und Erdogan einig in Sachen Libyen / Landesweit Proteste wegen Stromausfällen und schlechter Infrastruktur / Jahrestag der Gründung der Afrikanischen Union 1999 durch Oberst Muammar al-Gaddafi

Dabaiba und Haftar: Brüder im Geiste
Alle wollen ihr Stück vom libyschen Kuchen, egal ob Türkei, Italien, Frankreich, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Russland. Bei dieser Leichenfledderei sind die willfährigen Helfer im westlichen Libyen die Dabaiba-‚Regierung‘, im östlichen Libyen der militärische Machthaber Khalifa Haftar. Beide gehorchen ihren ausländischen Protegés und setzen deren militärische und wirtschaftliche Interessen mit Hilfe ihrer Streitkräfte und Milizen durch.
Seit dem Besuch der russischen Militärdelegation am 22. August 2023 in Bengasi ist auch Moskau verstärkt mit von der Partie. Es wurden ihm von Khalifa Haftar nun ebenfalls Stützpunkte an der libyschen Mittelmeerküste zugesagt, so soll der Militärstützpunkt von Sirte (Gardabiya) an Wagner/Russland übergeben werden. Der Hafendirektor von Sirte, Mohamed as-Siwi bestätigte, dass die im Hafen anwesenden Haftar-Militärs gebeten hätten, den Hafen zu räumen, um ihn Wagner/Russland zu übergeben. Wagner befindet sich auch auf dem Luftwaffenstützpunkt von Sirte namens Gardabija. Dies bestätigen Satellitenaufnahmen.
Auch die Übernahme von Bomba Bay, ganz im Nordosten Libyens, mit Anlegestellen für U-Boote, durch die Wagner-Gruppe wurde bestätigt.
Russland versucht sein Einflussgebiet im Mittelmeer und in Richtung Subsahara auszubauen und das Vordringen der Türkei und der Nato-Staaten in die östlichen und zentralen Gebiete Libyens zu verhindern. Sirte, das an der langen Mittelmeerküste Libyens etwa in der Mitte liegt, ist dabei von hoher strategischer Bedeutung. Frankreich klammert sich an Libyen, nachdem seine Position in Afrika immer schwächer wird, und setzt auf ein Aufmarschgebiet in die Sahara- und Sahelländer.
Mit der Überlassung von Stützpunkten an Frankreich im Süden und Wagner/Russland im zentralen und nordöstlichen Libyen versucht sich Khalifa Haftar seine Herrschaft über das östliche und zentrale Libyen zu sichern. Das westliche Libyen ist fest in Nato-Hand. Die Dabaiba-‚Regierung‘ sichert sich so die Anerkennung und Unterstützung durch die westlichen Regierungen und die UNO.
In einem sind sich der Dabaiba-Clan und der Haftar-Clan allerdings einig: Die Einnahmen aus den Erdöl- und Erdgasexporten werden brav geteilt. Es könnte für sie gar nicht besser laufen.




