Bani Walid 6.2.2026

Bani Walid 6.2.2026

Vor 40 Tagen wurde Saif al-Islam Muammar Gaddafi ermordet

Teil I der wöchentlichen Kurznachrichten befasst sich mit Trauerbekundungen für Saif al-Islam Gaddafi, den Forderungen nach Festnahme der Tatverdächtigen und Offenlegung der Umstände des Mordes und aller Tatbeteiligten. Stellungnahme von Aisha Gaddafi.
Der Versöhnungsprozess wurde eingefroren; an Saif al-Islam Gaddafis Zukunftsprojekt wird festgehalten.
Der Autor Mustafa all-Fituri berichtet über sein letztes Treffen mit Saif al-Islam und seine Beerdigung in Bani Walid.

Teil II widmet sich den weiteren politischen Geschehnissen in Libyen.

Gedenken an Saif al-Islam Gaddafi 40 Tage nach seiner Ermordung

+ Bilder von einer Koranrezitation in Sirte zum Gedenken an den ermordeten Saif al-Islam Muammar Gaddafi in der Nacht des 27. Ramadan.

+ Bani Walid will anlässlich des 40. Todestages von Saif al-Islam Gaddafi eine Gedenkveranstaltung durchführen. Diese soll aber bis nach Ende des Ramadan verschoben werden.

+ Der Autor Abdul Salam Salama schlägt vor, den Flughafen von Bani Walid nach dem Märtyrer Saif al-Islam Muammar Gaddafi zu benennen, um ihm eine letzte Ehre zu erweisen.

+ Brigadegeneral Adschami al-Ateiri: Sie konnten sich Saif al-Islam nicht direkt entgegenstellen, also wählten sie den Verrat, weil sie Feiglinge und Söldner sind. Doch Gottes Wille wird sie entlarven, und sie werden ihre Strafe erhalten.

+ Am 40. Tag nach der Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi erklärte die Familie Gaddafi: „Saif al-Islam war nicht nur eine politische Figur, sondern ein Symbol der nationalen Hoffnung, das im Gewissen jedes ehrenwerten Menschen gegenwärtig bleibt. Dieses heimtückische Verbrechen erschüttert das Gewissen der Nation und bricht die Herzen von Millionen ihrer Bürger.
Ein abscheuliches Verbrechen richtete sich gegen einen Mann, der ein nationales Projekt und eine Hoffnung in sich trug, an die sich die Libyer klammerten, um aus dem dunklen Tunnel der Februar-Geschehnisse herauszukommen.
Millionen Menschen nahmen an der Beerdigung des Märtyrers in einer feierlichen Zeremonie teil, die die hohe Wertschätzung widerspiegelte, die er in den Herzen der Bevölkerung genoss.
Die Tragödie setze jeglichen Gesprächen über nationale Versöhnung solange ein Ende, bis die volle Wahrheit ans Licht kommt und Gerechtigkeit geübt wird.

Aisha al-Gaddafi fordert Festnahme der Tatverdächtigen

+ Aisha al-Gaddafi, Schwester von Saif al-Islam Gaddafi, forderte die sofortige Festnahme der Auftragsmörder ihres Bruders sowie die Offenlegung der Ermittlungsergebnisse.
Aisha al-Gaddafi: „Saif al-Islam al-Gaddafi, Märtyrer des Vaterlandes, ist nicht nur der Sohn unserer Familie, sondern der Sohn aller libyschen Stämme. Es ist das Recht seiner Familie ebenso wie das Recht des libyschen Volkes, den Stand der Ermittlungen in einem Verbrechen von nationaler Tragweite zu erfahren.“
Nach langem Warten sei in den sozialen Netzwerken ein Beitrag erschienen, in dem Fahrzeuge, Kontakte, Treffen und die Identität der Auftragsmörder offengelegt wurden, ohne jedoch die ganze Wahrheit zu berichten.
„Der Bürger, der eine Rettungsleine für das Vaterland war… Der Bürger, der an uns glaubte… Der Bürger, Sohn und Märtyrer des Vaterlandes
Ich streite nicht ab, dass sich die Justizbehörden bemühen, und dafür sei ihnen Dank geschuldet. Allerdings sind die Verlautbarungen der Staatsanwaltschaft unvollständig angesichts meiner Frage und der von Millionen Libyern: Warum wurden die Täter bis heute nicht festgenommen? Worauf warten die zuständigen Justizbehörden?
Wir haben keine Milizen […] und wir haben keine Banden, die Menschen entführen und sie mit Eisenketten fesseln. Wir haben uns an das Gesetz gewandt, das ich studiert und respektiert habe, in der Hoffnung, dass es sich seinen Weg bahnt; doch wenn die Grundlage der Gerechtigkeit wankt, wer wird dann die Strafe vollstrecken?
Im Namen des Gesetzes fordern wir die sofortige Verhaftung der Auftragsmörder und die Veröffentlichung der Ermittlungen. Es ist das Recht der Millionen von Menschen, die Wahrheit darüber zu erfahren, wer dahintersteckt, wer die Anschläge geplant und finanziert, wer die Täter gekauft hat.
Eine Nation fand sich millionenfach bei der Beerdigung zusammen, die einem Volksentscheid glich… dies ist die Wahrheit. Lasst eure Stimme heute deutlich hören, denn die Wahrheit kann nicht gehört werden, wenn geschwiegen wird… und Gerechtigkeit gibt es erst dann, wenn die Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.“

+ Das Einsatzteam von Saif al-Islam Muammar al-Gaddafi bekundete seine Unterstützung für die Erklärung von Aisha al-Gaddafi, in der die sofortige Festnahme der Mörder gefordert wird. Es forderte den Generalstaatsanwalt auf, alle Umstände der Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi offenzulegen.
„Die anhaltende Ungewissheit lässt sich nur als Mittäterschaft durch Schweigen oder als unverzeihliches Versagen deuten. Wo stehen die Ermittlungen? Oder wurde die Wahrheit absichtlich verschwiegen? Und wer hat die Dreistigkeit, die Justiz ganz offen zu behindern?
[…] Wir fordern, dass alle an der Vertuschung Beteiligten oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen werden, ungeachtet ihres Einflusses oder ihrer Position. Entweder Sie übernehmen Ihre Verantwortung vollumfänglich und offenbaren die Wahrheit, oder Sie werden die Konsequenzen dieses lauten Schweigens vor der gesamten Nation tragen müssen.“

+ Die Nationale Volksbewegung für Saif al-Islam Muammar Gaddafi unterstützte die Erklärung von Aisha Gaddafi, in der sie die sofortige Verhaftung der Mörder und die Offenlegung der Umstände des Mordes fordert.
Die Öffentlichkeit müsse über den Fortgang der Ermittlungen informiert werden, da es sich um einen politischen Mordanschlag auf den beliebtesten und aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten handelte.

+ Der Jugendverband Gharyan unterstützte die Aussage von Aisha Gaddafi. Die Aufklärung des Mordes an Dr. Saif al-Islam Muammar Gaddafi und die Offenlegung der Umstände seines Todes seien ein entscheidender Schritt zur Stärkung der nationalen Justiz und zur Wiederherstellung des Vertrauens aller Bürger in die staatlichen Institutionen.

+ Die Fessan-Frauenorganisation erklärte ihre Unterstützung für die Forderung von Aisha Gaddafi. In jeder libyschen Familie werde die Frage gestellt, warum die mutmaßlichen Mörder noch nicht verhaftet sind. „Fürchten sie die Aufdeckung der im Dunkeln gesponnenen Fäden, die der größeren Zerstörung zugrunde liegen?“

+ Die Konferenz der zivilgesellschaftlichen Institutionen im Fessan unterstützte die Erklärung von Aisha Gaddafi, in der sie die sofortige Verhaftung der Mörder von Saif al-Islam Muammar Gaddafi und die Offenlegung der Umstände fordert. Saifs Popularität wurzle in einer tiefen Tradition der Verbundenheit mit dem Volk. Diese Basis sei eine lebendige Strömung, die beobachte, nachdenke und abwarte.

+ Der Jugendverband des Gaddafi-Stammes unterstützte die Erklärung von Aisha Gaddafi.
Es genüge nicht, nur die Täter zu entlarven; vielmehr muss das Netzwerk der Anstifter und Unterstützer ins Visier genommen werden, denn sie sind die Drahtzieher hinter diesem Verbrechen.

+ Laut dem Blogger Anas az-Zaidani geht die Untätigkeit bei der Festnahme der mutmaßlichen Mörder von Saif al-Islam Gaddafi auf den Innenminister Imad at-Trabelsi zurück.
Die Staatsanwaltschaft habe at-Trabelsi die Haftbefehle übermittelt, ihre Namen mit Fotos, die Orte ihrer Treffen und Aufenthaltsorte sowie die verwendeten Fahrzeuge, ebenso wie die Orte, an denen die Maskierung beschafft wurde.
Trabelsi müsse sich der Fragen stellen: Warum wurden die ihm bekannten Mörder nicht verhaftet? Steht er unter internationalem, Stammes- oder Stadtdruck?
Sollte er nicht Stellung nehmen, müsse er den Fall abgeben.
Die Verantwortung liege bei jedem, der versuche, diese Sache zu vertuschen. „Sie wissen, dass Saif al-Islams Mörder aus ihrer Stadt stammen und sie kennen sie.“
„Sollte diese Missachtung anhalten, werden ihre Namen und Bilder ans Licht kommen, selbst wenn dies zu Stammeskriegen führen sollte.“

Versöhnungsprozess bis zur vollständigen Aufklärung des Mordes eingefroren

+ Die Familie Gaddafi erklärte ihre Unterstützung der libyschen Stämme, Gruppierungen und sozialen Räte bei deren Ankündigung, den Versöhnungsprozess einzufrieren und alle entsprechenden Bemühungen auszusetzen, bis die Umstände der Ermordung von Saif al-Islam Muammar Gaddafi vollständig aufgeklärt sind.

+ Das Western Mountain Youth Gathering unterstützte die Erklärung der Stämme der westlichen, südlichen und zentralen Regionen, den Versöhnungsprozess einzufrieren, bis die Wahrheit ans Licht kommt und die Verantwortlichen für die Ermordung des verstorbenen Saif al-Islam Gaddafi zur Rechenschaft gezogen werden.
Betont wird die Notwendigkeit der Fortsetzung der justiziellen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit, um sicherzustellen, dass die Gesuchten ohne Verzögerung vor Gericht gestellt werden. Die Aufdeckung der Wahrheit und die strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen blieben die Grundlage jedes Versöhnungsprozesses.

Festhalten am Zukunftsprojekt von Saif al-Islam Gaddafi

+ Das Team von Saif al-Islam Muammar al-Gaddafi: Saif al-Islam Muammar al-Gaddafi war die Hoffnung auf die Wiederherstellung von Freiheit, Stabilität und Sicherheit, auf einen Neuanfang und die Einigung aller durch eine umfassende nationale Versöhnung zwischen den verschiedenen Teilen der traditionsreichen libyschen Gesellschaft; eine Hoffnung auf die Wiederherstellung des Ansehens des Vaterlandes, auf die Vertreibung der Agenten und Verräter sowie ihrer ausländischen Stützpunkte.
Der Geist von Saif al-Islam lebe weiter in den Herzen aller freien und ehrenhaften Libyer, und sein großes nationales Projekt zur Rückeroberung des Vaterlandes sei eine Verpflichtung für alle freien, ehrenhaften und treuen Menschen, die um ihr Vaterland fürchten.

+ Abdullah Othman, Mitglied des politischen Teams von Saif al-Islam Gaddafi: Der eigentliche Verlust ist nicht der Verlust von Saif al-Islam als Person, sondern der Verlust des Rettungsprojekts – dieses hätte wahr werden können, seine Realisierung aber wurde verweigert.
Das wahre Projekt sei nicht gestorben, sondern nur verschoben.

+ Khaled al-Ghawil (Berater der Libyschen Stammesunion): Das Projekt wird fortgesetzt, um die von Dr. Saif al-Islam gesäte Hoffnung zu verwirklichen.

+ Mohammed al-Asmar: Das Projekt der nationalen Versöhnung wurde von Saif al-Islam Gaddafi 2017 ins Leben gerufen. Er arbeitete hart daran, die Grundlagen und Prinzipien der nationalen Versöhnung unter den Libyern zu etablieren und zu festigen.
Es wurde ein integratives Projekt vorgestellt, mit dem sich alle Teile der Unterstützer des Dschamahiriya-Systems befassten, um die Nation voranzubringen, um sie zu vereinen, um die politische Stabilität zu festigen sowie mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Allerdings blieb die Gegenseite Ergebnisse schuldig.
Im Versöhnungsprozess gab es ein weiteres Dilemma. Die Februarbewegung habe sich in verschiedene Fraktionen gespalten, und es bedürfe beträchtlicher Anstrengungen, diese zu vereinen. Saif al-Islam präsentierte sogar eine Vision für eine Versöhnung unter den ehemaligen Anhängern der Februarbewegung.
Die derzeitige Führung der Februarbewegung verfüge über Macht, Waffen und Geld. Allerdings seien deren Anhänger gespalten und töteten, beschuldigten, entführten und grenzten sich gegenseitig aus.
„Wir beteiligten uns am Versöhnungskomitee des Strukturierten Dialogs, und alle Teilnehmer lobten die von uns und Saif al-Islam in diesem Zusammenhang eingereichten Projekte und Vorschläge.“
Zwar vertraue man der Justiz und ihren Ermittlungen zum Verbrechen der Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi, doch alle derzeit regierenden Politiker trügen die politische Verantwortung für seine Ermordung. Im Gefängnis säßen Menschen ohne Anklageerhebung, deren Unschuld unbestreitbar sei. Es gebe den Prozess gegen Abdullah as-Senussi, ein Prozess, der seit 14 Jahren immer wieder verschoben wird, und auch andere Fälle wie den von Ahmed Ibrahim, Mansour Dau und weiteren.
Saif al-Islam sei wegen seines Projekts zur Verteidigung des Volkes und dessen Rechte getötet worden, weil er auf die Dynamik der Bevölkerung setzte. Das Projekt, für das Tausende Libyer, darunter ihr Märtyrerbruder Saif al-Islam Gaddafi, gekämpft haben, bestehe und werde auch in Zukunft bestehen bleiben. Es gehöre der Öffentlichkeit, und niemand könne die Leitung beanspruchen.
Das Projekt der nationalen Souveränität sei eng mit der Versöhnung verbunden und dürfe unter keinen Umständen gefährdet werden.

Mustafa al-Fituri über die Beerdigung von Saif al-Islam und über sein letztes Treffen mit ihm in der saharischen Wüste

+ Mustafa Fituri berichtete in einem lesenswerten Artikel im New Lines Magazine über sein letztes Treffen mit Saif al-Islam Gaddafi in der libyschen Sahara und über seine Beteiligung an dessen Beerdigung in Bani Walid:
„Als ich am 6. Februar die nördliche Zufahrt von Bani Walid erreichte, hatte sich die Stadt verändert. Oberhalb der Straße prangte eine riesige Plakatwand mit Bildnissen der Märtyrer: Muammar Gaddafi, Saddam Hussein und Saifs Brüder Khamis und Mutassim. In Bani Walid, ihrer Hochburg, sind dies Ikonen des Widerstands. Die Luft war erfüllt mit dem kollektiven Atem von Zehntausenden. In einem Land, in dem die ‚grüne“ Identität‘ seit 15 Jahren unterdrückt wird, war dies mehr als eine Beerdigung; es war ein massives, stilles Referendum.
Die Janaza (Begräbnisgottesdienst und Gebet) wurde am Flughafen Bani Walid durchgeführt – der einzige Platz, der für die vielen Teilnehmer groß genug war. Danach bewegte sich eine sechs Meilen lange Karawane, gehüllt in Staub und Trotz, durch das zerklüftete Tal in Richtung al-Manasla-Friedhof. Dies ist ein heiliger Boden, auf dem sich das Grab von Saifs Urgroßvater befindet. Obwohl die Behörden die Menschenmassen aufforderten, sich aufzulösen, drängten Hunderte an den Rand des Tals, indem sich die Gräber befinden.“

+ Mustafa al-Fituri (Autor): „Ich sah, wie sich al-Adschami al-Ateiri zu Boden kniete, um den Leichnam entgegenzunehmen, während ihm einer der Anwesenden zuflüsterte: „Begrabe ihn, Adschami, begrabe den ‚Februar‘ in seiner letzten Ruhestätte.“
Die internationale Gemeinschaft mag mit ‚organisierten Dialogen‘ beschäftigt sein, aber die Realität Libyens ist hier, im Staub des Friedhofs des Völkermords.
Während grüne Fahnen in der kalten Luft wehten und Saif al-Islam in Frieden ruht, strauchelt Libyen. Die zügige Ausstellung von Haftbefehlen gegen drei Verdächtige durch den Generalstaatsanwalt ist angesichts des im libyschen Polizeisystem herrschenden Chaos eine bemerkenswerte Leistung. Der Status des Opfers ist erstmals zu hoch, als dass der Staat den Fall einfach ignorieren kann.“