Jahrestag: Schließung der britischen Stützpunkte am 28. März 1970 / Jahrestag: Am 30. März 2011 starben durch Nato-Bomben erste Zivilisten / Durch ukrainischen Beschuss havarierter Gastanker zunächst gesichert, durch Sturm wieder führerlos / Bericht des Expertengremiums des UN-Sicherheitsrats zu Libyen / Mord an Saif al-Islam Gaddafi: Öffentlichkeit wartet noch immer auf Bekanntgabe von Tätern und Hintergründen / Abschuss des Flugzeugs in der Türkei mit al-Haddad an Bord soll von USA und Israel durchgeführt worden sein / Weitere Zunahme von außergerichtlichen Tötungen / Libysches Wirtschaftstreffen unter US-Schirmherrschaft in Tunis wird von Belqasim Hafar abgelehnt / USA verfolgen in Libyen nur eigene Interessen, indem sie die beiden Familien-Clans unterstützen / Libyen könnte aufgrund wirtschaftlicher, sozialer und militärischer Probleme wieder in Instabilität abdriften / Libyens Institutionen von Cyberattacken bedroht / Enorme Preissteigerungen – insbesondere bei Tomaten und Mehl / Seit 2020 verlor der Dinar achtzig Prozent seines Wertes / Arkano-Ölunternehmen weiter Korruptionsvorwürfen und starker Kritik ausgesetzt / Schwere Sandstürmen fegen durch Libyen – miserable Sichtverhältnisse, Verletzungen und Atemwegserkrankungen
Jahrestag 28. März 1970 – Schließung britischer Militärstützpunkte
+ Am 28. März 1970 erfolgte die Schließung der britischen Stützpunkte und der Abzug ihrer Streitkräfte aus Libyen. Von diesen Stützpunkten aus hatten Flugzeuge 1956 und 1967 Angriffe auf Ägypten geflogen, und auch deshalb war ihre Schließung eines der Ziele der Revolution vom 1. September 1969 und von Oberst Muammar Gaddafi.
+ Fotos von damaligen britischen Soldaten und Fahrzeugen auf dem besetzten Stützpunkt al-Adham in Tobruk. Oberst Gaddafi stellte die libysche Kontrolle über den Militärstützpunkt wieder her.
+ Fotos: Genau am Jahrestag des Abzugs von britischen Militärs aus Libyen, dem 28. März 2026, lief der Flugzeugträger USS Tripolis im Hafen von Tripolis ein. Das US Central Command feierte die Ankunft von US-Matrosen und Marinesoldaten in Libyen.
Fotos belegen, wie in Tripolis rund 3.500 Angehörige der US-Marine, begleitet von Transportflugzeugen und Kampfflugzeugen, begrüßt wurden.
[Eine Verhöhnung der libyschen Souveränität].
+ Achmed Hamza (Menschenrechtsinstitution): Wir begehen einen glorreichen nationalen Jahrestag, doch er fällt in eine Zeit, in der ausländische Stützpunkte und Söldner aufgrund der Einmischung regionaler Mächte, die Libyens Souveränität untergraben, wieder im ganzen Land präsent sind.
+ Ali Ramadan Dabnun, Sozialrats des Gaddafa-Stammes: Ihr Abzug war nicht bloß ein militärischer Rückzug, sondern vielmehr der Fall der noch verbliebenen Hegemonie und ein Sieg für den Willen eines Volkes, das beschlossen hatte, Herren und nicht Untertanen im eigenen Land zu sein.
+ Bewegung Wille des Volkes: Der Abzug der britischen Streitkräfte aus Libyen ist ein bleibendes Gedenken und ein ruhmreiches Kapitel der libyschen Geschichte, geschrieben vom historischen Helden, dem legendären Führer Muammar Gaddafi und seinen Offizieren der Freien Unionisten.
+ Brigadegeneral al-Adschami al-Ateiri: Eine großartige Erinnerung, auf die wir mit Recht stolz sein und die wir feiern dürfen, auch wenn die Rückkehr auf die Stützpunkte und die Errichtung weiterer Stützpunkte zur Besetzung unseres Landes Traurigkeit auslöst.
+ Attia Bani (Journalist): Drei wichtige nationale Ereignisse, die im Gedächtnis des libyschen Volkes fortleben werden: Räumung der britischen Stützpunkte am 28. März 1970; Evakuierung der us-amerikanischen Stützpunkte am 11. Juni 1970; der Wegzug der italienischen Siedler.
+ Alam al-Fallah (ehemals Dialogkomitee): Die allgemeine Stimmung in Libyen ist noch immer von einer langen Tradition der Feindseligkeit und einem langen Kampf gegen den westlichen Kolonialismus geprägt und hat zur Ausbildung einer großen Sensibilität gegenüber jeder ausländischen Präsenz auf libyschem Boden beigetragen. Dies erklärt die weitverbreitete Ablehnung der Anwesenheit ausländischer Streitkräfte und Söldner.
+ Mohammed Buysir (politischer Berater): Als die al-Fatah-Revolution stattfand, war ihr wichtigster Slogan die Forderung nach Räumung der ausländischen Stützpunkte. Mit der Ölforderung war in Libyen eine neue Klasse gebildeter Menschen entstanden, ohne Bindung zur Monarchie, sondern die stattdessen Ideen der Befreiung und antikoloniale Visionen verfolgte.
Britische und us-amerikanische Dokumente zeigen, dass König Idris und seine Regierung die Räumung der britischen Stützpunkte bis nach Beendigung des Abkommens hinauszögern wollten. Dies war jedoch umstritten; der Verbleib dieser Stützpunkte wurde abgelehnt. Da sich der König und sein Regime als Teil der westlichen Weltgemeinschaft verstanden, erkannte er weder die Volksrepublik China noch die die DDR an.
Gaddafi sagte damals, dass Libyen als Königreich nicht mit der neu entstandenen Republik vergleichbar sei. Der Fortbestand dieser Stützpunkte sei sinnlos. Millionen Menschen jubelten. Ähnlich wie die Menschen in Ägypten die Verstaatlichung des Suezkanals und in Irak den Zusammenbruch des Bagdad-Bündnisses feierten, herrschte in Libyen ein Geist der Befreiung, einhergehend mit Feindseligkeit gegenüber dem Westen und seiner Kolonialpolitik.
Jahrestag 30. März 2011 – Nato-Bombardierung
+ Am 30. März 2011 fielen im Gebiet von al-Arqub Nato-Bomben zum „Schutz von Zivilisten“ und töteten Zivilisten. Gedacht wird der Toten: Yunis Ali Mohammed (43 Jahre alt), Amradsch Musa Said (41), Faradsch al-Mabruk Ali (13), Abdulmula Nasr Ali (5), Umm Schanaf Hamad Abdul Rabbo (43), Hania Said Mussa (4), Asmaa Mohammed al-Huni (7), Hanaa Mohammed Omran Yunes al-Huni (1 ½ ), Hadschar Hamed Mohammed (8).
Havarierter russischer Gastanker – nach Stürmen erneut Gefahrenzuspitzung
+ GelaNews: Ein mit Flüssiggas und Erdöl beladener Tanker wurde Anfang März 2026 von einem vermutlich von Libyen aus gestarteten ukrainischen Drohnenboot in Brand geschossen. Das schwer havarierte Schiff drohte zu explodieren und gefährdete die Küsten von Malta und Libyen sowie Bohr-, Erdöl- und Erdgasanlagen. Schwere Umweltschäden wurden befürchtet. Nach einem dramatischen Abdriften des Tankers in Richtung des libyschen Erdöl- und Erdgaskomplexes Mellitah, der nahe der westlibyschen Küstenstadt Stadt Zuwara liegt, gelang es Spezialeinsatzkräften zunächst, das Schiff zu sichern. Durch das Aufkommen schwerer Stürme im Mittelmeer wurde die Kontrolle über den Frachter wieder verloren, der erneut führerlos im Wasser treibt.
Libyens Befürchtung, neuer Schauplatz des Stellvertreterkriegs zwischen den USA/NATO und Russland zu werden, haben sich verstärkt.
+ Dabaiba-‚Regierung‘: Von dem havarierten russischen Tanker gehen keine Umweltrisiken mehr aus. Er soll in der kommenden Woche an einen bestimmten Ort geschleppt und dort entladen werden. Die NOC werde dafür ein internationales Unternehmen beauftragen; diesbezügliche Verhandlungen liefen. Mit der russischen Seite sei man im Gespräch.
+ Russisches Ermittlungskomitee: Der Gastanker Arctic Metagas wurde von zwei Drohnen und mindestens drei mit Sprengstoff beladenen Drohnenbooten angegriffen. Die 30-köpfige Besatzung, die allesamt russische Staatsbürger waren, konnten gerettet werden und befänden sich alle in Russland. Es werde weiter ermittelt.
+ Krisenkomitee der Dabaibah-‚Regierung‘: Der russische Tanker befindet sich, nachdem er erneut abgeschleppt wurde, mehr als 62 Seemeilen von der libyschen Küste entfernt. Die Abschleppaktion ist noch im Gange, zusammen mit den parallel laufenden Stabilisierungsmaßnahmen.
Die National Oil Corporation überwache in Abstimmung mit einem spezialisierten internationalen Unternehmen die Anwendung der Sicherheits- und Schutzstandards während des Entladevorgangs. Das Hauptziel in dieser Phase ist es, den Tanker von der libyschen Küste und deren potenziellen Umweltgefährdung zu entfernen.
+ Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, dass die europäischen Länder sich weigern, über die potenzielle Umweltkatastrophe zu diskutieren, die sich aus dem Angriff der Ukraine auf den russischen Gastanker Arctic Metagaz im Mittelmeer ergeben könnte.
+ Am 31. März berichtete al-Arabiya, dass der havarierte russische Gastanker aufgrund schlechter Wetterbedingungen, rauer See und der Befürchtung eines Lecks zur libyschen Küste zurücktreibe. Die Generaldirektion für Küstensicherheit entsandte zum Abschleppen des Tankers aus den libyschen Hoheitsgewässern zusätzliche Marineverstärkung.
Der Tanker befinde sich nun etwa 62 Seemeilen vor der libyschen Küste entfernt.
+ AgenziaNova (Italien): Das Auftreten eines Zyklons im Mittelmeer, begleitet von starken Winden, stellt eine Bedrohung für die Fortsetzung der Schleppvorgänge dar.
+ Die Lage hat sich am 2. April aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse im östlichen Mittelmeer mit Wellen bis zu einer Höhe von sieben Metern wieder dramatisch zugespitzt. Die National Oil Corporation (NOC) bestätigte, dass die Kontrolle über die zerstörte Arctic Metagaz erneut vollständig verloren ging. Die Schleppleine wurde gekappt und der Tanker treibt bei hohem Seegang führerlos im Wasser.
Bericht des Expertengremiums des UN-Sicherheitsrats zu Libyen
+ GelaNews. Ein am 29. März 2026 veröffentlichter Bericht eines Expertenrats (Sachverständigengremium) des UN-Sicherheitsrats zu Libyen gibt tiefe und erschreckende Einblicke über die Verfasstheit des Landes. Es geht dabei um Korruption, organisierte Kriminalität, grenzüberschreitende Terror-, Schmuggel- und Schleusernetzwerke. Die Arkano Oil Company, die sich der Dabaiba- und der Haftar-Clan teilen, ermöglichte die Abzweigung von Milliarden US-Dollar in private Taschen, während Investitionen vernachlässigt wurden.
Die National Oil Corporation wird von Milizen kontrolliert.
Der Milizenführer Abdul Salam Zubi wurde zum Unterstaatssekretär des Verteidigungsministeriums ernannt. Er ist unter anderem berüchtigt für Treibstoffschmuggel, Erpressung, Umgehung des Waffenembargos und er kontrolliert den Süden von Tripolis, der libyschen Hauptstadt.
Von Ibrahim Dabaiba, unterstützt von seinem Vater Ali, ist bekannt, dass er im westlichen Libyen als „Königsmacher“ fungiert und der Pate des Arkano-Deals war. Sein Einfluss umfasst über die Aktivitäten der Milizen hinaus auch Sicherheits-, politische und wirtschaftliche Funktionen. Die direkte Zusammenarbeit mit Milizenkommandeuren hat ihn zu einem wichtigen Akteur in deren System gemacht.
Der Chef der General Electricity Company, Mohammed al-Maschay, ist in Treibstoffschmuggel im großen Stil verwickelt.
Unter Ben Gaddara als Chef der Natinal Oil Company kam diese zunehmend unter die Kontrolle von Milizen.
Der Schmuggel von Öl und Ölderivaten hat ein beispielloses Ausmaß erreicht und ist nicht mehr staatlich kontrollierbar.
Daneben geht der Bericht auch ein auf Fälle von Verschwindenlassen, Folter und Inhaftierung als Mittel zur Einschüchterung von Zivilisten, Aktivisten und Journalisten in libyschen Haftanstalten.
Der Bericht beschreibt außerdem, wie der libysche Premier Abdulhamid Dabaiba zusammen mit dem Milizenkommandanten Machmud Hamza den Milizenführer Ghaniwa al-Kikli in eine Falle gelockt und ermordet hat.
All diese aufgeführten Verbrechen und schweren Korruptionsfälle sind dem UN-Sicherheitsrat nicht erst seit heute bekannt. Doch es wurde nicht nur nicht gehandelt, sondern die kriminellen Regierungen wurden aktiv im Amt gehalten und bestätigt. Dabei ist eine UN-Sondermission zur Unterstützung und Begleitung des politischen Prozesses seit September 2011 in Libyen aktiv. Die Chronik eines Totalversagens.
Der Bericht klammert nicht nur den Mord am Präsidentschaftskandidaten Saif al-Islam Gaddafi aus, sondern auch weitgehend die nicht weniger verbrecherischen Vorgehensweisen im östlichen Libyen unter dem Haftar-Clan.
+ Othman Al-Hadhiri (Ölexperte) bezeichnete den Bericht des UN-Expertengremiums für 2025-2026 als ein „beunruhigendes und gefährliches Dokument“, das das Ausmaß der Krise offenbart. Der Bericht bestärke die Befürchtung, dass der Ölsektor an internationaler Legitimität verliert, da globale Unternehmen wahrscheinlich zögern werden, Geschäfte in Libyen zu tätigen. Der UN-Sicherheitsrat könnte neue Sanktionen gegen die beteiligten Personen oder Organisationen verhängen.
Mord des Präsidentschaftskandidaten Saif al-Islam Gaddafi
+ Ibrahim al-Madani kündigte eine Erklärung von Zintan bezüglich des Mordes am Präsidentschaftskandidaten Saif al-Islam Gaddafi an. Der Verrat sei von bezahlten Mördern des Geldes wegen begangen worden.
+ Die Jugend der westlichen Bergregion brachte ihren Unmut und ihre Besorgnis über das Schweigen und die Verzögerung bei der Bekanntgabe neuer Entwicklungen im Mordfall Saif al-Islam Gaddafi zum Ausdruck. Die libysche Öffentlichkeit erwarte Aufklärung über die Wahrheit und Gerechtigkeit für das Opfer. Die Bürger seien beunruhigt und stellten Fragen zum weiteren Verlauf des Verfahrens.
+ Jugendliga Gharyan: Mit großer Sorge und Bestürzung wird die Verzögerung bei der Bekanntgabe neuer Entwicklungen im Mordfall von Saif al-Islam Muammar Gaddafi beobachtet.
Die Öffentlichkeit warte darauf, dass die ganze Wahrheit ans Licht komme und die Fakten bekannt werden. Es werde befürchtet, dass das Thema marginalisiert wird. Die Aufklärung des Falls und die Ermittlung der Umstände müssten nationale Priorität haben und Gerechtigkeit das oberste Ziel sein.
+ Riwaq Center for Research, Visions and Studies: Die Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi bedeutete eine qualitative Wende der Libyen-Krise, da er ein einigendes Symbol für die Anhänger des ehemaligen Regimes und eine politische Karte in den Gleichungen zur Beilegung des Konflikts und zu den Wahlen war.
Das Fehlen von Saif al-Islam habe das Land in eine neue Phase politischer Verwirrung und eines politischen Vakuums gestürzt, und dies in einer Zeit der Spaltung zwischen zwei Regierungen und zwei Militärblöcken.
Der Zeitpunkt des Attentats gebe Anlass zu ernsten Bedenken hinsichtlich einer Untergrabung der verbliebenen nationalen Dialogprozesse und offenbare die Fragilität der Sicherheitslage.
Die Abwesenheit von Saif al-Islam könnte die Tür für eine direkte Konfrontation zwischen den Konfliktparteien öffnen. Sie könnte zu einer weitverbreiteten Wählerapathie führen und die Legitimität des Wahlprozesses schwächen. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation und könne den Wahlprozess zum Scheitern bringen oder ihn völlig umgestalten.
Es könnte die gesamte Zukunft des libyschen Staates auf dem Spiel stehen.
Al-Mahdi Abdel-Aati wieder frei
+ Der politische Aktivist al-Mahdi Abdel-Aati aus Misrata wurde am 26. März der Staatsanwaltschaft übergeben.
Die EU und die diplomatischen Vertretungen der Mitgliedstaaten forderten in einer gemeinsamen Erklärung die Freilassung von al-Mahdi Abdel-Aati. Seine körperliche Unversehrtheit müsse gewährleistet werden.
+ Am 29. März forderte auch der Konsensblock des Staatsrats die bedingungslose Freilassung von al-Mahdi Abdel-Aati. Die Strafverfolgungsbehörden müssten unverzüglich eingreifen und die Täter vor Gericht bringen.
+ Der politische Aktivist al-Mahdi Abdel-Aati, der am 19. März verschleppt worden war, wurde von der Generalstaatsanwaltschaft freigelassen.
Al-Mahdi Abdel-Aati deckte zuletzt Korruption innerhalb der Dabaiba-‚Regierung‘ und der National Oil Corporation auf und berichtete über zahlreiche Details zu Verstößen im Zusammenhang mit dem Unternehmen Arkano. In seinem letzten Video vor seiner Entführung sprach al-Mahdi Abdel-Aati über den Schmuggel von Rohöl und Treibstoff, das Verschwinden von Steuereinnahmen und den Rückgang der Öleinnahmen.
Militär/Milizen/Gewalt
+ Dogu Perincek, Vorsitzender der türkischen Nationalpartei: Die Operation zum Abschuss des Flugzeugs, das den Tod des libyschen Generalstabschefs Mohammed al-Haddad zur Folge hatte, war eine gemeinsame Operation von Israel und den USA.
Jeder, der sich nicht an die Nato-Strategie halte, werde als Bedrohung wahrgenommen und ins Visier genommen.
Zeitgleich mit dem Abschuss des Flugzeugs habe Israel eine türkische C-130-Transportmaschine abgeschossen, die in Aserbaidschan gestartet war und 34 türkische Soldaten an Bord hatte. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden noch nicht veröffentlicht.
Wenn die Bedrohung von Israel und den USA ausgehe, herrsche in der Türkei Schweigen.
+ Am 26. März fanden bewaffnete Zusammenstöße in Surman zwischen Anhängern von Nuri ar-Raitimi und Anhängern von ar-Rabie, der dem Stability Support Apparatus angehört, statt.
+ Al-Ammari al-Faqi Huwaidsch wurde am 26. März erschossen in der Nähe seines Hauses im Stadtteil Gumata von Gasr al-Akhyar aufgefunden.
+ Nationale Menschenrechtsinstitution: Der junge Siradsch Schaladi wurde am 27. März auf der Küstenstraße westlich der Stadt az-Zawiya erschossen. Zwei Begleiter, einer aus der Familie Raschid und der andere aus der Familie Baschkar, wurden durch Schüsse verletzt.
Es wird gefordert, die Täter strafrechtlich zu verfolgen und sie vor Gericht zu stellen.
In vielen Städten und Gemeinden, insbesondere in Zawiya, Adschilat, Surman, Sabratha, Tripolis und Dschanzur, komme es immer wieder aufgrund des Fehlens kompetenter Sicherheitsbehörden zu außergerichtlichen Tötungen.
+ Der junge Mohammed Abdelghani Koko wurde am 30. März in der Stadt Zawiya von mehreren Tätern erschossen. Die Mörder flüchteten.
+ Mohammed Abdul Hamid Dschirah wurde bei einem Angriff auf sein Haus in Gharyan getötet und seine Mutter schwer verletzt. Ein bewaffneter Mann hatte eine Handgranate in das Haus geworfen.
+ Fünf internationale Menschenrechtsorganisationen forderten den IStGH, die UNO und Interpol auf, die Umstände rund um die Massengräber in Tripolis zu untersuchen. Sie brachten auch ihr tiefes Bedauern über die Entführung, Folterung und Tötung der Bürger Machmud Ali at-Taher und Abdel-Aati al-Gibli zum Ausdruck, deren Leichen am 8. März 2026 in einem Massengrab im Gebiet Sidi Hussein in Tripolis gefunden wurden.
Der Schutz von Zeugen und Angehörigen der Opfer müsse gewährleistet sein und Gerechtigkeit und Wiedergutmachung ermöglicht werden.
+ Die Libysche Vereinigung der politischen Gefangenen: Wir leiden unter der Politik der Straflosigkeit, der Marginalisierung der Rechte der Opfer und der Behinderung der Justiz. Der Forderung über Aufklärung der Verstöße gegen das Recht von politischen Gefangenen sowie über den Verbleib von Verschwundenen wird nicht nachgekommen. Diese Fälle werden nicht ernsthaft geprüft, und die Verantwortlichen wurden bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen.
„Wir rufen alle Parteien dazu auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und sich dem Weg der Übergangsjustiz zu verpflichten, da dies der einzige Weg ist, einen gerechten Frieden auf der Grundlage von Wahrheit und Fairness zu erreichen.“
+ Präsidialratsvorsitzender al-Menfi traf sich mit an-Namrusch, Hassan Abu Zriba, Hussein al-Aib und Ayub Buras bei separaten Treffen, die der Erörterung der jüngsten Sicherheits- und Militärentwicklungen in verschiedenen westlichen Regionen und Städten gewidmet sind.
+ Al-Menfi traf sich auch mit dem Direktor des Militärgeheimdienstes und dem Kommandeur der 444. Kampfbrigade, Machmud Hamza, um sich über die Sicherheitslage zu informieren und die Koordination zwischen den militärischen Stellen zu verbessern.
+ Al-Menfi traf sich im Rahmen der gemeinsamen Koordinierungsbemühungen verschiedener militärischer Institutionen und zur Beobachtung der Sicherheitslage mit an-Namrusch, al-Aib, Karah, Hassan Abu Zriba und dem Chef der Präsidentengarde.
+ Khalil al-Hassi (Journalist): Die Dabaiba-‚Regierung‘ gab 355 Millionen Dinar für etwas namens „Verteidigungsministerium“ aus, um dieses Krebsgeschwür namens Milizen am Leben zu erhalten.
Der Süden Libyens – Bedrohung durch IS
+ Mohammed as-Senussi (Militärexperte): Die Sprengung eines Ventils im Scharara-Ölfeld wirft ernsthafte Fragen hinsichtlich einer möglichen Beteiligung des IS auf, insbesondere nachdem der IS in der Vergangenheit Ölförderanlagen wie Sidra und Ras Lanuf ins Visier genommen hatte. Der Druck auf extremistische Gruppen an den Grenzen zu Tschad, Niger und Sudan könnte den IS dazu veranlassen, sich neu zu positionieren und erneut in libysches Gebiet einzudringen.
+ Salem Karwad (Misrata-Bewegung gegen Ungerechtigkeit): Der gegenwärtige Zustand relativer Stabilität bedeutet nicht das Ende der Bedrohung durch den IS. Dieser könnte ein Vakuum nützen, um sich neu zu formieren.
+ Dschalal Harchaui (Libyen-Experte): Das Problem der Söldner wird wahrscheinlich auch weiterhin bestehen. In Libyen seien seit Jahren Hunderte von Söldnern verschiedener Nationalitäten stationiert, darunter aus Russland, dem Tschad und Syrien.
Der UN-Bericht dokumentierte die Nutzung libyschen Territoriums als Ausgangspunkt für die Verlegung von Kämpfern auf ausländische Schlachtfelder. Kolumbianer durchquerten Libyen auf der Durchreise in den Sudan, ohne sich dort jedoch niederzulassen. Dieser Transit stelle ein umfassenderes regionales Sicherheitsdilemma dar.
Wirtschaftstreffen in Tunis
+ Al-Arab (London): In Tunis fand unter der Schirmherrschaft des Trump-Gesandten Massad Boulos und des US-Finanzministeriums ein Wirtschaftstreffen zwischen Vertretern der östlichen und westlichen Regionen statt. Erörtert wurden die Umsetzung der Bestimmungen des gemeinsamen Entwicklungsabkommens und die Einrichtung eines gemeinsamen Haushalts.
Die Delegation der Westregion wurde von Walid al-Lafi und Mustafa al-Mana geleitet, und zur Delegation der Ostregion gehörten der ehemalige Staatssekretär des Ölministeriums, Rifaat al-Abbar, und der ehemalige Planungsminister, Fakher Bufrana.
+ Der von Belqacem Haftar geleitete Wiederaufbaufonds stellte sich gegen das in Tunesien unter der Schirmherrschaft von Massad Boulos abgehaltene Wirtschaftstreffen und bezeichnete es als unverbindlich und für ihn ungültig.
Der Fonds griff die beim Wirtschaftstreffen anwesenden Vertreter von Saddam Haftar, Rifaat al-Abbar und Fakher Bufrana, an, und erklärte, dass diese nicht die östlichen und südlichen Regionen repräsentieren.
+ Manur al-Hasadi (Staatsrat): Die Diskussionen um das Wirtschaftstreffen in Tunis bestätigen, dass Massad Boulos die Libyen-Krise mit der Denkweise eines Bauunternehmers angeht, indem er Spaltung und Korruption fördert und verdächtige Schritte unternimmt.
+ Konsensblock im Staatsrat: Wir weisen die hinsichtlich ihres Inhalts und Kontextes verdächtigen Aktionen von Massad Boulos wegen Interessenkonflikten und Korruptionsverdachtsvorwürfen zurück.
Seine Treffen mit Clanvertretern spiegelten seinen Mangel an strategischem und politischem Gespür wider. Boulos versuche, persönliche Deals durchzusetzen und die Herrschaft des Militärs und dessen Clan sowie das korrupte Regierungssystem auf Kosten Libyens, seines Volkes und seiner Institutionen zu festigen.
„Libyen war und wird niemals einer ausländischen Macht untertan sein, und sein Volk wird es nicht hinnehmen, dass seine Zukunft von familiären Ambitionen, Geschäftsabschlüssen mit einem us-amerikanischen Berater oder von außen aufgezwungenen politischen Projekten diktiert wird.“
+ As-Senussi Ismail (ehemalige Sprecher des Staatsrats): Massad Boulos ist ein kleiner Bauunternehmer, der seinen persönlichen Vorteil sucht und seinen Reichtum auf Kosten des libyschen Volkes mehren will.
+ Khaled Al-Ghawil (Berater Libysche Stammesunion): Die verdächtigen Aktivitäten von Massad Boulos in Libyen, darunter die Abhaltung geheimer Treffen, um vom libyschen Blutvergießen zu profitieren und seine persönlichen Interessen zu verfolgen und sich durch korrupte Verräter zu bereichern, stürzen Libyen ins Chaos.
+ Die Ablehnung des Tunis-Wirtschaftstreffens durch Belqasim Haftar wird als Streit im Haftar-Lager gedeutet. Es gebe deutliche Anzeichen interner Uneinigkeit hinsichtlich der Gestaltung des Wirtschaftsbereichs und der laufenden politischen Vereinbarungen.
Ausländische Besatzung
+ USA. Der amtierende US-Botschafter traf sich mit Mohammed asch-Schahubi, dem Verkehrsminister und Finanzberater von Dabaiba, um die Finanzstabilität und die Vereinheitlichung der öffentlichen Ausgaben besprechen mit dem Ziel, die Grundversorgung positiv zu beeinflussen und die Entwicklung in verschiedenen Regionen zu beschleunigen.
+ Fawzi an-Nuwairi (Vizepräsident des Parlaments): Die Zentralbank und ihre Finanz- und Währungsregelungen sind eine souveräne Angelegenheit, in die wir jegliche Einmischung von außen ablehnen.
Die Einbeziehung der Zentralbank in politische Prozesse stelle eine gefährliche Abweichung dar.
+ USA. Yussef Ben Othman as-Saghir (Völkerrechtsexperte): Die USA versuchen, die Unterstützung bei der libyschen Ernährungssicherheit auszunutzen, um militärische und geopolitische Ziele zu erreichen.
Die Herangehensweise der USA in Bezug auf die Ernährungssicherheit sollte nicht durch die vorgeblich humanitäre Rhetorik in die Irre führen, sondern vielmehr innerhalb der Logik der Hegemonie, die das außenpolitische Verhalten der USSA bestimmt, betracntet werden.
Die anvisierten Gebiete im Süden Libyens stellen eine strategische Tiefe dar, die mit der regionalen Sicherheit, dem Ressourcenfluss und der Grenzkontrolle verknüpft ist, wodurch die us-amerikanische Intervention eher einer strategischen Positionierungsoperation als einer humanitären Initiative gleicht.
+ USA. Mohammed Buysir: Trumps Politik zielt darauf ab, die Ölressourcen der Welt, einschließlich die libyschen, zu kontrollieren. Libyen komme bei den us-amerikanischen Interessen nach dem Iran, den Golfstaaten und Russland, wobei sie sich in Libyen auf Massad Boulos verlassen, weil er sich als Geschäftsmann auf das Dealmachen konzentriere.
Er wolle nur mit den zwei Clans Geschäfte machen, und daher die Herrschaft der Clans fördern, da dies der einfachere Weg sei.
Wahlen seien keinesfalls Teil des us-amerikanischen Abkommens. Die USA wollten die Kontrolle über die Öleinnahmen behalten und es us-amerikanischen Unternehmen sowie ihren europäischen Tochtergesellschaften ermöglichen, in Libyen tätig zu sein und Öl zu exportieren.
„Die USA werden weder das libysche Volk ernähren noch seine Probleme lösen; sie werden nur ihre eigenen Interessen verfolgen.“
Demonstrationen/Proteste
+ Die Bewohner von Misrata verurteilten während einer Protestaktion die Angriffe auf Schreine und Zawiyas und forderten, dass die Täter gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden.
Die Stiftungsbehörde veröffentliche provokative Publikationen, die sich negativ auf den Einzelnen und die Gemeinschaft auswirkten, deshalb müsse deren Leiter wegen Verbreitung von extremistischen Inhalten abgesetzt werden.
+ Die Bewohner von Tarhuna forderten die sofortige Entlassung des Filialleiters der Aman Bank in Tarhuna sowie eine dringende Untersuchung der Vorfälle von Beleidigungen und Misshandlungen von Kunden. Die Bank werde den Bedürfnissen der Stadtbewohner nicht gerecht.
Analysen
+ LibyaDesk: Die libysche Wirtschaft befindet sich in ihrer seit Jahren schlechtesten Lage. Die Bevölkerung spürt den Niedergang des Dinars durch steigende Preise und sinkende Kaufkraft. Es handelt sich dabei um eine strukturelle Währungskrise, die sich über Jahre hinweg angebahnt hat.
Das größte Risiko sei derzeit sozialer Natur. In ganz Libyen herrsche ein seltener Konsens: Die Wirtschaftskrise spitze sich zu. Proteste, ausgelöst durch Korruption und steigende Lebenshaltungskosten, werden immer wahrscheinlicher; sie nähmen in Tripolis ihren Anfang, würden sich aber voraussichtlich nicht auf Tripolis beschränken. Es könnte zu sozialen Unruhen kommen.
Dies sei nicht nur ein Problem des westlichen Libyens. Auch im Osten wachse die Frustration über die Ausgabenpolitik des Wiederaufbaufonds unter Belqasim Haftar. Öffentliche Kritik werde immer sichtbarer.
Dazu kämen Fragen zum Gesundheitszustand von Premierminister Abdulhamid Dabaiba. Innerhalb der Tripolis-Regierung zeichneten sich Anzeichen für Notfallplanungen ab, einige haben sich neue Wohnsitze in Kairo und Europa eingerichtet. In diplomatischen Kreisen werde Dabaibas Überleben zunehmend in Frage gestellt.
Eine explosive Entwicklung zeichne sich angesichts der Ermittlungen zum Attentat auf Saif al-Islam Gaddafi ab. Erkenntnisse könnten erhebliche politische und sicherheitspolitische Konsequenzen haben.
Auch auf militärischer Ebene flamme die Spannung in Tripolis wieder auf, insbesondere zwischen den mit der Dabaiba-‚Regierung‘ verbündeten Milizen und dem Deterrence Force Apparatus, nachdem Dabaiba Personen unterstützte, die RADA offen feindlich gesinnt seien. Das fragile Gleichgewicht komme ins Schwanken.
Zusammengenommen stehe Libyen nicht vor einer einzelnen Krise, sondern vor einem Zusammenwirken verschiedener Belastungen in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Sicherheit. Die Gefahr bestehe in einem allmählichen Abgleiten in erneute Instabilität.
+ International Crisis Group: Treibstoffschmuggel und Aufteilung der Öleinnahmen sowie das Ignorieren von „informellen Einnahmequellen“ (Korruption) erhalten den Frieden zwischen den rivalisierenden Parteien des Landes, plündern aber die Staatskasse und untergraben internationale Vermittlungsinitiativen, die auf die Beendigung der Teilung des Landes abzielen.
Obwohl sich die beiden rivalisierenden Lager als Gegner darstellten, bildeten sie insgeheim eine Interessengemeinschaft. Finanzströme ermöglichten es beiden Seiten, ihre Regierungen zu finanzieren, Gehälter zu zahlen, politische Loyalität zu gewinnen und ihre Macht in ihren Einflussgebieten zu festigen.
Die Unsicherheit, gepaart mit wirtschaftlichem Missmanagement, führe zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen, zu falschen Zuweisungen öffentlicher Gelder und zu übermäßigen Ausgaben.
+ Mohammed Buysir (Politberater): Die Behauptung, Massad Boulos werde eine libysche Zukunft zum Wohle der Libyer gestalten, ist nichts als Wunschdenken.
Er setze eine Politik des Weißen Hauses um und arbeite für us-amerikanische Interessen. Er werde seine Marionetten so einsetzen, dass sie den US-Amerikanern dienen, denn die libysche Seite sei nicht beteiligt.
Der Strukturierte Dialog habe sich als nichts weiter als ein Druckmittel von Hannah Tetteh gegenüber den libyschen Parteien entpuppt. „Sie werden nichts anbieten.“
Innerlibysche Nachrichten
+ Abdullah al-Lafi traf sich mit Bürgermeistern von Gemeinden der westlichen Region. Er sagte, Führungspersönlichkeiten wie Bürgermeister, Älteste und Würdenträger bildeten eine tragende Säule bei den Bemühungen um die Vereinheitlichung staatlicher Institutionen und die Lenkung des politischen Prozesses.
+ Laut Cryptica wurden zwischen November 2025 und Februar 2026 eine Ölraffinerie, ein Telekommunikationsunternehmen und eine libysche Regierungsinstitution Ziel einer koordinierten Spionagekampagne. Die Angreifer installierten Fernsteuerungs-Spionagesoftware in den Systemen dieser kritischen libyschen Institutionen.
Angesichts des Konflikts in der Golfregion und steigender Ölpreise scheint der libysche Energiesektor weltweit zunehmend an Bedeutung zu gewinnen.
+ Imran asch-Schaibi (Spezialist für Cybersicherheit): Staatliche Institutionen und Unternehmen in Libyen schenkten der Cybersicherheit zu wenig Aufmerksamkeit. Cyberangriffe könnten einen Ölkonzern lahmlegen, sensible Daten stehlen oder ein Lösegeld für die Rückgabe der erbeuteten Informationen fordern.
+ Al-Nahar al-Arabi (Libanesische Zeitung): Cyberangriffe, insbesondere auf den Ölsektor, der mehr als neunzig Prozent der libyschen Einnahmen ausmacht, stellen eine große Bedrohung dar. Die jüngst mit internationalen Unternehmen, insbesondere us-amerikanischen, abgeschlossenen Verträge könnten die Attraktivität dieses Sektors für Angriffe erhöhen.
+ As-Senussi Ismail (Staatsrat): Anstatt ihre geldpolitischen Befugnisse auszuüben, greift die Zentralbank in den politischen Konflikt ein. Sie kontrolliert nicht, wer das Geld ausgibt und wer es verschwendet.
Massad Boulos sei lediglich ein Geschäftsmann und könne keine umfassende Vereinbarung zur Beendigung des Konflikts treffen. Die UN-Mission sei verwirrt über die wechselnden Positionen der Libyer. Derzeit hätten in Libyen die Länder, die die Szene kontrollieren, wie beispielsweise Russland und die Türkei, die Oberhand. Würde das Land politische Parteien und zivilgesellschaftliche Organisationen aufgeben, würde es zu einem Gewirr von Stämmen verkommen, die sich gegenseitig mit Waffen bekämpften, und die Abhaltung von Wahlen wäre ausgeschlossen.
+ LibyaPress: Namentlich genannte, ehemalige Beamte der Antikorruptionsbehörde sind in Korruptionsfälle verwickelt, beispielsweise mit dem Handel von Materialien, die für die nationale Sicherheit von Bedeutung sind, wie zum Beispiel Harnstoff. Der Leiter des Beraterbüros der Nationalen Antikorruptionsbehörde, Nasser Ali Abdulrahman al-Warfali, reichte eine offizielle Beschwerde bezüglich dieser Fälle beim Parlamentspräsidenten, dem Generalstaatsanwalt und dem Leiter der Abteilung für die Inspektion der Justizorgane ein. Den Beamten wird vorgeworfen: Manipulation von Mitarbeitergehältern, fiktive Ernennungen, Berufung von Personen mit Vorstrafen auf sensible Posten und Geschäfte mit korrupten Organisationen.
Verfahren gegen die Beamten wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit, Korruption und Plünderung der Ressourcen des libyschen Volkes seien seit Jahren vor Gericht anhängig.
+ Die Generalgewerkschaft der Justizangestellten forderte von Mohammed Takala dessen Intervention zur Umsetzung der beschlossenen Gehaltserhöhung und zur Wiederherstellung der Stabilität des Justizsystems.
+ Dabaiba verbot Ermittlungen gegen Bürgermeister ohne seine schriftliche Zustimmung.
Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.
Wirtschaft / Finanzen
+ Welternährungsprogramm: Der Anstieg der lokalen Preise erfolgte nach der Abwertung des Dinars im Januar 2026; der niedrigste nationale Warenkorbindex stieg im Februar um fünf Prozent. In der östlichen Region wurden starke Preisanstiege bis über neun Prozent verzeichnet. In der südlichen Region treiben hohe Transportkosten, Angebotsengpässe, die Abhängigkeit von langen Lieferketten und Wechselkurseffekte die Preise weiterhin in die Höhe.
+ Achmed al-Khamisi: Der vierfache Anstieg der Tomatenpreise von 3 auf 15 Dinar zeigt, dass einige Spekulanten die Schwäche des Staates ausnutzen.
+ Komitee zur Überwachung der Bäckereien: Die Mehlpreise sind von 190 Dinar auf 240 Dinar gestiegen, während der Preis für einen Sack Zucker von 160 auf 220 Dinar gesprungen ist. Der Preis für eine Kiste Öl stieg von 90 Dinar auf 137 Dinar. Außerdem erhöhten sich die Preise für Hefe und Brottüten.
Bäckereibesitzer sehen sich auch zunehmendem Druck von Arbeitern ausgesetzt, die nach der Wechselkursänderung höhere Löhne fordern.
+Geopolitical Desk: Seit Beginn des Jahrzehnts hat der libysche Dinar fast 80 Prozent seines offiziellen Werts gegenüber dem US-Dollar verloren – und das in einem Land, das nicht unter wirtschaftlichen Sanktionen steht, in dem die Ölproduktion gestiegen ist und wo die Devisenreserven (FX) zu den höchsten Pro-Kopf-Reserven in Nordafrika gehören.
Libyen arbeite mit drei verschiedenen Kursen für den gleichen US-Dollar und schaffe so Möglichkeiten zur Bereicherung. Nach der Abwertung im Januar 2026 liege der offizielle Kurs bei 6,38 Dinar/US-Dollar. Auf dem Parallelmarkt sei der Kurs des gleichen US-Dollars bis zu 9,10 Dinar. Diese Lücke, die seit 2024 konstant im Bereich von 30–45 Prozent liegt, sei groß genug, um als räuberisches Geschäftsmodell zu fungieren.
Mit einem angemessenen Zugang kann man US-Dollar billig über offizielle Kanäle kaufen, sie zu parallelen Marktpreisen verkaufen und den Unterschied einstecken, ohne einen Wert zu schaffen.
Ein dritter Preis sei im Bankensystem selbst versteckt. Dort herrsche ein chronischer Mangel an Banknoten. Jeder, der Geld auf einem Bankkonto hat, aber Bargeld benötigt, sei gezwungen, seinen Scheck unter Wert an einen Broker zu verkaufen – in der Regel 15 bis 20 Prozent unter dem Nennwert. Wenn das Halten von Dinaren in Einlagen mit einer Strafe versehen ist, wechseln Agenten auf das Halten von US-Dollar oder physisches Bargeld und verstärkten damit die FX-Nachfrage.
„Wenn man dies alles zusammennimmt, können die effektiven Kosten für die Gewinnung nutzbarer US-Dollars vom offiziellen Zinssatz um 40 bis 60 Prozent abweichen – eine außergewöhnliche Arbitrage-Marge.“
+ Der Bürger Muradschi Ghaith fragt: Warum konzentriert sich die gesamte Diskussion auf den Wechselkurs und nimmt nicht auch andere Probleme in den Fokus als da sind: Inflation, Arbeitslosigkeit, niedriges Bildungsniveau und unzureichende Gesundheitsversorgung, fehlende Sozialprogramme und Wohnungsnot?
+ Mradschaa Ghith (ehemals Zentralbank): Es ist unlogisch, dass die Mittelzuweisungen für persönliche Ausgaben im Jahr 2026 etwa acht Milliarden US-Dollar ausmachen sollen. Dies würde bedeuten, dass alle Libyer studieren, sich medizinisch behandeln lassen und zu touristischen Zwecken ins Ausland reisen.
+ Der Telekommunikationskonzern suspendierte Mitarbeiter, die gegen ein Technologieprojekt im Wert von über 100 Millionen US-Dollar protestierten, mit dem die Aktivitäten von Bürgern auf den Plattformen Facebook und WhatsApp überwacht werden sollen.
Erdöl / Erdgas
+ Hassan al-Haddad (Wirtschaftsjournalist) deckte die Verwicklung von Massud Suleiman in die Geschäfte von Arkano auf den Masila und Sarir Ölfeldern auf.
+ Hossam al-Gamati (Menschenrechtsaktivist): Das bei Arkano abgezweigte Geld floss auf Privatkonten und in die Taschen von Ölkartellen. Die Behauptung, das Geld sei zum Aufbau der Armee verwendet worden, sei falsch.
+ Reuters: Russland – das vor den Sanktionen elf Prozent der weltweiten Benzinexporte tätigte – hat seine Exporte angesichts der sich verschärfenden Energiekrise bis mindestens zum 31. Juli eingestellt. Davon betroffen ist auch Libyen (neben anderen afrikanischen Ländern, Brasilien und Türkei).
+ Bloomberg Middle East Economy Plattform: Ägypten strebt den Import von mindestens einer Million Barrel libyschen Öls pro Monat an, um den Ausfall der kuwaitischen Rohöllieferungen auszugleichen.
+ Bloomberg News: Libyen wird zwei Lieferungen Rohöl pro Monat nach Ägypten schicken, insgesamt 1,2 Millionen Barrel, um den Ausfall der kuwaitischen Rohöllieferungen aufgrund der faktischen Schließung der Straße von Hormus zu kompensieren.
+ Jonathan Winer (ehemaliger US-Gesandter in Libyen): Libyens Stabilität gewinnt angesichts der Folgen des Golfkriegs an strategischer Bedeutung. Die Steigerung seiner Ölproduktion hängt vom Vorhandensein eines fähigen Regierungssystems ab. Die Vorkehrungen, die die libysche Ölproduktion aufrechterhalten haben, geraten mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage zunehmend unter Druck.
Der Ansatz des US-Gesandten Massad Boulos ziele darauf ab, die Exekutivgewalt durch die Verteilung der Ministerien zwischen den westlichen und östlichen Behörden zu vereinen, um so Stabilität zu erreichen.
UN-Mission und UNO
+ Ayman Badr (ehemals UN-Mission): Der Strukturierte Dialog hat nichts Neues gebracht, und die UN-Mission ist nicht mehr in der Lage, irgendetwas zu bieten. Sie habe sich aufgrund ihrer schwachen Leistung mit der politischen Pattsituation abgefunden.
Wenn die Libyer Stabilität und Wahlen wollten, müssten sie sich vereinen und Druck auf die UN-Mission ausüben.
Die UN-Mission sei Konfliktpartei und nicht Teil der Lösung, da sie seit 2014 Organe hervorbringe, die die Macht nicht abgeben wollen.
Die UN-Mission verhalte sich so, als wolle sie Libyen in zwei Teile spalten.
Weitere Nachrichten aus Libyen
+ Sputnik. Während sich Hämophilie-Erkrankungen (genetische Störung der Blutgerinnung) zunehmend zu einer chronischen Krankheit entwickelt, fehlt es an Möglichkeiten der Früherkennung, Behandlung und medizinischen Nachsorge.
+ Hafez al-Ghawil (Politikwissenschaftler) über die Probleme der heutigen Jugend, die nach 2011 aufgewachsen ist. Sie sei traurig, enttäuscht und resigniert und wirke als zu früh erwachsen geworden.
+ Fotos: Am 1. April herrschte in Tobruk und Bengasi aufgrund eines starken Sandsturms enorme Sichteinschränkung.
Die nördlichen und nordöstlichen Städte sowie die Grenzgebiete zu Ägypten sind am stärksten von Sandstürmen betroffen.
Das Tiefdruckgebiet soll bis einschließlich 3. April bestehen bleiben.
Der Unterricht wurde ausgesetzt und öffentliche Einrichtungen bleiben geschlossen.
In Tobruk wurde der Notstand ausgerufen. Es kam zu Erkrankungen der Atemwege und Verletzungen durch herumfliegende Teile.
+ Fotos. In der Gemeinde Tazerba brach während eines Sandsturms ein Brand in einem Palmenhain aus.
Migration
+ The Guardian: In Griechenland müssen sich zwei sudanesische Schleuser vor Gericht verantworten. Sie werden beschuldigt, Dutzende Migranten aus Libyen eingeschleust zu haben und für den Tod von mindestens 22 Menschen mitverantwortlich zu sein, deren Schiff tagelang ohne Nahrung und Wasser auf See trieb.
+ La Stampa: Libyen steht unter der Kontrolle der Milizenmafia, die den Menschenhandel zu einem stabilen Wirtschaftsmodell gemacht hat. Der Einfluss von Mafia-Gangs erstrecke sich über das gesamte Mittelmeer und deren Gewalt eskaliere. Sie betrieben auch Waffen-, Treibstoff- und Drogenschmuggel.
Italien trage aktuell zur Finanzierung dieser Banden bei, indem es diesen Milizen Boote und andere Mittel zur Verfügung stelle, um Migranten abzufangen. Die aufgebrachten Boote würden anschließend an die Banden zurückgegeben, die die Migranten erpressen, verstecken und an Schleuser verkaufen. Die italienische Regierung habe mit Anführern dieser Milizen zusammengearbeitet, um ihre eigenen Interessen zu fördern; ein Beispiel dafür sei Osama Nadschim.
Libyen und das Ausland
+ Türkei. Der türkische Botschafter, Kovin Bekic, traf am 31. März den Bürgermeister von Bengasi, Ezzeldin al-Gharabi, und bot seine Unterstützung an.
+ Russland. Der russische Vizeaußenminister Sergei Ryabkov empfing am 31. März den Gesandten des Präsidialratsvorsitzenden, Sami al-Menfi. Man war sich einig, dass die Stabilität fragil sei und einen umfassenden politischen Prozess auf der Grundlage eines nationalen Konsenses erfordert.
+ Jordanien. Ein Gerichtsurteil fiel zugunsten der Islamic Call Society aus. Es ordnete die Rückgabe der Sheikh of Martyrs Omar al-Mukhtar Schulen in Amman unter die Aufsicht der Islamic Call Society an.
+ Frankreich. Le Parisien: Ein Pariser Strafgericht hat den Schweizer Staatsbürger Tariq Ramadan, Enkel des Gründers der Muslimbruderschaft, Hassan al-Banna, wegen der Vergewaltigung von drei Frauen zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt.
Rückblick
+ Nato-Intervention 2011. Foreign Policy Magazin: Das Ende der Ära Gaddafi markierte den Beginn von Chaos, Staatszerfall, der Ausbreitung von Milizen und des Abstieg des Landes in eine Gewaltspirale.
Was wie ein schneller Sieg aussah, entwickelte sich zu einer Pattsituation, und obwohl die NATO die Lufthoheit erlangt hatte, blieb sie unfähig, den Kampf am Boden zu gewinnen. Es wurde erwartet, dass das Regime in Libyen unter dem Druck zusammenbrechen würde, doch die Realität sah anders aus: ein langer Widerstand und ein Krieg, der nicht allein durch Bombardierungen entschieden werden konnte. Im Laufe der Zeit wurden die Luftoperationen ausgeweitet und die Unterstützung für die Rebellen durch intensive Bombardierungen der Infrastruktur mittels Tausender Angriffe über Libyen verstärkt.
+ Der ehemalige libanesische Präsident Amin Gemayel erklärte auf dem Sender al-Arabiya: Das Verschwinden von Musa as-Sadr im Jahre 1978 war eher das Ergebnis einer syrischen Operation und beruhte nicht auf einer Entscheidung Libyens.
As-Sadr sei für Damaskus zu einem Ärgernis geworden und sollte deshalb verschwinden. Muammar Gaddafi sei in dieser Angelegenheit vor vollendete Tatsachen gestellt worden.
[Oberst Gaddafis Sohn Hannibal saß wegen angeblich zurückgehaltener Informationen über das Verschwinden von as-Sadr beinahe elf Jahre in Beirut im Gefängnis, bevor er im November 2025 freikam.]
+ Samir al-Wafi (tunesischer Journalist): Wir vermissen Gaddafi und sehnen uns nach dieser Zeit zurück. Seine Nachfolger misshandelten die Tunesier und seien ihnen gegenüber respektlos. „Gaddafi war ein guter Nachbar, in guten wie in schlechten Zeiten, bis wir ihn im Namen der Revolution verraten haben und einige von uns ihm in den Rücken gefallen sind.“
Aus den Nachbarstaaten
+ Ägypten. Das ägyptische Innenministerium teilte mit, dass zwei Mitglieder der mit der Muslimbruderschaft verbundenen Hasm-Bewegung nach einer Razzia in ihrem Versteck im Gouvernement Gizeh bei einem Schusswechsel getötet wurden. Ein Polizist erlitt Verletzungen. Der Anführer der Hasm-Bewegung, der einen Anschlag auf das Präsidentenflugzeug geplant haben soll, wurde festgenommen.





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