Ein am 29. März 2026 veröffentlichter Bericht eines Expertenrats (Sachverständigengremium) des UN-Sicherheitsrats zu Libyen gibt tiefe und erschreckende Einblicke über die Verfasstheit des Landes. Es geht dabei um Korruption, organisierte Kriminalität, grenzüberschreitende Terror-, Schmuggel- und Schleusernetzwerke. Die Arkano Oil Company, die sich der Dabaiba- und der Haftar-Clan teilen, führte zur Umleitung von Milliarden US-Dollar in private Taschen, während Investitionen vernachlässigt wurden.
Die National Oil Corporation wird von Milizen kontrolliert.
Der Milizenführer Abdul Salam Zubi wurde zum Unterstaatssekretär des Verteidigungsministeriums ernannt. Er ist unter anderem berüchtigt für Treibstoffschmuggel, Erpressung, Umgehung des Waffenembargos und er kontrolliert den Süden von Tripolis, der libyschen Hauptstadt.
Von Ibrahim Dabaiba, unterstützt von seinem Vater Ali, ist bekannt, dass er im westlichen Libyen als „Königsmacher“ fungiert und der Pate des Arkano-Deals war. Sein Einfluss umfasst über die Aktivitäten der Milizen hinaus auch Sicherheits-, politische und wirtschaftliche Funktionen. Die direkte Zusammenarbeit mit Milizenkommandeuren hat ihn zu einem wichtigen Akteur in deren System gemacht.
Der Chef der General Electricity Company, Mohammed al-Maschay, ist in Treibstoffschmuggel im großen Stil verwickelt.
Unter Ben Gaddara als Chef der Natinal Oil Company kam diese zunehmend unter die Kontrolle von Milizen.
Der Schmuggel von Öl und Ölderivaten hat ein beispielloses Ausmaß erreicht und ist nicht mehr staatlich kontrollierbar.
Daneben geht der Bericht auch ein auf Fälle  von Verschwindenlassen, Folter und Inhaftierung als Mittel zur Einschüchterung von Zivilisten, Aktivisten und Journalisten in libyschen Haftanstalten.
Der Bericht beschreibt außerdem, wie der libysche Premier Abdulhamid Dabaiba zusammen mit dem Milizenkommandanten Machmud Hamza den Milizenführer Ghaniwa al-Kikli in eine Falle gelockt und ermordet wurde.

All diese aufgeführten Verbrechen und schweren Korruptionsfälle sind dem UN-Sicherheitsrat nicht erst seit heute bekannt. Doch es wurde nicht nur nicht gehandelt, sondern die kriminellen Regierungen wurden aktiv im Amt gehalten und bestätigt. Dabei ist eine UN-Sondermission zur Unterstützung und Begleitung des politischen Prozesses seit September 2011 in Libyen aktiv. Die Chronik eines Totalversagens.

Der Bericht klammert nicht nur den Mord am Präsidentschaftskandidaten Saif al-Islam Gaddafi aus, sondern auch weitgehend die nicht weniger verbrecherischen Vorgehensweisen im östlichen Libyen unter dem Haftar-Clan.

 Die Punkte im Einzelnen:

+ Expertenrat: Die Arkano Oil Company diente als Trojanisches Pferd, um zwischen Januar 2024 und November 2025 mehr als drei Milliarden US-Dollar umzuleiten.
Dabei spielte ein gewisser Rifaat al-Abbar eine entscheidende Rolle beim Abschluss eines Vertrags zwischen der National Oil Corporation (NOC) und der Arkano Company, der gegen libysches Recht verstieß. Al-Abbar hatte eine Schattenregierungsstruktur geschaffen und durch Druck auf mehreren institutionellen Ebenen Aufsichts- und Compliance-Mechanismen behindert. So wurden die Aufsichtsfunktion der NOC systematisch untergraben und weitverbreitete illegale Ölexporte ermöglicht.
Trotz einer vertraglichen Verpflichtung von Arkano, eine Milliarde US-Dollar in die Ölfelder Sarir und Messla zu investieren, wurde nur ein kleiner Teil dieses Betrags investiert. Die Produktion ging sogar zurück, anstatt zu steigen.
Farhat Ben Gaddara spielte bei den Vertragsabschlüssen eine untergeordnete Rolle, die Verträge wurden von der Dabaiba-‚Regierung‘ genehmigt.
Trotz des Interessenkonflikts blieb Gaddara sowohl Präsident einer Bank als auch Chef der NOC. Unter Ben Gaddara geriet die NOC zunehmend unter die Kontrolle von Milizen, da finanzielle, vertragliche und Governance-Praktiken die institutionelle Aufsicht behinderten. Die NOC verlor aufgrund der Einmischung der Milizen ihre Fähigkeit, die Ressourcen des Landes zu schützen.
Der Schmuggel von Öl und Ölderivaten hat ein beispielloses Ausmaß erreicht und ist nicht mehr staatlich kontrollierbar. Rund eine Million Tonnen Treibstoff wurden über organisierte grenzüberschreitende Netzwerke geschmuggelt, die Briefkastenfirmen und internationale Schiffe nutzten, um die Herkunft der Lieferungen zu verschleiern.
Ein internationales Netzwerk unter der Führung einer libysch-türkischen Person organisiert Treibstoffschmuggel und kontrolliert die Lieferketten.
Der UN-Expertenrat empfiehlt in seinem Bericht der Tripolis-‚Regierung‘, den Vertrag mit der Arkano Oil Company unverzüglich auszusetzen: „Wir empfehlen die Wiedereinsetzung der National Oil Corporation als alleiniger Vermarkter und Exporteur von Rohöl.“

+ Expertenrat: Libyscher Dieselkraftstoffs wurden über Öltanker nach Ägypten geliefert. Diese Lieferungen trafen unregelmäßig im Hafen von Berbera in Somalia und in Port Sudan ein.
Libyscher Diesel wird illegal exportiert, hauptsächlich als Treibstoff für Schiffe an Schiffsumschlagehäfen. Bestimmungsorte waren Südamerika, Syrien und Türkei.
Gefälschte Dokumente wurden von der Handelskammer Tobruk ausgestellt.
Die illegalen Exporte von Kerosin und schwefelarmen Heizöl wurden von der Arabian Gulf Oil Company (AGOCO) und in Bengasi ansässigen Ölgesellschaften durchgeführt. Bestimmungsorte waren Griechenland, Ägypten, Belgien, Deutschland, Spanien und Malta.

+ Der Expertenrat empfiehlt, Zahlungen für aus Libyen exportiertes Rohöl nicht auf das Konto der National Oil Corporation bei der Libyan Foreign Bank einzuzahlen, um die Finanzierung von Milizen zu verhindern.
„Wir fordern die Mitgliedstaaten dringend auf, sicherzustellen, dass die libyschen Behörden und Unternehmen des Privatsektors wachsam gegenüber den tatsächlichen Endnutzern von Dual-Use-Gütern sind, die aus ihrem Hoheitsgebiet oder von ihren Unternehmen exportiert werden, insbesondere von paramilitärischer Ausrüstung.“
Die Klassifizierung der Schiffe, die nach Feststellung des Ausschusses illegal raffinierte Erdölprodukte aus Libyen exportiert haben, sollte geprüft werden.

+ Expertenrat: Dabaiba war der Hauptbeteiligte bei der Tötung von Ghaniwa al-Kikli und sieben seiner Wachen in Kooperation mit Machmud Hamza. Ghaniwa al-Kikli wurde in Tripolis im Lager Takbali getötet, das unter der Kontrolle der 444. Kampfbrigade unter dem Kommando von Machmud Hamza steht.
Es handelte sich dabei um eine umfassendere Kampagne gegen den Stability Support Apparatus, die auch koordinierte Aktionen bewaffneter Gruppen umfasste, die zur Unterstützung von Dabaiba mobilisiert wurden.
Al-Kikli hatte einem Treffen im Lager Takbali zugestimmt, trotz Warnungen seiner engsten Berater. Bei seiner Ankunft wurde er ermordet.
Später wurde zur Bestätigung von al-Kiklis Tod ein Foto von seiner Leiche, die von mindestens sieben Kugeln durchsiebt war, veröffentlicht. Auch die anderen Toten wiesen mehrere Schusswunden auf, einer von ihnen sogar mehr als zwölf.
Machmud Hamza führte die Morde in seiner offiziellen Funktion und in seinem Zuständigkeitsbereich durch. Ohne Dabaibas Zustimmung oder seinen direkten Befehl wäre es für Machmud Hamza unmöglich gewesen, eine solche Operation durchzuführen.
In den darauffolgenden Stunden gingen bewaffnete Gruppen, darunter Mitglieder der 444. Brigade, gegen alle vor, die als loyal gegenüber al-Kikli galten. Sie brannten, plünderten und zerstörten deren Privateigentum, was viele zur Flucht aus dem Gebiet zwang und ihre dauerhafte Vertreibung zur Folge hatte.
Der Staatssicherheitsdienst wurde auflöst und die Gehaltszahlungen seiner Mitglieder eingestellt.

+ Expertenrat: Abdul Salam az-Zubi sticht als die wichtigste Figur unter den Tripolis-Milizen hervor. Trotz seines fehlenden militärischen Hintergrunds wurde er zum Unterstaatssekretär des Verteidigungsministeriums ernannt. Zubi kontrolliert Ernennungen, Beförderungen und Militäroperationen im Westen Libyens und betreibt sein eigenes militärisches Soldabrechnungssystem. Milizenführer wie Imad Trabelsi und Abdul Salam Zubi setzten Drohungen ein, damit ihr Gehaltsabrechnungssystem von der Zentralbankverwaltung nicht erfasst wird. Zubi umging das System, indem er etwa tausend Soldaten unter die Verwaltung der 111. Brigade stellte, um sicherzustellen, dass ihr Sold unter seiner direkten Kontrolle blieb.
Zubi betreibt Treibstoffschmuggel und Erpressung, um Einnahmen für seine Einheiten zu generieren, und betrachtet das neue Gehaltssystem der Zentralbank als direkte Bedrohung für seine illegalen Geschäfte.
Zubi stützt sich auf den illegalen Export von raffinierten Erdölprodukten auf dem Land- und Seeweg und nutzt seine Position innerhalb der Militärstruktur sowie seinen Zugang zum Hafen von Misrata um die Abzweigung großer Mengen Treibstoff zu organisieren.

+ Expertenrat: Zubi gab sich nicht mit finanziellem Einfluss zufrieden, sondern stärkte ihn auch militärisch, indem er die 111. Brigade gründete, die die Kontrolle über den Süden von Tripolis erlangte. Dies ermöglichte es ihm, seine Präsenz innerhalb der Sicherheits- und Militärstruktur des Staates zu festigen. Zubis Einfluss wuchs noch weiter, nachdem er von Dabaiba auch ohne militärischen Hintergrund zum stellvertretenden Verteidigungsminister ernannt wurde.
Zubi übt die effektive Kontrolle über das Verteidigungsministerium aus, was die Existenz einer parallelen Autorität innerhalb des Staates widerspiegelt. Sein Name ist indirekt mit Fällen von Aufrüstung und die Umgehung von Waffenembargos verbunden.
Abdul Salam az-Zubi ist nicht nur eine Führungsfigur, sondern verkörpert ein Modell einer parallelen Autorität innerhalb des Staates, die die Kontrolle über Waffen, über finanzielle Ressourcen sowie direkten Einfluss auf militärische und administrative Entscheidungen hat.

+ Expertenrat: Ibrahim Dabaiba ist der „Königsmacher“ und der Pate des Arkano-Deals, sein Einfluss umfasst über die Aktivitäten der Milizen hinaus auch Sicherheits-, politische und wirtschaftliche Funktionen.
Der Chef der General Electricity Company, Mohammed al-Maschay, ist in den Schmuggel großer Mengen Treibstoff auf dem Land- und Seeweg verwickelt. Er weigerte sich, mit dem Expertenteam zusammenzuarbeiten und hat trotz der öffentlichen Kritik an ihm und der Ankündigung des Generalstaatsanwalts, eine Untersuchung zu diesen Fakten einzuleiten, nicht reagiert.
Al-Maschay behält den Zugang zu libyschen Staatsressourcen und koordiniert sich weiterhin mit Milizen im Westen und Osten Libyens, um die Abzweigung von Treibstoff, der offiziell dem Elektrizitätsunternehmen zugeteilt wurde, ohne Aufsicht zu ermöglichen.
Das Elektrizitätsunternehmen verfolgt eine konsequente Politik der Intransparenz gegenüber den Aufsichtsbehörden und hat wiederholt und bewusst Anfragen nach Transparenz im Zusammenhang mit dem Verbrauch von flüssigen Brennstoffen und Erdgas zurückgewiesen.
Die al-Buraiga Company ist auch in Schmuggelgeschäfte verwickelt, da sie in der Regel große Treibstofflieferungen von der National Oil Corporation auf Tankern erhält, die dann an Verbraucher verteilt werden, wobei der größte Abnehmer das Elektrizitätsunternehmen General Electric ist. Der Treibstoff wird jedoch von bewaffneten Gruppen geschmuggelt, bevor er an die vorgesehenen Parteien ausgeliefert wird. Die al-Buraiga Company ist nicht in der Lage, Schmuggeloperationen zu verhindern oder offiziell zu melden, ohne ihre Mitarbeiter ernsthaften Risiken und direkten Vergeltungsmaßnahmen bewaffneter Gruppen auszusetzen.

+ Expertenrat: Ibrahim Dabaiba festigte seinen Einfluss, indem er seine Vertreter in Schlüsselpositionen einsetzte und Einschüchterungstaktiken gegen hochrangige Beamte anwandte.
Er ist eine Schlüsselfigur in der Politik der Milizen, und seine direkte Zusammenarbeit mit deren Anführern hat ihn zu einem wichtigen Akteur in deren System gemacht, während er . von der kontinuierlichen Unterstützung von Milizen aus Misrata sowie einflussreicher Persönlichkeiten aus Wirtschafts- und Religionskreisen in Misrata profitierte. So konnte sich Ibrahim Dabaiba eine einzigartige Position verschaffen, die Sicherheits-, Wirtschafts- und Politikbereiche miteinander verbindet.
Ibrahim Dabaiba bekleidet offiziell die Position des Nationalen Sicherheitsberaters im Büro von Premierminister Abdulhamid Dabaiba [dessen Cousin er ist]; seinen Einfluss bezieht er jedoch hauptsächlich von seinem Vater, Ali Dabaiba. Ali Dabaiba spielte eine entscheidende Rolle bei der Ermöglichung und Finanzierung von Abdulhamids Aufstieg zur Macht, und dank der Unterstützung seines Vaters Ali agiert Ibrahim weitgehend ohne Aufsicht oder Kontrollmechanismen.
Ibrahim Dabaiba stand vor der Ermordung von Ghaniwa al-Kikli in direkter Konkurrenz zu ihm bezüglich der Kontrolle über die libysche Post-, Telekommunikations- und Informationstechnologiegesellschaft.

+ Expertenrat: Ben Gaddara war während seiner Amtszeit als Chef des National Oil Corporation (NOC) gleichzeitig auch Vorsitzender des Verwaltungsrats der Arabischen Bank für Investitionen und Außenhandel, bekannt als al-Masraf-Bank, was einen klaren Interessenkonflikt darstellte.
Die Dabaiba-‚Regierung‘ stellte der NOC 34 Milliarden Dinar zur Verfügung, doch Ben Gaddara nutzte das Ziel der Produktionssteigerung als Vorwand, um ein System einzuführen, das es Milizen ermöglichen sollte, einen Teil dieser Gelder abzuzweigen. Er nutzte seine Position als Leiter der NOC und der Zentralbank, unterstützt von Milizen, um Druck auf die Leiter der Produktionsgesellschaften auszuüben, damit diese Bankkonten bei der Zentralbank eröffneten, um die Betriebskosten der Tochtergesellschaften, einschließlich der Kosten für Subunternehmer, zu decken. Ziel war es, die Finanzlage der Bank zu stärken und eine effektive Aufsicht libyscher Staatsstellen über den Geldfluss zu behindern.
Ben Gaddara spielte eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung der Vergabe von Unterverträgen an Unternehmen, die die in den einschlägigen libyschen Gesetzen festgelegten Bedingungen nicht erfüllten.
Unternehmen wie Mediterranean Oil Services (Medwell) und das in London ansässige Unternehmen Murzuq Oil Services wurden genutzt, um Einnahmen für Milizen und ihre Verbündeten im Ölsektor zu generieren.
Ben Gaddara wies die angeschlossenen Unternehmen an, Verträge mit bestimmten Dienstleistungsunternehmen abzuschließen, die entweder unter der direkten Kontrolle von Milizen standen oder als Unterauftragnehmer tätig waren, was zu einem exorbitanten Anstieg der Preise für die Dienstleistungen führte, sofern überhaupt welche angeboten wurden.
Ben Gaddara hatte sich direkt mit Ghaniwa al-Kikli abgestimmt, um den damaligen Vorsitzenden des Verwaltungsrats der al-Waha Oil Company zu ernennen, der im Februar 2025 von der Generalstaatsanwaltschaft wegen Finanzverbrechen verhaftet wurde.

+ Expertenrat: Es wurden Fälle  von Verschwindenlassen, Folter und Inhaftierung als Mittel zur Einschüchterung von Zivilisten, Aktivisten und Journalisten in libyschen Haftanstalten in 14 Fällen in Haftanstalten in Tripolis, Sebha, Sirte, Bengasi und al-Bayda dokumentiert, die schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte darstellen, verbunden mit der Verweigerung des Rechts der Inhaftierten auf ein faires Verfahren und ihrer systematischen Isolation von der Außenwelt und die Verweigerung medizinischer Versorgung.

+ Der Expertenrat berichtete über das Anwachsen der Aktivitäten terroristischer Organisationen sowie den organsierten Transfer von mit terroristischen Gruppen verbundenen Personen von Syrien nach Libyen.
Es wurden in Libyen von den Netzwerken Handelsunternehmen als Tarnfirmen zur Finanzierung und Organisation des Transfers von Kämpfern aus Syrien gegründet.
Libyen entwickelte sich zu einem strategischen Bindeglied im grenzüberschreitenden Terrorismus, wo Netzwerke Kämpfer je nach Bedarf transferieren und neu aufstellen.
Nach Ankunft der Kämpfer in Libyen werden diese in die Sahel-Länder, insbesondere Mali und Niger verlegt, um die dort aktiven Terrorgruppen zu unterstützen.
Diese Gruppen profitieren von Schmuggelnetzwerken, die sich über den Süden Libyens erstrecken und gleichzeitig zur Finanzierung von Operationen durch Menschenhandel, Goldschmuggel und Drogenhandel genutzt werden, wodurch die Verbindung zwischen Terrorismus und organisierter Kriminalität verstärkt wird.
Dies führte zur Entstehung einer Parallelwirtschaft, die Konflikte in der Sahelzone anheizt und die Sicherheitslage in der Region weiter verschärft.

 

Stellungnahmen

+ Die Bewegung Söhne des Suk al-Dschumaa verurteilte die Nichtbeachtung von Korruptionsberichten internationaler Institutionen durch die Aufsichtsbehörden. Es tauchten immer wieder dieselben Namen auf, allen voran Ibrahim ad-Dabaiba. Dies verdeutliche die Verstrickung von Interessen zwischen Parteien, die eigentlich Gegner sein sollten, aber durch Korruption und die Aufteilung von Einfluss miteinander in Verbindung stehen. „Wo bleibt die Antikorruptionskommission bei all dem? Wo sind die Ermittlungsakten? Wo bleibt die Rechenschaftspflicht? Und wo bleiben die Ergebnisse?“
Berichte aus dem Ausland, etwa aus Rumänien und Griechenland, enthüllten nun mehr Details über die Korruption in Libyen als die Institutionen, die das Land eigentlich überwachen sollten.
Die Berichte behandelten den Ölkonzern, verdächtige Unternehmen, ausländische Einmischung und die Unterstützung bewaffneter Gruppen aus Niger, Tschad und Sudan.

+ Unabhängige Demokratische Partei: Es muss eine umfassende und transparente Untersuchung hinsichtlich der vom UN-Expertenrats aufgedeckten Finanzskandale und der Abzweigung von Öleinnahmen erfolgen.
Der Schutz des Vermögens des libyschen Volkes ist eine nationale Verantwortung. Das Schweigen oder die Gleichgültigkeit gegenüber diesen Verbrechen stelle eine stillschweigende Komplizenschaft dar.
Rund 37 Prozent der Öleinnahmen wurden veruntreut, das entspricht 8,2 Milliarden US-Dollar – von insgesamt 27 Milliarden US-Dollar.
„Wir warnen davor, dass es im Jahr 2026 zu den größten Plünderungen in der Geschichte Libyens kommen könnte, wenn diese Situation ohne ein entschiedenes Eingreifen anhält. Dies erfordert dringendes und verantwortungsvolles nationales Handeln.“

+ Machmut al-Masrati (Journalist): Wir stehen Kriminellen gegenüber, die ganz vorne sind, wenn es darum geht, Dir, deinen Kindern und Enkeln und der zukünftigen Generationen Ihre Lebensgrundlage zu rauben.

+ Elias al-Baruni (Wirtschaftsprofessor Uni Nalut): Die Nutzung staatlicher Institutionen als Deckmantel für illegale Finanzgeschäfte verstärkt das, was als politische Schattenwirtschaft bezeichnet wird und die Spaltung der Gesellschaft anheizt. Die Fortsetzung dieses Musters birgt die Gefahr, dass die öffentlichen Einnahmen trotz der Verbesserung der Ölpreise weiter sinken und der Wert des Dinars indirekt durch Inflation, die Ausweitung des Parallelmarktes und das schwindende Vertrauen in die Geldpolitik erodiert.
Das Öl wurde zu einem Instrument bei politischen Konflikten anstatt zu einem Motor der Entwicklung.