Präsidentschaftskandidat Saif al-Islam Muammar Gaddafi veröffentlichte ein umfangreiches Dokumentationsmaterial, das die unvollständige und nur dem Schein nach gewährte Unabhängigkeit Libyens im Jahr 1951 belegt. Die Unabhängigkeit ging auf die Konflikte des Kalten Krieges zurück und brachte Libyen unter den Einfluss des Westens, der über alle bedeutenden Entscheidungen der Regierung von König Idris bestimmte und auf libyschem Gebiet Militärbasen errichten konnte.
Seine vollständige Souveränität erlangte Libyen erst durch die al-Fatah-Revolution im September 1969, die die ausländische Militärpräsenz beendete und die italienischen Siedler des Landes verwies.
Der Nato-Krieg von 2011 hatte zur Folge, dass Libyen erneut der Bevormundung durch ausländische Mächte ausgesetzt ist, die auch wieder libysche Militärstützpunkte übernahmen.
Abhandlung von Saif al-Islam Gaddafi (Präsidentschaftskandidat) – Beginn der Übersetzung:
Historische Fakten, die in Geschichtsdiskussionen oft übersehen werden
Libyens Unabhängigkeit von 1951 – unvollständig und nur dem Schein nach
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Libyen: Vom Golfplatz zur Unabhängigkeit ohne Souveränität
Bevor ich auf dieses Thema eingehe, möchte ich darauf hinweisen, dass in den letzten Monaten zwei Bücher von Rodolfo Graziani [1] wieder erhältlich sind, die lange Zeit in Vergessenheit geraten waren. Das erste Buch trägt den Titel „Una Vita per l’Italia“ und das zweite heißt „Libia Redenta“.
Diese historischen Quellen waren nicht nur in Libyen unzugänglich, sondern wurden auch in Italien bewusst der Öffentlichkeit vorenthalten. Während die libyschen Behörden zur Vorbereitung auf die Dreharbeiten des Films Omar Mukhtar nach historischen Quellen suchten, wurden von der italienischen Regierung sämtliche Exemplare dieser Bücher aus den Bibliotheken entfernt und ihre Verbreitung und Neuauflage untersagt. Als faktisch verbotene Bücher verschwanden diese Werke für lange Zeit aus der Öffentlichkeit, denn die darin festgehaltenen schockierenden Wahrheiten standen im Widerspruch zur offiziellen Geschichtsschreibung.
Diese kürzlich wieder erschienen Bücher bestätigen Fakten, die zuvor von den italienischen Historikern Enzo Santarelli, Robin Rainero, Luigi Gulia und Giorgio Rochat in ihrem Buch Omar al-Mukhtar and the Fascist Reoccupation of Libya (Omar al-Mukhtar und die faschistische Wiederbesetzung Libyens) diskutiert worden waren, insbesondere hinsichtlich des Inhalts eines von den Italienern entdeckten Briefes, den der Widerstandskämpfer Omar al-Mukhtar an Prinz Idris as-Senussi gesandt hatte, und in dem von „honigfarbenen Augen und Säcken voller Erdnüsse“ [1] die Rede ist. Graziani bestätigte, dass sich dieses Dokument in den Archiven des italienischen Außenministeriums befindet. Es belegt, dass sich Prinz Idris as-Senussi vom Dschihad, von Omar al-Mukhtar und den Mudschaheddin abwandte und sie ihrem ehrenvollen Schicksal überließ, während er lieber in Kairo mit den Engländern Golf spielte. [1]
Der Anfang der Geschichte handelt vom Golfspielen, von der Herrschaft über Libyen und von der sogenannten ‚Unabhängigkeit‘. Quelle
Unabhängigkeit im Kontext internationaler Konflikte und des Kalten Krieges
Bekanntlich war zu jener Zeit Libyen Gegenstand eines geopolitischen Konflikts zwischen der Sowjetunion auf der einen und Großbritannien, Frankreich, den USA und Italien auf der anderen Seite. Die Einzelheiten darüber sind in zahlreichen Quellen ausführlich dokumentiert.
Die Vereinten Nationen gelangten in der Libyen-Frage zu einer Kompromisslösung, die es den Westmächten ermöglichte, dem Druck Stalins, der einen Anteil am libyschen Kuchen beanspruchte, auszuweichen. Die Sowjetunion strebte damals eine dreigliedrige Treuhandschaft von USA, Großbritannien und der Sowjetunion über Libyen an, um dort eigene Militärstützpunkte zu errichten – ein Ziel, das erst 66 Jahre später, im Jahr 2017, erreicht wurde. [2]
Der Sowjetblock und die mit ihm verbündeten Staaten forderten eine solche Treuhandschaft, um in Libyen Fuß zu fassen und der Sowjetunion den Zugang zu den sogenannten „warmen Gewässern“ des Mittelmeers zu ermöglichen, während die westlichen Mächte aus folgenden Gründen die Unabhängigkeit Libyens befürworteten: [2]
- Blockierung der Sowjetunion: Die Unabhängigkeit durchkreuzte die Pläne der Sowjetunion, eine militärische Präsenz in Libyen aufzubauen. Sie ermöglichte es den drei Westmächten, ohne Beteiligung der Sowjetunion Abkommen über Militärstützpunkte mit Libyen abzuschließen. Im Falle einer Treuhandschaft hätte die UdSSR ebenfalls auf einer Militärbasis bestanden. Gleichzeitig vereitelte sie italienische Pläne, unter dem Deckmantel einer zehnjährigen Treuhandschaft wieder Einfluss in Tripolitanien zu gewinnen.
2. Keine Übernahme der Regierungsverantwortung: Eine Treuhandschaft ohne die Existenz eines eigenen libyschen Staates hätte den ausländischen Mächten Ausgaben für das libysche Volk aufgezwungen. Das war nicht erwünscht.
3. Diplomatischer Erfolg der UNO: Die Vereinten Nationen brauchten nach ihrem Scheitern in Palästina dringend einen diplomatischen Erfolg.
4. Strategische Überlegungen im Kalten Krieg: Mit Beginn des Kalten Krieges waren die westlichen Mächte bestrebt, Libyen zur Operationsbasis gegen die Sowjetunion zu machen.
5. Ausbeutung der Erdölvorkommen: Die westlichen Mächte erkannten das Potenzial Libyens als Ölförderland, nachdem der italienische Geologe Ardito Desio 1938 westlich von Misrata die ersten Ölvorkommen entdeckt und auch den Ölreichtum im Sirte-Becken prognostiziert hatte. Nach 1958 dominierten us-amerikanische und britische Unternehmen den libyschen Ölsektor. Großbritannien hatte einen genauen Plan, wie es das Erdöl unter seine Kontrolle bringen wollte. Seit der Entdeckung des Öls im Jahr 1959 kontrollierte Großbritannien das Sarir-Feld und verband es in der Folgezeit über Pipelines mit dem Hafen Marsa al-Hariga bei Tobruk. So sicherte es sich die Kontrolle über die Förderung aller Ölfelder der östlichen Region sowie über Transport und Ausfuhr des Öls. Derweil kontrollierten die USA in Zentrallibyen das Sirte-Becken und dessen Erdöl. Die USA hatten zusätzlich wirtschaftliche und politische Vereinbarungen getroffen, die den westlichen Einfluss im gesamten Land festigten. [3]
Innerhalb der Vereinten Nationen waren die beiden Blöcke – derjenige, der die Sowjetunion unterstützte und eine Treuhandschaft forderte, und derjenige, der von den USA, Großbritannien und Frankreich angeführt wurde, und die Unabhängigkeit Libyens wollte – nahezu gleich groß. Bei der entscheidenden Abstimmung hing das Ergebnis von einer einzigen Stimme ab. [4]
An dieser Stelle sei die amüsante Anekdote über den haitianischen UN-Delegierten Émile Saint-Lôt erwähnt, der angeblich betrunken auf dem Weg zur Toilette war und dabei dem Beamten im Sekretariat der Arabischen Liga, Ali Nour ad-Din al-Anizi, begegnete. Dieser habe Émile Saint- Lôt überredet, für die Unabhängigkeit Libyens zu stimmen, indem er ihm mit Komplimenten über seine Rede während der Generaldebatte schmeichelte. [4]
Berichten zufolge suspendierte Haiti Saint-Lôt später von seinem Amt, weil er sich den Anweisungen widersetzt und unter Einfluss von Alkohol und Komplimenten für die Unabhängigkeit Libyens gestimmt hatte. Daraufhin ernannte König Idris Saint- Lôt zum Berater der libyschen Botschaft in den USA und gewährte ihm eine lebenslange Rente. [4]
Sollte diese Geschichte stimmen, handelt es sich dabei um die vielleicht berühmteste Pinkel-Anekdote in der Geschichte der Diplomatie.
Da die Unabhängigkeit Libyens aus dem Konflikt zwischen dem Ostblock und den westlichen Staaten hervorging, wurde sie als „zufällige Unabhängigkeit“ bezeichnet. Dieser Begriff fand explizit in den Schriften von Adrian Pelt, dem UN-Vertreter in Libyen, Erwähnung, der als Architekt der sogenannten libyschen Unabhängigkeit gilt. [5]
Wie Dokumente aus dieser Zeit bestätigen, war die libysche Unabhängigkeit im Jahr 1951 keine rein nationale Entscheidung, sondern vielmehr eine Reaktion auf ein westliches strategisches Bedürfnis, bedingt durch die Machtkonstellationen des Kalten Krieges und den Wunsch der Westmächte, die Sowjetunion zu verdrängen und sich dauerhaft einen militärischen und wirtschaftlichen Stützpunkt im südlichen Mittelmeer zu sichern. [5] Quelle
Ein Staat ohne Souveränität: Militärstützpunkte, ausländische Berater und die aufgezwungene Verfassung
Nach der formellen Unabhängigkeit Libyens wurden Vorkehrungen getroffen, um sicherzustellen, dass Libyen im Einflussbereich der NATO-Staaten verbleibt. Die drei westlichen Länder – Frankreich, Großbritannien, USA – beeilten sich, Militär- und Wirtschaftsabkommen zu schließen, Militärstützpunkte zu errichten und die Kontrolle über wichtige staatliche Institutionen zu erlangen. Insbesondere Großbritannien kontrollierte die Staatsgeschäfte und setzte Berater in fast allen Ministerien ein. Der Engländer John Taylor wurde zum Leiter des libyschen Rechnungshofs ernannt. Der König selbst hatte mit Christopher Thomas Tawris einen englischen Berater. Englische Offiziere überwachten zudem die Auswahl der Führungskräfte des libyschen Militärs. [6]
Am Obersten Gerichtshof Libyens war der US-Amerikaner James J. Robinson als Richter tätig. [6]
Libyens Staatskasse war auch von ausländischen Finanzhilfen abhängig. Es stützte sich auf Zahlungen der Briten sowie auf Zahlungen von den USA für die Nutzung des Militärstützpunktes Wheelus und von Frankreich für die Nutzung des Stützpunktes im Fessan. Wirtschaftlicher und militärischer Druck dienten als direktes Instrumente zur Beeinflussung politischer Entscheidungen: Großbritannien kontrollierte faktisch den Staatshaushalt und setzte einen Beamten des britischen Finanzministeriums, Pete Hardeaker, als Finanzberater ein, um die Ausgaben zu steuern und das Haushaltsdefizit bis Ende der 1950er Jahre zu verringern. Dodds Parker wurde in Tripolis zum parlamentarischer Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten ernannt. [6]
Die anschließend Libyen von außen auferlegt Verfassung wurde erst 1969 von Oberst Muammar Gaddafi zusammen mit den Abkommen über us-amerikanische und britische Militärbasen außer Kraft gesetzt.
Am 8. Dezember 1969 sprach Gaddafi den berühmten Satz: „König Idris befindet sich nun im Exil und die Verfassung, auf die Sie sich berufen, ist hinfällig. Der Staat, unter dem die Regelabkommen unterzeichnet wurden, existiert nicht mehr.“ [7]
Die Verfassung war nicht vom Komitee der Sechzig abgefasst worden, sondern wurde von Adrian Pelt – dem Architekten der Unabhängigkeit – sowie dem ägyptischen Anwalt Omar Lotfi und anderen ausländischen Experten unter Mitwirkung von Ibrahim asch-Schalhi entworfen und überwacht. [7]
Pelt ernannte den ägyptischen Verfassungsexperten Omar Lotfi zum Verbindungsmann zwischen dem Komitee der Sechzig und den ausländischen Experten, die die Ausarbeitung der Verfassung überwachten und das letzte Wort bei der Formulierung der Verfassung hatten [7]. Die Gründe für die Ernennung Lotfis legte König Idris selbst dar:
„Erspart uns die Engländer, wir wollen keine englische Person; denn dann werden die Leute behaupten, dass die Verfassung von den Briten geschrieben wurde und dass wir ihre Marionetten sind.“
Gesucht wurde ein arabischer Jurist, der mit Libyern kommunizieren konnte und gleichzeitig fließend Englisch sprach. Omar Lotfi erfüllte diese Aufgabe und unterrichtete die Mitglieder des Komitees der Sechzig, von denen viele zuvor keinerlei Kenntnisse über Verfassungsgrundsätze hatten, in Verfassungsrecht. [7]
Diese Regelung sollte nicht als Manko aufgefasst werden: Libyen war ein aufstrebender Staat, ehemals eine italienische Kolonie, mit eingeschränktem Zugang zu formaler Bildung und nur wenigen Intellektuellen. [7]
Ibrahim asch-Schalhi fungierte als Vermittler zwischen König Idris und dem Verfassungsausschuss und sorgte dafür, dass die Verfassung den König und die Monarchie in einer Weise verankerte, die den Vorstellungen des Komitees entsprach. [7] Quelle
Fortsetzung der Kolonisierung nach 1951: Der Fessan und italienische Siedlungen
Unterdessen blieb die gesamte Fessan-Region unter französischer Militärbesatzung. Als Währung galt der französische Franc und die Verwaltung unterstand direkt Französisch-Algerien und desssen Militärgouverneur Oberst Auguste François Joseph Constantin, der trotz der sogenannten Unabhängigkeit Libyens im Jahr 1951 bis Anfang 1957 dieses Amt ausübte. [8]
Der Rückzug erfolgte erst, nachdem Libyen unter dem Premierminister Mustafa Ben Halim die gas- und ölreiche Region Hassi Messaud sowie den uranreichen Aouzou-Streifen an Frankreich abgetreten hatte. [8]
Die Briten und Franzosen waren nicht die einzigen Nutznießer dieser Vereinbarungen. Auch mit Italien wurde eine Abkommen geschlossen, wonach 35.000 Italiener – Überbleibsel der Kolonialisten – im Westen Libyens bleiben durften, mit der Garantie für Leib und Leben sowie ihres Eigentums. Diese Siedler kontrollierten die bedeutendsten Hotels, Gewerbebetriebe und landwirtschaftliche Flächen, die sie ihren angestammten Bewohnern ab 1911 durch Gewalt, Enteignung und Vertreibung weggenommen hatten. [9]
Diese Situation hielt bis zur al-Fatah-Revolution 1969 an, als die verbliebenen faschistischen italienischen Siedler Libyen verlassen mussten. Quelle
1969: Das Ende der Schein-Unabhängigkeit und der Beginn der wahren Souveränität
Libyen blieb jedenfalls auch nach 1951 – dem Jahr der sogenannten ‚Unabhängigkeit‘ –den westlichen Mächten untergeordnet und beherbergte deren Militäreinheiten und Stützpunkte, die vollständige Immunität genossen. [10]
Freigegebene ausländische Dokumente sowie Forschungen westlicher Wissenschaftler – insbesondere us-amerikanisch – belegen, dass us-amerikanische und britische Streitkräfte Immunität genossen und nicht der libyschen Justiz unterstanden, dafür aber mit polizeilichen Befugnissen gegenüber der libyschen Bevölkerung ausgestattet waren. [10]
Die Dokumente zeigen außerdem, dass sowohl die us-amerikanische als auch die britische Botschaft neben ihren Militärstützpunkten direkten Einfluss auf innenpolitische Entscheidungen ausübten und damit die Sicherheit der Monarchie mit der der Stützpunkte verknüpft war. Insbesondere der Luftwaffenstützpunkt Wheelus hatte polizeiliche Befugnisse, während die al-Adem-Basis in Tobruk – nahe der Residenz von König Idris gelegen – mit dessen Schutz betraut war. [10]
Trotzdem formierte sich der nationale Widerstand gegen die ausländische Präsenz, verkörpert durch die Omar-Mukhtar-Gesellschaft, der eine Gruppe libyscher Nationalisten unter der Führung von Baschir al-Maghribi angehörte, die die us-amerikanischen und britischen Stützpunkte als Verletzung der nationalen Souveränität betrachteten. Die Gesellschaft wurde schließlich durch ein Dekret von Premierminister Machmud al-Muntasir aufgelöst, al-Maghribi inhaftiert, und den Mitgliedern strenge Beschränkungen auferlegt, so dass die meisten gezwungen waren, das Land zu verlassen. [11]
Baschir as-Sadawi, der die Regierung stark kritisierte, sich gegen den britischen Einfluss und die Militärstützpunktabkommen aussprach sowie diese Form der Unabhängigkeit in Frage stellte, musste die National Congress Party auflösen. Er wurde aus Libyen verbannt und starb 1957 im Exil. Erst nach der al-Fatah-Revolution konnten im Jahr 1970 seine sterblichen Überreste als Zeichen der Ehrung seiner nationalen Gesinnung in sein Heimatland überführt werden. [12]
Aus den Dokumenten geht auch hervor, dass einige Premierminister versuchten, den ausländischen Einfluss zu begrenzen, jedoch ohne wirklichen Erfolg. Erst das Jahr 1969 brachte die entscheidende Wende. [13]
Zeitgenössische Berichte sowie freigegebene diplomatische Korrespondenz – darunter die Memoiren des ersten amerikanischen Botschafters in Libyen – belegen:
- Die us-amerikanische und die britische Botschaft mischten sich in die Regierungsbildung, die Ernennung von Ministern, die Beförderung von Loyalisten und die Marginalisierung von Persönlichkeiten, die der arabisch-nationalistischer Strömung nahestanden, ein. [13]
• König Idris und sein Regime wurden als den westlichen Ländern und der NATO untergeordnet betrachtet. [14]
• Die Monarchie und König Senussi betrachteten zu jener Zeit die ägyptische Regierung als ihre größte Bedrohung. Die Präsenz us-amerikanischer und britischer Stützpunkte dienten ihnen als Garant für den Thron, den sie durch den großen Nachbarn Ägypten bedroht sahen. [14]
• Die Monarchie manipulierte Wahlen und schloss alle Gegner der ausländischen Präsenz sowie Personen mit arabisch-nationalistischen Ansichten von den Parlamentswahlen aus. [14]
• König Idris lehnte die nationale Vereinigung ab, im Gegensatz zu Baschir as-Sadawi und den Notabeln Westlibyens, die einen Einheitsstaat befürworteten. Idris bevorzugte ein föderales System mit der Hauptstadt al-Bayda und einer dort stationierten mobilen Streitmacht. Diese Regelung begünstigte den Stamm der Bura‘asa, insbesondere den Haddad-Clan, auf deren Unterstützung sich die Senussi-Bewegung historisch gesehen stützte. [14]
• Die Abschaffung des föderalen Systems und die Gründung der Drei-Staaten-Union im Jahr 1963 erfolgten unter dem Druck us-amerikanischer Ölkonzerne auf König Idris, da die administrative Zusammenarbeit zwischen einer Zentralregierung und drei Regionalregierungen Schwierigkeiten bereitete. [14] Quelle
Aus historischer Sicht ist Folgendes zu berücksichtigen:
- König Idris‘ Akzeptanz des französischen Einflusses war praktisch unumgänglich, da eine Ablehnung jede sogenannte Unabhängigkeit ausgeschlossen hätte, da es sich um ein französisch-amerikanisch-britisches Abkommen handelte. Entweder würde er eine begrenzte Unabhängigkeit akzeptieren, bei der ein Drittel des Landes unter französischer Kontrolle stand, oder ganz auf die Unabhängigkeit verzichten. [15]
• Er musste die Präsenz us-amerikanischer und britischer Stützpunkte akzeptieren, da die Alternative eine Abstimmung über eine Treuhandschaft gewesen wäre. Es war der Preis, den Libyen für seine Unabhängigkeit zu zahlen bereit war. Darüber hinaus gab es us-amerikanische und britische Stützpunkte in vielen Ländern der Welt, in Westeuropa und Südostasien, sodass ihre Präsenz auf libyschem Boden nichts Ungewöhnliches war. [15]
• Der König war auch gezwungen, die Anwesenheit ausländischer Berater in allen Institutionen zu akzeptieren. Dies war in Ländern wie Singapur, Iran, Irak, den Golfstaaten und anderen unabhängig gewordenen Ländern weit verbreitet, da es dort an Verwaltungskompetenz mangelte. [15]
• Die Ernennung eines us-amerikanischen Richters am Obersten Gerichtshof Libyens erfolgte auf Wunsch des damaligen libyschen Justizministers Fathi al-Kikhia, da nicht genügend qualifiziertes Personal vorhanden war. [15]
• Großbritannien hat die libysche Politik maßgeblich beeinflusst, was angesichts der Abhängigkeit Libyens von britischen Finanzmitteln und Einnahmen aus dem Wheelus-Luftwaffenstützpunkt nicht überraschend war. Vor der Entdeckung von Öl war Libyen ein armes Land. [15]
Was König Idris und der Monarchie vorgeworfen wird, ist, dass nach der Entdeckung des Erdöls im Jahr 1958, dem Beginn des Ölexports im Jahr 1961 und der Entwicklung Libyens zu einem reichen Land, das mehr als 3.000.000 Barrel pro Tag produzierte und zum größten Ölproduzenten Afrikas und einem der zehn größten Ölproduzenten der Welt wurde, die Abhängigkeit von ausländischen Mächten aufrechterhalten wurde und die Militärstützpunkte im Land verblieben. [16]
Darüber hinaus wird Idris kritisiert, weil er zwar darauf bestand, keine italienische Besiedlung im Osten Libyens [Kyrenaika] zugelassen zu haben, diese im Westen jedoch tolerierte – was nach wie vor Gegenstand historischer Debatten ist. [17]
Ebenfalls weisen britische und us-amerikanische Quellen darauf hin, dass König Idris nach der Ermordung von Ibrahim asch-Schalhi in Tobruk in politischer und geografischer Isolation lebte. Grund dafür waren Streitigkeiten mit der Familie Senussi nach der Ermordung Ibrahim asch-Schalhis. Sein Desinteresse an den alltäglichen Staatsangelegenheiten, verbunden mit seinem fortgeschrittenen Alter und dem Fehlen eines direkten Thronfolgers, wirkte sich stark auf seine Gemütsverfassung und seine Entscheidungsfindung aus. [18]
Das libysche Volk strebte folglich nach echter Unabhängigkeit, nicht nach der unvollständigen Pseudounabhängigkeit von 1951. Als 1969 die al-Fatah-Revolution stattfand, feierte das ganze Volk und niemand weinte der Monarchie eine Träne nach. Quelle
Die Unabhängigkeit Libyens im Jahr 1951 war weder nur eine Scheinunabhängigkeit, noch eine wirkliche Unabhängigkeit; sie war einfach unvollständig, eine Übergangsphase auf dem Weg zur wahren Souveränität. Diese wurde 1969 erreicht, als us-amerikanische und britische Stützpunkte schließen sowie britische Berater und italienische Faschisten das Land verlassen mussten.
Die Übergangsphase dauerte bis 1969, als echte Souveränität durch das Ende der us-amerikanischen und britischen Stützpunkte, den Abzug britischer Berater und die Entfernung faschistischer Italiener geschaffen wurde und so die volle Autonomie Libyens hergestellt war. Libyen wurde ein freies Land, dass souverän über sein Schicksal entscheiden konnte. [19]
Ein historisches Paradoxon besteht darin, dass die Unabhängigkeitserklärung von 1951, die oft als rein nominell angesehen wird, mit dem sogenannten „falschen“ Geburtstag Christi, dem 24./25. Dezember, zusammenfällt. In Wirklichkeit ist der 24. Dezember nicht der Geburtstag von Jesus Christus, sondern ein heidnisch-römisches Fest zu Ehren des Sonnengottes Sol Invictus. Kaiser Konstantin I. hatte den heidnischen Feiertag mit christlichen Bräuchen verschmolzen und den Festtag des Sonnengottes zum Geburtstag Christi bestimmt. [20]
Muammar Gaddafi sah sich wiederholten Versuchen des Westens ausgesetzt, ihn zu stürzen, um Libyen wieder in den westlichen Einflussbereich zu integrieren. Der ehemalige französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing verwies in seinem Buch Macht und Leben auf Pläne, die vorsahen, in Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat Libyen umzustrukturieren und neu aufzuteilen. 1980 unternahm Frankreich den Versuch, ein Flugzeug, in dem Gaddafi vermutet wurde, über der italienischen Insel Ustica abzuschießen. Dabei wurde irrtümlich eine Maschine der Itavia Airlines abgeschossen. [21]
Diese Entwicklung wird durch die libysch-amerikanischen Konfrontationen weiter verdeutlicht, beginnend mit dem Vorfall im Golf von Sidra im Jahr 1981 [Operation Brim] und der sogenannten al-Amara-Operation im Jahr 1984. Zuvor hatte die CIA in Zusammenarbeit mit Algerien und Tunesien bewaffnete Einheiten in Libyen eingeschleust, um Sabotageakte durchzuführen und Chaos zu stiften, mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen. Dazu kamen die Seeschlachten im Golf von Sidra im Jahr 1986 [Line of Death] – bei denen erstmals Marschflugkörper gegen die Gardabiya-Basis in Sirte [heute ein russischer Militärstützpunkt] eingesetzt wurden –, die Luftangriffe auf Tripolis und Bengasi im April 1986 [Operation El Dorado Canyon], die Luftkämpfe über dem Golf von Bomba 1989, die Konfrontation mit Frankreich um den Aouzou-Streifen im Tschad und schließlich im Jahr 2011 die NATO-Operationen Odyssey Dawn und Singular Protector. [22] Quelle
Gaddafi geriet auch mit der Sowjetunion in eine indirekte Konfrontation, beispielsweise als die UdSSR 1986 Libyen nicht vor einem Luftangriff warnte, obwohl sie zuvor von den USA im Rahmen des gegenseitigen Benachrichtigungsmechanismus für große Bomberbewegungen darüber in Kenntnis gesetzt worden war.
Die sowjetische Mitteilung an die USA war bemerkenswert: „Gaddafi ist ein schwieriger Freund.“ Dies war das eindeutige Zeichen, dass gegen die US-Operation keine Einwände bestanden. [23]
Der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert Gates berichtete im Jahr 2011 in seinen Memoiren, dass der damalige russische Präsident Dmitri Medwedew ihn zurechtgewiesen hat: „Warum haben Sie so lange gebraucht, um Muammar Gaddafi zu beseitigen?“ (23)
Somit lässt sich Gaddafis Sturz im Jahr 2011 auf seine Weigerung zurückführen, sich weder Russland noch den USA zu unterwerfen.
Wie sich damals und heute ähneln…
Die Geschichte zeigt, dass die echte Unabhängigkeit Libyens mit Muammar Gaddafi begann und gleichzeitig mit ihm wieder verloren wurde. Zurück kamen ausländische Militärstützpunkte, diplomatische Kontrolle über innenpolitische Angelegenheiten durch das Ausland sowie neue Formen kolonialer Einflussnahme. Damit erfüllte sich auch Josef Stalins Traum, seinen Anteil am libyschen Kuchen zu erhalten und an die warmen Gewässer des Mittelmeers zu gelangen. [24] Quelle
Den vollständigen Beitrag – mit Referenzen, Fotos und Videos – finden Sie auf der Facebook-Seite:
https://www.facebook.com/SyfAlqdhafy
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Anmerkungen
[1] Das Buch Libya Redenta von Rodolfo Graziani enthält einen Brief des Märtyrers Omar al-Mukhtar an Idris as-Senussi, der sich zu dieser Zeit in Kairo aufhielt. Darin teilt er Graziani mit, dass „keine honigfarbenen Augen und Säcke mit Kakao“ benötigt werden, sondern vielmehr Hilfsgüter für die Bevölkerung und Waffen. Der Brief stammt aus den Archiven des italienischen Außenministeriums und ist in dem Buch Omar al-Mukhtar und die faschistische Wiederbesetzung Libyens von Enzo Santarelli, Ruben Rainero, Luigi Guglia und Giorgio Rocha abgedruckt.
Das Buch König Idris, Monarch von Libyen: Sein Leben und seine Zeit von E. A. F. de Candolle zeigt, dass Idris as-Senussi in Ägypten gerne Tennis und Golf spielte.
Ein 1948 veröffentlichter wissenschaftlicher Artikel mit dem Titel Die Senussiya in der Kyrenaika von Guido Fornari zeigt, dass Idris as-Senussi Achmed asch-Scharif stürzte, um das Emirat zu bekommen und ein Bündnis mit den Italienern eingehen zu können. Asch-Scharif blieb nichts anderes übrig, als von Sirte aus mit einem deutschen U-Boot in Richtung Türkei zu fliehen.
Das Buch Omar al-Mukhtar und die faschistische Wiederbesetzung Libyens enthält einen Brief von Omar al-Mukhtar, in dem er sich bei Achmed asch-Scharif über Idris as-Senussis Flucht nach Ägypten und dessen Verrat an den Libyern beschwert und ankündigt, ihn vor Gott zur Rechenschaft zu ziehen.
In der ersten Erklärung zur Revolution vom 1. September 1969 lobte Oberst Muammar Gaddafi Achmed asch-Scharif – trotz dessen Zugehörigkeit zum Senussi-Clan – und dessen Rolle im Dschihad.
[2] Das Buch „Adrian Pelts Memoiren: Die Unabhängigkeit Libyens und die Vereinten Nationen“ erläutert den Versuch, Libyen unter den vier Großmächten – USA, Großbritannien, Frankreich, Sowjetunion – aufzuteilen.
Es beschäftigt sich auch mit dem us-amerikanischen Vorschlag, Libyen für zehn Jahre unter Treuhandschaft zu stellen, bis die sowjetische Bedrohung beseitigt sei sowie mit der Weigerung dieser vier Mächte, die Verantwortung für die durch Libyen entstehenden Kosten zu übernehmen. Das Interesse der Vereinten Nationen an der Libyen-Frage wird damit erklärt, dass dies nach ihrem Scheitern in Palästina als eine „leichte Aufgabe“ angesehen wurde. Libyen sollte im Kalten Krieg nützlich sein. Quelle
[3] Das Buch A History of Modern Libya von Dirk J. Van DeWaal befasst sich mit den Anfängen der Entdeckung von Ölvorkommen in Libyen vor dem Zweiten Weltkrieg durch die Italiener und mit der Gründung großer internationaler Ölgesellschaften zur Erkundung der Ölfelder im Jahr 1947.
John Oakes’ Buch Libya: The History of Gaddafi’s Pardoned State zeigt, dass die Italiener schon vor dem Zweiten Weltkrieg die ersten Ölfunde im Sirte-Becken machten.
Aus freigegebenen Dokumenten des britischen Außenministeriums geht hervor, dass der Westen im Jahr 1955 (d. h. nach der Unabhängigkeit) erfolgreich Druck auf das libysche Parlament ausübte, um ein Gesetz zur Regulierung der libyschen Ölexploration zu erlassen, nachdem britische Ölgesellschaften Probleme mit us-amerikanischen Ölgesellschaften hatten. Quelle
[4] Das Buch Adrian Pelts Memoiren: Libyens Unabhängigkeit und die Vereinten Nationen veranschaulicht die beiden gegensätzlichen Seiten am Verhandlungstisch in Bezug auf die Libyen-Frage. Es erläutert auch die Problematik der Abstimmung und wie die Stimme des haitianischen Delegierten Emile Saint-Lot den Ausschlag zugunsten der Unabhängigkeit Libyens gab.
[5] Das Buch Adrian Pelts Memoiren: Libyens Unabhängigkeit und die Vereinten Nationen macht deutlich, dass die Unabhängigkeit lediglich ein Kompromiss im Konflikt zwischen den Großmächten war und keine nationale Entscheidung Libyens.
Eine Überprüfung der Dokumente von Adrian Pelt durch Michael Brett, Wissenschaftler an der School of Oriental and African Studies der Universität London, beweist, dass die Entstehung des libyschen Staates das Ergebnis fehlender Übereinstimmung zwischen den Großmächten war. Es wird auch bestätigt, dass die Bildung der libyschen Regierung und die Machtübergabe auf einer Abmachung zwischen den Vereinten Nationen und den Großmächten beruhte.
Aus einem 1951 verfassten Dokument des britischen Außenministeriums geht hervor, dass Frankreich letztendlich mit einem vereinigten libyschen Staat unter der Herrschaft von Idris as-Senussi zufrieden war, weil dieser kooperierte.
Ein freigegebenes Dokument des US-Außenministeriums vom 5. Mai 1950 offenbart die Haltung Washingtons zur Unabhängigkeit Libyens: Die USA unterstützten die formelle Unabhängigkeit, sicherten jedoch gleichzeitig ihre strategischen Interessen durch die Aufrechterhaltung von Militärstützpunkten und ihre militärische Präsenz.
[6] Dokumente aus dem libysch-britischen Abkommen vom 13. Dezember 1951 (wenige Tage vor der Unabhängigkeitserklärung) enthalten Klauseln, die es den Briten erlaubte, die Finanzangelegenheiten zu kontrollieren, sowie einen britischen Finanz- und Wirtschaftsbeamten mit Zugang zum Premierminister und Finanzminister der libyschen Regierung zu ernennen. Vorgeschrieben wird auch die Ernennung eines britischen Generalrechnungsprüfers. Quelle
Offizielle Dokumente des britisch-libyschen Freundschaftsvertrags von 1953:
a) Ein Dokument belegt die Lieferung von Waffen und Munition „in einer dem Niveau der libyschen Armee angemessenen Anzahl“ durch Großbritannien im Austausch für Militärstützpunkte und spezielle Einrichtungen.
b) Ein Dokument stellt klar, dass Libyen Großbritannien Einflusszonen gewährt, die diese nach eigenem Ermessen nutzen können, sowie die Kontrolle über den Luftraum dieser Gebiete.
c) Ein Dokument stellt klar, dass Großbritannien die Befugnis erhielt, Libyer abzuhören sowie Radiosendungen und Postämter zu kontrollieren. Bestimmte Gebiete libyschen Territoriums wurden ausschließlich britischen Staatsbürgern zugeteilt.
d) Ein Dokument erteilt Großbritannien die Befugnis zur Durchführung einer Vermessung libyscher Gewässer. Briten wurden von jeglichen Steuern oder Zahlungen an den Staat befreit.
e) Ein Dokument erlaubte den freien Verkehr von britischen Fahrzeugen in Libyen und bei Bedarf die Nutzung von Flughäfen.
f) Ein Dokument erklärt, dass in Libyen die Verfahren zur Identitätsüberprüfung und die Pflicht zum Mitführen von Reisepässen und Einreisevisa für britische Staatsbürger nicht gelten.
Ein weiteres freigegebenes Dokument aus den Archiven des britischen Außenministeriums von 1955 enthüllt den britischen Vorschlag, anstelle einer libyschen Zentralbank zur Kontrolle der Geldpolitik einen „Währungsrat“ einzurichten.
Ein freigegebener Bericht des US-Außenministeriums vom 9. Oktober 1951 zeigt das Interesse der USA, Libyen während der Unabhängigkeitsverhandlungen finanzielle Unterstützung, Berater und Finanzbeobachter zur Verfügung zu stellen.
Ein freigegebener Bericht des britischen Außenministeriums aus dem Jahr 1955 beschreibt detailliert die Kontrolle, die sowohl die USA als auch Großbritannien über die libyschen Finanzangelegenheiten ausübten, sowie die Ernennung ausländischer Berater für die Arbeit bei der Zentralbank.
Ein freigegebener Bericht des britischen Außenministeriums aus dem Jahr 1955 weist auf Libyens Abhängigkeit von us-amerikanischer, französischer und britischer Finanzhilfe sowie von den Einnahmen aus der Überlassung von Militärbasen hin.
In dem Buch Libya: The New Arab Kingdom von Henry Willard, dem ersten us-amerikanischen Botschafter in Libyen, heißt es, es sei um die libysche Wirtschaft sehr schlecht bestellt, so dass die libysche Regierung auf Zahlungen für den us-amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Wheelus angewiesen ist.
Villard nimmt auch auf die in Libyen herrschende Armut Bezug und dass das Land von einer jährlichen Finanzhilfe Großbritanniens in Höhe von 10.500.000 US-Dollar angewiesen war. Die libysche Währung wurde in Großbritannien gedruckt, dass im Gegenzug die inneren und äußeren Angelegenheiten Libyens kontrollierte.
Ein freigegebenes Dokument des britischen Außenministeriums von 1954 offenbart, dass die Auswahl von Beamten und Offizieren für die libysche Armee von Großbritannien und den USA getroffen wurde. Die Briten entfernten Oberst Imran Dschadra aus der Armee, weil er nicht mit ihnen kooperierte. In dem Papier wird die libysche Regierung als „schwach und feige“ beschrieben, was darauf hindeutet, dass sie in Verteidigungsangelegenheiten und im Umgang mit der ausländischen Vertretung nicht ihre volle Autorität und Souveränität ausübte.
Ein freigegebener Bericht des britischen Außenministeriums aus dem Jahr 1956 dokumentiert die Ernennung des Briten Pete Hardaker zum Finanzberater der libyschen Regierung sowie die Ankunft von Dodds Parker, Parlamentarischer Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten in Tripolis. Aufgabe war die Überwachung der libyschen Finanzangelegenheiten.
In einem 1956 veröffentlichten Bericht des britischen Außenministeriums wird erwähnt, dass Briten hohe Positionen in der libyschen Zentralbank innehatten.
Ein freigegebenes Dokument des britischen Außenministeriums aus dem Jahr 1957 fasst die finanziellen Verpflichtungen Großbritanniens gegenüber Libyen hinsichtlich Haushaltsdefizit und Entwicklung zusammen. Darin heißt es: „Wir sind nicht verpflichtet, künftig finanzielle Beiträge zur Entwicklung zu leisten oder Libyens Haushaltsdefizit zu decken. Eine Reduzierung unserer Mittel bedeutet eine Reduzierung unserer Finanzhilfe.“
In dem Buch Libya: The New Arab Kingdom von Henry Villard wird die Anwesenheit des us-amerikanischen Richters James J. Robinson am libyschen Obersten Gerichtshof auf Wunsch von Fathi al-Kikhia erwähnt. Außerdem werden us-amerikanische, ägyptische und britische Kandidaten für die Besetzung der Jury genannt.
John Oakes beschreibt in seinem Buch Libya: The History of Gaddafi’s Pardoned State die britische Präsenz in Tripolis als „echten Kolonialismus, da sie über eigene Privatresidenzen, Nachtclubs und Gesellschaftsclubs verfügten, die nur von Weißen besucht wurden, während die Libyer in Hütten und Baracken lebten.“
Eine Forschungsarbeit, die auf der Vierten Wissenschaftlich-Technischen Erdölkonferenz in der Türkei im Jahr 2020 vorgestellt wurde, belegt, dass nach 1964 Libyen bei der Erdölproduktion den ersten Platz in Afrika einnahm.
Das Buch A History of Modern Libya von Dirk J. Van DeWaal erwähnt Libyens Aufstieg von einem der ärmsten Länder der Welt zum viertreichsten Ölland. Der Grund für die ausländischen Mächte, ihre Stützpunkte in Libyen beizubehalten, lag am libyschen Öl und dessen strategischer Bedeutung bei dem Wunsch der Europäer, die Kohle durch Öl zu ersetzen. Quelle
- In dem Buch A History of Modern Libya schreibt Dirk J. Van DeWaal, dass Idris as-Senussi die Öleinnahmen dazu nutzte, Stammes- und Familienbande sowie die Monarchie zu stärken, anstatt mit den Mitteln das politische Leben zu gestalten und die schwachen Institutionen des Staates zu festigen. Dies führte zur Schwächung der Zivilgesellschaft, zur Marginalisierung politischer Gruppen und zum Ausschluss der Bürger von einer effektiven Teilhabe.
• Ein freigegebenes Dokument aus den Archiven des britischen Außenministeriums aus dem Jahr 1957 belegt, dass Idris as-Senussi die britischen Streitkräfte weiterhin unterstützte, nachdem diese die libysche Regierung über ihre Absicht informiert hatten, ihre Truppen schrittweise abzuziehen.
• Robert Willough bestätigte in seinem Buch British Friendship and War: The Liberation of Libya, dass 1960 mehr als 10.000 britische Soldaten mit ihren Familien in Libyen stationiert waren. Sie waren in Kasernen an der Ost- und Westküste untergebracht. Quelle
[7]
- Rede des Märtyrerführers Muammar Gaddafi während der Verhandlungen über den Abzug der britischen Streitkräfte aus Libyen am 8. Dezember 1969
• Aus dem Buch Adrian Pelts Memoiren: Die Unabhängigkeit Libyens und die Vereinten Nationen geht hervor, dass Pelt die Aufgabe übernahm, die königliche Verfassung Libyens auszuarbeiten. Er ernannte einen Ausschuss ausländischer Experten, die ihn bei dieser Aufgabe unterstützen sollten, darunter der ägyptische Anwalt Omar Lotfi.
• Henry Villard zeigt in seinem Buch Libya: The New Arab Kingdom, dass Adrian Pelt für „die Entstehung Libyens“ verantwortlich war. Er bestätigte, dass die parlamentarische Regierungsform von einem Komitee ausländischer Experten beschlossen wurde.
• Ein freigegebenes Dokument des britischen Außenministeriums aus dem Jahr 1951 dokumentiert die Biografie von Ibrahim asch-Schalhi, seine enge Beziehung zu Idris as-Senussi und die Rolle, die er in der Regierung spielen sollte.
[8] Das französische Archivbuch Übersee dokumentiert den Abschluss eines Finanzabkommens zwischen Libyen und Frankreich am 12. November 1951 und eines Militärabkommens am 24. Dezember 1951. Dieses Abkommen erlaubte Frankreich, Militärkräfte im Fessan zu stationieren und die Flughäfen von Sebha, Ghat, Ghadames und Dardsch zu nutzen. Es sah außerdem eine französische Präsenz in libyschen Behörden vor, die der Zentralregierung unterstanden. Dutzende französische Offiziere und Berater waren dort tätig.
• Dem französische Archivbuch Übersee ist zu entnehmen, dass die französische Hilfe geringer war als die us-amerikanische und britische Hilfe, da die französischen Interessen ausschließlich dem Fessan galten. Ein französischer Berater war in der libyschen Zentralbank tätig und überwachte die Abwicklung der Zahlungen für den französischen Stützpunkt im Fessan.
Laut dem französischen Archivbuch Übersee reagierte im November 1954 der französische Premierminister Pierre Mendès France auf Mustafa Ben Halims Bitte um den Abzug der französischen Truppen mit den Worten: „Der Fessan bleibt uns bis zur Wiederaufnahme der Gespräche erhalten und der Status quo bleibt bis dahin bestehen.“ Er fügte hinzu: „Es schadet nicht, wenn der 31. Dezember (das von der libyschen Regierung festgelegte Datum für den Abzug Frankreichs) verstreicht, ohne dass eine Einigung erzielt wurde. Wir haben erklärt, dass wir in Libyen bleiben werden, und daran halten wir fest.“
• Elektronische Dokumente aus den Archiven der französischen Fremdenlegion belegen die fortgesetzte französische Militärpräsenz im südlichen Libyen. Dieses Gebiet wurde als Erweiterung Algeriens betrachtet.
Das am 14. Dezember 1951 verfasste französisch-libysche Abkommen bestätigt die fortgesetzte französische Präsenz auch nach der Unabhängigkeit Libyens. Es enthält zudem Klauseln, die politischen Druck mittels Finanzhilfen vorsehen.
• Der französisch-libysche Freundschaftsvertrag, der 1955 von Mustafa Ben Halim und dem französischen Botschafter Maurice Dugain unterzeichnet wurde, sieht die Abtretung der Regionen Aouzou und Hassi Messaud an Frankreich vor.
• Aus den Dokumenten des 1955 unterzeichneten französisch-libyschen Freundschaftsvertrags geht hervor, welche erniedrigenden Bedingungen Frankreich dem Königreich auferlegte.
• Aus den Dokumenten des französisch-libyschen Freundschaftsvertrags von 1955 ist ersichtlich, dass den Franzosen auf libyschem Territorium Polizeibefugnisse übertragen wurden.
• Bild des letzten französischen Gouverneurs von Fessan, Oberst Auguste François Joseph Constantin.
• Karte der Verwaltungsgrenzen der französischen Region Fessan und der britischen Regionen Tripolitanien und Kyrenaika. Quelle
[9]
- Das Buch Die Wahrheit über Libyen von Dr. Sami Hakim deckte auf, dass die Regierung Ben Halim den Italienern riesige Summen als Entschädigung für ihre nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten Besitztümer zahlte, anstatt von Italien eine Entschädigung für die Jahre des Kolonialismus zu fordern.
• In einem 1954 veröffentlichten und freigegebenen Bericht des britischen Außenministeriums heißt es, dass die Zahl der italienischen Siedler in Tripolis zunehme und dass die italienische und die libysche Regierung in ständigem Dialog stünden, um die bestmöglichen Lebensbedingungen für sie zu gewährleisten.
• Das Buch Adrian Pelts Memoiren: Libysche Unabhängigkeit und die Vereinten Nationen dokumentiert die Verhandlungen der Italiener bezüglich der Interessen ihrer Staatsbürger nach der Unabhängigkeit Libyens und ihre Forderung nach Eigentumsgarantien auch nach der Ankunft britischer Truppen.
• Dirk J. Van Dewael berichtet in A History of Modern Libya, dass es die ärmsten, besitzlosen italienischen Bauern waren, die nach Libyen gingen, um sich dort anzusiedeln und Landbesitzer zu werden, und dass sie deshalb ihre Position verteidigen mussten.
• Dirk J. Van Dewael dokumentiert in A History of Modern Libya die Zahl der italienischen Siedler in Libyen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Erwähnt wird Besitz an fruchtbarem Land und komfortablen Häusern – bis zur al-Fatah-Revolution im September 1969.
[10]
- Der am 20. Oktober 1954 unterzeichnete Freundschaftsvertrag zwischen den USA und Libyen enthielt eine Klausel über die den US-Amerikanern auf libyschem Territorium gewährten Polizeibefugnisse.
• Der im Oktober 1954 unterzeichnete Freundschaftsvertrag zwischen den USA und Libyen enthielt Klauseln, die den Interessen der USA dienten und die libysche Souveränität verletzten.
• John Oakes bestätigt in dem Buch Libya: The History of Gaddafi’s Outcast State, dass der Palast in Tobruk der bevorzugte Palast des Königs war, da er sich in der Nähe des Stützpunkts al-Adham befand, von dem aus er im Falle einer Bedrohung evakuiert hätte werden können.
• Ein freigegebenes Dokument des britischen Außenministeriums bestätigt, dass 1958 auf Wunsch des Königs eine Gruppe britischer Offiziere von Tripolis nach Tobruk verlegt wurde.
[11]
- In einer Publikation vom 29. August 1953 wurden die nationalen Streitkräfte zum Angriff auf die Monarchie aufgerufen, weil diese libysches Gebiet durch Verträge zur Errichtung ausländischer Stützpunkte entehrt habe.
• Dokumente der Omar-al-Mukhtar-Vereinigung belegen, dass sich deren Mitglieder gegen die Präsenz ausländischer Militärbasen auf libyschem Boden aussprachen.
• Ein Dokument der Omar-al-Mukhtar-Vereinigung belegt die Repressionen, die die Regierung gegen alle Gegner der Präsenz ausländischer Militärbasen anwandte.
• Ein Dokument der Omar-al-Mukhtar-Vereinigung belegt Baschir al-Mughirbis Widerstand gegen die Besatzung während der Monarchie.
• Ein freigegebenes Dokument aus den Archiven des britischen Außenministeriums von 1951 lobt die Zusammenarbeit von Premierminister Machmud al-Muntasir mit den Briten bei der Verhinderung der Aktivitäten der Omar-al-Mukhtar-Gesellschaft und deren endgültiger Schließung und warnt davor, den Namen Omar al-Mukhtar in irgendeiner Weise zu verwenden.
• Freigegebene Dokumente von 1955 aus den Archiven des britischen Außenministeriums belegen, dass die Briten umfassende Informationen über führende Persönlichkeiten in Libyen und deren Hintergrund sammelten, um sie nach ihrer Einstellung gegenüber der ausländischen Präsenz zu klassifizieren. Zu diesen Personen gehören Baschir al-Mughirbi und Baschir as-Saadawi. Quelle
Vertrauliche Dokumente dokumentieren die Eröffnungszeremonie des libyschen Parlaments in Derna im Jahr 1956, an der alle ausländischen Berater teilnahmen und zu deren Anlass eigens das Hotel Derna eröffnet wurde. Es erwähnt auch Idris Senussis Dankbarkeit für die britische und us-amerikanische Unterstützung seiner Herrschaft und gibt einen kurzen Kommentar zur Haltung Libyens gegenüber den Arabern ab. Das Dokument erwähnt, dass britische Streitkräfte aufgrund der Bedeutung, die diese Rede für sie hatte, sie im libyschen Radio ausstrahlen ließen.
• Das Buch A History of Modern Libya von Dirk J. Van Dewaal dokumentiert, dass Idris as-Senussi den Bedingungen für die Gewährung der Unabhängigkeit und der Verfassung als „beste vorübergehende Lösung für Libyen” zustimmte und hoffte, dass die föderale Form der Verfassung die Beteiligung des Volkes einschränken würde.
[12] Lisa Andersons Buch Der Staat und der soziale Wandel in Tunesien und Libyen schildert den Vorfall, bei dem Idris as-Senussi Baschir as-Saadawi verbannte, weil dieser eine Demonstration gegen die Manipulationen bei den ersten Wahlen nach der Unabhängigkeit Libyens organisiert hatte. Anderson erwähnt außerdem, dass „Idris as-Senussi die nationalen Parteien nie mochte“.
Ein 1955 vom britischen Außenministerium ausgestelltes und freigegebenes Dokument bestätigt, dass die Briten jegliche Opposition durch die Auflösung des Nationalkongresses und die Verbannung seines Anführers Baschir as-Saadawi ausschalten konnten. Die Minister Ben Halim und Machmud al-Muntasir trugen ebenfalls dazu bei, indem sie jeden Gegner durch Bestechung zum Schweigen brachten.
- A History of Modern Libya von Dirk J. Van DeWaal dokumentiert Baschir al-Saadawis Widerstand gegen die föderale Form der vorgeschlagenen Verfassung, da diese den Briten und Amerikanern Befugnisse geben würde, die die libysche Souveränität marginalisierte.
• Freigegebene Dokumente des britischen Außenministeriums von 1955 belegen, dass die Briten umfassende Informationen über Baschir as-Saadawi und seine Opposition gegen die Präsenz ausländischer Militärbasen in Libyen, sein Exil und die Weigerung von König Idris as-Senussi, ihm die Rückkehr nach Libyen zu gestatten, sammelten.
[13]
- Ein 1951 vom britischen Außenministerium herausgegebenes und freigegebenes Dokument deckt die Versuche einiger libyscher Minister auf, die Briten an der Einmischung in die Verwaltung der libyschen Finanzangelegenheiten zu hindern, ebenso wie den Widerstand von Offizieren und Soldaten gegen die Anwesenheit der Briten, wobei ihre Anliegen ausnahmslos missachtet wurden.
• Ein freigegebener Bericht des US-Botschafters vom 11. März 1955 beweist, dass der Westen Mustafa Ben Halim auswählte, weil er ein ehrgeiziger „internationaler Mann“ war und sein Bestes tun würde, um die Unterstützung Großbritanniens und der USA aufrechtzuerhalten, da diese ihm finanziell bei der Verwirklichung seines Ziels helfen konnten.
• Ein freigegebener Bericht des britischen Außenministeriums aus dem Jahr 1951 belegt den Einsatz mehrerer Personen, die zuvor mit der italienischen Verwaltung zusammengearbeitet hatten, wie beispielsweise Ali al-Dscharbi (der „Englisch spricht“ und „mit den Briten zusammenarbeitet“), um die Kontinuität der vom Ausland unterstützten Eliten zu gewährleisten.
Der freigegebene Bericht des britischen Außenministeriums über Libyen aus dem Jahr 1952 enthüllt, dass Premierminister Mustafa Ben Halim den britischen Polizeikommissar Oberst Saunders und den Armeechef der Region, Oberst Walton, aufforderte, den im Exil lebenden Baschir as-Saadawi und seine Anhänger festzunehmen, nachdem sich diese gegen die manipulierten Wahlen ausgesprochen hatten. Ben Halim ließ seinem britischen Berater, Lord Oxford, eine Nachricht zukommen, in der er mit Rücktritt drohte, sollte die Angelegenheit nicht erledigt werden. Tatsächlich führten die Briten die Operation nachts durch, nachdem sie eine entsprechende Bitte von Idris as-Senussi erhalten hatten. Quelle
[14]
- Ein Bericht aus den Archiven des britischen Außenministeriums, der 1951 verfasst und kurz vor der Unabhängigkeitserklärung freigegeben wurde, dokumentiert Idris as-Senussis Beharren auf der fortgesetzten Präsenz britischer Streitkräfte in Libyen, um den Fortbestand seiner Herrschaft zu sichern.
• Ein freigegebener Bericht aus den Archiven des britischen Außenministeriums vom Januar 1957 beschreibt in aller Deutlichkeit das Interesse Großbritanniens, Libyen in den Einflussbereich der NATO zu ziehen und es von der Strömung des arabischen Nationalismus zu distanzieren.
• Der freigegebene Bericht des US-Botschafters vom 11. März 1955 aus den Archiven des US-Außenministeriums beweist, dass der Zweck der Freundschaftsverträge der USA und Großbritanniens mit Libyen darin bestand, der NATO die Nutzung libyscher Stützpunkte zu ermöglichen.
• Eine im Jahr 2000 veröffentlichte Forschungsarbeit von Alison Pargeter mit dem Titel Anglo-Libyan Relations and the Suez Crisis enthält ein Telegramm des im Jahr 1956 amtierenden libyschen Außenministers, verfasst während der Dreimächte-Aggression gegen Ägypten, in dem er warnte: „Wenn die Stützpunkte gegen Ägypten eingesetzt werden, wird es zu einem Volksaufstand kommen, den die libysche Regierung nicht kontrollieren kann.“
• Eine im Jahr 2000 veröffentlichte Forschungsarbeit von Alison Pargeter mit dem Titel Anglo-Libyan Relations and the Suez Crisis legt die Diskrepanz zwischen der libyschen Regierung und der öffentlichen Meinung zur dreiseitigen Aggression gegen Ägypten offen. Außerdem geht daraus hervor, dass Idris as-Senussi das Regime von Gamal Abdel Nasser zutiefst hasste, so sehr, dass er im Januar 1957 heimlich sagte: „Großbritannien hätte warten sollen, bis die Juden (Israel) Ägypten zerschlagen haben.“
• Ein freigegebener Bericht aus den Archiven des britischen Außenministeriums aus dem Jahr 1954 dokumentiert die Weigerung von Idris as-Senussi, einen ägyptischen Richter in Bengasi zu ernennen, da dies auf Wunsch der pro-Baschir-as-Saadawi-Fraktion erfolgte. (Dies erfolgte auch unter britischem Druck.)
• Ein freigegebener Bericht aus den Archiven des britischen Außenministeriums dokumentiert ein Gespräch zwischen dem britischen Botschafter und Idris as-Senussi im April 1955, in dem as-Senussi die ägyptische Revolution, die neue ägyptische Regierung und die Einmischung des ägyptischen Militärrats in die jemenitische Revolution verhöhnte und das ägyptische Regime als „Quelle von Verschwörungen und Interventionen“ bezeichnete.
• Aus dem freigegebenen Bericht des britischen Außenministeriums über Libyen aus dem Jahr 1955 geht hervor, dass Ali al-Anizi zum Gouverneur der Zentralbank ernannt wurde, weil er den Briten gegenüber loyal war, während einige Minister wegen ihrer Verbindung zur arabisch-nationalistischen Bewegung abgesetzt wurden.
• Der freigegebene Bericht des britischen Außenministeriums aus dem Jahr 1956 erklärt die angespannten Beziehungen zwischen Libyen und Ägypten: Idris as-Senussis Angst vor ägyptischer Dominanz veranlasste ihn, seine ägyptische Frau Alia Lamloum zu verlassen. Seine Regierung versuchte auch, ägyptische Lehrer durch britische zu ersetzen.
• Ein Dokument aus den Archiven des britischen Außenministeriums aus dem Jahr 1951, das freigegeben wurde, belegt, dass Idris al-Sanusi sich weigerte, die Beglaubigungsschreiben des ägyptischen Botschafters vor denen des britischen Botschafters anzunehmen.
• Ein freigegebenes Dokument aus den Archiven des britischen Außenministeriums aus dem Jahr 1956 zeigt, dass die Wahlen im Libyen nach der Unabhängigkeit in den meisten Städten außerhalb von Tripolis weder demokratisch noch geheim waren, dass die Regierung direkten und vorherigen Druck auf die Wähler ausübte und dass Oppositionskandidaten zum Rückzug gezwungen wurden.
• Das Buch A History of Modern Libya von Dirk J. Van DeWaal enthüllt, dass Idris as-Senussi die ersten Mehrparteienwahlen im Jahr 1952 unter britischem Druck absagte.
• Der amerikanische Wissenschaftler Derek J. Van DeWaal dokumentiert in seinem Buch A History of Modern Libya das Gespräch des us-amerikanischen Botschafters Henry Willard mit Idris as-Senussi, in dem Senussi erklärte, dass er Libyen nicht vereinigen wolle, weil er die Herrschaft beanspruche. Er sehe aber ein, dass ein vereinigtes Libyen eine schwere Last sei, und deshalb wäre er zufrieden, wenn er am Ende nur die Kyrenaika regieren würde.
• Das Buch Libya: The New Arab Kingdom von Henry Villard zeigt, dass Idris as-Senussi seinen Wohnsitz in al-Bayda nahm, was die Minister zwang, für notwendige Besprechungen nach al-Bayda zu fahren.
• Libya: The History of Gaddafi’s Pardoned State bestätigt, dass König Idris die Libyer vor vollendete Tatsachen setzte, indem er al-Bayda zu seinem isolierten Hauptsitz machte und zur Bundeshauptstadt erhob und Beamte zwang, dorthin umzuziehen.
• Ein freigegebener Bericht aus den Archiven des britischen Außenministeriums dokumentiert ein Gespräch zwischen dem britischen Botschafter und Idris as-Senussi im April 1955, in dem as-Senussi sagte, er lehne die Abschaffung der föderalen Politik ab, „weil dies der Region Tripolis mehr Macht verleihen würde“.
• A History of Modern Libya von Dirk J. Van DeWaal belegt, dass Idris as-Senussi den Bedingungen zur Erlangung der Unabhängigkeit und einer Verfassung zustimmte, weil sie „die beste Übergangslösung für Libyen“ darstellten. Er hoffte, dass die föderale Form der Verfassung die Beteiligung der Bevölkerung einschränken würde. Quelle
[15]
- Ein freigegebenes Dokument aus den Archiven des US-Außenministeriums von 1950 erläutert die Absicht der USA und Großbritanniens, nach der Unabhängigkeit Militärstützpunkte in Libyen zu errichten.
• Das französische Archivbuch Übersee zeigt den Wunsch Frankreichs, sich der britischen und us-amerikanischen Vorherrschaft zu widersetzen, um seine militärische Präsenz in Libyen nach der Unabhängigkeitserklärung zu sichern.
• Das Buch Modern History of Libya von Dirk J. Van Dewaal dokumentiert, dass Idris as-Senussi den Bedingungen der Unabhängigkeit und der Verfassung zustimmte, weil sie „die beste vorübergehende Lösung für Libyen“ seien. Er hoffte, dass die föderale Form der Verfassung die Beteiligung des Volkes einschränken würde.
• Das Buch Libya: The New Arab Kingdom von Henry Villard erwähnt die Präsenz britischer Beamter in allen staatlichen Institutionen und überall in Libyen.
• Ein freigegebenes Dokument von 1951 aus den Archiven des britischen Außenministeriums belegt, dass der 24. Dezembers als Datum für die Machtübergabe von Großbritannien, Frankreich und dem Kommissar der Vereinten Nationen vereinbart wurde, ohne dass die Libyer an der Entscheidung beteiligt waren.
• Das Buch Libya: The New Arab Kingdom von Henry Villard erwähnt die Anwesenheit des us-amerikanischen Richters James J. Robinson am libyschen Obersten Gerichtshof auf Wunsch von Fathi al-Kikhiya sowie die Aufstellung us-amerikanischer, ägyptischer und britischer Kandidaten für die Jury.
• In dem Buch Libya: The New Arab Kingdom von Henry Villard wird bestätigt, dass es für Libyen als eines der ärmsten Länder der Welt schwierig war, die Verpachtung von libyschen Gebieten für ausländische Militärstützpunkte im Austausch für Finanzhilfe abzulehnen.
• Das Buch A History of Modern Libya von Dirk J. Van Dewaal bestätigt, dass die Verpachtung von Militärstützpunkten für das neu gegründete Land einen wirtschaftlichen Aufschwung bedeutete.
[16]
- Eine Forschungsarbeit, die auf der Vierten Wissenschaftlichen und Technischen Erdölkonferenz in der Türkei 2020 vorgestellt wurde, belegt, dass in Afrika nach 1964 Libyen den ersten Platz in der Erdölproduktion einnahm.
• Das Buch Modern History of Libya von Dirk J. van de Waal erwähnt den Aufstieg Libyens zum viertreichsten Ölförderland, nachdem es zuvor eines der ärmsten Länder der Welt gewesen war. Der Grund für die Aufrechterhaltung ausländischer Stützpunkte in Libyen war die strategische Bedeutung des libyschen Öls und die Notwendigkeit für die Europäer, Kohle durch Öl zu ersetzen.
• In Modern History of Libya von Dirk J. Van Dewaal wird erwähnt, dass Idris as-Senussi sich dafür entschied, die Öleinnahmen zur Stärkung der Stammes- und Clanbindungen und zur Stärkung der Monarchie zu verwenden, anstatt damit das politische Leben zu gestalten und die schwachen Institutionen des Staates zu stärken. Dies schwächte die Zivilgesellschaft, marginalisierte politische Gruppen und schloss die Bürger von einer wirksamen Beteiligung aus.
• Ein freigegebenes Dokument von 1957 aus den Archiven des britischen Außenministeriums offenbart Idris Senussis Verbundenheit mit den britischen Streitkräften, nachdem diese der libyschen Regierung ihre Absicht mitgeteilt hatten, ihre Truppen schrittweise abzuziehen.
• In dem Buch British Friendship and War: The Liberation of Libya von Robert Willoughby wird bestätigt, dass 1960 mehr als 10.000 britische Soldaten und ihre Familien in Kasernen entlang der Ost- und Westküste lebten.
• Dokumente aus dem am 13. Dezember 1951 unterzeichneten libysch-britischen Abkommen (wenige Tage vor der Unabhängigkeitserklärung) enthalten Bestimmungen, die es den Briten erlaubten, die Finanzangelegenheiten zu kontrollieren. Sie schrieben die Ernennung eines britischen Finanz- und Wirtschaftsbeamten mit Zugang zum Premierminister und Finanzminister der libyschen Regierung vor und verlangten von der libysche Regierung die Ernennung eines britischen Rechnungshofpräsidenten. Quelle
[17] Das Buch Libya: The New Arab Kingdom von Henry Villard bestätigt, dass die libysche Regierung bestimmte, dass die italienischen Siedler in Tripolis bleiben und an der Einreise in die Kyrenaika gehindert werden sollten.
[18]
- John Oakes’ Buch Libya: The History of Gaddafi’s Pardoned State enthüllt, dass sich König Idris as-Senussi in Tobruk und Bayda isolierte, um den Lasten der Regierungsführung zu entgehen.
• Das Buch A History of Modern Libya von Dirk J. Van DeWaal zeigt, dass der Rückzug von König Idris as-Senussi im Jahr 1954 begann, nachdem er nach der Ermordung von Ibrahim asch-Schalhi das Vertrauen in sein Umfeld und seine Familie verloren hatte.
• Das Buch Libya: The History of Gaddafi’s Pardoned State von John Oakes handelt von der Heirat von König Idris mit einer Ägypterin im Jahr 1955, die auf Anraten seiner Berater und gegen den Widerstand von Königin Fatima stattfand. Die Hoffnung, dadurch einen legitimen Erben zu bekommen, erfüllte sich nicht.
• Ein freigegebenes Dokument aus den Archiven des britischen Außenministeriums aus dem Jahr 1955 bestätigt, dass as-Senussi eine Ägypterin heiratete, um einen Erben zu bekommen.
[19]
- Das Buch Dokumente der Omar-al-Mukhtar-Gesellschaft: Ein Kapitel aus der Geschichte Libyens von Mohammed Baschir al-Mughirbi enthält einen Brief von Mohammed Baschir al-Mughirbi an die Briten, in dem er ihren Abzug fordert und einräumt, dass die Nationalversammlung, die ihre Anwesenheit genehmigt hat, nicht die Meinung des Volkes repräsentiert, und dass er der Ansicht ist, dass die Unabhängigkeit Libyens noch nicht vollständig erreicht ist.
• Das Buch Dokumente der Omar-al-Mukhtar-Gesellschaft: Ein Kapitel aus der Geschichte Libyens von Muhammad Baschir al-Mughrabi enthält eine Sammlung von Telegrammen, die der Leiter der Omar-al-Mukhtar-Gesellschaft, Mustafa Bin Amer, an libysche Beamte von Idris as-Senussi richtete, und in denen er die Schließung der ausländischen Stützpunkte forderte.
• Robert Willoughs Buch British Friendship Ties: The Liberation of Libya dokumentiert den Abzug der letzten britischen Truppen im März 1970, nachdem Muammar Gaddafi am 16. Januar 1970 die britischen Einrichtungen besucht und für sie in bar mit „Säcken voller libyscher Pfund“ gezahlt hatte. In seiner Siegesrede bezeichnete Gaddafi das Hissen der Flagge der Libyschen Arabischen Republik anstelle der britischen Flagge als „einen Sieg für die gesamte arabische Nation“.
• Rede von Oberst Muammar Gaddafi während der Verhandlungen über den Abzug der britischen Stützpunkte am 8. Dezember 1969.
[20]
- Studien bestätigen, dass der 24./25. Dezember nicht der Geburtstag Christi ist, sondern ein römisch-heidnisches Fest zu Ehren des Sonnengottes.
[21]
- Der ehemalige italienische Ministerpräsident Giuliano Amato erklärte, dass eine französische Rakete im Jahr 1980 über der italienischen Insel Ustica ein italienisches Passagierflugzeug der Fluggesellschaft Itavia abschoss, weil man irrtümlich annahm, dass sich Staatschef Muammar Gaddafi an Bord befände. Quelle
[22]
- In dem Buch Libyas Luftkriege, Teil Zwei 1985-1986 wird erwähnt, dass der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan Libyen als Bedrohung für die US-Interessen im Nahen Osten und in Afrika ansah, zusätzlich zu der libysch-amerikanischen Konfrontation um den Golf von Sidra im Jahr 1981.
• Das Buch Libyas Luftkriege, Teil Zwei 1985-1986 belegt die Unterzeichnung eines gegenseitigen Verteidigungshilfeabkommens zwischen dem Tschad und den USA im Juli 1983. Außerdem wurde der erste Abschuss eines libyschen Flugzeugs (Su-22) in der Nähe von Faya-Largeau mit einer amerikanischen Redeye-Rakete von einem französischen Team durchgeführt, welches die an den Tschad gelieferte us-amerikanische Waffe einsetzte.
• Das Buch Libyas Luftkriege, Teil Zwei 1985-1986 enthüllt die israelische Unterstützung, die der Tschad in seinem Krieg gegen Libyen erhielt. Der israelische Premierminister besuchte 1983 heimlich N’Djamena und schickte anschließend zwölf israelische Ausbilder in einem mit Waffen beladenen Flugzeug sowie sechs tschadische Offiziere zur Ausbildung für Geheimdienstoperationen nach Israel. - Das Buch Libyens Luftkriege, Teil Drei 1985–1986 enthüllt die Beteiligung eines Teams von US-Marines an Feldschlachten (wie der Schlacht um Bir Koran), bei denen Pioneer-Drohnen zur Aufklärung libyscher Gebiete eingesetzt wurden. Die USA übten zudem starken Druck auf die Regierung in N’Djamena aus, den Konflikt bis zum Sturz Gaddafis fortzusetzen, obwohl Frankreich eine Deeskalation anstrebte.
• Kurze Informationen zu den Operationen Odyssey Dawn und Lone Protector, die 2011 von NATO-Streitkräften gegen Libyen gestartet wurden.
[23] Siehe das Buch Duty: Memoirs of a Secretary in Wartime von Robert Gates, Seite 530.
[24] Internationale Nachrichtenagenturen bestätigen die Ausweitung des militärischen Einflusses Russlands durch die Errichtung von Stützpunkten im südlichen Mittelmeerraum. Quelle
— Ende der Übersetzung —
Übersetzung mit Hilfe von Google und DeepL aus dem Englischen und Arabischen: A. Gutsche
Hilfreiche Links:
Lisa Anderson, The State and Social Transformation in Tunisia and Libya, 1830–1980
https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/9781400859023/html
British Foreign Office Files on Libya (1955) – National Congress & Bashir al-Saadawi
https://archive.org/details/libya-from-foreign-office-files
Dirk Vandewalle, A History of Modern Libya
https://www.cambridge.org/core/books/history-of-modern-libya/
UK Foreign Office Declassified Documents on Libya (Bashir al-Saadawi, exile, foreign based
British Foreign Office Declassified Documents (1951) – Libyan financial administration
https://discovery.nationalarchives.gov.uk/
U.S. State Department – Ambassador Reports on Libya (1955)
https://history.state.gov/historicaldocuments
British Foreign Office Reports on Libyan political elites (1951)
https://archive.org/details/foreign-office-files-libya
British Foreign Office Annual Report on Libya (1952) – Mustafa Ben Halim & exile of opponents
https://www.nationalarchives.gov.uk/education/resources/libya-after-independence/ (Chicago / APA / Harvard)





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