Proteste in az-Zawiya am 25.02.2026

Proteste in az-Zawiya am 25.02.2026

Der staatliche Ölkonzern NOC ist bankrott, der Libysche Dinar im freien Fall, die Preissteigerungen treiben Libyer in die Armut und der Gesundheits- und Bildungssektor bricht zusammen. In dieser Situation werden auch noch neue Steuern erhoben.
Die korrupten Politiker im Inland machten Libyen in Zusammenarbeit mit ihren ausländischen Komplizen zu ihrem Selbstbedienungsladen
. Die Wut der Bürger ist am Kochen. Sie fragen: Wohin verschwanden die Erdöleinnahmen?

Der staatliche Ölkonzern ist pleite

In Libyen jagte in den letzten Tagen eine Hiobsbotschaft die nächste. Vielleicht die bedeutendste und symbolträchtigste: Libyens staatlicher Ölkonzern, die National Oil Company (NOC), der reichste Ölproduzent Afrikas, erklärte am 23. Februar praktisch seinen Bankrott. Sämtliche finanziellen und operativen Aktivitäten von allen mit der NOC verbundenen Unternehmen und Einrichtungen wurden laut einer offiziellen Anweisung ausgesetzt. Diese Entscheidung erfolgte, nachdem bereits 2024 weniger als 25 Prozent des erforderlichen Budgets genehmigt worden waren und für 2025 und 2026 überhaupt keine Budgets für den Ölkonzern mehr festgesetzt wurden.

Kursverlust des Libyschen Dinars

Doch damit nicht genug. Am 22. Februar war der Parallelmarktkurs des US-Dollars auf 10 Libysche Dinar (LYD) gestiegen, bevor er am 24. Februar auf 10,73 LYD kletterte. Der offizielle Dollarkurs beträgt etwa 6,30 LYD. Seit einiger Zeit waren US-Dollar fast nur noch über sogenannte Tauschbörsen auf dem Parallelmarkt verfügbar.

Libyen ist stark vom Import abhängig, nicht nur was Lebensmittel und Konsumgüter betrifft, sondern auch von Kraftstoffen, da es kaum über Raffinerien zur Verarbeitung des Rohöls verfügt. Zur Bezahlung all dieser Importe benötigt Libyen den US-Dollar. Verteuert sich dieser, verteuern sich auch alle eingeführten Waren. Die libysche Landeswährung ist auf das niedrigste Niveau seit der Gründung des Nationalstaates vor 75 Jahren gesunken. Seit Beginn des Jahrzehnts hat der Libysche Dinar fast achtzig Prozent seines offiziellen Werts gegenüber dem US-Dollar verloren – in einem Land, das nicht unter wirtschaftlichen Sanktionen steht, in dem die Ölproduktion stetig gestiegen ist und wo die Devisenreserven zu den höchsten Pro-Kopf-Reserven in Nordafrika gehören.

Steve Hanke, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Johns Hopkins University, befand, dass inzwischen der LYD die fünftschlechteste Währung der Welt ist. Am besten sei es, ihn abzuschaffen und durch den US-Dollar zu ersetzen.

Hohe Inflationsrate

Der hohe Kurswert des US-Dollars befeuert die Inflationsrate. Ebenfalls nach Steve Hanke ist sie mit 45,6 Prozent mittlerweile die fünfthöchste der Welt. Dies führt für die libyschen Bürger zu enormen finanziellen Belastungen. Mittlerweile haben viele Libyer ihre Ersparnisse aufgebraucht, dreißig Prozent der Libyer fristen ein Leben unterhalb der Armutsgrenze. Doch auch wer Geld auf den Konto hat, der ist deshalb noch lange nicht flüssig: In der Hauptstadt Tripolis gingen in dieser Woche an den meisten Geldautomaten die Geldscheine aus. Bargeld ist rar, und das in einem Land, in dem die meisten Einkäufe mit Bargeld getätigt werden.

Ausgerechnet zu Beginn des Ramadan, des islamischen Fastenmonats, stiegen die Lebensmittelpreise enorm an; so sind die Fleisch- und Geflügelpreise um die Hälfte gestiegen und der Preis für Speiseöl hat sich in den letzten Wochen verdoppelt, falls es überhaupt noch erhältlich ist, denn viele Supermärkte haben ihre Waren rationiert. Es herrscht auch Knappheit an Kochgas, so dass sich an den Verkaufsstellen lange Schlangen bilden. Für das Nachfüllen der Gasflaschen, das offiziell 1,5 Dinar kostet, sind auf dem Schwarzmarkt an die 75 Dinar (rund 10 Euro) zu berappen. Von steigenden Arzneimittelpreisen und dem Niedergang des Gesundheits- und Bildungssektors soll hier gar nicht die Rede sein.

Neue Steuer auf Konsumgüter

In dieser für die Bevölkerung mehr als prekären Lage erhob die Libysche Zentralbank (CBL) unter ihrem Chef Nadschi Issa auch noch eine neue Steuer auf Konsumgüter, ohne öffentliche Ankündigung, ausgeklüngelt in den politischen Hinterzimmern, unter Umgehung der dafür zuständigen politischen Gremien, des Parlaments und des Staatsrats.

Die öffentliche Empörung kochte und in den sozialen Medien trendete der Hashtag „Nein zu Steuern! Wir sind sieben Millionen Libyer!“.

Alle Sachverständigen sind sich über die Ursachen des Niedergangs eines Landes, das einmal der libysche Staat war, einig. Ausgehend vom Nato-Krieg gegen Libyen im Jahr 2011, der daraus folgenden Auflösung aller staatlicher, insbesondere der für die Sicherheit zuständigen Institutionen, des Bürgerkriegs im Jahr 2014, der Übernahme der Macht durch vom Ausland auserkorene, durch und durch korrupte Politiker und deren Milizen, erfolgte die seither anhaltende Spaltung der Institutionen und Machtzentrum in einen östlichen und ein westlichen Teil. Libyen wird schamlos und für jeden sichtbar von den Machthabenden ausgeplündert und seines Reichtums beraubt, während die Bevölkerung durch brutale Milizen und militärische Verbände unterdrückt und in Angst und Schrecken versetzt ist.

Für viele Libyer waren Wahlen und die Präsidentschaftskandidatur des charismatischen und präferierten Saif al-Islam Gaddafi ein letzter Hoffnungsschimmer. Doch diese seit langem immer wieder verschobenen Wahlen, bei denen ein Sieg von Saif al-Islam Gaddafi zu erwarten gewesen wäre, konnten keineswegs im Sinne der ausländischen Mächten, die das Land beherrschen, und ihrer libyschen Marionetten sein. Saif al-Islam wurde am 3. Februar 2026 ermordet. Seine Beisetzung in der Stadt Bani Walid, an der abertausende Libyer teilnahmen, geriet zu einer Abstimmung mit den Füßen.

Proteste

In dem Land, das der größten Plünderungswelle seiner Geschichte ausgesetzt ist, wächst der Widerstand an. So demonstrierten in den vergangenen Nächten die Bewohner von az-Zawiya und forderten nicht nur den Rücktritt des Zentralbankchefs Nadschi Issa, sondern auch die Auflösung aller politischer Gremien, den Rücktritt der Politiker und die umgehende Abhaltung von Wahlen. Dem schlossen sich die Einwohner von Adschilat mit Protestzügen an. Auch in Tadschura wurde zu Protesten in ganz Libyen aufgerufen. Am 27. Februar sollen in allen Städten, insbesondere Westlibyens, Protestaktionen auf Straßen und Plätzen folgen.

In Ausstand getreten sind die Justizangestellten, und der Lehrerverband kündigte einen Generalstreik an. Zurecht wird gefragt, wohin die Milliarden an Öleinnahmen geflossen sind.

Zahlen zur humanitären Lage in Libyen

Hunger: Im Welthunger-Index 2024 belegt Libyen Platz 83 von 127 Ländern. Demnach sind 11,4 Prozent der Bevölkerung von Mangelernährung betroffen, 35,1 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind wachstumsverzögert, 9,3 Prozent der Kinder unter fünf Jahren leiden an Auszehrung und 1 Prozent der Kinder sterben vor ihrem fünften Geburtstag.

Entwicklungsindex: Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen  steht Libyen heute auf Platz 115 von 193 ausgewerteten Staaten und weist damit unter den nordafrikanischen Ländern – nach Marokko (Rang 120) – den zweitniedrigsten Wert auf.
Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosigkeit betrug 2024 nach offiziellen Angaben knapp 19 Prozent, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen etwa 50 Prozent.

2024 betrug das Bruttonationaleinkommen je Einwohner 6.310 US-Dollar.

Diese Zahlen des Jahres 2024 dürften sich im Laufe des Jahres 2025 noch einmal deutlich verschlechtert haben.

Zahlen aus dem Jahr 2010 – vor dem Nato-Krieg gegen Libyen (Übersicht KI): 

BIP pro Kopf (nominal): Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner lag 2010 bei rund 12.168 USD.
Das kaufkraftbereinigte Pro-Kopf-Einkommen (BIP PPP) war zu dieser Zeit mit über 20.000 USD (Schätzungen variieren) sehr hoch und zählte zu den höchsten in Afrika.
Im Jahr 2010 war Libyen wirtschaftlich stabil und verzeichnete hohe Einnahmen aus dem Erdöl- und Erdgasgeschäft.

2010 lag Libyen bei der menschlichen Entwicklung weltweit auf Platz 53 von 169 erfassten Ländern. Libyen galt damit als Land mit „hoher menschlicher Entwicklung“. Indikatoren: Lebenserwartung, Bildung (Schuljahre) und Pro-Kopf-Einkommen.

Saif al-Islam Muammar Gaddafi sagte am 20. Februar 2011: Wenn ein Konflikt um Öl entsteht, das die Lebensgrundlage von fünf Millionen Libyern darstellt, wer wird dann für unsere Kinder, unser Essen und Trinken, unsere Krankenhäuser und unsere Schulen sorgen?

 

Nachrichten zur aktuellen Lage in Libyen im Detail

Preissteigerungen

+ Al-Arabiya: Die Inflation erdrückt die Libyer. Die Preise für Speiseöl haben sich verdoppelt, und die Preise für Fleisch und Geflügel sind um 50 Prozent gestiegen.
An Tankstellen in Tripolis herrscht Benzinmangel, Geldautomaten kämpfen mit Bargeldknappheit und viele Geschäfte haben den Verkauf bestimmter Produkte rationiert.

+ Auch während des Ramadan bilden sich an den Bezugsstellen für Kochgasflaschen lange Schlangen.

+ Al-Araby al-Dschadid: Libysche Bürger können sich viele Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten. Speiseöl ist nicht mehr verfügbar und Ramadan-spezifische Produkte wie Käse und Fleisch sind aufgrund der hohen Preise zu Luxusartikeln geworden.

+ In diesem Jahr haben Supermärkte während des Ramadan ihre Waren rationiert, während viele Tankstellen knapp an Gas sind. In der Hauptstadt Tripolis gingen in dieser Woche den meisten Geldautomaten das Geld aus. Der Preis für Speiseöl hat sich in den letzten Wochen verdoppelt, während die Fleisch- und Geflügelpreise um die Hälfte gestiegen sind.
Nachfüllungen von Gasflaschen, die offiziell bei 1,5 Dinar ($ 0,24), aber oft nicht über staatliche Distributoren erhältlich sind, werden jetzt für 75 Dinar (10 Euro) – und manchmal mehr – auf dem Schwarzmarkt verkauft.
Im vergangenen Monat hat die Zentralbank im westlichen Gebiet den Dinar – das zweite Mal in weniger als einem Jahr – um fast 15 Prozent abgewertet.
Mit jeder neuen Woche des Jahres 2026 hat sich der Status quo Libyens in der einen oder anderen Form weiter verschlechtert. Die politische Klasse hat das Land, seine Wirtschaft und seine Institutionen an ihre Grenzen gebracht. Das sind die Folgen.

+ Steve Hanke, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Johns Hopkins University: Libyen ist das Land mit der fünfthöchsten Inflationsrate weltweit (45,6 % jährlich). Es befindet sich in einer äußerst schwierigen wirtschaftlichen Lage.
Steve Hanke: Wegen des von den USA angeführten Regimewechsels im Jahr 2011 befindet sich Libyen in einer prekären Lage.
Steve Hanke: Der libysche Dinar ist die fünftschlechteste Währung der Welt. Es ist an der Zeit, ihn abzuschaffen und durch den US-Dollar zu ersetzen.

Zentralbank beschließt Erhebung von Steuern

+ Nachdem Abgeordnete wiederholt bestritten hatten, den Bürgern Steuern aufzuerlegen, gibt es neue Vorschläge: Null Prozent auf Grundbedürfnisse und bis zu 40 Prozent auf Luxuswaren.
Dazu Saad bin Scharada (Staatsrats): Ein Parlamentsabgeordneter hatte einen Resolutionsentwurf eingebracht, der jedoch von den anderen Abgeordneten sowie vom Wirtschaftsausschuss des Staatsrats abgelehnt wurde. Umso überraschender ist es, dass das Wirtschaftsministerium der Dabaiba-‚Regierung‘ die Steuer – neben dem Parlament, das nicht darüber abgestimmt hatte – dennoch verabschiedete und sie den Bürgern auferlegt.

+ Achmed Senussi (Wirtschaftsjournalist): Ich verstehe nicht, wie diese Beamten so blind für die Notlage der Libyer sein können! Ist ihnen denn nicht klar, dass dieses Erdöl allen Libyern gehören sollte, und nicht nur bestimmten Leuten?! Die Kreditlinien müssen endgültig geschlossen werden; die Bürger zahlen den Preis für all dieses Chaos im Land.

+ 107 Mitglieder des Parlaments erklärten gemeinsam, dass die Entscheidung der Zentralbank, eine Steuer auf bestimmte Waren zu erheben, rechtswidrig ist. Das Parlament habe niemals eine derartige Bestimmung erlassen.
„Wir fordern alle Betroffenen dringend auf, die erforderlichen Rechtsansprüche geltend zu machen, um ihre Rechte zu schützen und die Grundsätze der Legitimität und der Rechtsstaatlichkeit zu wahren.“ Auch Lieferanten und Händler sollten Klage erheben.

+ Rabia Buras (Parlamentarier): Das heutige Vorgehen der libyschen Zentralbank ist ein eklatanter Akt einseitiger Entscheidungsfindung und ein schwerwiegender Verstoß gegen die legislativen Befugnisse, da sie Steuern erhebt, die vom Parlament weder genehmigt noch beschlossen wurden.

+ Der Wirtschaftsausschuss des Parlaments informierte über die Entlassung des Ausschussvorsitzenden Badr an-Nahib im Zusammenhang mit dem Steuervorschlag, der in Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Zentralbankchef, Nadschi Issa, erarbeitet worden war. Die Mitglieder des Ausschusses seien nicht konsultiert worden, was ein klarer Verstoß gegen die Geschäftsordnung des Parlaments sei.
Es soll so bald wie möglich ein neuer Ausschussvorsitzender gewählt werden.

+ Abdul-Moneim al-Arfi (Parlamentsmitglied) erklärte, dass der Punkt „Steuernnicht einmal auf der Tagesordnung des Parlaments erschien. Das Parlament lehnte die Einführung von Steuern ab, da sie die Wirtschaftsprobleme nicht lösen könnten.

+ Premier Dabaiba: Ich fordere den Zentralbankchef dringend auf, jede Entscheidung auszusetzen, die die Belastung für die Bürger erhöht, bis die eigentliche Ursache des Problems angegangen wird. Die Lösung besteht darin, sich an die einheitliche Entwicklungsvereinbarung zu halten und den Bürger nicht mit zusätzlichen Kosten zu belasten. Die Lösung liegt in der Ausgabenkontrolle.

+ Der Journalist Fathi Ben Issa konnte zeigen, dass Dabaiba in seinem jüngsten Beitrag zum steigenden Dollarkurs den GPT-Chat verwendet hat.

+ Mohammed al-Gardsch (Journalist): Diese Steuer wurde in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsausschuss des Parlaments, dem Wirtschaftsteam der Dabaiba-‚Regierung‘ und unter Beteiligung der Zentralbank entwickelt. Es handle sich um ein Marionettentheater. Es bedürfe des öffentlichen Zorns, der zum Sturz all dieser Akteure führt.

+ Khalil al-Hassi (Journalist): Die von der Zentralbank eingeführte Warensteuer, die auf Vorschlag von Badr an-Nahib basiert, ist eines der Projekte, die von der Dabaiba-‚Regierung‘ geplant und vorbereitet wurden.
Eingeführt wurde die Steuer ohne jegliche Rechtsgrundlage vom Direktor der Bankenaufsicht, Abdul Madschid al-Madschuri, der aufgrund seiner Befugnisse als faktischer Chef der Zentralbank gilt.
„Was wir in den letzten 15 Jahren erlebt haben, ist, dass Kredite an den bevorzugten privaten Sektor vergeben werden, und dass bestimmte Familien und Kaufleute die Geldpolitik bestimmen. Die Korruption von al-Madschuri im Zusammenhang mit den Krediten hat ein Stadium erreicht, das nicht mehr zu ignorieren ist, und sie schadet Nadschi Issa.
Al-Madschuri habe durch seine direkten Beziehungen zu Kredithändlern, die das Blut der Libyer aussaugten, zu einer Verarmung der Devisenreserven geführt.
Die Antwort auf die Frage, warum Agila die Entscheidung unterzeichnet hat, liege bei seinem Berater Abdul Hamid as-Safi, dem eigentlichen Entscheidungsträger im Parlament.
Alle Abgeordneten wüssten, dass as-Safi die Entscheidung über Badr an-Nahib herbeigeführt hat.
An-Nahib ist ein korrupter Abgeordneter und ist bezahlt worden; genau wie er bei dem Treffen in Genf Zahlungen erhalten hat, wo er 400.000 dafür bekam, für Dabaiba zu stimmen.“

+ Laut dem Parlamentsabgeordneten Assam al-Dschahani war es Agila Saleh, der die Warensteuer trotz der Ablehnung durch 107 Abgeordnete vor anderthalb Monaten genehmigte. Badr an-Nahib hätte ohne Rückendeckung von Agila Saleh keine solche Aktion durchführen können.

+ Abdulhakim Baayou (Kandidat für Amt des Premierministers) will rechtliche Schritte gegen die Politik des Zentralbankchefs einleiten. Er startete zudem eine Kampagne zur Sammlung von Unterschriften für den Rücktritt des Zentralbankchefs. Es soll eine Konsenslösung unter Einbeziehung politischer Parteien und Persönlichkeiten gefunden werden.

+ Al-Arab (London): Die Entscheidung, Steuern zu erheben, hat die Fragilität der Finanz- und Politikstruktur in Libyen erneut in den Fokus gerückt, und zwar zu einem Zeitpunkt, der durch einen beispiellosen Rückgang des Dinar-Wechselkurses und eine zunehmende Unzufriedenheit in der Bevölkerung gekennzeichnet ist.
Händler entdeckten die neuen Steuern im Rahmen der Kreditvergabeverfahren ihrer Banken, bevor sich die Details über soziale Medien verbreiteten. Dieses Vorgehen verstärkte die Befürchtungen, dass die Geldpolitik außerhalb etablierter institutioneller Rahmenbedingungen gesteuert wird.
Mit den neuen Gebühren soll die Nachfrage nach Devisen durch höhere Importkosten eingedämmt werden. Und sie sollen dazu dienen, ein wachsendes Finanzdefizit auszugleichen, ohne jedoch die strukturellen Probleme anzugehen.

+ Die Entscheidung der Zentralbank, neue Steuern auf importierte Waren einzuführen, löste eine breite Welle politischer Kontroversen und öffentlicher Empörung aus.
Zu den anderen wirtschaftlichen Problemen Libyens gehörte das Fehlen eines einheitlichen nationalen Haushalts, angesichts seiner politischen Kluft, sowie unkoordinierte öffentliche Ausgaben aufgrund paralleler staatlicher Institutionen, laut der Leiterin der UN-Mission Hannah Tetteh. Die Einnahmen der Ölindustrie gingen ebenfalls zurück, fügte sie hinzu, während die Zentralbank sagte, dass die öffentlichen Ausgaben in einem nicht nachhaltigen Tempo wachsen.

Proteste

+ Suleiman al-Bayudi (Präsidentschaftskandidat) zur Entscheidung der Zentralbank, Steuern zu erheben: Der Zorn muss sich auf den Straßen entladen und die korrupte Klasse in ihren Häusern und überall dort, wo sie sich aufhalten, treffen.

+ Die Revolutionsgruppe von Tadschura rief die Libyer in den östlichen und südlichen Regionen dazu auf, Maßnahmen zu ergreifen, um „willkürliche Ausgaben zu stoppen und die Verschwendung von Milliarden zu verhindern“. Den Schaden habe das Volk, doch wenn es zusammenhält, wird es ein positives Ergebnis geben.

+ Die Jugendbewegung von Tadschura rief aufgrund der sich verschlechternden Lebensbedingungen und der Plünderung von Milliarden zum Aufstand der Libyer im Osten und Westen des Landes auf.

+ Achmed Abdel Hakim Hamza (Nationale Menschenrechtsinstitution): Dem Volk bleibt keine andere Wahl, als auf die Straßen und Plätze zu gehen, um seine Rechte und seine Würde zurückzufordern… um sich gegen das korrupte Regime im Osten und Westen zu erheben, an dessen Spitze der Chef der Zentralbank, das Parlament, der Staatsrat, die beiden Regierungen, der sogenannte Wiederaufbaufonds und die bewaffneten Gruppen stehen, die die Staatsressourcen geplündert haben.

+ Miftah al-Giluschi (Generalvertreter der Libyschen Nationalen Einheitsbewegung): Alle Gewerkschaften, zivilgesellschaftlichen Organisationen, politischen Parteien, Sozialräte und Kommunen müssen sich aufgrund der gestiegenen Lebensmittelpreise, der eingeführten Steuern und des Wertverfalls des Libyschen Dinars an zivilem Ungehorsam und Demonstrationen gegen die abgelaufene Regierung beteiligen.

+ Der Allgemeine Lehrerverband kündigte an, in allen Bildungseinrichtungen einen Generalstreik durchzuführen, um gegen die sich verschlechternden Lebensbedingungen der Lehrer zu protestieren. Ein großer Teil der Lehrer sei in Armut und Elend abgerutscht, trotz der Aufgabe, die sie der Förderung von Generationen und der Gestaltung der Zukunft bewältigen.

+ Die Generalgewerkschaft der Justizangestellten kündigte die vollständige Arbeitsniederlegung in allen Gerichten und Staatsanwaltschaften ab Sonntag, dem 22. Februar 2026, an, um gegen die Nichtumsetzung des Gesetzes über die finanzielle Behandlung der Angestellten zu protestieren. Frühere Zusagen seien nicht eingehalten worden.

+ Achmed Senussi (Wirtschaftsjournalist): Wenn die Bevölkerung nach dem Anstieg des Wechselkurses nicht Maßnahmen ergreift, um diese sich verschlechternde wirtschaftliche Lage zu stoppen, wird es zu einem Krieg kommen, denn diese Situation ist nicht tragbar. Die Menschen sollten gegen diese Situation protestieren, die Zentralbank schließen, die nur bestimmten libyschen Familien dient, und das Außenministerium schließen, das nur einem Prozent des libyschen Volkes dient.
„Es ist nicht zu glauben, dass diese Behörden eine Steuer auf Seife für die Hygiene der Bevölkerung erheben und gleichzeitig Politiker und Geschäftsleute mit allem Geld davonkommen lassen! Wie können wir akzeptieren, dass ein Bürger bestimmte Lebensmittel und Waren nicht mehr erhält, nur weil die Regierung beispielsweise eine Botschaft in Nicaragua eröffnen will?“ Das Wohl des Bürgers müsse an erster Stelle stehen.

+ Bewohner von az-Zawiya setzten aus Protest gegen die sich verschlechternden Lebensbedingungen den Zugang zu as-Sumud in Brand. Sie forderten die Absetzung von Nadschi Issa, dem Chef der Zentralbank und skandieren auf ihren Demonstrationen: „Das Volk will sie alle stürzen“.

+ Erklärung der Bewohner von az-Zawiya: Wir fordern den Sturz aller korrupten politischen Gremien, die das libysche Volk seit 15 Jahren unterdrücken. Alle Libyer sind gleichberechtigt.
In den letzten zwei Monaten hat jede Gruppierung innerhalb der korrupten politischen Organisationen versucht, die Schuld der jeweils anderen Seite zuzuschieben. Alle gegenwärtigen politischen Institutionen sind Spielfiguren und Agenten ausländischer Parteien.
Wir sind auf die Straße gegangen, um gegen den Hunger zu protestieren, da keine Gehälter gezahlt werden und das Leben menschenunwürdig geworden ist.
Unsere Botschaft richtet sich auch an die UN-Mission, die die fortgesetzte Präsenz dieser Gruppierungen legitimiert und die Krise verlängert.
Wenn sich das libysche Volk nicht geschlossen erhebt, um die korrupten Machthaber zu entfernen, werden wir dieses Land betrauern.“
Der Dollarkurs wird weiter steigen, möglicherweise sogar 100 Dinar überschreiten, wie es im Irak und anderen Ländern der Fall war. Wir werden weiterhin jede Nacht auf der Straße sein, um alle zu Fall zu bringen. Die UN-Mission, die Zentralbank und den Premierminister – wir wollen sie alle stürzen.

+ Video In der zweiten Nacht in Folge kommt es in az-Zawiya zu Protestmärschen: Weder Ost noch West, Libyen ist eine Nation! Fotos
Gefordert wird der Sturz aller politischen Institutionen. Fotos

+ Besondere Proteste richten sich gegen Kredithändler in Tripolis und Misrata.

+ In Adschilat forderten die Demonstranten den Sturz aller bestehenden politischen Gremien und die schnellstmögliche Organisation von Wahlen. „Wir sind entschlossen, unsere Rechte zu ergreifen und unseren Willen durchzusetzen, der sich in der Organisation von Wahlen verkörpert, um zu bestimmen, wer Libyen in Sicherheit bringen wird.“
Die junge Generation könne weder heiraten noch sich ein Leben aufbauen. Sie habe keine Zukunft. So bleiben ihr nur Drogen, Korruption und Gewalt.“
Nein zu Zerstörung, nein zu Vandalismus, nein zu Brandstiftung. Wir sind das Volk, und wir entscheiden.“

+ Khalil al-Hassi (Journalist): Libyen ist das einzige Land der Welt mit 70 Ministern, von denen 35 der Dabaiba-‚Regierung‘ und 35 der Hammad-Parallelregierung angehören.

+ Riad al-Ghul (Blogger): Dabaiba und Haftar tragen die Hauptverantwortung für den wirtschaftlichen Zusammenbruch Libyens.

+ As-Senussi al-Barasi, Generalkoordinator der libyschen Scheichs: Wir erheben heute unsere Stimme, weil Schweigen ein Verrat am Leid der Menschen ist. Wir befinden uns in einem Land, das auf einem Meer der Güte schwimmt, doch seine Bevölkerung säuft unterhalb der Armutsgrenze ab.
Der Dinar bricht zusammen, die Preise schießen in die Höhe, die Gehälter verpuffen, bevor sie ihre Besitzer erreichen, und junge Menschen stehen in Schlangen vor den Arbeitsämtern, während sich die Beamten gegenseitig beschuldigen, als ob die Nation nicht ihre gemeinsame Verantwortung wäre.
Wohin sind die Milliarden an Öleinnahmen geflossen, und was ist aus den Versprechen von Reformen und Rettungsplänen geworden, von denen wir so viel gehört, aber bisher nichts gesehen haben?
Wir werden nicht akzeptieren, dass dem Volk neue Steuern und Belastungen auferlegt werden, während Verschwendung und Korruption Tür und Tor geöffnet sind.
Entweder die Behörden ergreifen Maßnahmen, oder sie überlassen das Feld denen, die das nationale Interesse über alles andere stellen.

+ In den sozialen Medien eskalierte die Wut, der HashtagNein zu Steuern, wir sind sieben Millionen Libyertrendet.

+ Mansur al-Ahrasch (Vorsitzender der Journalistengewerkschaft) rief die Einwohner von Tripolis und der westlibyschen Städten dazu auf, sich am Abend des 27. Februar auf dem Märtyrerplatz zu versammeln, um ausnahmslos alle Machthaber zu stürzen. „Es ist an der Zeit, sie alle hinwegzufegen.“

+ Achmed Dogha (Umma-Partei): Ein Volksaufstand steht bevor, da sich die Proteste ausweiten und die Straßen in Aufruhr geraten. Die Lage im Land ließe dies legitim erscheinen.