
Havarierter russischer Öltanker vor libyscher Küste
Ein mit Flüssiggas und Erdöl beladener Tanker wurde Anfang März von einem vermutlich von Libyen aus gestarteten ukrainischen Drohnenboot in Brand geschossen. Das schwer havarierte Schiff drohte zu explodieren und gefährdete die Küsten von Malta und Libyen sowie Bohr-, Erdöl- und Erdgasanlagen. Schwere Umweltschäden wurden befürchtet. Nach einem dramatischen Abdriften des Tankers in Richtung des libyschen Erdöl- und Erdgaskomplexes Mellitah, der nahe der westlibyschen Küstenstadt Stadt Zuwara liegt, gelang es Spezialeinsatzkräften, das Schiff zu sichern.
Libyens Befürchtungen, neuer Schauplatz des Stellvertreterkriegs zwischen den USA/NATO und Russland zu werden, haben sich verstärkt.
Bereits am 4. März 2026 meldete das russische Transportministerium, dass am vorherigen Tag ukrainische Unterwasserdrohnen den Flüssiggastanker Arctic Metagaz in unmittelbarer Nähe der Hoheitsgewässer des EU-Staates Malta angriffen haben.
Das Drohnenboot sei von der libyschen Küste aus gestartet worden und hätte den Angriff auf das Schiff ausgeführt, das anschließend in Brand geriet. Wie das maltesische Militär bekanntgab, konnten alle dreißig Besatzungsmitglieder, die in einem Rettungsboot in libyschen Gewässern trieben, gerettet werden. Zwei Besatzungsmitglieder mussten mit Brandwunden in einer Klinik in Bengasi behandelt werden.
Der Tanker und seine Ladung
Der Tanker war mit allen international benötigten Papieren von Murmansk ausgelaufen und war auf dem Weg nach Ägypten. Zum Zeitpunkt des Angriffs befand er sich in internationalen Gewässern. Im Stellvertreterkrieg der USA und der NATO gegen Russland ist die Ukraine dazu übergegangen, russische Tanker anzugreifen, um die russische Wirtschaft und die militärischen Kapazitäten Moskaus zu schwächen. Russland stufte den Vorfall als Terrorangriff ein.
Russische Öltanker werden im Rahmen des Wirtschaftskriegs vom Westen sanktioniert, wohl wissend, dass laut Völkerrecht nur die Vereinten Nationen berechtigt sind, derartige Sanktionen auszusprechen.
Beladen war das Schiff mit mehr als 60.000 Tonnen Flüssigerdgas (LNG) und rund 900 Tonnen Dieselkraftstoff. Flüssiggas muss während des Transports auf etwa minus 160 Grad gekühlt werden. Fällt die Kühlung aus, geht das flüssige Erdgas wieder in den gasförmigen Zustand über und breitet sich beim Verdampfen um das 600-fache aus, wodurch der Druck im Tank rapide ansteigt. Für diesen Fall sind im Tank Sicherheitsventile angebracht, die das Explodieren des Tanks verhindern sollen.
Der Hauptbestandteil des Flüssiggases besteht aus klimaschädlichem Methan. Eine Explosion, ausgelöst durch einen Temperaturschock in dem etwa 15 Grad Celsius warmen Wasser, würde alle Meereslebewesen im weiteren Umkreis töten. Das verdampfte Methan bildet eine giftige Wolke, die bei Regenwetter als saurer Regen in den Boden gelangt.
Brennender Tanker treibt führerlos im Mittelmeer
Nach dem Beschuss trieb die in Brand geratene Arctic Metagaz führerlos in einem für seine Biodiversität bekannten Abschnitt des Mittelmeers, zunächst auf Malta zu, dann in Richtung der italienischen Insel Lampedusa. Aufnahmen zeigen einen teilweise verbrannten Rumpf, der sich zur Seite neigt. Vom Schiff stieg sichtbar Rauch auf und um das Schiff hatte sich ein großer Ölteppich auf dem Wasser ausgebreitet. Befürchtet wurde, dass der Tanker ganz leck schlagen oder explodieren könnte, was eine Schädigung des marinen Ökosystems in großem Ausmaß zu Folge hätte. Alle vorbeifahrenden Schiffe wurden davor gewarnt, sich dem havarierten Tanker zu nähern, da die Gefahr eines plötzlichen Kenterns oder einer Explosion bestand.
Aufgrund von Winden und Seeströmungen änderte sich die Treibrichtung des Tankers und am 17. März meldeten die libyschen Hafenbehörden, dass das Schiff in Richtung libyscher Gewässer driftet. Befürchtet wurde auch, dass es sich Ölplattformen nähern könnte.
Am 23. März befand sich der Havarist nur noch 65 Kilometer von der libyschen Küste entfernt. Da dort regnerisches Wetter herrschte, wurde befürchtet, dass die giftige Methangaswolke abregnen und die Böden schädigen könnte. Italienische und russische Seestreitkräfte beobachteten den Tanker aus der Ferne, wagten es aber nicht, sich ihm zu nähern.
Tanker bedroht libysche Städte sowie Erdgas- und Erdölanlagen
Als sich der Tanker auf etwa 44 Kilometer der libyschen Stadt Zuwara genähert hatte, schlug deren Gemeinde Alarm. Bei Zuwara befindet sich der Mellitah Öl- und Gaskomplex, über den die Öl- und Gaslieferungen nach Italien erfolgen. Obwohl die libysche National Oil Corporation über die Mellitah Company einen Vertrag mit einem auf Tankerunfälle spezialisierten ausländischen Unternehmen abgeschlossen hatte, waren laut der Gemeinde von Zuwara keinerlei Aktivitäten zu beobachten. Ein Video zeigt das verrußte und leckgeschlagene Schiff auf dem Meer vor der libyschen Küste treibend.
Die Bewohner sahen eine riesige Umweltkatastrophe auf sich zu kommen und beschworen die zuständigen Behörden, Maßnahmen zu ergreifen, um den Schutz der Umwelt und die Sicherheit der Bürger an die oberste Stelle zu setzen.
Nun warnte auch Hossam asch-Schaft von der Libyschen Gesellschaft zum Schutz der Wildtiere davor, das Eingreifen noch weiter zu verzögern, da die gesamte Region einschließlich der Städte Zuwara, Sabratha und Zawiya zum Katastrophengebiet werden könnte.
Aufgrund der Nichtbeachtung der drohenden Katastrophe durch die Regierung in Tripolis ergriffen die Bewohner der Küstenstadt die Initiative und blockierten auf dem Gelände des Mellitah-Komplex die für den Export wichtige Gaspipeline. Erst nachdem der Verantwortliche der Mellitah Company und der Direktor des italienischen Mitbetreibers Eni den Demonstranten versichert hatten, dass der beschädigte russische Tanker nicht in libysche Gewässer einlaufen und Schlepper zur Bergung eingesetzt würden, waren laut dem Ältestenrat von Zuwara die Demonstranten bereit, den Industriekomplex wieder zu verlassen.
Endlich gab am 24. März die libysche National Oil Corporation die Einrichtung eines zentralen Operationszentrums in Abstimmung mit internationalen Partnern zur Krisenbewältigung bekannt.
Das Verteidigungsministerium der Regierung in Tripolis erklärte am selben Tag, dass es einem Spezialteam gelungen sei, den Tanker zu sichern und sein Zutreiben auf die Küste zu stoppen. Drei Schlepper hätten ihn in sicherer Entfernung zur Küste und den Ölplattformen verankert. Es bestünde keine unmittelbare Gefahr.
Die libysche Erdölgewerkschaft, die die Entwicklungen rund um den russischen Gastanker gemeinsam mit Sicherheitsexperten kontinuierlich verfolgt, berichtete, dass das Kühlsystem des Tanker ausgefallen und ein Teil der Gasladung in den gasförmigen Zustand übergegangen ist. Da sich das Gas aber weit von den Küsten entfernt verteilt habe, seien vor Ort keine unmittelbaren Auswirkungen zu befürchten.
Laut der National Oil Corporation wurde am 25. März ein Fachausschuss gebildet, der die notwendigen Präventivmaßnahmen ergreifen soll, um mögliche Umweltschäden zu minimieren und die libysche Küste zu schützen.
In Abstimmung mit den russischen und maltesischen Behörden hinsichtlich der technischen Verfahren zur maritimen Sicherheit wurde laut dem Verkehrsministerium in Tripolis vereinbart, die Libysche Nationale Ölgesellschaft mit dem Entladen des havarierten Tankers auf hoher See zu beauftragen.
Empörung in Libyen über Ignoranz der Verantwortlichen
Es dürfte klar sein, dass Libyen gerade an einer riesigen Umweltkatastrophe vorbeigeschrammt ist. Von vielen Seiten wurde daher Kritik an den libyschen Behörden laut, da sie zu spät und zu zögerlich auf die Gefahren durch den havarierten Gastanker reagiert hätten. Sowohl der Schutz der Meeresumwelt als auch der libyschen Ölanlagen müssten gewährleistet sein, ebenso wie die Sicherheit der Schifffahrt. Dazu sei eine enge Zusammenarbeit zwischen den zuständigen nationalen Institutionen sowie der Austausch mit internationalen Gremien wichtig.
Der Vorfall deckte auf staatlicher Ebene deutliche Mängel im Umgang mit Umweltkatastrophen auf, die es unverzüglich zu beheben gilt. Daneben fehlt es an einer souveränen Staatsmacht, die von anderen Ländern fordert, die libysche Souveränität zu achten.
Unverantwortliche ukrainische Kriegshandlungen in neutralen Gewässern
Der Sicherheitsausschuss des libyschen Parlaments verurteilte den Angriff auf den zivilen russischen Tanker als maritimen Terrorakt, der die Sicherheit der internationalen Schifffahrt gefährde und einen bedenklichen Präzedenzfall schaffe, aufgrund dessen der gesamte Welthandel über das Mittelmeer beeinträchtigt werden könnte. Die Annäherung des havarierten Tankers an den wichtigen Erdöl- und Gaskomplex Mellitah bedrohe die Sicherheit und gefährde die libysche Wirtschaft. Es müsse dringend eine umfassende internationale Ermittlung durchgeführt und die Verantwortlichen des Anschlags müssten ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden. Libyen behalte sich Schadensersatzforderungen vor.
Der libysche Journalist Khalil al-Hassi sieht die Gefahr, dass Libyen in den Stellvertreterkrieg zwischen USA/NATO und Russland gezogen wird und weitere terroristische Angriffe von seinem Gebiet aus erfolgen könnten. Dadurch werde Libyen zu einem potenziellen Ziel für Präventiv- oder Vergeltungsmaßnahmen und verdeckte Operationen.
Dass solche Ängste nicht unbegründet sind, zeigte erst am 19. März ein Sabotageakt an einer wichtigen libyschen Erdölpipeline und den durch eine Explosion ausgelösten Großbrand, der erst nach Tagen unter Kontrolle gebracht werden konnte und das große al-Fil-Erdölfeld bis heute stilllegt.
Tatsächlich eröffnet sich ein sehr gefährliches Szenario, in dem Libyen zu einer Bühne für internationale Konflikte wird. Es wird befürchtet, dass durch das Fehlen einer effektiven Küstenüberwachung der Weg für die Infiltration von Militäreinheiten frei ist, die libysches Territorium auch für Operationen im Ausland nutzen könnten.
Bisher pflegten die Militärmachthaber im östlichen Libyen, der von der CIA ausgebildete Khalifa Haftar und seine Söhne – alle mit us-amerikanischen Pässen ausgestattet –, gute Kontakte zu Russland, von dem es auch militärisch unterstützt wurde. Allerdings sind in letzter Zeit die Annäherungen an den Westen, insbesondere an die USA und Großbritannien, unübersehbar. Das Ziel der USA ist es, Russland vollständig aus Libyen zu verdrängen, um die alleinige Kontrolle über die dortigen Rohstoffe und die Libysche Zentralbank auszuüben. Erst dieser Tage war der britische Geheimdienstchef in der ostlibyschen Stadt Bengasi zu Besuch. Geopolitical Desk bemerkte: „Das Engagement in Ostlibyen nimmt Fahrt auf. Dies geschieht nicht isoliert. Saddam Haftar hat das vergangene Jahr damit verbracht, Beziehungen in der Türkei, Pakistan, Italien, den USA und darüber hinaus aufzubauen und die außenpolitische Ausrichtung der LNA [Haftars Militärkräfte] stetig umzugestalten.“
Im Westen: Umweltthema großgeschrieben – Umweltkatastrophen kaum eine Meldung wert
Das südliche Mittelmeer ist insbesondere seit der Blockade der Straße von Hormus für Schiffe von Staaten, die dem Iran feindlich gegenüberstehen, zu einem wichtigen Transportweg geworden, weil es eine Verbindung zwischen der Meerenge von Gibraltar, die Durchfahrt zum Atlantik, und dem Suez Kanal in Ägypten darstellt.
Kriegerische Angriffe auf Handelsschiffe auch im Mittelmeer werden zukünftig globale Schifffahrts- und Versicherungsunternehmen veranlassen, das Risikoniveau bei Schifffahrt und Gütertransport neu zu bewerten. Die weitere Erhöhung von Gas- und Ölpreisen ist die Folge. Nicht übersehen werden sollte auch, dass in der äußerst angespannten gegenwärtigen Versorgungslage bei einer Beschädigung beispielsweise des Mellitah-Komplexes auch die Gas- und Ölpipelines von Libyen nach Italien stillgelegt werden können.
Während in den deutschen Medien das Thema Klima und dessen „Rettung“ großgeschrieben wird, herrscht weitgehend Stillschweigen über die ukrainischen Terrorakte, bei denen riesige Methanmengen in die Umwelt gelangen, und die das Potential zu erschreckenden Umweltkatastrophen im schon stark geschädigten Mittelmeer und an dessen Küsten haben.





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