Aufgrund der Ungeheuerlichkeit des brutalen Mordes an Saif al-Islam Muammar Gaddaf am 3. Februar 2026, seiner von Menschenmassen begleiteten Beisetzung in Bani Walid am 6. Februar 2025 und den vielen diesbezüglichen Stellungnahmen aus Libyen und dem Ausland widmet sich dieser Nachrichtenüberblick fast ausschließlich diesen Themen; Themen, denen die deutschen Medien ein dröhnendes Schweigen widmen.
Im Anschluss einige wenige innerlibysche Nachrichten.

Der Anschlag

Beisetzung Dr. Saif al-Islam Muammar Gaddafi am 6. Februar 2026 in Bani Walid

+ Abdullah Othman, Leiter des politischen Teams des ermordeten Saif al-Islam Gaddafi, zum Tathergang: Die Täter schossen sieben Mal auf Saif al-Islam; einige Kugeln trafen seinen Körper, einige blieben in der Wand stecken. Die siebte Kugel war die „Hinrichtungskugel“, da sie von oben genau auf die Mitte des Schädels gerichtet war und hinten wieder austrat. Die Täter wollten seinen sofortigen Tod sicherstellen.
Saif al-Islam setzte auf eine Strategie der Geheimhaltung bei seinen Bewegungen, anstatt auf massive Sicherheitsvorkehrungen, die Aufmerksamkeit erregt haben könnten.
Zum Zeitpunkt der Tat hatte der für seine Sicherheit verantwortliche Ibn al-Adschami al-Ateiri das Haus verlassen, um Milch zu holen. Während eines Telefonats mit einem Mitglied des politischen Teams teilte Saif al-Islam diesem mit, er habe ungewöhnliche Geräusche gehört und bat ihn zu warten. Der Gesprächspartner hörte Schüsse und kontaktierte sofort al-Ateiris Sohn, der daraufhin zurückkehrte. Die Täter waren jedoch bereits geflohen.

+ Abdullah Othman: Wir haben unsere Teilnahme am Nationalen Versöhnungskomitee im Rahmen des Strukturierten Dialogprozesses bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse der offiziellen Untersuchungen zum Attentat auf Saif al-Islam ausgesetzt.

+ Anwaltsteam des ermordeten Saif al-Islam Muammar Gaddafi am 10. Februar: Wir stehen in direktem und kontinuierlichem Kontakt mit der Staatsanwaltschaft, die die Weiterverfolgung der Ermittlungen sicherstellt, die Vertraulichkeit wahrt und zu genauen und verlässlichen Ergebnissen führen wird, um die ganze Wahrheit ans Licht und die Täter vor Gericht zu bringen. Die Wahrung der Integrität und Unabhängigkeit der Ermittlungen hat oberste Priorität. Dieser Fall muss vor jeglicher medialer Instrumentalisierung oder präventiver Maßnahme bewahrt werden, die seinen Verlauf beeinträchtigen könnten.

+ Saadi Muammar Gaddafi: Wir beschuldigen derzeit niemanden des Mordes an Saif al-Islam. Alle Behauptungen oder Gerüchte, wir würden eine bestimmte Partei oder Person beschuldigen, sind reine Erfindung. Wir warten die Ergebnisse der Ermittlungen ab und vertrauen der libyschen Justiz.

+ In der Hauptstadt Tripolis hängen Bürger am Tag nach der Beisetzung von Saif al-Islam Muammar Gaddafi dessen Bilder in den Straßen und Wegen der Viertel Bab al-Aziziya/al-Sari/Abu Salim/Gargur/al-Falah auf.

Trauerfeiern

+ Aschtawi al-Dschaddi (Diplomat): Die Beisetzung von Saif al-Islam Muammar Gaddafi war nicht nur ein letzter Abschied, sondern entwickelte sich zu etwas, das einem Volksentscheid ähnelte, bei dem Anhänger des ehemaligen Regimes deutlich ihre Position zum Ausdruck brachten: Wir waren und sind dem Bund treu.

+ Scheich Ali Mansur, der die Delegation der Trauernden vertrat, in seiner Rede: Wahrer Trost liegt darin, an Saif al-Islams Moralvorstellungen festzuhalten, standhaft bei seinem Projekt zu bleiben und auf seine Verwirklichung hinzuarbeiten.
Jemand muss nach Saif al-Islam die Fahne hochhalten, um Libyen vor dem Untergang zu bewahren. Lasst uns daran arbeiten, seinen Weg zu vollenden.
Seine Beerdigung mit einer Million Teilnehmern beweist, dass die Menschen davon überzeugt sind, dass Saif al-Islam ihre Anliegen vertrat. Es muss ein neuer Anführer aufsteigen, um das Werk des verstorbenen Anführers zu vollenden, auch wenn die Lage nicht einfach ist. Ein souveräner, geeinter Staat, der auf Frieden und auf Brüderlichkeit und nicht auf Krieg beruht, muss wiederhergestellt werden; dies war es, was Saif al-Islam erhoffte und worauf er hinarbeitete.

+ Achmed al-Kilani (Blogger): Die meisten der Trauergäste bei der Beerdigung von Saif al-Islam Muammar Gaddafi waren einfache Leute, gezeichnet von den Umständen, geplagt von Geldmangel und der Höhe der Lebenshaltungskosten. Dennoch waren sie alle gekommen, um Abschied von Saif als einem Symbol zu nehmen, das sie als Teil ihrer Heimat betrachteten.

+ Der Sozialrat des Gaddafi-Stammes gab verschiedene Orte bekannt, an denen Beileidsbekundungen für den ermordeten Saif al-Islam Muammar Gaddafi entgegengenommen werden.

+ Am 8. Februar empfing der Gaddafi-Stamm die Delegationen anderer Stämme, die ihr Beileid zum Tod des Märtyrers Saif al-Islam Gaddafi aussprachen. Fotos.

+ Ali Ramadan Dabnun, Oberhaupt des Sozialrats des Gaddafi-Stammes, in einer Rede: Die Libyer haben gestern Saif al-Islam zum Präsidenten Libyens ernannt. Die Beerdigung von Saif al-Islam glich einem Gang zur Wahlurne. Einige schätzten die Zahl der Trauergäste bei Saif al-Islams Beerdigung auf eine Million, andere auf anderthalb Millionen. Alle Libyer teilen die Trauer um Saif al-Islam. Saif al-Islam Gaddafi war die Hoffnung aller Libyer, diese Krisen, die Libyen durchmacht, zu überstehen.

+ Ali Abu Sabiha (Vorsitzender des Obersten Rates der Südlichen Stämme und Städte: Der Märtyrer Saif al-Islam war der Einzige, der den libyschen Staat wiederherstellen wollte.
Diejenigen, die an der Beerdigung teilnahmen, stammten aus allen Bevölkerungsschichten Libyens.
Das libysche Volk hat ein hohes Bewusstsein erreicht, und dies ist ein großer Erfolg, der Saif al-Islam zuzuschreiben ist. Es ist für Libyen unerlässlich geworden, sich aus der gegenwärtigen Krise zu befreien.
Unser Ziel ist ein Land, das danach strebt, seine Bevölkerung glücklich zu machen und seiner Jugend eine Zukunft zu geben, ohne zwischen Söhnen und Töchtern oder zwischen Februar-Lager und September-Lager zu unterscheiden.

+ Vertreter der Delegation des Maschaschya-Stammes: Saif al-Islam ist unser Bruder und unser Sohn. Er wurde als Märtyrer getötet, doch Tausende von Saifs [Schwertern] erheben sich an seiner Stelle. Wir werden standhaft bleiben bis zum letzten Augenblick und bis zum letzten Tropfen unseres Blutes.

+ Vertreter der Tuareg-Delegation: Die Millionen, die ihm die letzte Ehre erwiesen, repräsentierten alle Bevölkerungsgruppen Libyens. Das libysche Volk wird vereint bleiben, bis es sein Ziel erreicht hat.

+ Vertreter des Maadan-Stammes: Saif al-Islam Gaddafi widmete sein Leben dem Dienst an der Nation und ihren Bürgern. Er wird für Generationen ein Leuchtfeuer bleiben.

+ Vertreter aus der Stadt al-Dschamil: Seine Ermordung ist Teil einer weltweiten Verschwörung gegen Libyen, die das arabisch-islamische Projekt begraben wollte. Die Welt ist sich sehr wohl bewusst, dass der Einfluss der Familie von Muammar Gaddafi weiterhin bedeutend ist, da es das arabische und islamische Projekt anführt.

+ Vertreter des al-Fawakhir-Stammes: Seine Zeit war geprägt von Gegnern seiner Ideen im In- und Ausland; im Ausland von den Kolonialmächten und im Inland von Agenten, die nicht ruhten, bis sie ihn beseitigt hatten.

+ Würdenträger aus Zliten: Saif al-Islam Gaddafi wurde durch verräterische Hände ermordet. Wir werden ihm nachfolgen, bis das Vaterland triumphiert und seine Souveränität wiederhergestellt ist.
Heimatländer werden nur durch das Opfer ehrenhafter Menschen wie Saif al-Islam und des Märtyrers Muammar Gaddafi bewahrt. Wir bekräftigen unsere Entschlossenheit, das Vaterland von diesen Verrätern und Handlangern des Kolonialismus zu befreien.
Wir sind entschlossen, den Weg von Saif al-Islam Gaddafi konsequent weiterzugehen und wir werden unser Versprechen halten. Saif al-Islam Gaddafi trägt ein historisches und dschihadistisches Erbe von seinem Märtyrervater Muammar Gaddafi in sich.
Wer den fastenden Märtyrer Saif al-Islam Muammar Gaddafi verraten hat, hat die gesamte Nation verraten.

+ Vertreter des Adschilat-Stammes: Die Abertausende, die an der Beerdigung von Saif al-Islam Gaddafi teilnahmen, beweisen, dass er die Wahlen gewonnen hat. Saif al-Islam Gaddafi hinterließ tausende Saif al-Islams, die nach ihm kommen werden.

+ Scheich Abdullah Ayash al-Madani, Würdenträger des al-Madani-Stammes: Wir hoffen nur auf die Einigung unseres Landes, dass Gott unseren Märtyrern vergibt und uns alle unter seinem Banner vereint.

+ Ali as-Senussi, Würdenträger der Wirschefana-Stämme: Das Vaterland in seiner ganzen Größe, vom Osten, Westen und Süden, fanden wir in Bani Walid, an diesem ehrenvollen Ort, verkörpert.
Bani Walid symbolisiert den Beginn der Entstehung einer Befreiungsbewegung unter allen ehrbaren Menschen in der gesamten arabischen Welt, die den Weg Saif al-Islams fortsetzt, um das Vaterland zu befreien.
Wir werden Widerstand leisten, ungeachtet des Preises, den wir zahlen müssen, denn wir alle haben bereits einen Preis gezahlt, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Einige von uns wurden vertrieben, andere haben ihre Kinder oder Gliedmaßen verloren.

+ Vertreter des Nawael-Stammes: Seine Beisetzung ist eine Botschaft an die Welt, dass die Widerstandsbewegung nicht sterben wird. Wir sind aus dem äußersten Westen Libyens gekommen um unser Beileid auszusprechen.
Wir sind voller Trauer um den Helden, der alles für sein Volk, sein Land und seine Nation geopfert und bis zum Ende gekämpft hat. Diejenigen, die bis zum Ende kämpfen, sind mutig, und die Mutigen sterben nie.
Wir sind voller Trauer, was der Gaddafi-Familie angetan wurde, angefangen mit dem Tod von Saif al-Arab, Khamis und al-Mutassim, Söhne des gefallenen Heldenführers, der auf der goldenen Seiten der Geschichte verewigt ist.

+ Die Delegation des Awlad-Suleiman-Stammes: Was wir bei der Beisetzung gesehen haben, ist ein Beweis für die Liebe des Volkes zu Saif al-Islam. Wir sprechen allen unser Beileid aus.

+ Abdul Hamid al-Ghattas (Persönlichkeit von Bani Walid): Für Saif al-Islam Muammar Gaddafi war Würde kein Slogan, sondern ein Weg. Er verlangte nicht nach Sicherheit, sondern nach Frieden, und er wusste, dass der Weg steinig und der Preis hoch war, doch er schritt voran.
Saif al-Islam war kein gewöhnlicher Mensch, sondern die Verkörperung einer Idee und das Fundament eines Projekts, in dem Libyen nicht auf Rache, Ausgrenzung oder Hass beruht. Er glaubte, dass Versöhnung keine Schwäche ist, sondern der einzige Weg, der nicht über die Köpfe unschuldiger Menschen führt.
Saif al-Islam stellte sich der ausländischen Präsenz entgegen und bekämpfte die Verletzung der Souveränität mit eiserner Faust.

+ Rat der Ältesten und Würdenträger des Nawail-ThronsStammes: Die Kultur der Gewalt wird Libyen und sein Volk in weiteres Blutvergießen und Hass stürzen und keine Stabilität hervorbringen, sondern jegliches Gefühl des friedlichen Zusammenlebens und des Vergessens der Vergangenheit zerstören.

+ Abdulhamid Issa Khader (Führungspersönlichkeit aus Misrata) über Safia Farkasch, Witwe von Muammar Gaddafi: Einen Sohn verloren, dann noch einen Sohn, dann noch einen Sohn, dann einen Ehemann, dann noch einen SohnWie viel kann diese trauernde, verlassene Mutter noch ertragen?

+ Abdul Hamid Issa Khader (Anführer Misrata): Das Vaterland ist zerrissen und besetzt. Nachdem es durch seine Mudschahedin-Vorfahren befreit worden war und durch seine Gründerväter seine Unabhängigkeit erlangt hatte, können sich heute alle ausländischen und regionalen Streitkräfte frei darin bewegen. Leider haben wir das Vaterland verkauft und verraten.
Es gibt keinen Februar 2011, denn er war eine westliche Verschwörung, die nicht Muammar Gaddafi persönlich, sondern das Vaterland Libyen zum Ziel hatte. Wenn wir nicht aufstehen, werden Gott und unsere Kinder uns zur Rechenschaft ziehen. Das Martyrium von Saif al-Islam muss ein nationales Erwachen zur Befreiung Libyens sein.

+ In der britischen Stadt Sheffield hielt die libysche Gemeinde eine Gedenkfeier für Saif al-Islam Gaddafi ab. Das anhaltende internationale Schweigen zu diesen Verbrechen stelle eine indirekte Mittäterschaft dar, trage zur Verfestigung von Gewalt und Chaos bei und untergrabe jegliche ernsthaften Gespräche über Frieden und Stabilität in Libyen.

+ Die Volksbewegung in Tunis wird am 14. Februar eine Gedenkfeier für den ermordeten Saif al-Islam Muammar Gaddafi in Anwesenheit von Vertretern mehrerer libyscher Stämme abhalten. Die Auswirkungen auf Libyen und die Region sollen dabei analysiert werden.

Stellungnahmen aus Libyen

+ Video Interview mit Moussa Ibrahim: Saif al-Islam war der Weg zurück zu einem Libyen für die Libyer, zu Souveränität und Freiheit von westlicher Einmischung.

+ Fathi asch-Schibli, Vorsitzender der Partei Stimme des Volkes: Saif al-Islam Muammar Gaddafi starb mit dem Traum einer freien Nation im Herzen.
Die Entscheidung, Saif al-Islam zu ermorden, war eine internationale Entscheidung von Ländern, die genau wussten, dass sein Machtantritt unzählige Fakten offenlegen würde, angefangen bei den Kosten ihrer Intervention in Libyen Jahr 2011 bis hin zur Ermordung seines Vaters. Mit Saif al-Islam hätten sie den Einflusses innerhalb des Landes verloren. Der Täter mag ein Einheimischer gewesen sein, doch derjenige, der die Entscheidung zur Ausführung des Attentats traf, war ein Ausländer.
Die Beerdigung von Saif al-Islam Gaddafi, zu der sich eine riesige Menschenmenge aus dem ganzen Land versammelte, stellte ein Volksreferendum über seinen Status dar. Wenn es nicht die Sicherheitslage und die weiten Entfernungen gegeben hätte, wäre die Teilnehmerzahl noch viel höher gewesen.

+ Das Nationale Versöhnungsteam von Saif al-Islam Muammar Gaddafi warnte die am Versöhnungsprozess beteiligten Parteien davor, das Verbrechen von Saifs Ermordung zu ignorieren.
Dr. Saif al-Islam Muammar Gaddafi hat sich jahrelang in seiner nationalen und politischen Funktion und mit Überzeugung für die nationale Versöhnung eingesetzt. Dieses Engagement zeigte sich mittels seiner direkten Beteiligung am Versöhnungsprozess, der unter der Schirmherrschaft und Aufsicht der Afrikanischen Union eingeleitet wurde. Er trug aktiv zur Ausarbeitung der Charta für Frieden und nationale Versöhnung bei, was zu ihrer Unterzeichnung in Addis Abeba führte. Die Charta dient als verbindlicher Rahmen für alle libyschen Parteien.
Saif al-Islam leitete auch die Arbeit des Obersten Rates für Frieden und Versöhnung, da er an die Notwendigkeit glaubte, diesen Weg in eine greifbare politische und rechtliche Realität umzusetzen.
Er wurde das Opfer von Verrat und Heimtücke. Die abscheuliche kriminelle Tat beweist die Feindseligkeit bestimmter Kräfte gegenüber Demokratie und Frieden und ihre Ablehnung jeder echten nationalen Versöhnung. Dr. Saif al-Islam starb als Märtyrer für sein Land, seine Prinzipien und die Werte der Versöhnung und nationalen Einheit, für die er bis zum letzten Atemzug kämpfte.
Das Ignorieren dieses abscheulichen Verbrechens durch einige am Versöhnungsprozess beteiligten politischen Parteien stellt eine direkte Untergrabung des nationalen Versöhnungsprozesses dar. Dies ist eine gefährliche Botschaft, nämlich dass Gewalt und Verrat nach wie vor der schnellste Weg sind, Rivalen in der politischen Arena auszuschalten.

+ Hassan al-Mabruk (Libyscher Stammesrats): Die Ermordung des heldenhaften Märtyrers Saif al-Islam Muammar Gaddafi war eine geplante Verschwörung internationaler Mächte, da diese Saif al-Islams nationale Ausrichtung und seine Vaterlandsliebe nur durch ein Attentat überwinden konnten. Die internationale Gemeinschaft stellte sich damit gegen das gesamte libysche Volk.
Das libysche Volk wird weiterhin Widerstand leisten und das nationale Projekt zur Vereinigung der Libyer fortsetzen. Es ist eine schwierige Phase, da eine Medienkampagne läuft, die alle politischen Programme und das Projekt, das niemanden ausschließen will, zu verzerren versucht. Der libysche Widerstand wird weitergehen.

+ Brigadegeneral al-Adschami al-Ateiri warnte in einer Videobotschaft vor der Verbreitung von Zwietracht unter den Menschen in Zintan, da das Ziel die Zerstörung des sozialen Gefüges gewesen sei:
Feinde wollen euch spalten und gegeneinander aufhetzen, damit sie und ihre Agenten eure Rohstoffe ausbeuten und euer Land beherrschen können, während ihr mit euren Kämpfen gegeneinander beschäftigen seid.
Wir werden die Verräter nicht ungestraft davonkommen lassen und alles daransetzen, sie zu entlarven und ihrer gerechten Strafe zuzuführen.
Ich beschwöre Euch im Namen Gottes, gegen die Aufwiegelung anzukämpfen, ihnen kein Gehör zu schenken und im Interesse der Nation die Hand zur Versöhnung auszustrecken.

+ Dschamal Dschawhar (Autor): Durch die Ermordung von Saif al-Islam in ihrer Stadt verlor Zintan viel, da ihr politisches Gewicht von Saifs Anwesenheit abhing.
Dieses Gebiet ist von all jenen umgeben, die die Anwesenheit von Saif al-Islam hassten, angefangen beim Dabaiba-Lager bis hin zu Khalifa Haftar und seinen Söhnen, wobei das Dabaiba-Lager ein Profi im Ausführen von Attentaten ist. Insbesondere profitierten die USA vom Tod Saifs, da sie ihre Interessen in Libyen langfristig sichern wollen.
Bei den Treffen zwischen Saddam Haftar und Ibrahim Dabaiba in Rom und Paris wurde eine Einigung erzielt, wonach Saif al-Islam ein Hindernis für die Sicherung von Interessen und die Machtteilung auf libyschem Gebiet darstellt.
Da sich Saif al-Islam weder dem östlichen noch dem westlichen Lager anschloss, kann eine Beteiligung beider Seiten an dem Attentat nicht ausgeschlossen werden.

+ Nasser Said (Libysche Nationale Volksbewegung):Die Frage nach einer neuen Führungspersönlichkeit oder eines neuen Symbols ist Gegenstand der nächsten Phase, da es sich um ein intellektuelles und ideologisches Projekt handelt, das nicht an Einzelpersonen gebunden ist. Er stand für ein umfassendes nationales Projekt, das ausländische Interventionen ablehnt und die Wiederherstellung von Souveränität und Stabilität anstrebt.

+ Asaad Zahyu (Vorsitzender der Nationalen Union Libyscher Parteien): Das Attentat zielte darauf ab, das von ihm geleitete politische Projekt zu beenden, da er ein Hindernis für internationale Projekte darstellte.
Die Ermordung von Saif al-Islam war ein Attentat auf Frieden und Stabilität, und ich befürchte, dass wir in Libyen in eine neue Serie von Attentaten eintreten werden.
Saif al-Islam war ein Mann der Versöhnung, der sich für Wirtschaftsreformen einsetzte und viele Gegner zurückbrachte, die sich während der Herrschaft seines Vaters im Ausland aufgehalten hatten.
Das politische Projekt von Saif al-Islam wird unter neuen Führungspersonen fortgesetzt, und seine Bewegung wird ein kontinuierliches Projekt zur Umsetzung seiner Ideen verfolgen.
Es gibt einen internationalen Willen, Wahlen im Jahr 2026 abzuhalten, vorher musste Saif al-Islam entfernt werden.

+ Mustafa az-Zaidi (ehemaliger Anführer der Revolutionären Komitees und Vorsitzender der Partei der Volksbewegung): Die heimtückischen Kugeln, die auf den Märtyrer Saif al-Islam Muammar Gaddafi abgefeuert wurden, trafen das nationale Versöhnungsprojekt.
Die Versöhnung hat dem grünen Spektrum nichts gebracht, da sie weder zur Freilassung von Gefangenen geführt hat, die zu Unrecht inhaftiert wurden – und diejenigen, die freigelassen wurden, wurden nicht durch sie, sondern durch bilaterale Übereinkünfte und Vereinbarungen freigelassen –, noch zur Regelung der Entschädigungs- und Wiedergutmachungsfragen oder gar zur Rückkehr von Binnenvertriebenen und Migranten in ihre Heimat beitrug.
Im Laufe der Zeit wurde die Idee von Wahlen durch fragwürdige Dialogprojekte ersetzt, die auf eine beschämende und absurde Machtteilung abzielten, die nun schon seit elf Jahren besteht. Die Folge waren Chaos, Fremdherrschaft, die Plünderung der Ersparnisse und Ressourcen des libyschen Volkes und das Abrutschen der Mehrheit der Libyer an den Rand der Armut.

+ Saleh Ibrahim (ehemaliger Direktor der Akademie für Graduiertenstudien): Libyen wird in einem Teufelskreis gefangen gehalten, bis alle Phasen der Teilung abgeschlossen sind und die Libyer sich verloren und orientierungslos wiederfinden.

+ Mohammed Ambiwa (Dichter): Der Märtyrer Saif al-Islam Muammar Gaddafi weigerte sich, einem Krieg gegen seine Brüder zu befeuern und gegen sie zu kämpfen. Als viele sich davor drückten, übernahm er Verantwortung, und er ging standhaft seinen Weg, wissend, dass er den Preis für seine Haltung mit Blut und dem Märtyrertod bezahlen würde.

+ Aqila Dalhum: Die Ermordung von Saif al-Islam ist keine kriminelle Handlung, sondern ein ausgewachsenes politisches Verbrechen. Dieses Verbrechen zielte auf ein nationales Symbol und einen einigenden nationalen Weg, der die Idee des Staates und das Konzept der Versöhnung wiederhergestellt hätte.
Die Offenlegung aller an dem Verbrechen Beteiligten, einschließlich Täter, Planer, Anstifter und Komplizen, ist eine rechtliche, nationale und soziale Verantwortung, die keinerlei politischen Erwägungen unterliegen sollte.
Jegliche Versuche werden zurückgewiesen, Saif al-Islams nationales Projekt zu vereinnahmen oder es in militärische oder regionale Bündnisse hineinzuziehen: Das Projekt war und bleibt ein einigendes nationales Projekt.

+ Ezz ad-Din Ghamid (Analyst): Die Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi kommt einer Beseitigung des stärksten und populärsten politischen Gegners auf der libyschen Bühne gleich. Die Grüne Bewegung (Gaddafi-Anhänger) gilt als Eckpfeiler des bevorstehenden politischen Spiels. Die Macht wird demjenigen zuteilwerden, dem es gelingt, ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen politischen Kräften ohne Ausschluss oder Marginalisierung herzustellen.

+ Mohammed Aoun (von Dabaiba kaltgestellter Ölminister): Versöhnung kann nicht gelingen, ohne die Missstände anzugehen und eine gerechte Bestrafung der Täter und korrupten Personen sicherzustellen.

+ Khaled Ali: Die Justiz hatte Saif al-Islam freigesprochen, sodass er bei Wahlen kandidieren konnte. Das Ziel seines Projekts war klar: das Blutvergießen und das Eindringen von Milizen zu beenden sowie einen respektablen Staat und die von ihm angestrebte umfassende nationale Versöhnung zu schaffen. Die große Chance, auf eine echte Versöhnung wurde jetzt verpasst, da Saif al-Islam dieses Projekt verkörperte.

+ Mustafa ad-Darsi (ehemaliger Sekretär des Allgemeinen Volkskomitees für Jugend und Sport): Saif al-Islam wurde die Möglichkeit geboten, das Land zu verlassen und ein Leben in Luxus zu führen, doch er lehnte ab. Er erklärte bereits 2011, dass er in Libyen leben und sterben wird.
Sein Ziel war es, Libyen von ausländischer Besatzung und Militärbasen zu säubern. Saif al-Islams Projekt war der Grund für seine Ermordung, denn er ging keine Kompromisse bei den Interessen Libyens oder der Libyer ein.
Es gibt keine Streitigkeiten zwischen den Söhnen des libyschen Volkes, im Osten, Westen und Süden. Vielmehr besteht eine Auseinandersetzung zwischen den Söhnen des libyschen Volkes und den Feinden des Volkes.
Saif al-Islam war eine Symbolfigur, um die sich viele Libyer scharten. Er warnte davor, innerhalb des eigenen Volkes zu kämpfen und dessen Ressourcen zu verschwenden. Genau das geschah, und die Tragweite der Situation wurde allen Libyern deutlich.
Saif al-Islam genoss weltweit großen Einfluss, unter Jugendlichen und in politischen Kreisen. Er stand den Plänen im Weg, das Land zu spalten, seinen Reichtum und seine Ressourcen zu rauben und seine Souveränität zu verletzen.

+ Maria al-Haschemi (Politikwissenschaftlerin): Die Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi ist ein schwerer Schlag für die Chancen auf nationale Versöhnung und lässt die Stabilität Libyens in der Gewalt der an der Macht festhaltenden Kräfte zurück, auf Kosten echter Reformen.

+ Mustafa al-Fituri (Autor): Die Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi werde den Status quo, dass Libyen ein zersplittertes Land bleibt, weiter verfestigen. Die Überzeugung wird verstärkt, dass das „neue Libyen“ nach dem Februar 2011 ein gescheitertes Experiment ist. Die beispiellose und breite Teilnahme an Saif al-Islams Beerdigung bestätigte deutlich, dass es sich nicht bloß um Nostalgie handelte, sondern um eine scharfe Verurteilung des Versagens Libyens nach dem Februar 2011.

+ Khalil al-Hassi (Journalist): Die Ermordung von Saif al-Islam Muammar Gaddafi ist äußerst schwerwiegend und wird die politische und soziale Lage weiter verkomplizieren. Saif al-Islam war der Kandidat eines großen Teils des libyschen Volkes und hatte Unterstützer im Sozial- und Sicherheitssektor.
Dieses Verbrechen gibt Anlass zur Sorge über den unkontrollierten Einsatz von Gewalt in Libyen und sendet gleichzeitig eine politische Botschaft an jeden populären Präsidentschaftskandidaten, sich eine Kandidatur gut zu überlegen.

+ Hafez al-Ghawil (Politologe): Saif al-Islam stellte eine Bedrohung für das Haftar-Lager dar, auch Milizennetzwerke im Westen Libyens hatten ein Interesse daran, ihn loszuwerden. Die Kriegswirtschaft im Westen Libyens lebt von Fragmentierung statt von Vereinigung; daher stellte eine Figur wie Saif al-Islam eine Bedrohung für auf gemeinsamen Interessen beruhende Bündnisse dar.
Die Beseitigung einer symbolträchtigen Persönlichkeit wie Saif al-Islam öffnet die Tür für neue Formen der Milizenmobilisierung, neue Rivalitäten und neues Misstrauen und erschwert somit die Erreichung von Stabilität.

+ Ibrahim Beit Elmal (libyscher Konsul in Casablanca): Das Attentat auf Saif al-Islam Gaddafi wurde von außen geplant und von innen ausgeführt. Seine Ermordung in Zintan wirft Fragen auf.

+ Dschaballah asch-Schaibani (Parlamentarier): Es sollte ein Referendum über die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lösungsansätze, die Muammar Gaddafi hinterlassen hat, abgehalten werden.

+ Mohammed al-Barasi (Journalist):  Die „Neutralisierung“ von Saif al-Islam Gaddafi entsprach dem Wunsch einflussreicher Parteien, die Gefahr von Überraschungen im Wahlprozess zu verringern. International erforderlich sind nicht offene, wettbewerbsorientierte Wahlen, sondern vielmehr Wahlen, die ohne größere politische Erschütterungen zu einer neuen Herrschaft führen würden.
Wenn man eine Figur mit hohem symbolischen und sozialen Gewicht aus der Gleichung entfernt, werden die Ergebnisse vorhersehbarer, selbst wenn dies auf Kosten einer breiten Repräsentation geht.

+ Othman Ben Barka (Politologe): Die Lage in Libyen erfordert dringendes Handeln, um die Spannungen abzubauen und dem nationalen Interesse Priorität einzuräumen, indem die Ermittlungen beschleunigt, die Namen der Beteiligten bekannt gegeben und diese strafrechtlich verfolgt werden. Die Möglichkeit, eine internationale Untersuchung zu beantragen, wird vom Privatanwalt und der Familie Gaddafi weiterhin geprüft, insbesondere wenn die lokalen Ermittlungen scheitern.

+ Mohammed Amheisen (Journalist) Die Geschichte wird den Namen Gaddafi unsterblich machen, und künftige Generationen werden sich an ihn erinnern.

+ TheFutureOfLibya: Rache ist bei Arabern nicht bloß ein kulturelles Erbe oder ein alter Brauch, der im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten ist. Es handelt sich vielmehr um ein unter den Stämmen anerkanntes soziales und rechtliches System, das ihre sozialen Beziehungen regelt. Die Rache für diejenigen, die durch Verrat und Heimtücke getötet wurden, ist eine heilige Pflicht.

+ Ibrahim Beit al-Mal (Konsul in Casablanca) zum Begräbnis von Oberst Muammar Gaddafi: Ich habe am Totengebet für ihn teilgenommen, und wir haben einen seiner inhaftierten Familienältesten mitgenommen, um für ihn zu beten. Verwandte von ihm waren anwesend, aber ich weiß nicht, wo Gaddafi begraben wurde.
Der damalige Vorsitzende des Übergangsrats, Mustafa Abdul Dschalil, könnte Informationen über seinen Bestattungsort hatte. Er wurde nicht auf einem öffentlichen Friedhof, sondern an einem unbekannten Ort beigesetzt.
Bei einem Treffen mit Sarkozy im Juli 2011 konnte dieser mit großer Genauigkeit die Frontlinien zwischen dem ehemaligen Regime und den ‚Revolutionären‘ darlegen, besser als wir.  Es sei unklar gewesen, woher er diese präzisen Informationen hatte.

Stimmen aus dem Ausland

+ Ein Sprecher des US-Außenministeriums:  Washington verfolgt die Berichte über die Tötung von Saif al-Islam Gaddafi aufmerksam und ruft zur Ruhe auf. Die USA unterstützen weiterhin einen von Libyen geführten politischen Prozess zur Erreichung von Stabilität und zur Einigung des Landes.

+ Der Präsident von Burkina Faso, Ibrahim Traoré, glaubt, dass die Ermordung von Dr. Saif al-Islam Muammar Gaddafi sicherstellen sollte, dass Libyen ein zersplitterter Staat bleibt, damit sein Ölreichtum nicht vom Volk kontrolliert werden kann. Bei der aktuellen Libyen-Krise handelt es sich nicht nur um einen bewaffneten Konflikt, sondern um einen strategischen Wirtschaftskonflikt, der die Zukunft des Landes und seiner Bevölkerung bestimmt.

+ Africa Channel (Radiosender): Die Ermordung von Saif al-Islam Muammar Gaddafi wird zu verstärkten politischen Spannungen in Libyen führen. In einem Land, das nach Jahren des Bürgerkriegs um den Wiederaufbau kämpft, ringen rivalisierende Fraktionen noch immer um die Macht.
Der Minister für Internationale Beziehungen und Zusammenarbeit in Südafrika, Ronald Lamola, rief die Libyer dazu auf, zusammenzukommen und alle wichtigen Akteure einzubeziehen, um den Frieden in ihrem Land wiederherzustellen. Lamoula betonte, dass ein umfassender Dialog und die Zusammenarbeit aller Parteien unerlässlich seien, um Stabilität in Libyen zu erreichen und weitere Konflikte zu verhindern.

+ Der ar-Rabai-Stamm im Jemen trauert um den ermordeten Saif al-Islam Muammar Gaddafi und lehnt das ungerechtfertigte Blutvergießen ab.

+ Mubarak al-Mahdi (Umma-Parteiführer Sudan): Die Beisetzung des Märtyrers Saif al-Islam Gaddafi war ein Volksreferendum, das das Ausmaß seiner öffentlichen Unterstützung demonstrierte. Er verkörperte die Hoffnung auf die Wiedervereinigung Libyens.

+ Die arabische und muslimische Gemeinde im Tschad trauert in einer Videobotschaft um den ermordeten Saif al-Islam Muammar Gaddafi: Er pflegte freundschaftliche und liebevolle Beziehungen zu uns und war ein gütiger, integrer und sehr bescheidener Mensch. Er empfing uns stets mit größtem Respekt. Was ihm widerfahren ist, ist schmerzlich und bitter.
Er pflegte ein freundschaftliches Verhältnis zum ehemaligen Verteidigungsminister, General Mohmamed Nour Abdel Karim. Dieser sagte, Saif sei nicht nur sein Freund, sondern für ihn wie ein Bruder gewesen. Sein Tod sei eine große Tragödie.
Muammar Gaddafi selbst war ein Unterstützer des Tschad und half dem Land, Afrika und vielen anderen Nationen.

+ Michele Marsiglia (Leiter des Internationalen Verbandes des Erdölsektors Feder Petrol in Italien): Saif al-Islam Muammar Gaddafi genoss in Libyen eine Zustimmung von über 70 Prozent, trotz der von einigen internationalen Organisationen auferlegten Beschränkungen. Saif al-Islam verkörperte eine echte Hoffnung auf Erholung, nicht nur auf sozialer Ebene, sondern er war auch eine kompetente Persönlichkeit im Öl- und Energiesektor. Saif al-Islam war ein Hoffnungsschimmer für die Wiederherstellung des idealen Ölproduktionsniveaus und die weitere Stärkung der Beziehungen zu Italien und Europa.
Die Nachricht von der Ermordung Saif al-Islams hat mich tief getroffen. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass es so weit kommen würde.

+ Antidiplomatico (italienische Zeitung): Die Beerdigung von Saif al-Islam Gaddafi war trotz der Blockade und des Embargos ein Volksreferendum, an dem ein Viertel der libyschen Wähler teilnahm.
Der 3. Februar 2026, der Tag, an dem Saif al-Islam im Mafia-Stil ermordet wurde, ist nicht nur für Libyen, sondern für alle Völker des Mittelmeerraums ein unheilvolles Datum.
Saif al-Islam verkörperte das Potenzial Libyens für Gegenwart und Zukunft, trotz unzähliger Versuche, ihn physisch und juristisch auszuschließen.
Die Präsidentschaftswahlen am 24. Dezember 2021 wurden hastig abgesagt, da die Kandidatur von Saif al-Islam das Machtgleichgewicht störte, das der Westen zugunsten von Abdulhamid Dabaiba hergestellt hatte.

+ Justizausschuss (Schweiz): Außergerichtliche Tötungen zählen zu den schwerwiegendsten Menschenrechtsverletzungen, untergraben die Grundlagen der Justiz, verewigen ein Klima der Straflosigkeit und befeuern einen Kreislauf der Gewalt und Instabilität in Libyen.
„Wir fordern von den zuständigen libyschen Behörden volle Transparenz bei den Ermittlungen, Zugang zu den Ergebnissen und ein endgültiges Ende der Attentate und außergerichtlichen Tötungen.“

+ Marcel Scaldi (französischer Anwalt): Saif al-Islam Gaddafi wurde ermordet, weil er laut Meinungsumfragen, wenn er zur Wahl angetreten wäre, gewonnen hätte und ihn nichts an der Kandidatur hätte hindern können.
Saif al-Islam wird durch seine Persönlichkeit und seine Ideen die libysche Geschichte nachhaltig prägen, und seine Ideen werden auch nach seinem Tod und den Umständen seiner Ermordung weiterhin Einfluss haben, vielleicht sogar noch stärkeren.

+ Bulbaba Salem (tunesischer Geopolitik-Experte): Saif al-Islam spielte seit Beginn des Jahrtausends eine bedeutende Rolle in der libyschen Politik, insbesondere bei der Ausarbeitung einer Verfassung, der Öffnung des Landes für breite Wirtschaftszweige wie den Tourismus, der Entwicklung des Fußballs, der Zusammenarbeit mit internationalen Institutionen und der allgemeinen Modernisierung Libyens.

+ Buschra al-Khalil (libanesische Anwältin): Die Entscheidung, Saif al-Islam von der Bildfläche verschwinden zu lassen, wurde von außerhalb Libyens getroffen; genau wie die Entscheidung, die Wahlen 2021 zu verschieben, damit Saif al-Islam nicht gewinnen kann. „Sie wollen kein geeintes und starkes Libyen, das von jemandem wie Saif al-Islam geführt wird.“

+ Hossam al-Ghamry (ägyptischer Journalist): Die Beisetzung von Saif al-Islam Muammar Gaddafi war ein Schlag ins Gesicht der korrupten Muslimbruderschaft, eine weitere symbolische Niederlage für den Arabischen Frühling und ein Sieg für die Idee des geeinten Staates gegen die Teilungspläne.

+ Mohammed Sayed Achmed (ägyptischer Schriftsteller): Die Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi war ein gezielter Schlag gegen die letzte Hoffnung auf den Wiederaufbau des libyschen Staates auf den Grundlagen der Versöhnung und Souveränität, um die Ära der Milizen und der ausländischen Vormundschaft zu beenden.
Saif al-Islam verfolgte einen politischen Weg, der sich radikal von dem unterschied, was nach 2011 vorherrschte. Er basierte auf Versöhnung und der Wiederherstellung der Idee des Staates, anstelle der Verankerung der Logik der Waffen, sowie auf nationaler Souveränität, anstelle der Abhängigkeit von ausländischen Mächten.
Die gezielte Verfolgung von Saif al-Islam kann nur als direkter Angriff auf diesen Weg und auf das, was die Einflussnetzwerke als reale Bedrohung betrachteten, interpretiert werden.
Der Zeitpunkt der Ermordung von Saif al-Islam ist von großer Bedeutung, da sie nur wenige Wochen nach der Ernennung eines Führers der Muslimbruderschaft zur Leitung des nationalen Versöhnungsprozesses erfolgte.
Das Attentat auf Saif al-Islam zielte darauf ab, die politische Landschaft so zu kontrollieren, dass die Macht zwischen rivalisierenden Einflusszentren aufgeteilt blieb, man sich aber implizit in einem Punkt einig war: die Verhinderung der Gründung eines wirklich unabhängigen libyschen Staates.

+ Amal Abdullah Saleh (jemenitische Journalistin): Die Liebe, die die Menschen bei Saifs Beerdigung zeigten, war nicht erkauft, sondern kam aus tiefstem Herzen in einem aufrichtigen Moment des Abschieds. Libyen trauert nicht nur um einen Menschen, sondern auch um eine verpasste Chance und ein Vaterland, das weiterhin seine Söhne verliert, anstatt sie anzunehmen.

+ Linus Mangosho (ugandischer Wirtschaftsjournalist): Die Art und Weise, wie sich die Libyer von Saif al-Islam Gaddafi verabschiedeten, ist ein deutlicher Beweis für ein Wiederaufleben des nationalistischen Geistes, den Gaddafi gefördert hatte.

+ Naschaat ad-Dehi (ägyptischer Medienvertreter): Der Trauerzug von Dr. Saif Al-Islam Muammar Gaddafi gilt als der größte in der Geschichte des libyschen Staates. Sein Tod, verursacht durch dieser feige Operation, könnte bedeuten, dass Libyen nun in eine blutige Phase eintritt.

+ Die Zeitung Indian Express: Saif al-Islam Muammar Gaddafi war eine der mächtigsten Persönlichkeiten und Führer in Libyen.

+ Afshin Rattansi (britischer Journalist): Die Ermordung von Saif al-Islam ist ein weiterer Schritt des Westens, Afrika im Elend zu halten.
Unter Muammar Gaddafi erreichte Libyen den höchsten Index der menschlichen Entwicklung auf dem Kontinent, und extreme Armut war dort im Vergleich zu regionalen Standards marginal. Libyen benötigte keine Kredite vom Internationalen Währungsfonds.
Saif al-Islam hätte Libyen wieder an die Spitze der Bemühungen um die afrikanische Einheit und Unabhängigkeit geführt.
Der britische Geheimdienst MI6 führte das Attentat in Zusammenarbeit mit lokalen Agenten durch, und es ist auch möglich, dass Frankreich dahintersteckt.
Trotz der NATO-Attentate auf afrikanische Führer, die nach echter Unabhängigkeit strebten, lässt sich der Lauf der Geschichte nicht aufhalten. Die Ermordung von Saif al-Islam ist ein Rückschlag für den Kontinent, doch der Wunsch der Bevölkerung nach Unabhängigkeit und wahrer Souveränität lässt sich nicht zum Schweigen bringen, egal wie viele Bomben die NATO-Staaten abwerfen oder wie viele Kugeln sie abfeuern.

+ Le Diplomat (Frankreich): Zwei Interpretationen des Mordes bieten sich an: Die erste ist lokaler Natur: seine Anwesenheit in Zintan wurde zur Sicherheitsbelastung, da sein Name großen Einfluss hatte und somit Druck, Verschwörungen und Destabilisierungsrisiken nach sich zog. Die zweite ist politischer und finanzieller Natur: Die Frage der eingefrorenen libyschen Vermögenswerte im Ausland bleibt ein Konfliktherd. Saif al-Islams bloße Verbindung mit diesen heiklen Themen reichte aus, um ihn zu einer unbequemen Figur zu machen.
Zwischen diesen beiden Achsen liegt die internationale Variable, da sich in Libyen die Interessen hinsichtlich Energie, Sicherheit und Migration überschneiden. In diesem Spiel kann ein Symbol eine große Bedeutung erlangen, denn es ist in der Lage, sehr schnell Anhänger zu mobilisieren.
Kurzfristig bleibt das Machtgleichgewicht nach der Ermordung von Saif al-Islam weitgehend unverändert.

+ GeopoliticalDesk (Deutschland):  Ein hochrangiger libyscher Militärbeamter hat in einem Interview mit dem Libya-Desk-Team auf die Frage nach den Anhängern des ehemaligen Regimes geantwortet: „Die Grünen (Gaddafi-Anhänger) sind überall und nirgends; man weiß nie, wer sie sind, aber sie erledigen einen Großteil der täglichen Arbeit in den meisten funktionierenden Institutionen des Landes, auf allen Ebenen.“

+ Yasser al-Awran (jordanischer Politikwissenschaftler): Ich habe noch nie eine solche Beerdigung gesehenBedauert das libysche Volk, was Muammar Gaddafi und seinen Söhnen widerfahren ist?… Oder haben der Westen und die Amerikaner die Libyer und ihr Heimatland so sehr verletzt, indem sie Milizen und Söldner darauf losließen, und dies das Ergebnis ist?

+ Hosni Abidi (algerischer Politologe): Saif al-Islam war sich bewusst, dass er ins Visier geraten könnte, und sein Stamm forderte verstärkten Schutz für ihn, was er jedoch ablehnte. In den Tagen vor dem Attentat ereigneten sich mehrere Sicherheitsvorfälle.
Es gab die Befürchtung, dass Saif al-Islam begann, eine breite Volksbasis aufzubauen, die für jeden, der bei den Präsidentschaftswahlen gegen ihn antreten würde, eine Bedrohung darstellen könnte. Dies beruhte nicht nur auf Nostalgie für das alte Regime, sondern repräsentiert auch einen dritten Weg, eine Alternative zur Polarisierung zwischen Ost und West, Haftar und Dabaiba.
Der Einsatz von Gewalt macht eine Lösung in naher Zukunft unwahrscheinlich. Das Attentat könnte sich auch auf die Nachbarstaaten auswirken. Zintan ist ein strategisch wichtiger Ort an der tunesisch-libyschen Grenze, was Auswirkungen auf die Milizen in Libyen haben wird.

+ Independent Arabia: Sowohl die Anwesenheit als auch die Abwesenheit von Saif al-Islam ist ein entscheidender Faktor für den Verlauf der libyschen Wahlen. Es stellt sich eine zentrale Frage: Ebnet dieser Rückzug tatsächlich den Weg für Neuwahlen oder bereitet er den Boden für eine neue Krise in anderer Form?

+ The Guardian: Der Haftar- und der Dabaiba-Clan hatten angesichts der großen Beliebtheit von Saif al-Islam Gaddafi Grund zur Sorge wegen seiner Rückkehr an die Macht. Saif al-Islam Gaddafi war in der gespaltenen und gewalttätigen politischen Landschaft Libyens immer noch eine einflussreiche Kraft. Saif al-Islam verfolgte eine Reihe humanitärer Initiativen und zeigte ein starkes Bestreben, die Demokratie im libyschen Staat zu etablieren.

+ Times of Israel: Die Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi war eine geplante Säuberungsaktion, die die libysche politische Landkarte vereinfachte und dabei die letzte verbliebene Brücke zwischen dem kriegführenden Osten und Westen zerstörte.
Die Methodik, die bei der Ermordung von Saif al-Islam angewendet wurde, zeugt von einem Grad an Raffinesse, der weit über die übliche „schnelle Blitzangriffe und Flucht“-Taktik der rivalisierenden Milizen Libyens hinausgeht.
Der Zeitpunkt ist noch bedeutsamer, da das Attentat genau sechs Tage nach einem hochrangigen Treffen im Élysée-Palast in Paris stattfand. Saddam Haftar und Ibrahim Dabaiba erörterten einen Plan zur Vereinigung, und in der Logik der Politik wird „Vereinigung“ oft als Beseitigung jeder dritten Partei übersetzt, die den Status quo bedroht.
Saif al-Islam repräsentierte die Basis der „Grünen“, eine schweigende Mehrheit, die sich nach der Stabilität sehnte, die vor 2011 geherrscht hatte, und die durch fünfzehn Jahre Milizenherrschaft erschöpft war.
Saif war die einzige Figur, die in der Lage war, die geografische Kluft zu überbrücken, da er in den Hochburgen der „Grünen“ im Zentrum und Süden Stammeslegitimität genoss. Sein Tod schließt faktisch Millionen von Libyern aus, die ihn als einzigen Ausweg aus dem Machtmonopol von Haftar und Dabaiba sahen.
Ohne Saif al-Islam ist der „Weg zu Wahlen“ kein Weg mehr zur Demokratie, sondern es wurde der Weg gepflasterter für die offizielle Aufteilung der Beute zwischen dem Dabaiba- und dem Haftar-Clan. Libyen bleibt von Warlords beherrscht.

+ Ultra Latina (italienische Website): Die Mechanismen der Ermordung von Saif al-Islam Muammar Gaddafi zeigen, dass es sich um eine geplante Operation handelte, die von Parteien durchgeführt wurde, die über die Bewegungen von Saif al-Islam und seinen Schutz Bescheid wussten. Solche Operationen stützen sich auf interne Netzwerke, Einschüchterungsoperationen und die Erwartung von Straflosigkeit für solche Verbrechen.
Saif al-Islam war eine Alternative zu all diesen gefährlichen Strukturen, die in Libyen vorherrschen und auf einer unfairen Bevorzugung bestimmter Stämme, bewaffneter Gruppen und auf Interessen beruhenden Loyalitäten basieren.

+ Shams (kuwaitische Künstlerin) drückte in einem Videoclip ihre tiefe Trauer über die Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi aus: Er weigerte sich, Libyen zu verlassen, und lebte in einem einfachen Haus. Er lehnte das ihm angebotene Geld ab.

Weitere Nachrichten aus Libyen

+ Am 10. Februar stürzte ein Rettungshubschrauber innerhalb der as-Sarra-Militärbasis ab (Video). Dabei kamen fünf Personen ums Leben.

+ Salah Badi, Kommandeur der as-Sumud-Brigade, kritisierte das Treffen zwischen dem französischen Botschafter, Thierry Vallat, und Würdenträgern von Misrata in Anwesenheit von Ali Dabaiba. Mohammed ar-Raid hatte ein Abendessen ausgerichtet.
Frankreich besitze noch immer die Schädel der Anführer der algerischen Revolutionäre und habe sich dafür nicht entschuldigt. Es habe Atommüll in der algerischen Wüste vergraben und kämpfe bis heute gegen den algerischen Staat.
„Wissen die Bewohner von Misrata nicht, was hinter ihrem Rücken geschieht, nachdem die Verträge in der Freizone unterzeichnet wurden? Dadurch wird die Zukunft ganzer Generationen gefesselt und das Heimatland an Unternehmen verkauft, in die sie sich mit prozentualen Anteilen für Familien und Einzelpersonen als Partner eingeschleust haben.
Was können wir von Frankreich, Großbritannien und USA für die Zukunft Libyens erwarten?! Wenn ihr weiterhin schweigt, warnt euch Gott, dass er euch vernichten wird, denn diese Leute kennen nichts als Geld und Verrat und haben die Libyer zu Bettlern gemacht.“

+ Libyen zählt zu den korruptesten Ländern der Welt und belegt Platz 177 von 182 Ländern im Korruptionswahrnehmungsindex 2025 von Transparency International.
Beim Index der Antikorruptionsmaßnahmen erzielt es lediglich 13 von 100 Punkten.

+ Bei einem Bootsunglück vor der libyschen Küste nahe Zuwara sind am 7. Februar laut UN-Angaben 53 Migranten ums Leben gekommen oder werden noch vermisst. Zwei Frauen aus Nigeria überlebten.

+ USA. Laut Agence France-Presse gab die US-Generalstaatsanwältin Pam Bondi die Verhaftung von Zubair al-Bakusch, einem Mitglied des Schura-Rates von Bengasi und Hauptverdächtiger des Angriffs auf die US-Botschaft in Bengasi im Jahr 2012, bekannt. Der US-Außenminister erklärte, al-Bakusch sei in einem anderen Land verhaftet worden, ohne jedoch den Namen dieses Landes zu nennen.
US-Justizministerin Jeanine Pirro gab bekannt, dass gegen al-Bakusch Anklage in acht Punkten erhoben wurde, unter anderem wegen des Mordes an Botschafter Chris Stevens und dem Mitarbeiter des Außenministeriums, Sean Smith.

+ USA. Die US-Generalstaatsanwältin für den District of Columbia, Janine Pirro, kritisierte den damaligen US-Präsidenten Barack Obama wegen Untätigkeit bei der Verfolgung von al-Bakusch und anderen Verantwortlichen für den Anschlag. Pirro erklärte, die Obama-Regierung sei sich damals vollkommen bewusst gewesen, dass es sich bei dem Angriff um einen koordinierten Angriff handelte und nicht nur um eine Demonstration, die außer Kontrolle geraten war.
Oberst Muammar Gaddafi sagte im Februar 2011, dass al-Kaida hinter den Protesten stehe, die Libyen zu dieser Zeit erlebte. Der ermordete Saif al-Islam Muammar Gaddafi bestätigte im April 2011 die Anwesenheit von al-Kaida-Terroristen unter den Demonstranten.

Aus den Nachbarstaaten

+ Algerien. Algerien hat damit begonnen, sein seit 13 Jahren bestehendes Luftverkehrsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten zu kündigen.
Die Beziehungen zwischen Algier und Abu Dhabi haben sich verschlechtert, insbesondere aufgrund der angeblichen Unterstützung der VAE für die Separatisten in Kabyle und Tindouf, die malische Junta und die libysche Nationalarmee unter der Führung von Khalifa Haftar.