Die Generalstaatsanwaltschaft hat die mutmaßlichen Täter des Attentats auf Saif al-Islam Gaddafi identifiziert, jedoch wurde weder ihre Identität preisgegeben, noch wurden sie verhaftet. Es besteht die Befürchtung, dass die Täter außer Landes gebracht oder getötet werden könnten.
Die ausnahmslose Offenlegung aller an diesem Verbrechen Beteiligten, ob sie es ausgeführt, geplant, angestiftet, finanziert oder ermöglicht haben, fordern nicht nur die Familie von Saif al-Islam Gaddafi und der Gaddafi-Stamm, sondern eine breite Öffentlichkeit.
Erklärung der Staatsanwaltschaft
Die libysche Generalstaatsanwaltschaft informierte am 5. März 2026 über den aktuellen Ermittlungsstand bezüglich des Mordes an Saif al-Islam Gaddafi. Zum Tathergang erklärte sie, dass die Täter das Haus von Saif al-Islam so lange observierten, bis sich ihnen eine Gelegenheit für das Attentat bot. Dann seien die Mörder über eine Mauer auf sein Grundstück geklettert und hätten Saif al-Islam im Hof seines Hauses eingekreist, so dass ihm eine Flucht unmöglich war. Anschließend richteten die Täter ihre automatischen Gewehre auf ihn und eröffneten das Feuer. Nachdem ihn mehrere Kugeln ihn getroffenen hatten, sei der Tod eingetreten.
Als die Ermittler am Tatort eintrafen, untersuchten sie die Leiche von Saif al-Islam und die Schusswunden, sicherten Spuren und Beweismittel und vernahmen Zeugen. Technische Unterstützungsteams kartierten anschließend die Aktivitäten und Bewegungen der mutmaßlichen Täter vor und nach der Tat. Spezialisten analysierten Beweismittel, Indizien und stellten Zusammenhänge mit Untersuchungen von Örtlichkeiten in der Nähe des Tatorts her.
Es konnten der Treffpunkt der Täter, die Uhrzeit ihrer Fahrt zum Tatort, die bei dem Angriff verwendeten Fahrzeuge sowie die zurückgelegte Route ermittelt werden. So gelang es, drei Tatverdächtigte zu identifizieren.
Verhaftung der Tatverdächtigen dringend gefordert
Hierzu erklärte der Blogger Anas az-Zaidani, dass die Mörder von Saif al-Islam Gaddafi aus Zintan stammen und Osama Dschuwaili, Kommandant der Militärregion westliche Berge, nahestehen. Dschuwaili stammt ebenfalls aus Zintan und pflegt gute Beziehungen zum Haftar-Lager im östlichen Libyen.
Zaidani befürchtet, dass die Mörder außer Landes gebracht oder eliminiert werden könnten, um weitere Ermittlungen zu vereiteln. Az-Zaidani: „Es waren elf Personen, die Dr. Saif al-Islam Gaddafi angegriffen haben. Drei davon führten das Attentat aus, die übrigen acht sicherten von außerhalb der Mauer das Gelände.“ Die Identität der drei vom Generalstaatsanwalt genannten Personen sei bestätigt, sie stammten aus Zintan. Az-Zaidani forderte den Innenminister der Dabaiba-‚Regierung‘ in Tripolis, Imad at-Trabelsi, der ebenfalls aus Zintan stammt, auf, nach Zintan vorzudringen und die Beschuldigten zu verhaften.
Die Nationale Menschenrechtsinstitution forderte ebenfalls, dass Innenminister Trabelsi die Anordnung des Generalstaatsanwalts zur Verhaftung und Überführung der Mörder von Saif al-Islam Gaddafi umsetzt. Auch sie warnt vor Versuchen, die Täter außer Landes zu bringen oder sie zu töten, um die Ermittlungen zu torpedieren.
Gerichtliche Anordnungen zur Festnahme von Tatverdächtigen dürften keinerlei sozialen oder regionalen Erwägungen unterliegen, sondern das Gesetz müsse durchgesetzt werden. Sollten die Beschuldigten fliehen oder getötet werden, sei at-Trabelsi dafür verantwortlich.
Stellungnahme der Familie Gaddafi und der ihr nahestehenden Bewegungen
Die Familie von Saif al-Islam Gaddafi sieht in der von der Staatsanwaltschaft veröffentlichten Stellungnahme zwar einen erster positiver Schritt in Richtung Wahrheitsfindung, dem jedoch weitere konkrete Maßnahmen folgen müssten. Alle Umstände im Zusammenhang mit diesem Verbrechen müssten offengelegt werden, einschließlich der Nennung derjenigen, die das Verbrechen geplant, angestiftet, finanziert, ausgeführt oder gedeckt haben.
Die Gaddafi-Familie forderte die Staatsanwaltschaft auf, dieses Verbrechen als Angelegenheit von öffentlichem Interesse zu behandeln und dabei ein Höchstmaß an Transparenz zu wahren. Die Öffentlichkeit habe ein Anrecht darauf, über die neuesten Ermittlungsergebnisse informiert zu werden. Da es sich bei dem Getöteten um einen Präsidentschaftskandidaten handelte, sei der Fall als politisch motivierten Mord einzuordnen.
Das Recht fordere es, die Täter und alle, die hinter ihnen stehen, strafrechtlich zu verfolgen. „Das Blut des Märtyrers wurde nicht umsonst vergossen. Die Verräterhand wird früher oder später gerechte Vergeltung erfahren.“
Das Team von Saif al-Islam Muammar Gaddafi unterstützte die Erklärung der Gaddafi-Familie. Das Volk erwarte Gerechtigkeit, die erst nach einer transparenten und gründlichen Ermittlung gegeben sein wird. Es müssten ausnahmslos alle benannt werden, die an diesem Verbrechen beteiligt waren, ob sie es ausgeführt, geplant, angestiftet, finanziert oder ermöglicht haben.
Da das Verbrechen die ganze Nation betreffe, müsse die Vergeltung dem Ausmaß des abscheulichen Verbrechens entsprechen. Der ermordete Saif al-Islam Gaddafi sei für das Vaterland ein Symbol gewesen. „Wir werden unserer Position treu bleiben und die Familie des Märtyrerführers Muammar Gaddafi gemäß unserem Versprechen unterstützen. Unsere Loyalität wird andauern, bis Gerechtigkeit geübt, die Wahrheit ans Licht gebracht und alle, die an diesem Verbrechen beteiligt sind, zur Rechenschaft gezogen werden.“
Auch der Sozialrat des Gaddafi-Stammes sieht in der Erklärung des Generalstaatsanwalts zum Attentat auf Saif al-Islam Muammar al-Gaddaf einen wichtiger Schritt zur Aufdeckung der Umstände des Verbrechens. Allerdings müssten diesem Schritt praktische Maßnahmen folgen, darunter die Festnahme aller Personen, gegen die ermittelt wird. Es sei unerlässlich, alle Umstände dieses Verbrechens aufzudecken, einschließlich der Identifizierung aller Personen, die an der Planung beteiligt waren, zu seiner Ausführung beigetragen oder den Tätern Deckung oder Unterstützung gewährt haben.
Dieser Mord betreffe nicht nur den Gaddafi-Stamm, sondern berühre das Gewissen der gesamten Nation. „Wir werden den Fall so lange verfolgen, bis vollständige Gerechtigkeit herrscht. Wir bekräftigen, dass das Blut des Märtyrers nicht umsonst vergossen wurde und dass jeder, der an diesem abscheulichen Verbrechen beteiligt war, seine gerechte Strafe erhält. Die Organisationen, Regionen, Städte und Stämme, deren Mitglieder nachweislich an diesem abscheulichen Verbrechen beteiligt waren, müssen ihre soziale, moralische und rechtliche Verantwortung für diese verabscheuungswürdige Tat tragen, die sich gegen den Märtyrer und seine Angehörigen richtete. Die ganze Wahrheit muss ohne Zweideutigkeit oder Verschleierung aufgedeckt werden, und gerechte Vergeltung wird eine ständige und nicht verhandelbare Forderung bleiben. Die Ermordung des Märtyrers Saif al-Islam Muammar Gaddafi war ein abscheuliches Verbrechen, das die Herzen der Stammesangehörigen und aller ehrenwerten Menschen dieses Landes schmerzte und in der Bevölkerung weitverbreitete Empörung und Wut auslöste.“
Der Jugendverband des Gaddafi-Stammes erklärte seine Unterstützung für die Forderung der Familie von Oberst Gaddafi, die Details des Attentats auf Saif al-Islam Gaddafi offenzulegen. Ihre Forderung nach der schnellen Verhaftung der Verbrecher und nach der Strafverfolgung derjenigen, die sie angestiftet, unterstützt und ihnen den Befehl zur Ausführung des Verbrechens gegeben haben, sei ein lauter Schrei nach Gerechtigkeit.
„Wir fordern das Innenministerium auf, all seine Fähigkeiten und sein Fachwissen einzusetzen, um den Generalstaatsanwalt und die ermittelnde Behörde bei ihrer Mission zu unterstützen. Die Zusammenarbeit muss zügig, transparent und umfassend erfolgen, um sicherzustellen, dass Kriminelle gefasst und die notwendigen Beweise für ihre Strafverfolgung sichergestellt werden.“ Jegliche Verschleierung der Wahrheit werde strenge Konsequenzen nach sich ziehen, nicht nur rechtlich, sondern auch moralisch.
„Das Blut der Märtyrer der Nation, insbesondere derjenigen, die ein Symbol der Hoffnung und des Wandels verkörperten, wie der ermordete Präsidentschaftskandidat Saif al-Islam, wird nicht umsonst vergossen worden sein. Wir werden die Hand sein, die niemals ermüdet, um dem Recht Genüge zu tun.“
Die Anhängerschaft des ermordeten Saif al-Islam Muammar Gaddafi forderte, dass die Generalstaatsanwaltschaft und die Sicherheitsdienste die Identität aller am Attentat Beteiligten schnell und vollständig offenlegen. Die Aussagen des Generalstaatsanwalts bestätigten, dass es sich bei dem Verbrechen um ein vorsätzliches und geplantes Attentat handelte, eine feige Tat, die jegliche Ehre vermissen lasse, ausgeführt mit dem Ziel, Zwietracht unter den Söhnen der Nation zu säen. Dies sei ein bösartiger Versuch, das Land durch die gezielte Tötung einer einflussreichen Persönlichkeiten in eine Spirale aus Chaos und Bürgerkrieg zu stürzen. „Das heimtückische Attentat richtete sich gegen eine Persönlichkeit, die für viele Libyer die Hoffnung auf nationale Versöhnung und die Wiederherstellung der Stabilität im Land verkörperte… Wir rufen das libysche Volkes dazu auf, weise zu handeln und Zurückhaltung zu üben und sich gegen all jene zu vereinen, die Zwietracht säen und die Nation spalten wollen. Libyen muss geeint, sicher und stabil bleiben.“
Der Oberste Rat der libyschen Stämme und Städte in der Zentralregion bekräftigte, dass diesem ersten Schritt der Staatsanwaltschaft praktische Maßnahmen folgen müssen, darunter die Strafverfolgung aller Personen, deren Namen in den Ermittlungen genannt wurden, und die Ergreifung aller notwendigen rechtlichen Schritte.
„Die Ermordung des Märtyrers Saif al-Islam hat die Herzen der Stämme der Zentralregion, jedes Patrioten, der auf sein Land stolz ist, und aller ehrenwerten Bürger der Nation tief betrübt und löste Empörung und Wut aus.“
Die Konferenz der sozialen und politischen Aktivitäten und zivilgesellschaftlichen Institutionen im Fessan erklärte: „Die Forderungen der Familie von Oberst Gaddafi sind die Forderungen jedes Bürgers, der nach einer Gerechtigkeit strebt, die der Schwere des begangenen Verbrechen angemessen ist. Keine Erwägungen dürfen das Streben nach Gerechtigkeit schwächen, die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“
Die dem ermordeten Saif al-Islam Muammar Gaddafi nahestehende Nationale Volksbewegung erklärte ihre Unterstützung für die Erklärung der Familie von Oberst Muammar Gaddafi bezüglich der Bekanntgabe der neuesten Entwicklungen in den Ermittlungen zum Attentat auf Saif al-Islam durch die Generalstaatsanwaltschaft.
„Das Verbrechen richtete sich gegen ein nationales Symbol der Nation, das seit seiner Jugend entschlossen war, in Libyen einen Staat der Moderne, der Wissenschaft und des Fortschritts aufzubauen. Wir vertrauen allen Mitgliedern der Staatsanwaltschaft und ihrer Fähigkeit, Kriminelle zu fassen und sie der Justiz zuzuführen.“
Ebenso unterstützte Salem Karwad, einer der Notablen von Misrata und Mitbegründer der Misrata-Bewegung gegen Ungerechtigkeit, die Erklärung der Gaddafi-Familie und forderte transparente Aufklärung.
Weitere Stimmen aus Libyen
Fayez al-Oraibi (Politologe): Die Verfolgung der Täter, deren abscheuliche Tat Dr. Saif al-Islam Muammar Gaddafi das Leben kostete, ist eine rechtliche Notwendigkeit und das Recht von Millionen Libyern. Jeder Versuch, die Aufklärung des Attentats zu verzögern, werde als Vertuschung und Beihilfe betrachtet.
Abdelhakim Bayu (Kandidat für das Amt des Premierministers) forderte vom Generalstaatsanwalt die Offenlegung der Wahrheit über das Attentat auf Saif al-Islam Gaddafi, denn Gerechtigkeit sei die Grundlage guter Regierungsführung. Saif al-Islams Ermordung sei eine Wunde im Gewissen der Nation und ein Angriff auf einen großen Teil der libyschen Bevölkerung.
Internationale Presse
Al-Arab (London): Die Ermittlungen zum Attentat auf Saif al-Islam Gaddafi sind noch immer geheimnisumwittert. Die Generalstaatsanwaltschaft hat die mutmaßlichen Täter des Attentats auf Saif al-Islam Gaddafi zwar identifiziert, jedoch nicht verhaftet und auch ihre Identität wurde der Öffentlichkeit nicht preisgegeben.
Der Generalstaatsanwalt tue so, als ob es sich bei dem Vorfall um einen gewöhnlichen Mord handle und nicht um ein Attentat im Kontext des politischen Machtkampfes. Saif al-Islam sei ein aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Staatsoberhauptes gewesen, der über eine breite und einflussreiche politische Bewegung verfügte und im vergangenen Jahr bei den Kommunalwahlen herausragende Ergebnisse erzielt hat. Dies sei ein Vertrauensbeweis der libyschen Wähler gewesen.
Saif al-Islam Gaddafi sei das Opfer eines geplanten Attentats, das darauf abzielte, ihn von der politischen Bühne zu entfernen. Das Ausblenden der politischen Dimension des Verbrechens würde die Glaubwürdigkeit und Unparteilichkeit der gerichtlichen Untersuchung untergraben. Die Offenlegung der politisch oder operativ Beteiligten könnte allerdings für die Generalstaatsanwaltschaft und die Exekutivbehörden des Landes peinlich werden. Daher bestünden ernsthafte Befürchtungen, dass die Täter liquidiert werden, um die an dem Attentat beteiligte politische Partei zu decken – so wie es bereits in früheren Fällen geschehen ist.
Die Zeitung asch-Scharq al-Awsat (Saudi-Arabien): Die Aufklärung des Mordes an Saif al-Islam Gaddafi hat begonnen. Die Staatsanwaltschaft nannte zwar nicht die Namen der drei Angeklagten, erklärte aber, dass die Beweismittel schließlich den Ort des Treffens der Verdächtigen sowie die Uhrzeit ihrer Abreise zum Tatort und der Begehung der Tat ermittelt hätten. Die Familie Gaddafi betonte die Notwendigkeit, unmittelbar konkrete Maßnahmen gegen die drei Tatverdächtigen zu ergreifen.
Am 28. Februar hatten der Präsidialratsvorsitzende Mohammed al-Menfi und der Anwalt des Ermordeten, Khaled az-Zaidi, eine Absichtserklärung unterzeichnet, gemeinsam mit einem internationalen Team von Rechtsexperten und Spezialisten die Ermittlungen im Mordfall Saif zu koordinieren.
In Libyen dürfte jedem – auch ohne, dass Namen genannt werden – klar sein, wer innerhalb und außerhalb Libyens hinter dem politischen Mord an Saif al-Islam Gaddafi steckt. Diese Parteien und Personen werden aufgrund der jetzigen Machtverhältnisse so lange nicht zur Rechenschaft gezogen werden, solange sich die politischen Verhältnisse nicht grundsätzlich ändern und eine durch Wahlen legitimierte Partei die Regierung in Libyen übernimmt.





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