Aussagen des Generalstaatsanwalts / Überführung des Leichnams nach Bani Walid / Trauerbekundungen / Stellungnahmen Regierungsvertreter / Ausland / Stimmen aus Libyen / Analysen
Dr. Saif al-Islam Gaddafi, Sohn des libyschen Revolutionsführers Oberst Muammar al-Gaddafi und libyscher Präsidentschaftskandidat, wurde am Nachmittag des 3. Februar 2026 in seinem Haus in Zintan durch Schüsse getötet. Saif-al-Islam Gaddafi war 53 Jahre alt.
Aussagen zum Tathergang und Überführung des Leichnams nach Bani Walid
+ Generalstaatsanwalt: Die Untersuchung von Ermittlern und Gerichtsmedizinern am Tatort bestätigten, dass Saif al-Islam Gaddafi durch eine Schussverletzung getötet wurde. Zeugenbefragung und eine Beweissicherstellung sollen helfen, die Tatverdächtigen zu ermitteln.
+ Generalstaatsanwalt: An der Leiche wurde eine Autopsie durchgeführt, Fingerabdrücke genommen und forensische Maßnahmen eingeleitet.
+ Generalstaatsanwalt: Der Leichnam von Saif al-Islam Gaddafi wurde am 4. Februar auf Wunsch seiner Familie nach Abschluss der notwendigen Formalitäten an Mitglieder seines Stammes übergeben.
+ Abdullah Othman (Team Saif al-Islam Gaddafi)i: Saif al-Islam Muammar Gaddafi wird am 6. Februar nach dem Freitagsgebet auf dem Friedhof der Stadt Bani Walid beigesetzt. Man stehe in direktem Kontakt mit der Generalstaatsanwaltschaft.
+ Aqila al-Dschamal (Vorsitzender des Sozialrats der Warfalla-Stämme): Wir haben uns mit dem Gaddafi-Stamm darauf geeinigt, Saif al-Islam Gaddafi in der Stadt Bani Walid zu beerdigen. Mit den Vorbereitungen und Verfahren zur Überführung des Leichnams und zur Durchführung der Trauerfeierlichkeiten wurde begonnen.
+ Fotos Als der Leichnam des ermordeten Saif al-Islam Gaddafi von Zinten auf dem Weg nach Bani Walid gebracht wird, versammelten sich viele Menschen in ihren Autos.
Auf dem Friedhof von Bani Walid sind auch Saif al-Islams Großvater und sein Bruder Khamis beigesetzt. Khamis stand Saif al-Islam von allen Brüdern am nächsten. Saif war es, der seinen jüngeren Bruder Khamis nach dessen Märtyrertod am 26. August 2011 in Bani Walid beerdigte.
+ Fotos: Vor dem Krankenhaus von Bani Walid versammelte sich bei der Ankunft des Leichnams von Saif al-Islam eine Menschenmenge. Der Leichnam wird dort bis zur Durchführung der Begräbniszeremonie aufbewahrt.
+ Fotos: Männer in Bani Walid drängeln sich, um den Leichnam des Ermordeten Saif al-Islam tragen zu dürfen.
Video: Bani Walid
+ Fotos: Tausende von Bürgern versammelten sich unmittelbar nach der Ankunft des Leichnams in Bani Walid und forderten, dem ermordeten Saif al-Islam Gaddafi die letzte Ehre erweisen und ihn sehen zu dürfen.
Video: Bani Walid
+ Gemeinderat von Bani Walid: Die gesamte Koordination zur Überwachung der Bestattungszeremonien und zur Organisation des Empfangs der Trauernden aus allen libyschen Städten und Regionen erfolgt in Zusammenarbeit mit allen Sicherheits- und Hilfsorganisationen der Stadt.
Bani Walid wird immer eine Stadt für alle Libyer bleiben, unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit und ihren Ansichten.
+ Imad at-Trabelsi (Innenminister Dabaiba-‚Regierung‘): Wir trauern um den Tod von Dr. Saif al-Islam Muammar Gaddafi und sprechen seiner Familie, seinem Stamm und seinen Angehörigen unser aufrichtiges Beileid und tief empfundenes Mitgefühl aus.
Wir haben den zuständigen Behörden im Innenministerium in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Anweisungen erteilt, den Vorfall weiter zu verfolgen. Die Ermittlungen zur Aufklärung der Umstände und zur Ergreifung der Täter dauern noch an.
Wir haben außerdem die Sicherheitsdirektion Bani Walid und die anderen Direktionen in den Regionen angewiesen, die Beisetzung von Dr. Saif al-Islam am Freitag, sicherzustellen und alle notwendigen Vorkehrungen zu treffen.
+ Imad at-Trabelsi forderte die Sicherheitsdirektoren von Bani Walid, al-Marqab, al-Dschafura, Tarhuna und den vier Bezirken auf, einen Sicherheitsplan zu entwickeln und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Beerdigung von Saif al-Islam Muammar Gaddafi abzusichern.
At-Trabelsi wandte sich an den Direktor der Brega Oil Marketing Company und bat um die Bereitstellung von Treibstofflieferungen in die Städte entlang der Route nach Bani Walid als Teil der Bestattungsvorbereitungen.
At-Trabelsi bat die Zentrale Bergsicherheitsdirektion, ihn über die neuesten Entwicklungen in den Ermittlungen zum Attentat auf den ermordeten Saif al-Islam Gaddafi zu informieren. At-Trabelsi bat um die Beifügung eines detaillierten Berichts, der die Fakten, die ab dem Zeitpunkt der Meldung des Vorfalls eingeleiteten Verfahren, die Parteien, die die Untersuchung eingeleitet haben, und die Ergebnisse dieser Untersuchung umfasst.
Vorgeschichte
+ Leila Hammoud (Anwältin): Saif al-Islam Gaddafi weigerte sich, irgendeine Vereinbarung bezüglich seiner politischen Zukunft zu treffen. Er weigerte sich auch wiederholt, seinen Wohnsitz zu wechseln, obwohl er sich üblicherweise unter starker Bewachung von einem Ort zum anderen bewegte. Ich drängte ihn, nicht an einem Ort zu bleiben, aber er sagte immer wieder, dass Gottes Wille geschehen werde. Er beharrte darauf, dass er in Libyen lebe und in Libyen sterben werde.
Als mich jemand wegen eines Abkommens mit ihm ansprach, bat er mich, nichts weiter zu fordern als die Abhaltung von Wahlen. „Wenn ich gewinne, ist das die Entscheidung des Volkes, und wenn ich verliere, ist auch das seine Entscheidung, und ich werde sie akzeptieren.“
+ Laut Personen aus dem Umfeld von Saif al-Islam sagte sein französischer Anwalt Marcel Ceccaldi, dass „er vor etwa zehn Tagen von einem engen Vertrauten Saifs erfahren habe, dass es Probleme im Zusammenhang mit seiner Sicherheit gebe“.
+ Die Ermittler berichteten, dass im Zuge des Angriffs mindestens einer von Gaddafis Begleitern verletzt wurde.
+ Saif al-Islams Partner, Adschami al-Ateiri (Militärkommandant in Zintan), wurde Berichten zufolge bei dem Angriff auf Saif al-Islam verletzt.
+ Brigadegeneral Adschami at-Ateiri: Dr. Saif al-Islam Muammar Gaddafi lebte und starb in Würde, fastend und auf der Suche nach Gottes Wohlgefallen. Wehe den treulosen Feiglingen, die ihr Jenseits verkauft haben.
+ Khalil al-Hassi fragt: Wird Adschami al-Ateiri die Wahrheit sagen? Denn es war offensichtlich, dass die Täter darauf achteten, keinen Bürger von Zintan zu töten, insbesondere nicht Mitglieder der Gruppe, die Saif al-Islam beschützen sollte. Wird Al-Ateiri aussagen?
Trauerbekundungen – eine Auswahl
+ Raghad Saddam Hussein: Ich verurteile das Verbrechen der Ermordung meines Märtyrerbruders Saif al-Islam Gaddafi, der Ziel eines feigen Terroranschlags wurde. Ich spreche meiner Schwester und Lebensgefährtin Aischa, meinen Brüdern Mohammed, Saadi und Hannibal, Hadschia Safia, dem libyschen Volk und allen Angehörigen und Freunden unseres Bruders Saif, möge Gott ihm gnädig sein, mein aufrichtiges Beileid aus. Wahrlich, wir gehören Allah, und wahrlich, zu Ihm kehren wir zurück.
+ Omar Buschreda (Vertreter des ermordeten Saif al-Islam Gaddafi): Saif al-Islam stellt eine Bewegung dar, die weiterleben wird. Saif al-Islam folgte wie sein Vater und Großvater dem Weg der Märtyrer.
Er träumte von einem würdevollen und geeinten Libyen, strebte nach nationaler Versöhnung und trat als politischer Kandidat friedlich in die politische Arena ein.
„Dies ist ein schwerwiegendes und folgenreiches Ereignis.“ Das Verbrechen muss aufklärt werden.
+ Scheich Ali Misbah Abu Sabiha (Leiter des Teams des ermordeten Saif al-Islam Gaddafi): Dr. Saif al-Islam kämpfte innerhalb Libyens. Er weigerte sich trotz der ihm gemachten Angebote, das Land zu verlassen. Er strebte mit der Entschlossenheit seiner Jugend nach einem starken und geeinten Libyen.
+ Erklärung der Anhänger von Oberst Muammar Gaddafi: Dr. Saif al-Islam Muammar Gaddafi wurde von einer verräterischen Hand ermordet, die irrtümlich glaubte, sie könne den Traum einer Nation begraben und mit Dreck bewerfen.
Die Anhänger des Dschamahiriya-Systems bilden einen geschlossenen, unteilbaren Block und sind entschlossener denn je, in unserem nationalen politischen Kampf voranzugehen, um das Ansehen des Staates wiederherzustellen und seine Unabhängigkeit und Einheit zu bewahren.
Unser Projekt, an dem wir festhalten und das wir verteidigen, ist das integrierte nationale Projekt, das nichts anderes anstrebt als die absolute Souveränität Libyens und die Freiheit seines stolzen Volkes; ein Projekt, das die Autorität des Volkes in seinem freien und unabhängigen Land verankert und die Säulen eines geeinten libyschen Staates aufbaut. Wir streben solide demokratische Institutionen an, die von den Libyern in freiem und unabhängigem Willen und fernab jeglicher externer Vormundschaft, Hegemonie oder von oben verordneten Vorgaben geschaffen werden.
Unsere Einheit wird nicht zerbrechen, und Angriffe auf unsere Symbole konnten und können unseren Zusammenhalt und unsere Solidarität mit unserem nationalen Projekt nicht schwächen. Eine herausragende Persönlichkeit ist eine lebendige Idee, und eine Idee stirbt nicht durch Verrat, Intrigen und Kollaboration.
„Wir sind eine Bewegung mit einer rationalen und festen politischen Vision, die fähig ist, ihre Reihen neu zu organisieren und ihren Willen in einer nationalen Struktur zu verwirklichen, die Krisen überwindet und Katastrophen eindämmt. Wir sind keine machtbesessene Bewegung, die von Machtgier getrieben ist, sondern vielmehr Hüter der Identität und Partner im Schicksal, die den moralischen Mut besitzen, die Wunden der Nation zu heilen.
+ Mustafa az-Zaidi (ehemaliger Anführer der Revolutionären Komitees und Vorsitzender der Partei der Volksbewegung): Der Märtyrer Dr. Saif al-Islam Muammar Gaddafi wurde in einer feigen und billigen Operation durch Verrat und Heimtücke ermordet, um die Stimme des libyschen Volkes zum Schweigen zu bringen und den Zustand des Chaos, der Absurdität und der ausländischen Einmischung in unserem Land aufrechtzuerhalten.
Unser tiefstes Beileid gilt dem freien Volk von Libyen und den Söhnen der großen al-Fatah-Revolution, insbesondere der Familie des heldenhaften Märtyrers Muammar Gaddafi. Diese feige Tat spiegelt die Mentalität der Machthaber und deren Umgang mit Entwicklungen und Ereignissen wider.
Dies ist in erster Linie ein Attentat auf den nationalen Versöhnungsprozess und eine Rückkehr Libyens in den dunklen Tunnel, in den es 2011 eingetreten ist.
Der Märtyrer Saif al-Islam reiht sich in eine lange Reihe von Märtyrern ein, zu denen sein Vater, seine Brüder und eine große Gruppe heldenhafter Anführer aus Militär und Zivilbevölkerung gehören.
Die Politik der gezielten Ermordung von Gegnern ist ein Paradebeispiel für Zionismus, unabhängig davon, ob die zionistische Organisation direkt daran beteiligt ist oder nicht. Es herrscht die falsche Vorstellung, dass die Widerstandsbewegung mit Attentaten enden wird; vielmehr bringen diese Verbrechen Menschen hervor, die widerstandsfähiger und entschlossener im Kampf gegen den Feind sein werden.
Diese billige und verabscheuungswürdige Tat wird von allen Söhnen des libyschen Volkes zurückgewiesen, und unser Volk in Zintan muss seine Position klarstellen, da einige seiner Mitglieder beschuldigt werden, an dem Attentat beteiligt gewesen zu sein.
Der Mufti und einige Gruppen in der westlichen Region, die öffentlich dazu aufriefen, die Versöhnung abzulehnen, Anhänger des ehemaligen Regimes zu töten und die Ausbreitung terroristischer Organisationen erlaubten, sind rechtlich, historisch und moralisch für das Geschehene verantwortlich.
Die Tripolis-‚Regierung‘ trägt ebenfalls die rechtliche Verantwortung. Wir hoffen, dass sie sich selbst entlasten und der Bevölkerung die Umstände dieses Falles erklären wird. Saif al-Islam war kein gewöhnlicher oder unbedeutender Mensch und wurde am helllichten Tag erschossen.
Wir befürchten, dass dies ein großer Konflikt werden könnte, der Libyen an den Anfang zurückwirft. Dies wird nicht ungestraft bleiben.
+ Al-Mahdi al-Arabi Abdel-Hafiz (Offiziere der Freien Unionisten): Saif al-Islam Muammar Gaddafi liebte Libyen und widmete sich gemeinsam mit anderen dem Aufbau eines fortschrittlichen Libyens. Er begrüßte stets meine Anregungen und Vorschläge.
+ Erste Unterstützungstruppe az-Zawiya: Wir trauern mit tiefem Schmerz um Saif al-Islam Gaddafi und sprechen seiner Familie und seinem Stamm unser aufrichtiges Beileid aus. Wir verurteilen diese feige Tat aufs Schärfste.
+ Fathi asch-Schibli (Partei Stimme des Volkes): Die Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi bedeutet, dass sich die Politik in eine Abrechnung verwandelt. In Libyen werden Politiker nicht nur durch Kugeln getötet, sondern sie werden vorher schon durch Isolation, Verleumdung, Verfolgung und in Ermangelung jeglicher politischer Perspektive ausgeschaltet. Wenn all dies scheitert, wird Mord zum letzten Mittel in der Logik nackter Macht.
Jahrelange Erfahrung deutet nicht auf ein spontanes Attentat hin, sondern vielmehr auf ein politisches Klima, das Saif al-Islams Liquidierung begünstigte; dazu zählten wiederholte Auslieferungsversuche, Sicherheitsbeschränkungen, öffentliche Aufforderungen zu seiner Ermordung, die Blockade eines Gerichts, das über seine politischen Rechte entschied. All dies geschah nicht im Geheimen, sondern vor aller Augen, im Schweigen eines abwesenden Staates und unter Aussetzung des Rechts.
Gefährlicher als das Attentat selbst ist der Umgang damit, wenn ein prominenter Medienvertreter die Tötung als „Gnade“ bezeichnet und ein anderer verkündet, mit Saifs Tod habe der Februar-Aufstand gesiegt. Das sind keine Versprecher, sondern dies ist die politische Kultur, die physische Vernichtung als nationale Rettung betrachtet.
Mit Saif al-Islam wurde auch die Idee ermordet, dass Politik durch Wahlen und nicht durch Waffengewalt entschieden werden kann. Die Botschaft, die alle Libyer erreichte, war klar und unmissverständlich: Wer auch nur annähernd die bestehenden Machtverhältnisse gefährdet, wird nicht politisch besiegt, sondern eliminiert.
+ Mustafa Diab (Sozialrat der Warfalla-Stämme) in BaniWalid: Wir stehen vor einer großen Tragödie, und der Mudschahid Dr. Saif al-Islam Gaddafi war ein Symbol des Dschihad und des libyschen Staates.
+ Aulad-Abu-Saif-Stämme: Das Schweigen zur Ermordung von Saif al-Islam Gaddai stellt eine Verleugnung der grundlegendsten Prinzipien der Menschlichkeit und des Staatsbegriffs dar. „Wir sprechen Saif al-Islam Gaddafi, seiner Familie und dem gesamten Gaddafi-Stamm unser aufrichtiges Beileid und Mitgefühl zu diesem schmerzlichen Verlust aus.
Wir sind entschlossen, unser Land aus seiner gegenwärtigen Notlage zu befreien, denn Kapitulation ist eine andere Form des Todes. Solange wir atmen, werden wir unser Heimatland nicht dem Abgrund überlassen.“
Regierungsvertreter
+ Präsidialratsvorsitzender Mohammed al-Menfi: Wir verurteilen das Attentat auf den Präsidentschaftskandidaten Saif al-Islam Gaddafi und sprechen seiner Familie, seinen Verwandten und seinem Stamm unser Beileid aus.
+ Auch der Premier der Tripolis-‚Regierung‘, Abdulhamid Dabaiba, hielt eine Trauerrede für den ermordeten Saif al-Islam Gaddafi. Er rief dessen Anhänger dazu auf, sich im Projekt eines einzigen Staates unter einer einzigen Flagge zu vereinen und mit den Methoden der Vergangenheit zu brechen.
„Wir verurteilen jeden Versuch, das Recht der Familie des Verstorbenen oder des Gaddafi-Stammes auf die Abhaltung von Trauerzeremonien zu beeinträchtigen, die Pflicht der Libyer, Beileidsbekundungen auszusprechen, einzuschränken oder Sicherheitsmaßnahmen zu verhängen, die gegen menschliche Werte und authentische libysche soziale Gebräuche verstoßen.“
+ Machmud Hamza (Kommandeur der 444. Kampfbrigade und Leiter des Militärnachrichtendienstes der Dabaiba-‚Regierung‘): Libyen nimmt Abschied von einem seiner Söhne, der danach strebte, zum Aufbau seines Landes beizutragen und seinem Volk zu dienen.
+ Mohammed Abu Draa (an-Nawasi-Brigade): Saif al-islam Gaddafi war wehrlos und hatte keine militärische Kräfte hinter sich. Männer begehen keinen Verrat.
+ Mohammed al-Mubaschir (Libyscher Ältestenrats): Jeder, der zu dem politischen Attentat schweigt, legitimiert damit indirekt dieses Verbrechen
+ Dau al-Mansuri (Verfassunggebenden Versammlung): Mit tiefer Trauer und Betroffenheit habe ich die Nachricht vom Tod Saif al-Islam Gaddafis durch eine heimtückische und feige Tat aufgenommen. Ich bin ihm für seine mutige Haltung während seiner Entführung aus meinem Büro zu Dank verpflichtet. Er hat damals seine Auslandsreise abgesagt und die Sicherheitsbehörden alarmiert.
+ Saad bin Scharada (Staatsrat): Die Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi ist ein einschneidendes Ereignis und wird direkte Auswirkungen auf die libysche Politik haben.
Das Projekt von Saif al-Gaddafi wies politische Überschneidungen mit Russland auf, was dem Vorfall eine internationale Dimension verleiht. Es lässt sich nicht leugnen, dass Saif al-Gaddafi eine breite Basis an Anhängern und Unterstützern hatte, sowohl für sich selbst als auch für das ehemalige Regime. Das Attentat könnte die politische Landkarte Libyens neu zeichnen.
Die Bewegung des ehemaligen Regimes dürfte zu einem Schauplatz für die Anziehung und Polarisierung anderer politischer Kräfte und Bewegungen werden.
+ Ibrahim al-Madani (Berater des Präsidialrats für Versöhnungsfragen): Wir werden den Verrat von Saif al-Islam Gaddafi nicht hinnehmen. Niemand darf ungeschoren davonkommen.
+ Abdul Hakim al-Khitouni (Kommandant der Strafverfolgungsbehörden): Wir trauern um Dr. Saif al-Islam Muammar Gaddafi und sprechen seiner ehrenwerten Familie, seinem Stamm und allen, die ihn kannten und liebten, unser aufrichtiges Beileid und Mitgefühl aus. Angesichts dieses Ereignisses betonen wir, wie wichtig es ist, weise zu handeln, die nationale Einheit zu stärken und sich für das Zusammenkommen der Menschen einzusetzen.
+ Ahmed Hamza (Nationale Menschenrechtsinstitution): Wer behauptet, Saif al-Islams Rolle sei lediglich symbolisch gewesen, ignoriert die Realität, verschleiert die Fakten, spielt seine bedeutende Rolle herunter und widerspricht der Wahrheit.
Seine Ermordung könnte die Konturen der politischen Bühne neu zeichnen oder zerstören und den Verlauf der nationalen Versöhnung und des strukturierten Dialogs beeinflussen.
Das Ausland
+ Die UN-Mission verurteilt das Attentat auf Saif al-Islam Gaddafi und spricht seiner Familie ihr aufrichtiges Beileid aus.
+ Die Afrikanische Union spricht der Familie des ermordeten Saif al-Islam Gaddafi ihr Beileid aus und fordert die libyschen Behörden auf, eine gründliche Untersuchung durchzuführen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
+ Russland: Das russische Außenministerium verurteilt die Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi aufs Schärfste und fordert eine gründliche Untersuchung.
+ Mischaan al-Dschuburi (irakischer Politiker): Saif al-Islam Gaddafi verfolgte ein Reformprojekt und glaubte, dass Wahlen der Weg des Volkes seien, Veränderungen herbeizuführen. Als seine Gegner einen Wahlsieg fürchteten, brachten sie ihn zum Schweigen, bevor das Volk seine Stimme abgeben konnte.
+ Mustafa Bakri (ägyptische Parlamentsabgeordneter): Saif al-Islam Gaddafi wurde von Verrätern getötet, die seine Kandidatur bei Wahlen fürchteten. Es handelte sich um eine international geplante, lokal ausgeführte Operation, deren Folgen sich in den kommenden Tagen zeigen werden.+ Hafid Derradschi (algerischer Sportjournalist): Die Ermordung von Dr. Saif al-Islam Gaddafi löschte eine Flamme der Hoffnung, die in den Herzen vieler Libyer hell brannte, die an der Idee der Rettung und dem Traum eines Staates festhielten, der seine Einheit und seinen Wohlstand wiedererlangen würde.
+ GeopoliticalDesk: Wer hat Saif al-Islam Gaddafi getötet?
Die Tötung von Saif al-Islam Gaddafi markiert einen entscheidenden und potenziell destabilisierenden Moment für das Land.
Über ein Jahrzehnt lang verkörperte Saif al-Islam ein ungelöstes Kapitel des Übergangs Libyens nach 2011. Sein Überleben stellte die Darstellung in Frage, dass Libyen die Gaddafi- Ära endgültig hinter sich gelassen hat. Nun wurde dieses Kapitel gewaltsam beendet.
Libyens gegenwärtige herrschende Elite ist größtenteils ein Produkt des Zufalls. Die meisten gelangten im Laufe eines Jahrzehnts von Konflikten, die kaum jemand vorhergesehen hatte, an die Macht und füllten die Lücken, die der Zusammenbruch des Staates hinterlassen hatte, anstatt dauerhafte politische Autorität zu erlangen.
Trotz interner Rivalitäten eint sie eine zentrale Schwäche: mangelnde Legitimität in der Bevölkerung. Diese Unsicherheit prägte das System. Selbst die Anwesenheit von Saif al-Islam Gaddafi wurde als Bedrohung wahrgenommen; nicht wegen seiner unmittelbaren Macht, sondern weil er etwas verkörperte, das im Libyen nach 2011 fehlte: eine Person mit einer identifizierbaren, mobilisierbaren Unterstützerbasis.
Die Ermordung von Saif al-Islam dient keiner bestimmten Gruppierung, sondern vielmehr den Interessen aller faktischen Machthaber in Libyen, sowohl im Osten als auch im Westen. Saif al-Islam stellte keine direkte militärische Bedrohung dar, sondern wurde allein aufgrund seiner Existenz als politische Bedrohung wahrgenommen.
Er repräsentierte ein potenziell destabilisierendes Element im System nach 2011, das auf Spaltung und mangelnder Legitimität in der Bevölkerung beruht. Jede Person, die dieses fragile Gleichgewicht stört oder echte Wahlen fordern könnte, stellt eine Quelle der Destabilisierung und eine Gefahr für die bestehende Ordnung dar.
Weitere Stimmen aus Libyen
+ Hassan Tatanaqi (Präsidentschaftskandidat): Mit großer Trauer hat mich die Nachricht vom Tod meines Freundes Saif al-Islam Muammar Gaddafi erfüllt, der durch Verrat sein Leben verlor. Er war ein Patriot und ein Kämpfer für sein Land. Er lebte mit einem großen Traum im Herzen: dass Libyen ein Land mit Gewicht und Einfluss in der Welt werden möge.
+ Mustafa al-Fituri (Autor): Die Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi ist eine Katastrophe, die uns in einen noch tieferen Abgrund stürzen wird als den, in dem wir uns derzeit befinden.
Die Illusion von 2011 wiederholt sich, als damals die Beseitigung Muammar Gaddafis als Umwandlung Libyens in ein Paradies darstellt wurde. Stattdessen befinden wir uns nun im 16. Jahr eines endlosen Unheils.
+ Ibrahim Belkacem (Politologe): Mit der Tötung von Saif al-Islam ist das Versöhnungsprojekt zwischen Februar- und September-Revolution endgültig gescheitert, und auch das Widerstandsprojekt ist weitgehend beendet, da Saif al-Islam eine Schlüsselfigur war, die erfolgreich Gaddafi-Anhänger um sich scharte.
Es gibt regionale und internationale Kräfte, die Saif al-Islam zum Schweigen bringen wollten, und möglicherweise wurden sie von inländischen Gruppierungen unterstützt.
Saif al-Islam hatte gehofft, eine Integrationsfigur für die Libyer und ihr Versöhnungsprojekt sein zu können, doch ihm fehlten die notwendigen Mittel, um sein Vorhaben umzusetzen.
+ Menschenrechtsaktivist Tariq Lamlum: Was am 3. Februar, in Zintan geschah, war ein politisch motivierter Racheakt.
+ Said Raschwan (Wirtschaftsexperte): Der Märtyrer Saif al-Islam Gaddafi lebte ein friedliches und einfaches Leben in bescheidenen Verhältnissen und besaß weder Waffen noch militärische Macht. Dies widerlegt die Behauptung, er habe die Sicherheit und Stabilität in Libyen bedroht.
+ Elias al-Baruni: Das Attentat leitet eine Phase des „postnationalen Vertrauens“ ein und wandelt den Konflikt von einem politischen in einen existenziellen um. Die Ermordung einer prominenten politischen Persönlichkeit untergräbt die Legitimität von Wahlen und entleert den Grundsatz der Chancengleichheit seines Inhalts.
Letztlich bewegt sich Libyen in Richtung einer Politik der Abschreckung und des Ausschlusses anstatt des Wettbewerbs und der Legitimität und wandelt den Staat in ein Schlachtfeld politischer Abrechnungen anstatt in ein Projekt für nationalen Konsens.





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