Mit aller Gewalt. Gesellschaft am WendepunktRezension. Die Schrift „Mit aller Gewalt. Gesellschaft am Wendepunkt“ umfasst verschiedene Essays des Autors Gunther Sosna. Mit Rückgriff auf die Gedankenwelt von Erich Mühsam und anderen Anarchisten beschwört Sosna, dessen Hauptanliegen die Überwindung von Armut und Elend ist, das Ende der Herrschaft des Menschen über den Menschen als Weg, um Kriege und soziales Chaos zu bezwingen.
Müssen wir uns aus der „Zwangsjacke“ des Staates befreien?

 

Zurück ins Dorf

Im ersten Beitrag unter dem Titel „Smart to Exitus – Letzte Ausfahrt Dorf“ stellt der Autor die Idealvorstellung einer dörflichen Gemeinschaft dem Moloch Stadt gegenüber. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: „Auf zwei bis drei Prozent der verfügbaren Landfläche leben fünfzig Prozent der Menschen. […] Im Jahr 2050 werden siebzig Prozent der dann fast neun Milliarden Erdenbewohner im urbanisierten Raum leben.“(1) Doch was wird aus diesen in urbanen Zentren lebenden Massen am Ende des Industriezeitalters, wenn im Digitalzeitalter ihre Arbeitskraft kaum mehr benötigt wird? Gelingt es, sie mit „Tittytainment, einer Mischung aus seichter Unterhaltung und ausreichender Ernährung“, und mittels Angsterzeugung und gleichzeitigen Erlösungsversprechen ruhigzustellen, während sie um Jobs, Wohnungen und Likes konkurrieren? Gelingt es, auch aufgrund der beengten Wohn- und Lebensverhältnisse auftretende Angststörungen und Depressionen in die gesellschaftliche Normalität der ‚smarten Städte‘ zu integrieren?
Der Autor sieht die Rettung aus diesem dystopischen Zukunftsentwurf in der Flucht aufs Land und ins Dorf mit einer rätedemokratischen Organisationsstruktur, in Gemeinschaften „mit kollektiver und basisdemokratischer Selbstverwaltung, repräsentiert von gewählten Räten oder Vertretern, die jederzeit abgewählt werden können“ und untereinander Netzwerke bilden – aus Lust an der Freiheit.(2)

Wer ist wir?

Im Aufsatz „Vom falschen Wir“ verwehrt sich Sosna gegen die Unterwerfung eines verordneten „Wir“, in dem beispielsweise Arme und Reiche nicht zusammenpassen. Arme, die unter insbesondere im globalen Süden unter Hunger leiden, Wohnungsnot, die in Deutschland herrscht, stets sei für das System nur relevant, „dass die Menschen das Dasein ertragen und an Besserung glauben“. Unter diesen Umständen trage selbst Protest zur Beschwichtigung bei. Das falsche Wir fände bei der klaren Trennung der Klassenunterschiede keine Akzeptanz, Widerstand sei zu organisieren, um die Wurzel des Übels zu beseitigen. Sosna denkt dabei an Arbeitskämpfe, Streiks, Besetzungen, aber auch Demonstrationen. Es sei dringend notwendig, das Klassenbewusstsein zu reanimieren, um eine neue „Kooperation bei der Herstellung und des Austauschs von benötigten Waren“ aufzubauen.

Der irreale Glaube an die Sozialpartnerschaft, bei dem Obdachlose und Miethaie ebenso wie Herrscher und Beherrschte unter einen Hut gebracht werden, soll in neuer Form einer „digitalen, smarten und ökologisch gewachsenen Variante ungestört installiert“ werden. Es gelte daher, „das falsche Wir abzuschütteln und das verschüttete Klassenbewusstsein zu reanimieren“.

Bezugnahme zu Literatur und Film

Unter dem Titel „Krieg und Pöbel“ übersetzt der Autor Schillers Wallenstein in den militärisch-industriellen Komplex der Neuzeit, wird Wallenstein als „smarter Young Global Leader“ gedacht. Dreißigjähriger Krieg goes Jetztzeit.

Und in dem Beitrag „Das Fleisch der anderen“ nimmt der Autor Bezug auf George A. Romeros Horrorfilm Dawn oft he Dead und setzt dessen Zombierevolution gegen eine „skrupellose, manipulative, korrupte Herrscherkaste“ in Beziehung zur „Sozialrevolution von ganz unten“. Er erträumt sich eine „basisdemokratische Zombie-Guerilla, zu der die Ghetto-Bewohner in Scharen überlaufen“.

Die Macht des Finanzkapitals brechen

Einen weiteren Beitrag widmet der Autor dem Thema des entfesselten Finanzkapitals und dem damit eingeläuteten Ende der Nationalstaaten. Innerhalb der EU existiere eine parlamentarische Opposition nur noch auf dem Papier, „alle vertreten die schrumpfende Mitte und keiner die wachsende Unterschicht“. Sosna folgert: „Die linke Flanke ist leergefegt und alles ist nach rechts verschoben. Der Kapitalismus wird wie eine heilige Kuh verehrt, was die Zerstörung des Sozialstaats vorbereitet und dem Faschismus Tür und Tor öffnet.“ Aus diesem Grund sieht er keinen Sinn im parlamentarischen Aktionismus, denn die angestrebte Veränderung müsse eine umfassende sein. Die Antwort liege in einem „System der lösungsorientierten Kooperation auf Basis von gemeinsamer Absprache, Vereinbarung und gegenseitiger Befähigung und freier Entscheidungen“. Der Anarchismus könnte laut Sosna die Lücke besetzen, die die politische Linke hinterlassen hat mit dem sozialen Minimalziel: die radikale Beseitigung der Armut.

Sozialer Terror der herrschenden Klasse

Im Aufsatz „Sozialer Terror“ schreibt Sosna so wuchtige Sätze wie: „Die politischen Funktionsträger […] präsentieren sich nun als beliebig austauschbare Hofnarren, gerade noch gut genug, um die Masse mit infantilem Gequatsche zu unterhalten und die Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Im Windschatten der medialen Show aus Politgeschwafel, Waffenschau und Hurra-Fußball wird im Sinne des Kapitals extern Krieg angerührt und intern der soziale Terror ausgerollt.“ Der Autor hält die „verachtenswerte Gemeinschaftsleistung von Politik, Justiz, Bürokratie und Polizei, die als Viererbande die Herrschaft des Kapitals abbilden“, für einen Akt des sozialen Terrors.

Gewaltausübung und der Terror des Guten

Im Beitrag „Messer und Gabel“ wird die Ausübung von Gewalt thematisiert, physischer wie psychischer, sowohl in sozialen Beziehungen als auch in politischen und ökonomischen Systemen. Krieg sei die „Königsdisziplin organsierter Gewalt“, wobei die Legitimation für Gewaltanwendung mithilfe von Regeln, Recht und Gesetzen und der Betonung übergeordneter Ziele in Realität überführt werde. Mit Rückgriff auf die Zivilisationsgeschichte – insbesondere auf die Französischen Revolution – kommt Sosna zu dem Schluss, dass „je stärker die ausführenden Personen mit dem Kern der Tugend, nämlich ‚gut‘ zu sein, intellektuell verwachsen, desto mehr müssen sie sich selbst als Herrscher begreifen“. Allerdings müsste „jede tugendhafte Macht, die aus dem Drang nach Befreiung entsteht, alle Strukturen der Herrschaft von Menschen über Menschen schleifen“.

Im NS-Regime sei nach der „neuen Tugend der Herrenmenschen und ihrer ‚Rassenhygiene‘ zur Verwirklichung des Guten“ eifrig gestrebt worden. Später sei die Integration von Teilen des NS-Apparats, insbesondere von Beamten, in die neue Bundesrepublik erfolgt, um den Herrschaftsanspruch von Kapital und Bourgeoisie unangetastet zu lassen. Im 20. Jahrhundert sei Konsum zur neuen Tugend erhoben worden, Gier war gut und Finanzprodukte dienten als neue Tugend der materiellen Vorsorge.

Heute, während der Vierten Industriellen Revolution, konkurrieren verschiedene Variationen des Kapitalismus miteinander: „Raubtierkapitalismus wie in den USA, Oligarchenkapitalismus wie in Russland und Staatskapitalismus nach dem Vorbild Chinas.“ In dieser Phase „produzieren die Waren, und die künstliche Intelligenz erledigt mehr und mehr Routinearbeiten. Die massive Verarmung breiter Bevölkerungsschichten bereitet den Boden für Bandenkriminalität, Revolution und Bürgerkrieg. Dies bringt die veralteten Ordnungssysteme an einen „historischen Wendepunkt“. Anstatt einer Abkehr vom Kapitalismus versuche sich das System in eine neue Tugend zu retten: die Weltrettung. Und nachdem als Feind der Mensch ausgemacht ist, sei nun noch mehr Kontrolle nötig – „und natürlich Krieg und Gewalt gegen das Böse im Namen des Guten“.

Finanzkapitalismus und Repressionsstaat

Eine griffige Schilderung des Ist-Zustands bietet der Autor in seinem Aufsatz „Der Verfall der Staaten“. Er schildert die krebsartige Ausbreitung des Finanzkapitals, die nur verbrannte Erde zurücklässt und Europa zur Beute machte. Der „degenerative Verschleiß der Staaten spiegelt sich unter anderem in der Verlagerung von politischen und ökonomischen Entscheidungen auf supranationale Gebilde“. Der Finanzkapitalismus, flankiert vom Repressionsstaat mit seinen neuen Polizei- und Überwachungsgesetzten, erhalte den Todesstoß durch die digitale Revolution und werde in einen digitalen Feudalismus transformiert. Die herrschende Klasse benötige keine Kultur, Moral, Religion und Nation mehr, sondern Kriege dienen ebenso wie Gefängnisse als Profitmaschine, genauso Kranke und Süchtige. „In der Ödnis dieser transparenten Tristesse mit ihrer 24-Stunden-Überwachung, der existenziellen Leere und bunten Sinnlosigkeit aus Konsumrausch, Überfütterung und Selbstoptimierung erblüht die Anomie (3).“

Sosnas Zukunftsvision nimmt Bezug auf den russischen Anarchisten Peter A. Kropotkin, der 1885 erklärte: „Der Staat, diese Organisation in der man die allgemeine Besorgung sämtlicher Angelegenheiten aller Menschen in den Händen einiger Menschen lässt, diese Form der menschlichen Organisation hat sich überlebt. Die Menschheit arbeitet sich bereits neue Formen der Vereinigung an.“(4) Allerdings könne sich heute der unausweichliche Untergang noch über Jahrzehnte hinziehen, dann aber sehr schnell gehen. Kropotkin hoffnungsvoll: „Das Volk, das die Kraft ist, wird über seine Bedrücker siegen; der Sturz der Staaten ist bloß die Frage einer relativ kurzen Zeit unserer Geschichte, und der ruhigste Philosoph sieht den Schein einer großen Revolution, die sich ankündigt.“

Utopie sticht Realität

Im Aufsatz „Müdigkeit, Chaos, Utopie“ stellt Sosna fest, dass jede gesellschaftliche Umwälzung ihren Ursprung in der Utopie einer Minorität hat, die Veränderung selbst werde aber von der Masse getragen und so „die Realität von der Utopie überrollt“. Doch im Moment sei die Masse müde, in einer Vorphase der gesellschaftlichen Agonie. Nun seien freie und sozial agierende Menschen gefragt, die sich in kleinteiligen Strukturen organisieren, „um nach dem systembedingten Chaos, dass die Revolution der Massen ersetzt, zu erblühen“. Diese Utopie verstecke sich im Chaos.

Mit aller Gewalt – Aggression in all ihren Formen

Der Essay „Mit aller Gewalt“ gliedert sich in vier Teile. Im ersten beschreibt der Autor, wie im 21. Jahrhundert die „schöpferische Zerstörung alle Wirtschafts- und Lebensbereiche erfasst“ und in der vierten industriellen Revolution das Lebendige abstirbt. Der Kapitalismus laufe Amok, „die Welt fliegt über das Kuckucksnest“.

Im zweiten Teil beschreibt der Autor den Menschen als denkendes, planendes, zur Aktivität verdammtes Wesen, den anhaltender Frust und Monotonie aggressiv machten. Dies sei eine wertvolle Ressource für die „Diktatur des Profits“. Aggression definiert Sosna neutral als Energie, „die sich unter bestimmten Umständen als Gewalt manifestiert“. Er weist darauf hin, dass infolge der ‚Corona-Maßnahmen‘ Gewaltdelikte insbesondere bei Kindern und Jugendlichen anstiegen. Das Gewaltmonopol des Herrschaftssystems könne sich in ein Monstrum verwandeln und die Zivilisation bedrohen.

Der dritte Teil ist umschrieben mit „Bis zum Extrem“. Grundsätzlich sei der Mensch ein soziales und friedliches Wesen, versage jedoch die Selbstkontrolle, offenbare sich die „Grausamkeit, die in jedem Menschen lauert“ und die von der Zivilisation angelegten Ketten werden gesprengt. Der Autor bezieht sich auf Erich Fromm, wenn er die Irrationalität von Gewalt insbesondere mit psychischen Störungen erklärt. Innerhalb von Gruppen wie Militär oder Mafia kann die Anwendung von Gewalt zur Erhöhung des persönlichen Status‘ führen. Die industrielle Zivilisation könne laut Sosna als ständige Gewaltausübung interpretiert werden – man denke an den weltweiten Hunger, die Toten durch Verkehrsunfälle – und er zieht daraus den Schluss, dass – sollt Gewaltausübung grundsätzlich verboten werden – eine Neuordnung der Ökonomie und eine gleichmäßige Verteilung des Reichtums unvermeidlich ist. Hier räumt der Autor ein, dass die Vision dieses „sozial-evolutionären Quantensprungs im Zeitalter von Robotik und KI“ die Vorstellungskraft überfordert.

In der pazifistischen Diskussion sei es unverzichtbar, dass „die Ablehnung von Gewalt auch immer die Ablehnung aller Strukturen beinhalten muss, die Gewalt ermöglichen“: „Es gibt keine gute Rüstungsindustrie, kein gutes Militär, keine gute Staatsgewalt.“

Durch das erzeugte Gefühl der anhaltenden Bedrohung werde der Bedürfnis nach Sicherheit übermächtig. Bomben würden vom imperialistischen Kapital dann als Mittel zur Selbstverteidigung erklärt, ebenso wie die Errichtung eines Überwachungsapparates. Wertvorstellungen des Humanismus ebenso wie die Friedfertigkeit des Menschen ausgelöscht.

Der vierte und letzte Teil von Sosnas anarchistischer Gewaltanalyse ist umschrieben mit „Das Rasiermesser“. Er befasst sich mit der weltumspannenden Diktatur des Profits, der den letzten Lebenszyklus des Kapitalismus einläutet: den totalen Imperialismus. Sosna geht auf Massenvernichtungen von Menschen im Laufe der Geschichte ein, ebenso wie auf politische Strategien, die Gewalt zweckorientiert einsetzen, um marktwirtschaftliche Interessen im Rahmen eines ‚Gewaltmarkts‘ zu befriedigen und dazu führen, dass sich bewaffnete Konflikte über Jahrzehnte hinziehen können. Er verweist auf Beispiele wie Myanmar, Afghanistan, Somalia, Sudan und Libyen, Tummelplätze für bewaffnete Banden, Menschenhändler, Waffenschieber. „Die Diktatur des Profits, die sich durch die Ökonomie der Gewalt zu retten versucht, geht zum totalen Imperialismus über und frisst die Staatsgebilde auf.“

Im letzten Essays, „Ein Sonnenuntergang“, beschwört Sosna am Beispiel des Lebenszyklus‘ eines Sterns den unvermeidlichen Untergang des „tyrannischen kapitalistischen Wirtschaftssystems“ und zitiert Étienne de La Boétie: „Die Tyrannei des einen endet, wenn man ihm nichts mehr gibt.“

Sosna ist fest davon überzeugt, dass der Kapitalismus kurz vor seiner letzten Phase steht. Während einer destruktiven Kriegswirtschaft, die im Inneren durch Repression und Militarisierung der Gesellschaft flankiert wird, „werde der bürgerliche Staat vom imperialistischen Staat aufgefressen, der anderen imperialistischen Staaten als Fraß dient, um das nimmersatte Kapital zu ernähren. Hören die Menschen auf, diesen Tyrannen zu füttern, verhungert er nächsten Augenblick.“ Eine „multipolare Welt“ unter kapitalistischen Bedingungen sei nicht möglich.

 

Eine sympathisch-optimistische Utopie, der man gedanklich gerne folgt, bei der aber auch einige Fragen offenbleiben. Gunther Sosnas Schilderung der gesellschaftlichen Dystopie fällt es schon schwieriger, doch wird daraus wirklich zwingend eine anarchisch-positive Zukunftsperspektive entstehen? Wird „das systembedingte Chaos“ die Revolution der Massen ersetzen?
In jüngster Zeit setzte der plötzliche Zusammenbruch von Staaten nicht nur keine positiven Kräfte frei, sondern eröffnete ganz im Gegenteil ein Schreckenspanoptikum. Ein zu erwartendes Chaos wird die Menschen in Angst und Schrecken versetzen, die sie nach Führung und Kontrolle rufen lässt. Kann es gelingen, diese Angst zu überwinden, als Voraussetzung für die Abschaffung von Herrschaft?

Kann nicht erst eine sichere Gesellschaft Angst- und somit Herrschaftsfreiheit bieten? Wie kann der Schwächere vor dem Stärkeren ohne Kontrollmechanismen geschützt werden? Der Autor geht kaum auf die Widersprüche ein, die auf dem Weg zur herrschaftsfreien Gesellschaft klaffen und die es zu lösen gilt. Wie sind die sich daraus ergebenden gesellschaftlichen Übergänge zu bewältigen?

Aber vielleicht ist ja der Weg das Ziel, in Form eines ständigen Prozesses des Austarierens und letztendlich des Überwindens des Spannungsverhältnisses zwischen Sicherheits- und Freiheitsbedürfnis, zwischen Staatsmacht und persönlicher Freiheit.

Erich Mühsam: „Macht ist ein Dauerzustand von Gewalt und Zwang zur Niederhaltung von Gleichheitsgelüsten, ist das von oben her verfügte Zwangs- und Gewaltmonopol der Herrschaft“. (5)

 

Gunther Sosna studierte Psychologie, Soziologie und Sportwissenschaften, war unter anderem als Journalist und Redakteur tätig und publizierte zahlreiche Essays. In Mali engagierte er sich in der Initiative Caravan – Dialog of Cultures sowie beim Aufbau des Global Discussion Club und studierte Künstliche Intelligenz am KI Campus.

 

Gunter Sosna „Mit aller Gewalt. Gesellschaft am Wendepunkt“
Schriftenreihe des Forums Gesellschaft & Politik
pad Verlag, 2025, 7 EUR, 96 Seiten, 7 EUR
Zu bestellen über: pad-verlag@gmx.net

 

(1) Zukunftsinstitut: „Megatrend Dokumentation; Urbanisierung: Die Stadt von Morgen“, nach G.Sosna „Mit aller Gewalt“, S. 5
(2) Zu diesen alternativen Zukunftsentwurf von Sosna eine Anmerkung: Zum einen mag gerade die Enge des Dorfes, ihrer konfliktreichen Gemeinschaften mit ihren strengen Normen etliche zur Flucht in die Stadt bewegt haben. Zum anderen lässt der Autor offen, wie sich eine neue Dorfökonomie gestaltet, sprich von was werden die Dörfler leben? Hungern als Alternative zu
Tittytainment
? Die Landflucht war und ist eine Folge der spärlichen Ernährungsmöglichkeiten seiner Bewohner.
Für antikapitalistische Anarcho-Strömungen droht durch die Propagierung des sogenannten Anarchokapitalismus Gefahr. In seinem Aufsatz „Privatstädte – Wie der Kapitalismus den Staat entsorgt“ weist der Autor Hermann Ploppa darauf hin, dass Anarchokapitalismus „die logische Konsequenz aus dem Scheitern sowohl des Neoliberalismus als auch des Marktradikalismus“ ist. Es werden schon heute Privatstädte gegründet „mit eigener Rechtsprechung und mit Geschäftsführern anstelle von Bürgermeistern. In das Produkt Privatstadt kauft man sich ein mit einer stattlichen Geldsumme“. Diese Entwicklungen dürften weit entfernt sein von Sosnas Idealvorstellungen einer dörflichen Gemeinschaft.
(3) Anomie: Durch den Mangel an Regeln (Normen) erzeugter Zustand gesellschaftlicher Unordnung (nach Durkheim)
(4) Peter A. Kropotkin: „Der Zerfall des Staates“, nach G.Sosna „Mit aller Gewalt“, S. 60
(5) Erich Mühsam: „Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat“, nach G.Sosna „Mit aller Gewalt“, S. 15