Die folgenden Texte sind ein Beitrag zur heutigen „Sicherheitskonferenz“ in München.
Sie sind dem Heft „Zeitenwende rückwärts. Die Rückkehr der Ewiggestrigen. Bildmontagen.“ von Rudolph Bauer entnommen.
 

  • Man wird vergessen haben, dass man den Krieg verloren, vergessen haben, dass man ihn begonnen, vergessen, dass man ihn geführt hat. Darum wird er nie aufhören. (Karl Kraus)
  • Ein Staat, der nur lebt, indem er das Volk verdummt, entwürdigt, demoralisiert, duldet kein Maß, woran er gemessen werden könnte; der faulste Kitsch ist gut genug, er sticht nicht ab. Auch der Gangster liebt einen Öldruck über dem Kanapee, worauf er schnarcht; auch der Banause ist nicht ohne Sinn fürs Schöne, seine Tochter spielt das Gebet einer Jungfrau, und die Courths-Mahler greift ihm ans Herz. (Ernst Bloch)
  • Das war ja zu erwarten, dass alles in den Graben geht, wenn die Spaßgesellschaft einmal ernst macht. (Alois Segerer)
  • „Die Deutschen und die Anglo-Amerikaner gehören zusammen“, versicherte mir ein ziemlich prominenter Häuptling der SS in einem Gefangenenlager, nicht weit von Trento. (…) „Und warum gehören wir zusammen?“ fragte rhetorisch der Häuptling, um alsbald triumphierend festzustellen: „Weil wir rassische Verwandte sind! Klar, Mensch! Der Deutsche und der Anglo-Amerikaner hat nordisches Blut und nordische Kultur, im Gegensatz zum Russen, dere überhaupt keine Kultur besitzt. Ich war doch selbst dort, ich weiß Bescheid. Der Russe wäscht sich nicht, der Russe hat kein Familienleben. So was von Unkultur! Bildung? Disziplin? Gemüt? Beim Russen nicht vorhanden! … Unsere Niederlage – ha ha ha! Ein Witz! Alles abgekartet! Nächste Woche geht es wieder los, wir Deutsche mit Euch Amerikanern gegen die Bolschewisten…“ (Klaus Mann, 1945)
  • Wir Deutschen sind von gestern. Wir haben zwar seit einem Jahrhundert tüchtig kultiviert; allein es können noch ein paar Jahrhunderte hingehen, ehe bei unseren Landsleuten so viel Geist und höhere Kultur eindringe und allgemein werde, dass man von ihnen wird sagen können, es sei lange her, dass sie Barbaren gewesen. (Johann Wolfgang Goethe)
  • Der Destruktionstrieb ist die Folge eines ungelebten Lebens. (Erich Fromm)
  • Das heilige römische Reich deutscher Nation und die Heraldik gotischer Kaiser prägten dem Volk ein Bewusstsein ein, das im Waffenklirren, im Richteramt, im Henken, Zerschmettern und in der Gewalt einen Gottesdienst und die Mission sah … Deutschland war ungebrochen ein krüdes Barbarenvolk, dem Trunke ergeben, verroht und verblödet durch Kreuzzüge und endlosen Waffendienst, versklavt und verhärtet durch Junker und Pfaffen. (Hugo Ball, 1918)
  • Die in zahlreichen Ländern beobachtbare Befürwortung von Kriegen, Gewaltbereitschaft und Kriegslüsternheit lassen auf den Verlust humanitärer Prinzipien schließen. Echte Friedensziele gibt es nicht mehr. Viele Staaten entwickeln sich in Richtung Totalität. Neue Gesetze richten sich gegen die Grundwerte der Demokratie, beschränken die Freiheitsrechte und schüchtern die Bevölkerung weiter ein. (Tom Reimer, 2024)
  • War ich gerne erfunden hätte: die Bumerang-Kanone. (Alois Segerer)
  • Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde! Lasst uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind! Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangene wie armselige Versuche sind, und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden. (Bertolt Brecht)
  • Die Deutschen brauchen Helden.
    Und da ist ihnen jede Niete recht. (Alois Segerer)
  • Demokratie ist die Kunst, dem Volk im Namen des Volkes feierlich das Fell über die Ohren zu ziehen. (Karlheinz Deschner)
  • Unser Zeitalter kann sich den Krieg nicht mehr leisten, ohne sich selber auszutilgen. Die Frage: ein Friede im wirklichen Sinn, also ein Friede mit dem Gegner, ist das überhaupt möglich? Wird mehr und mehr zur Frage, ob das menschliche Leben schlechthin möglich ist. (Max Frisch, 1948)
  • Das Gedächtnis der Menschheit für erduldetes Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre Vorstellungsgabe für kommende Leiden ist fast noch geringer.
    Die Beschreibung, der der New Yorker von den Gräueln der Atombombe erhielt, schreckten ihn anscheinend nur wenig. Der Hamburger ist noch umringt von Ruinen, und doch zögert er, die Hand gegen einen neuen Krieg zu erheben.
    Die weltweiten Schrecken der vierziger Jahre scheinen vergessen. (Bertolt Brecht, 1952)
  • Die angeblichen Bedrohungen von außen waren immer nur Projektionen der eigenen Ängste und Todeswünsche. Die Selbstvernichtung ist nur der letzte Intensitätsgrad einer Affirmation in der Negation.
    Es ist die innere Logik eines Denkens in Alternativen von Freund und Feind, von Sieg und Untergang, von Erneuerung oder Vernichtung, von Alles oder Nichts. Es ist die letzte Konsequenz von Feindschaft in ihrer intensivsten Form. (Nicolaus Sombart, 1991)
  • Ich betrachte das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie als potenziell bedrohlicher denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie…
    Dass der Faschismus nachlebt, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit bis heute nicht gelang und zu ihrer Fratze, dem leeren und kalten Vergessen ausartete, rührt daher, dass die objektiven gesellschaftlichen Voraussetzungen fortbestehen, die den Faschismus zeitigten. (Theodor W. Adorno, 1959)
  • Der Krieg ist der Vater aller Klugscheißer. (Alois Segerer)
  • Immer wieder bin ich in Deutschland gefragt worden, ob es denn wahr sei, dass die „Anglo-Amerikaner“ demnächst der Sowjetunion den Krieg erklären würden, eine Entwicklung, die das ruinierte Herrenvolk mit düsterem Schmunzeln zu antizipieren scheint. Einige besonders Eingeweihte verrieten mir sogar, dass deutsche Kriegsgefangene in den Vereinigten Staaten schon jetzt zum „Kreuzzug“ gegen Moskau trainiert werden. (Klaus Mann, 1945)
  • Ach, bitter bereut, wer des Weisen Rat scheut!
    Sagte das Weib den Soldaten. (Bertolt Brecht)

 

Texte aus dem Heft von Rudolph Bauer „Zeitenwende rückwärts. Die Rückkehr der Ewiggestrigen. Bildmontagen.“
pad – Edition Kunst #6, 
2024, 74 Seiten, 9 Euro
zu beziehen über: pad-verlag@gmx.ne