Der sterbende Wal – Sinnbild für die hemmungslose Zerstörung der maritimen Welt und seiner Bewohner. Es sind immer Einzelschicksale, die den Menschen berühren. Das ist der Stoff, aus dem Romane und Filme gestrickt sind. Das erhoffte Happy End – wie auch beim gestrandeten Wal – ist meist nur dem Reich der Fantasie entsprungen.
Und doch lässt die Anteilnahme und das Mitgefühl der vielen Menschen am Schicksal dieses Lebewesens Hoffnung keimen. Wenn man nicht die vielen retten kann, wenigstens den einen? Ein vergeblicher Versuch.

 

Tiefe Traurigkeit erfasst mich angesichts der unendlichen Verlorenheit des gestrandeten, starken und jungen Riesen, der einsam auf einer Sandbank in der düsteren Unendlichkeit des weiten Meeres verendet. Noch immer das Fischernetz im Maul, das ihn quält, am Fressen hindert, ihn wahrscheinlich schmerzt. Ein Sinnbild der vom Menschen gequälten Kreatur.

Der Wal – die Ikone des einsamen und fast lautlosen Untergangs einer Welt – der Welt des Wals, unser aller altbekannten Welt. Ein Opfertier.

Der Wal – wie gerne hätten wir seinen Schmerz wieder einmal verdrängt, ihn entfernt aus unserer Wahrnehmung, ihn seinem Schicksal überlassen, ihn in den Weiten des Ozeans sterben lassen. Nein, er kam immer und immer wieder zurück. Er will vor unseren Augen auf einer Sandbank vor unserer Küste verenden. Wir müssen seinen qualvollen Tod bezeugen, seine kaputte und aufgerissene Haut, von der sich Wasservögel, während er noch lebt, ernähren, als wäre er schon ein Kadaver. Immer noch hoffend verfolgen wir seine Atmung anhand von in immer größeren Abständen ausgestoßenen Wasserfontänen, Fontänen, die kraftloser  werden. Sein Gesang – der vielgepriesene Gesang der Wale – ist verstummt. Es verloren sich seine Töne.

Was empfindet er? Hat er Schmerzen? Hat er Angst? Wie nimmt er die Menschen, die sich ihm in helfender Absicht und doch vergeblich nähern, wahr? Weiß er, dass er sterben wird?

Tiere – Symbole des Lebens und der Göttlichkeit. Das wussten schon die alten Ägypter, denen nicht nur Katze, Falke und Skarabäus heilig waren, sondern auch Krokodil und Stier – verehrt, mumifiziert und in Sarkophagen beigesetzt. Man denke an die sakrosankte Kuh in Indien, die mit ihrer Milch die Menschen nährt und ihnen mit ihrem Dung Wärme schenkt. Unsere Religion ist die Religion des „Ich“ – bei der wir uns selbst als höchstes Wesen anbeten und verehren. Was könnte dümmer und schäbiger sein!

Ja, zeig uns deine Wunden! Du, der du für unseren Fischhunger und unseren sogenannten Fortschritt stirbst. Klage uns an dafür, was wir dir und deinesgleichen antun. Lass uns um uns trauern.